Prozess in Bonn gegen einen Salafisten wegen Messerattacke

Am 10. Oktober begang vor dem Bonner Landgericht der Prozess gegen den türkischen Staatsbürger Murat K. aus Hessen.

Der Andrang war groß und dem Anlass entsprechend waren die Sicherheitsvorkehrungen verdoppelt worden. Bis auf die Strasse stand die Schlange der Wartenden. Insbesondere Freunde und Bekannte der Opfer, dreier Polizisten, waren anwesend.

K. hatte am 05.05.2012 an einer Gegendemonstration gegen eine Veranstaltung der Partei „Pro NRW“ in Bonn-Lannesdorf an der König-Fahd-Akademie teilgenommen. Pro-NRW-Leute hielten kurz vor dem zu verhandelnden Vorfall gegen 15:30 Uhr eine „Mohammed-Karikatur“ hoch.

K. konnte selbst aus seiner Position zwar die Karrikaturen gar nicht sehen, sondern wurde durch eine Lautsprecherdurchsage von der Bühne der Gegendemonstration, zu der u.a. der Bonner Rat der Muslime aufgerufen hatte, darauf aufmerksam gemacht, dass die Karrikaturen jetzt hochgehalten werden.

Der Angeklagte soll daraufhin gemeinsam mit anderen Teilnehmern der Gegendemonstration zunächst Steine, Flaschen und andere Wurfgeschosse auf die eingesetzten Polizeibeamten geworfen haben. Dann sei er unvermittelt mit einem von ihm bis dahin verborgen gehaltenen ca. 22 cm langen Messer mit ca. 10 cm langer, gebogener Wellenschliffklinge auf eine polizeiliche Absperrkette zugelaufen und habe diese durchbrochen. Er habe zunächst versucht, einen Polizeibeamten an einer durch dessen Sicherheitsausrüstung nicht geschützten Stelle im Bereich des Oberschenkels gezielt zu verletzen, diesen  Beamten aber nicht getroffen.

Einem zweiten Beamten, der eine Kamera in der Hand hielt, habe er mit dem Messer sodann eine lange und teilweise tiefe Schnittwunde am inneren linken Oberschenkel zugefügt. Einer Beamtin, die ihren Kollegen zur Hilfe eilte, habe er schließlich durch eine gezielte Bewegung ebenfalls eine tiefe Schnittwunde am rechten Oberschenkel beigebracht, während die Polizistin Pfefferspray gegen den Angeklagten einsetzte.

Die Polizei hatte nach dem Vorfall zunächst von lebensgefährlichen Verletzungen gesprochen. Die Staatsanwaltschaft Bonn ging daher zunächst von Mordversuch aus.

 

Jetzt lautet die Anklage auf gefährliche Körperverletzung und schweren Landfriedensbruch. Beide Polizeibeamte wurden nicht lebensgefährlich verletzt, mussten jedoch einige Tage im Krankenhaus stationär behandelt werden.

Murat K. ist geständig. Er hat mehrfach gesagt, dass er „es wieder tun würde.“

Nun sitzt er auf der Anklagebank im Saal 0.11 des Bonner Langerichts, unscheinbar, auffällig nur durch seinen langen Bart, das Haupt verhüllt mit einem „Piratentuch.“ Er will kämpferisch wirken. Dem Richter sagte er sinngemäß, er habe keine Angst vor Abschiebung. Die Verteidigung hat ein “alter Bekannter” aus diesem Blog übernommen, Rechtsanwalt Johannes Pausch aus Düsseldorf.

Vor Gericht werden Videoaufnahmen vom 5. Mai gezeigt. Zu sehen ist ein Steinhagel, der auf die Beamten niedergeht. Auch die Messerattacken sind gut dokumentiert.

Die beiden Opfer beschreiben den Tathergang, Murat K. sitzt teilnahmslos da.

Der Prozess wird am 16. Oktober fortgesetzt, für den 19.10. 2012 ist bereits mit dem Urteil zu rechnen.

 

 

 

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