Anschlagspläne im „Mumbai style“ in Düsseldorf: Was ist die Wahrheit?

Kronzeuge und Hauptangeklagter zieht Anschuldigung gegen zwei Mitangeklagte zurück.  Sie hätten mit den Anschlagsplänen auf die Altstadt in Düsseldorf nichts zu tun.

 

Der Mann, der mit seinen Enthüllungen über einen  geplanten IS-Anschlag auf die Altstadt in Düsseldorf  das Land in Angst versetzt hatte,

sorgte am FReitag den 14. Juli, dem vierten Prozesstag,  mit einem Rückzieher für eine nicht grade überraschende  Wende in dem Terror-Prozess im Oberlandesgericht Düsseldorf.

Seit letzter Woche stehen drei Syrer  vor Gericht. Stehen ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck, Mahood B (25 Jahre)     und Hamza C  (27 Jahre) sitzen den ganzen Tag hinter einer Panzerglasscheibe im Saal 1, Saleh A, (25 Jahre),  der Hauptangeklagte und Kronzeuge, der seine Mitangeklagten ursprünglich schwer belastet hatte,  sitzt seit drei Tagen auf dem Zeugenstuhl des Hochsicherheitsgerichtsbunkers in Düsseldorf und wird von Richterin Barbara Havliza vernommen.

Der Polizei hatte Saleh A. gesagt,  Hamsa C. sei in die Anschlagspläne eingeweiht und Mahood B. sei als  Mittäter angeworben worden. Daher sitzen sie seit 12 Monaten in Untersuchungshaft.

Heute erklärte er: „Ich habe gelogen.“ Die beiden anderen hätten von den Anschlagsplänen auf die Altstadt in Düsseldorf keine Kenntnis.

Möglicherweise werden die beiden, die bisher geschwiegen haben, bald gegen Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Ihre Verteidiger, die den Angeklagten bislang als unglaubwürdig einstuften, schwenkten auf „diese Aussage ist glaubwürdig“ um und beantragten Haftentlassung. Richterin Barbara Havliza deutete den Justizbeamten, die neben den Angeklagten sitzen, an, dass möglicherweise heute abend noch ein entsprechendes Fax bei der JVA eintreffen könnte.. Die Bundesanwaltschaft hält weiterhin an ihrer Anklage gegen alle drei fest, aber der Kronzeuge wackelt stark.

 

Widersprüche, Rückzieher und Lügengeflechte

Zu seinem jetzigen Verhalten erklärte er, die französische Polizei habe ihm versprochen, seine Frau und sein Kind herzuholen und  ihn freizulassen. Das habe sie nicht gehalten. Daher habe er ihre Lüge mit einer Gegenlüge beantwortet und falsche Details genannt. Außerdem habe er das Volk vor dem IS warnen wollen und Dankbarkeit erwartet, statt dessen sei er nun angeklagt.

Das ist nicht das erste Mal, dass Saleh A. bei der  Vernehmung durch Havliza eine frühere Ausage widerruft. Immer wieder fragte  die Richterin ihn, warum er denn früher etwas anderes ausgesagt habe und hält ihm seine Aussagen bei der französischen und der deutschen Polizei vor. Die Antworten sind in der Regel wenig hilfreich. Saleh betont dabei immer, dass er JETZT die Wahrheit sage.

Barbara Havliza meinte dazu, dass er die Notbremse gezogen habe, weil er leben wollte, wie mir eine freundliche Prozessbeobachterin berichtet. Denn es sei ihm klar geworden, dass bei dem Anschlag auch er würde sterben müssen.

Saleh A. hatte den Strafverfolgern erklärt, der IS habe ihn nach Europa geschickt, um einen schweren Anschlag im Stil des Mumbai-Attentats  in Deutschland vorzubereiten  und  durchzuführen. Mindestens 10 Attentäter sollten in den engen Gassen der Düsseldorfer Altstadt ein Massaker anrichten. Zwei Männer sollten sich in die Luft sprengen, die in Panik flüchtenden Menschen würden dann von weiteren Terroristen mit Schnellfeuergewehren an den Ausgängen der Altstadt niedergemäht, anschließend sollten die anderen Attentäter ebenfalls ihre sprengstoffwesten zünden.  IS-Kämpfer würden  nach Europa geschleust. Sein Kontaktmann in Syrien sei sein Schwager, der habe ihn beauftragt.

Hamza C habe er in einem Lager des Islamischen Staates kennengelernt, sie beide hätten zunächst in der Türkei Schleusungswege für den IS  erkundet und erprobt, indem sie Flüchtlinge geschleust hätten. Dann seien sie getrennt, als Flüchtlinge getarnt  nach Deutschland gekommen. Saleh und Hamza C fuhren nach Frankreich, weil sie dort von einem Hawala-Bankier Geld abholen wollten, um die Anschlagspläne zu finanzieren. Saleh aber bekam offenbar kalte Füße, zog die Notbremse und stellte sich am 1. Februar 2016 in Frankreich der Polizei in Paris. Die informierte die deutschen Kollegen. Hamza C  kehrte nach Deutschland zurück und wurde nach monatelanger Observation am 2. Juni 2016  in Brandenburg festgenommen. Der dritte Angeklagte lebte in einer Flüchtlingsunterkunft in Leimen, als die Polizei ihn ergriff. Bei keinem der drei wurden Waffen oder Sprengstoffe gefunden.Gegen einen vierten Angeklagten wird gesondert ermittelt. Er soll die Person sein, die die Sprengstoffwesten herstellen sollte, ist wegen Mitgliedschaft bei der Terrororganisation Jabbat al-Nusra und wegen der Hinrichtung von 36 gefangenen Soldaten der syrischen Armee gesondert als Kriegsverbrecher angeklagt.

Die Ankläger glauben ihm und  stützen sich beri der Anklage stark auf seine Aussagen.

 

 

Drei Tage lang wurde Saleh A. von  Richterin Barbara Havliza vernommen. Es ging um seine Kindheit und Jugend in Gaza und in Syrien,  die Familie, die  bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Regierung Assad und den verschiedenen Rebellengruppen. Saleh gehört erst einer lokalen Miliz an, die im syrischen  Bürgerkrieg 2012 sehr mächtig wurde,.Der Anführer seiner Einheit schloss sich der al-Nusra-Front an und ging später zum Islamischen Staat über. Er selbst habe sich zunächst geweigert, den Treueid auf den IS abzulegen. Erst später, nachdem er vom IS ins Gefängnis gestekct worden sei, habe er das getan. Detailreich, wenn auch stockend und unter intensiven Nachfragen von Richterin Havliza  schilderte er  die  Spannungen und Streitereien zwischen den unterschiedlichen Kampfgruppen der Aufständischen in seiner Region, insbesondere um die Stadt Tabka und die dortigen Erdölquellen. Schließlich mündeten die Spanungen in offene Kämpfe   zwischen Jabbat al Nusra und dem erstarkenden Islamischen Staat um die Herrschaft über die Region um Rakka und Tabka.

Aber dazu mehr im nächsten Post.

 

 

 

 

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*