Besuch aus Brasilien im Mauss-Prozess

 

Der Prozess schleppt sich hin – Das hat auch damit zu tun, dass die Verteidigung immer wieder Zeugen aufbietet, die eher historische Geschichten erzählen können, als dass sie Wesentliches oder gar Erhellendes zum Tatvorwurf bieten können. Es geht um den Zeitraum 2002 bis 2008. Auch gestern (20.2.2017) wurde wieder ein Rentner aktiviert. Der 73jährige Werner Lüthi war vor gut zwei Jahrzehnten Chef der UBS Bank in Panama und reiste nun extra aus Brasilien an, um zu berichten, wie ehedem in den 80er Jahren einfach und unkompliziert ein Konto mit mehreren Millionen Dollar auf den Aliasnamen„Claus Möllner“ in Panama eingerichtet werden konnte, auf das  infolge  insgesamt 23 Mio US-Dollar eingezahlt werden konnten – ohne das jemand genauer nachfragte, woher das Geld stamme. Solche Schilderungen haben zweifellos einen gewissen Unterhaltungswert – tragen aber nicht wirklich zur Aufklärung des Tatvorwurfs bei, nämlich der Frage, ob Werner Mauss in den Jahren 2002 bis 2008, also in der Neuzeit, Steuern hinterzogen hatte.

Doch zum unterhaltsamen Teil:

Werner Lüthi erhielt im Jahr 1985 Besuch von drei Herren, die sich als Angehörige einer nicht weiter benannten „ausländischen Behörde“ bezeichneten. Sie fragen, ob man ein Konto für einen Mann einrichten könne, der unter verschiedenen Identitäten auftrete. Für Lüthi war das kein Problem. In den Tagen und Wochen danach tauchten immer wieder drei Männer mit Tüten voller Geld auf, das sie auf das für „Claus Möllner“ eingerichtete Konto einzahlten, bis dort rund 23. Millionen US Dollar verbucht waren. Niemand fragte nach, woher das Geld stammte.

Möllner – also Mauss – habe einen in spanischer Sprache abgefassten Treuhandvertrag nachgereicht, den Lüthi nach eigenen Angaben nur überflog. Lüthi: „Ich hätte den eigentlich nicht gebraucht.“ Lüthi reichte den Vertrag an die zuständigen Mitarbeiter in der UBS Panama und erhielt von dort ein OK. 25 Jahre später gab Lüthi zu diesem – von ihm damals 1985 nur kurz überflogenen – Treuhandvertrag eine Eidesstattliche Erklärung ab. Deren Text verfassten Lüthi und Mauss gemeinsam. Zumindest in der Zeit in Panama trafen sich der Bankchef und der Agent auch schon mal mit ihren Familien am Sonntagnachmittag. Man kannte sich also auch privat.

Möllner habe einen enormen Bargeldbedarf gehabt und Hunderttausende in Bar abgehoben. Die Beträge wurden später von den drei Herren wieder aufgestockt, sodass es bei den rund 23 Mio. US Dollar blieb. Wegen der damals recht unsicheren Situation in Panama wurde das Konto nach einigen Jahren zur UBS Luxemburg transferiert. Lüthi selbst verließ die Bank 1989. 1992 wurde die UBS Panama aufgelöst.

Inzwischen hat die Wuppertaler Steuerfahndung noch mal nachgerechnet und in der Anklage einen Rechenfehler entdeckt. An einer Stelle war von 68.000 die Rede, obwohl es sich um den zehnfachen Betrag handelte. Somit erhöhte sich die Steuerschuld um rund 1,3 Mio. Euro. Mauss hatte vor dem Prozess bereits 4 und während des Prozesses weitere 8 Mio. Euro an die Finanzbeihören überwiesen – damit war jedoch kein Schuldeingeständnis verbunden. Nun legte Richter van den Hövel dem Angeklagten nahe, die weiteren 1,3 Millionen Euro ebenfalls zu überweisen.

Auf Antrag der Verteidigung beriet das Gericht über die Frage, ob die Beratung über einen Zeugen, der als einer der von Mauss stets ins Feld geführten „Treugeber“ Auskunft über die Mauss-Konten geben könne, unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollte. Ein Beschluss darüber wird in der nächsten Verhandlung am 6. März 2017 verkündet. Mauss und seine Verteidiger bestehen darauf, dass es sich bei den 23 Mio. Dollar um ein von ausländischen Nachrichtendiensten für Mauss eingerichtetes Konto handele, für das in Deutschland keine Steuerpflicht bestünde. Die Gelder verwalte Mauss also treuhänderisch. Dem steht gegenüber, dass für diese Gelder nach Sicht der Anklage, eine detaillierte Erbfolge vereinbart worden sei, die genau kläre, wie das Geld im Todesfall des Ehepaares Mauss unter den Hinterbliebenen aufgeteilt werden solle. Handele es sich tatsächlich um ein Treuhandkonto, würde das Geld an die Geldgeber – sprich die Treugeber fallen – und nicht etwa unter den Mauss-Erben aufgeteilt werden können.

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