vontazlabteam 26.04.2018

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Gedanken, Ideen, Eindrücke, Berichte – der taz lab Blog ist die kleine Version der großen 24h-Denkfabrik der taz.

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Von Hendrik Pannemann

Der Konferenzraum 1 ist gut gefüllt mit Zuhörer*innen, die mutmaßlich der taz schon länger die Treue halten. Es wird getuschelt. Man kennt sich. Auf dem Podium nehmen mit Redakteur Helmut Höge, Schriftsetzer Georg Schmitz und Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch drei Menschen Platz, die schon seit dem Gründungsjahr 1978 dabei sind. Die selbsternannten „taz-Dinosaurier“ bringen fast 200 Jahre Erfahrung mit. Zwischen ihnen sitzt Jann-Luca Zinser. Er wird die Veranstaltung moderieren und ist erst seit einem Jahr bei der taz.

Zinsers Eingangsfrage nach den Wurzeln der Zeitung wird von den dreien als dankbare Vorlage genutzt um dem Nähkästchen von vierzig Jahren taz zu plaudern. Ruch erinnert sich, dass in den Anfängen alle Journalist*innen werden wollten und sich nur eine Handvoll für praktische Arbeiten interessierten. Eines der Gründungsziele, die Aufhebung des Konflikts zwischen Hand- und Kopfarbeit sei schon bald auch innerhalb der Zeitung zu beobachten gewesen.

Eher zufällig überlebt

Die Redakteur*innen seien gegenüber den anderen Abteilungen mit einer gewissen Hochnäsigkeit aufgetreten. „Ich habe mir das aber nicht gefallen lassen!“ Stellt der ehemalige Setzer Schmitz klar. Seine Aufgabe war es handschriftliche Manuskripte oder per Telefon durchgegebene Texte in Form zu bringen. Dabei habe ihm das innovative computerbasierte Fotosatzsystem mit Diskettenlaufwerk geholfen.

Trotz anfänglicher Konflikte und kaum festen Strukturen ist sich Höge dennoch sicher: „Jetzt haben wir ein super Medium, mit einem super Ökohaus – aber nichts mehr zu sagen! Zudem sei das Klima innerhalb der Ressorts deutlich wettbewerbsorientierter geworden, was eine Auswirkung der Generation Bachelor sei. Das geneigte Publikum applaudiert.

Ruch kann diese Einschätzung nicht teilen. Die ersten zehn Jahre habe die Zeitung eher zufällig überlebt. Der Fall der Mauer und das schrittweise Wegfallen der Berlin-Subventionen habe eine Professionalisierung angestoßen. Damit sei erfreulicher Weise auch ein Anstieg in der Wertschätzung für Finanzierungsarbeit einhergegangen und Strukturen wurden aufgebaut.

Das hätte es früher nicht gegeben!

Der um Aktualität bemühte Moderator Zinser erkennt zur Veranstaltungsmitte treffend, dass das Wort „damals“ das meistgenannte Wort der vergangenen halben Stunde war und leitet damit von Gegenöffentlichkeit zu Digitalisierung über.

In der Findung eines neuen Finanzierungsmodells, in Zeiten von Online-Journalismus und immer größer und vielfältig werdender Öffentlichkeit sieht Geschäftsführer Ruch die Aufgabe der Zukunft. Auch Neu-Redakteur Zinser fragt sich wie ein neues „taz-online-Zuhause“ entstehen kann. Dass er selbst in die journalistische Arbeit so reingerutscht sei, ist Auslöser für kritische Anmerkungen aus dem Publikum: „Ist darin nicht eine Unterschied zu den Gründer*innen zu sehen, die sich bewusst für die taz entschieden hätten?“

Gegen Ende der Veranstaltung klingelt laut und deutlich Höges Handy auf dem Podium. Eines ist sicher: Das hätte es früher nicht gegeben!

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http://blogs.taz.de/tazlab/2018/04/26/war-frueher-alles-besser/

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