vontazlabteam 26.04.2018

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Von Lara Kühnle

Feierabend setzt sich meist aus kalten Essenresten, schlechtem Fernsehprogramm, dem ermüdenden morgen-muss-ich-wieder-arbeiten-Frust und einem halbwegs bequemen Platz auf der Couch zusammen. Mit Feiern hat das nur selten etwas zu tun. Heute Abend werden wir eines Besseren belehrt.

Die Wahrheit-AutorInnen Pia Frankenberg, Heiko Werning, Susanne Fischer, Leo Fischer, Harriet Wolff und Michael Ringel verköstigen uns nicht nur mit ausgesprochen gutem Schnaps (Danke an Prof. Dr. Stahl!), sondern auch mit ihren heiteren Texten. Man wundert sich, dass beim Pro/Contra „Leber“ das Organ wenig Sympathien gewinnen kann, wird es doch gerade so ausgiebig in Anspruch genommen.

Leo Fischer, der eventuell mal Journalist des Jahres war – denn darüber herrscht zeitweise Verwirrung – liest einen Text übers Containern im eigenen Heim und die wachsende Burger-Restaurant-Szene in seiner Wahlheimat Frankfurt. „Unsere Kunden müssen das Gefühl haben: Hier bist du wertvoll. Jedenfalls ein winziges bisschen wertvoller als die Unterschichtler, die sich bei Mäckes den Ranzen vollstopfen.“

„Niemand kann eine glasklare Realität so gekonnt leugnen wie der Mensch.“

Wechsel auf der Bühne, die Fraktion der Frauen nimmt an den Mikrofonen Platz. Susanne Fischer erzählt von der Frankreich-Woche in der taz, in der alle drei Autorinnen feststellten, dass sie sich im Frankreich-Urlaub mal von ihren Freunden getrennt hatten. Wolff liest gleich darauf, wie sich im Bistro am ZOB alle Menschen sammeln, „die auf Anschluss warten.“ Frankenberg ist sich derweil sicher, dass man keine Angst vor Künstlicher Intelligenz haben müsse. „Niemand kann eine glasklare Realität so gekonnt leugnen wie der Mensch.“

Das Publikum ist inzwischen gut dabei, Schnapsflaschen gehen immer noch durch die Reihen. Von links und rechts kommt verlässlich alle paar Minuten ein „Willst du noch von dem hier?“ Die Lautstärke der Gespräche auf und vor der Bühne gleicht sich mehr und mehr an. Verdutzt sind einige beim Verlesen der „Pabstkolumne“. Hat der Papst wirklich nachts Hanuta gegessen? Und was haben die Wahrheit-AutorInnen damit zu tun?

Auch Leo Fischer schaut zeitweise ungläubig zu seinem Kollegen hinüber. Dann teilt er selber nochmal aus und klingt dabei nicht ganz unabsichtlich wie Houellebecq, wenn er über seine Eltern als „arme Schlucker“ spricht und sich als Intellektuellen feiert. Feiern, das tun wir hier alle ganz gut zusammen. Wenn das die Zukunft des Feierabends ist, dann sieht sie rosig aus!

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