vontazlabteam 26.04.2018

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Von Ariana Emminghaus

In Zelt 3 ist die (Arbeits-)Welt in Ordnung. „Inklusion ist ’ne gute Sache, da sind sich alle einig“, fasst Moderator Vincent Bruckmann die verschiedenen Publikums- und Rednerbeiträge zusammen.
Woran liegt es dann, dass die Realität so anders aussieht?

So musste Nesrin Bektas sich mehr als drei Jahre lang bewerben, bis sie mit ihrer Schwerbehinderung einen Ausbildungsplatz in einer Steuerkanzlei bekam. Vielleicht liegt es daran, dass Arbeitgeber nicht über Förderungen informiert werden. Bektas fordert da mehr Aufklärung über die finanziellen Anreize, die die Einstellung von Behinderten bietet.

„Wir haben auch sitzende Rollen.“

An ihrem Arbeitsplatz benötigt sie lediglich einen besonderen Bürostuhl und einen Aufzug, ansonsten erledigt sie die gleiche Arbeit wie alle anderen. Auf der Bühne stehen, bemerkt sie mit Blick auf Nicole Hummel, wäre dagegen nichts für sie. Hummel, die künstlerische Leitung des inklusiven Berliner Theaters Thikwa, entgegnet belustigt: „Wir haben auch sitzende Rollen. Herzlich Willkommen!“

Aus dem engagierten Publikum kommen nicht nur flammende Plädoyers für mehr Humanität („Wir Milliarden sind alle Menschen“), sondern auch persönliche Erfahrungsberichte und konkrete Vorschläge.

„Ich bin Fan des Theater Thikwa“, deklariert eine begeisterte Zuschauerin. Am Anfang sei sie wie fixiert auf die behinderten PerformerInnen gewesen, denn „das sieht man so selten“. Jetzt könne sie, dank mehrmaliger Aufführungsbesuche, die Kunst dahinter sehen. Dass die AkteurInnen z. T. behindert sind, ist für sie keine Kuriosität mehr, sondern normal geworden.

Je höher der Arbeitsmarks, desto exklusiver

Genau diesen Normalisierungsprozess wünschen sich die anwesenden Gesprächsteilnehmer in der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt. Ist der Mikrokosmos Theater exemplarisch für das, was die Welt noch schaffen kann? Oder bietet das Theater Arbeitsplätze und -räume, die besser für Inklusion geeignet sind als andere?

„Hey, wo sind denn Menschen mit Behinderung?“ Diese Frage soll sich jeder ganz persönlich stellen, fordert Sozialarbeiterin Anne Gersdorff. Man soll den Blick weiten, über den homogenen Freundeskreis hinaus. Heterogene Gruppen findet man vor allem noch in Kindergärten und Grundschulen. „Je höher wir aufsteigen in den Arbeitsmarkt, desto exklusiver werden wir“, stellt die Inklusionsaktivistin fest.

Ein Zuschauer hat da einen Tipp für verängstigte oder uninformierte Arbeitgeber: Einmal im Monat ins Theater Thikwa! So lange, bis die Stimmung in Zelt 3 und auf der Bühne auch unter freiem Himmel und in den Büroräumen stattfindet.

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