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vontaz-panter-stiftung 07.10.2017

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Den letzten Tag ihres Aufenthaltes in Sarajevo verbrachten die Teilnehmer in Begleitung des früheren bosnischen Generals Jovan Divjak, des einzigen serbischstämmigen Militärs. Während des Konfliktes war er stellvertretender Leiter des Stabs der territorialen Verteidigung der belagerten Stadt. Seit seiner Entlassung leitet der heute 80jährige eine Nichtregierungsorganisation. Sie unterstützt Kinder, die Opfer des Krieges geworden sind.

von Roman Guba (Ukraine)

Wir besuchten mit dem General das Museum des Sarajevoer Tunnels, das auch als „Tunnel der Rettung“ bekannt geworden ist. 1993, während der Belagerung Sarajevos, wurde er in nur wenigen Monaten ausgehoben. Der schmale Tunnel verlief direkt unter dem Rollfeld des Flughafens von Sarajevo (den damals serbische Truppen besetzt hatten) und führte aus der belagerten Stadt auf ein Territorium, das die UNO kontrollierte. Im wahrsten Sinne des Wortes gelangten so „unter der Erde“ Waffen, Lebensmittel und Energie in die Stadt. Der Tunnel war nicht für alle. Er konnte nur mit einer speziellen Genehmigung passiert werden. Heutzutage kann man im Museum einen Film über den Tunnel sehen und einen kleinen, noch erhaltenen Teil begehen.
Das Gespräch mit dem General endete auf dem alten jüdischen Friedhof am Stadtrand, der Frontline zwischen Serben und bosniakischen Muslimen. Hier habe es während des Konfliktes, so die Worte des Generals, nicht einen unversehrten Platz gegeben. Viele Grabsteine sind umgestürzt, manche zerschossen.
General Divjak scheint ein ganz normaler kräftiger alter Mann zu sein, der einen speziellen Humor hat. Wenn man jedoch mit ihm die die Straßen spaziert, wird klar: Dieser Mann wird hier geliebt un darum gebeten, sich mit ihm fotografieren zu lassen oder ihm die Hand zu schütteln.
Es gibt noch ein wichtiges Detail: Divjak ist Serbe. Ein Serbe, der sich zum Zeitpunkt der Erlangung der Unabhängigkeit von Bosnien und Herzegowina, als Bosnier bezeichnete und den neuen Staat verteidigte. Ein lokale Anekdote lautet folgendermassen: Ein muslimischer Soldat erläuter Divjak: Hierhin wird niemals ein Serbe einen Fuß setzen. „Das ist bereits passiert“, antwortet der General.

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