vontaz-panter-stiftung 30.04.2018

taz Panter Stiftung

Die taz Panter Stiftung fördert seit ihrer Gründung 2008 kritische Nachwuchsjournalist*innen, ehrenamtliches Engagement und die Pressefreiheit weltweit.

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Die bulgarischen KollegInnen lernten die deutsche Medienlandschaft kennen, diskutierten mit Redakteuren der taz, WELT und des ZDF. Sie waren besonders interessiert an der Finanzierung eines unabhängigen Journalismus, zum Beispiel in Form der taz-Genossenschaft. Hier gibt es den ganzen Bericht des Workshops.

Yordan Yochev:

Ich danke der taz Panter Stiftung, die diesen Workshop möglich gemacht
hat. Für mich waren das Programm sehr interessant und die Diskussionen
sehr positiv. Wir haben einige gute praktische Erfahrungen und Ideen
ausgetauscht, die für unsere künftige Arbeit nützlich sein werden. Ich
war angenehm überrascht zu erfahren, dass wir kooperieren und über
Themen berichten können, die in Bulgarien und Deutschland wichtig sind.
Ich bin sicher, dass wir einige gute Recherchen zusammen machen können.

Boryana Dzhambazova:

Die taz hat sich für das Genossenschaftsmodell entschieden, um in den
frühen 90er Jahren die Zeitung zu retten und sie seit über zwei
Jahrzehnten am Laufen zu halten. Für mich war es interessant, mehr
über dieses Geschäftsmodell und wie es sich entwickelt hat, zu erfahren.
Damit meine ich Transformation und Digitalisierung sowie die Suche nach
neuen Wegen der Finanzierung bei gleichzeitiger Ausweitung der
Abonennten. Die taz-Erfahrung gewährt einen tiefen Einblick für Medien,
die im digitalen Zeitalter um ihr Überleben kämpfen.

Kaloyan Konstantinov:

Kurz gesagt: Das taz Panter Seminar war eine erhellende Erfahrung und eine der produktivsten und angenehmsten Wochen in meinem Leben. Aber wenn wir jetzt mal die Nettigkeiten beiseite lassen, so war es auch ein wenig traurig. Ich war überrascht, wie beliebt die Boulevardpresse in Deutschland ist, wie stark der russische Einfluss und wie weit Zensur und Selbstzensur verbreitet sind. Auf der einen Seite war es beruhigend heraus zu finden, dass Bulgarien – eines der korruptesten Länder in der EU und auf Platz 111 des Indexes für Pressefreiheit – in seinem Kampf nicht alleine ist. Auf der anderen Seite war es erschreckend die sich vertiefende Medienkrise zu sehen, in der sich Deutschland gerade befindet. Wenn die führende Macht in Europa unter solchen Schwierigkeiten leidet, welche Hoffnung gibt es dann für Länder, deren Wirtschaft, Zivilgesellschaft und politische Traditionen bedeutend schwächer sind? Eine mögliche Lösung könnte das einzigartige Geschäftsmodell und die Genossenschaftsstrukturen der tageszeitung sein. Das taz-Seminar hat meinen Glauben bestärkt, dass die Öffentlichkeit ihre faule und bestäubte Existenz aufgeben muss und sich tagtäglich für die Verteidigung und Entwicklung der Medien engagieren muss. Passiert das nicht, wird uns die Marginalisierung der unabhängigen Qualitätsmedien sehr sehr schnell treffen. Von dort aus geht die Erosion von Konzepten weiter, die bereits ihre Bedeutung verloren haben: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Es genügt nach Bulgarien zu schauen. Oder einen Blick auf die Zukunft von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und ganz Europas zu werfen.

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