vontazlabteam 27.04.2018

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Von Julia Grieshammer

Um einen ethischen Welthandel zu erreichen ist eine neue Sichtweise auf Handel ist also nötig. Neben ein paar klitzekleinen institutionellen Umbauarbeiten auf globaler Ebene.

Es hört sich schön an, was Christian Felber vorschlägt. Auch etwas utopisch, aber vielleicht braucht es ja gerade das? Er trägt seinen Entwurf des ethischen Welthandels vor, als sei es die selbstverständlichste Sache der Welt. Routiniert und etwas in Eile geht er durch die Kerninhalte seines Konzepts. Zuhörern, die nicht besonders vertraut mit wirtschafts- und politikwissenschaftlichen Begriffen sind, raucht wahrscheinlich schon der Kopf. Diejenigen, die sich melden und mitreden, tun das auf hohem Niveau.

Nun ja, Felber ist Lektor an der Wirtschaftsuniversität Wien. Und würzt seine Vorträge normalerweise mit Tanzeinlagen, denn Tänzer ist er auch.

Was zuerst nötig ist, sei die Dekonstruktion und Entkopplung von positiven Besetzungen von Begriffen wie Freihandel. Den Begriff würde er abschaffen. Ethischer Welthandel soll gelingen, in dem eine multilaterale Ordnung Kriterien festlegt, nach welchen Nationen entweder ethisch oder unethisch
handeln. Einen Index soll es dafür geben. Je schlechter der ist, desto höher werden Zölle und Steuern für jenes Land. Ein ökonomischer Anreiz für Gemeinwohl und Gerechtigkeit.

Mit Zöllen gegen Foulspieler

Bereicherung sollte allerdings verboten werden, zumindest jene auf Kosten Anderer, es solle keine Akkumulation und Spekulation geben. Eine globale Bank soll her, wo sämtliche Geldströme zusammenfließen. Dabei soll die Bilanz jedes Landes in etwa null sein. Wenn nicht, werden Strafzölle und –steuern fällig. Unternehmen sollten eine gewisse Maximalgröße haben dürfen, um riesige Fusionen und deren Macht zu begrenzen.

Ein globaler Gerichtshof für Menschenrechte soll es Privatpersonen verstärkt möglich machen, gegen juristische Personen zu klagen. Umgekehrt gibt es das schon, und die Erfolgsquote der Unternehmen liegt über 50 Prozent. Ethischer Welthandel soll aber ebenfalls kein Selbstzweck sein. Er liegt in der Mitte zwischen Protektionismus und Freihandel: Ein Land soll so frei und souverän sein, sich mit Zöllen gegen die „Foulspieler“ im Welthandel zu schützen.

Von Jammerei und trüber Weltuntergangsstimmung ist bei Felber keine Spur. Eher optimistisch gestimmt, will er eine langsame Veränderung der Welt- und Handelsordnung erwirken. Eine Wortmeldung aus dem Publikum: „Das dauert ja noch 200 Jahre!“ Felbers Antwort lautet: „Hast du denn Stress?“

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