Befreit durch Ernährung? Interview mit Autor Christian Opitz

Zellulär gesättigt, gesund und zufrieden sollte ich mich dank der Befreiten Ernährung fühlen. Doch statt Befreiung hinterließ das gleichnamige Buch bei mir viele Fragen. Ob der Autor Christian Opitz Licht ins Dunkel bringen kann?

Christian Opitz sagt, er könne Menschen mit seiner „Befreiten Ernährung“ zu einem gesünderen, erfüllteren Leben verhelfen. Doch woher kommt seine Expertise? Laut eigener Aussage war Christian Opitz in einer Gesellschaft für hochbegabte Kinder und hatte dadurch besonders früh Zugang zu Vorlesungen in Physik und Biochemie. Von sich sagt er, dass er Physik und Biochemie quasi studiert habe; und seit mehr als zwanzig Jahren praktiziere er im ganzheitlichen Gesundheitsbereich. Die „Befreite Ernährung“ testete er zunächst in der Praxis, bevor er ein Buch darüber schrieb: „Ich habe zehn Jahre lang gewartet, um zu sehen, ob es ein Ernährung ist, mit der es den Menschen nicht nur besser geht, sondern bei der sie auch problemlos bleiben können.“ Opitz sagt, er habe gesehen, dass Menschen mit verschiedenen Ansätzen Erfolge erzielen, aber „nie aus dem Thema Ernährung raus kommen“. Sie seien verwirrt und hätten Zweifel: „Mir ging es darum, dass das Thema irgendwann mal erledigt sein kann und vor allem nicht mehr mit Ängsten besetzt ist.“

Christian, wie lange lebst du selbst schon nach der Befreiten Ernährung?

Seit dem Jahr 2000. Es fing natürlich mit Vorstufen an: Ich habe die Rohkost Ende der Achtziger kennengelernt, lange vegetarische Rohkost gegessen und verschiedene Sachen ausprobiert.

Was hat dir bei der strengen Rohkost gefehlt?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es eine Ernährung ist, die die allerwenigsten Menschen auf Dauer ohne erhebliche mentale Spannungen praktizieren. Von den Rohköstlern, die ich in den neunziger Jahren kennengelernt habe, haben sehr viele wieder aufgehört. Andere, die damit weitergemacht haben, sind auch nach 10, 15 oder 20 Jahren in einem erheblichen Ausmaß auf das Thema Essen und Ernährung fixiert. Ich habe auch sehr viele Menschen kennengelernt, die permanent Hunger hatten. Da gibt es so eine neue Form der Essstörung: Rohköstler, die sechs Avocados und ein Pfund Nüsse am Tag essen, weil einfach diese Heißhungerattacken auch nach langer Zeit nicht weggehen. Ich habe oft gesehen, dass Menschen nach außen hin etwas verkünden und heimlich ganz andere Sachen essen. Zum Beispiel einige Autoren, die sich mit ihren Büchern über vegane Rohkost profiliert haben und dann heimlich Fisch gegessen haben, weil sie merkten, es fehlt ihnen doch was. Ich habe Rohkost nie als hundertprozentiges Muss verkündet.

Was mir bei dir leider bislang noch gar nicht geschmeckt haben sind die grünen Smoothies …

Eine gute Kombination ist auch Apfel-Banane; und wenn man Spinat dazu nimmt, dann ist Baby-Spinat gut, der vollreife ist etwas herb für den Anfang. Ich mache sehr gerne Minze oder Zitronenmelisse rein, das kann den Geschmack sehr angenehm machen. Aber es verändert sich auch: Ich kannte eine Frau, die fand ihre ersten drei grünen Smoothies fürchterlich, schon nach zehn Tagen fand sie sie gut und nach einem Monat richtig super. Ich würde nicht so schnell aufgeben.

Aber warum sollte man überhaupt besser rohe statt erhitzer Nahrung essen – oder wie bei der Befreiten Ernährung nur abends etwas Gekochtes?

Ich bin nicht der Meinung, dass man das ausschließlich machen muss. Die meisten Menschen fühlen sich damit wohler und sind ausgeglichen zwischen dem Gesundheitsaspekt und dem sozialen Aspekt der Ernährung. Leben kommt von Leben und biologisches Leben ist sehr hitzeempfindlich. Es ist der gleiche Grund, aus dem wir über 43 Grad Körpertemperatur sterben würden, weil Eiweiße gerinnen und Enzyme denaturiert werden. Das führt auch in unserer Nahrung dazu, dass lebendiger Stoffwechsel erliegt. Spinat hat zwar noch Chlorophylle, aber die werden nie wieder Fotosynthese durchführen. Die Substanzen, die den Zellstoffwechsel in einer Pflanze aufrecht erhalten, sind im Prinzip die gleichen Substanzen, die das auch in unserem Körper zun. Insofern ist eine Basis an roher Nahrung sehr wichtig. Ein anderer Grund ist, dass das Erhitzen von Nahrung zu neuen Molekülarten führt, die sogenanneten Maillard-Moleküle, und die muss unser Immunsystem entsorgen. Auf erhitze Nahrung reagieren wir immer wie auf eine leichte Infektion. Und wenn man das dreimal täglich macht, wird unser Immunsystem ordentlich rangenommen. Menschen, die auf Rohkost umsteigen sind viel weniger infektanfällig.

Aber nicht alle Menschen, die zweimal täglich warm essen, werden krank.

85% der Menschen in Deutschland sterben an Krebs und Herzinfarkt. Das sind Krankheiten, die kommen bei Völkern, die natürliche Nahrung essen, praktisch nicht vor. Dr. Bruker hat in seiner Karriere etwa über 40.000 Menschen behandelt und geht davon aus, dass über 80% der chronischen Krankheiten weitestgehend ernährungsbedingt sind. Diese Dinge treten bei Rohkost nicht auf: Es gibt keine Diabetes, keine Arthritis und garantiert keine Arthrose bei einer guten Ernährung. Rohkost erzielt mitunter immense Heilungserfolge.

Du erzählst in deinem Buch viel von den Menschen, deren Gesundheit sich durch die Befreite Ernährung verbessert hat – was mir dabei aber fehlt sind ein Literaturverzeichnis, Quellen und Studien.

Es ist so, dass dieses Buch in erster Linie ein Praxisbuch sein soll. Es gibt nicht mehr als zehn Bücher zum theoretischen Hintergrund, die es sich lohnen würde anzugeben. Das ganze Hintergrundmaterial findet man im Internet, wenn man die Namen googelt, die ich angebe. Ich finde auch in vielen Fällen die Bücher nicht gut. Sie haben sehr gute Informationen zusammengetragen, aber ich habe viel mehr im persönlichen Kontakt von den Autoren gelernt. Eine Ausnahme ist Victoria Boutenkos Buch über grüne Smoothies.

Gerade wenn es um das Thema Ernährung geht, wollen die meisten doch aber Studien haben und wissen nicht, ob Sie dem Autor vertrauen können.

Ich kann jetzt zehn Bücher zu rohen Eiern anführen und Kritiker, die rohe Eier in der Schwangerschaft wegen der Salmonellen für gefährlich halten, können auch zehn Bücher anführen. Und was haben wir dann davon? Das beobachte ich seit 20 Jahren: Wenn man versucht Bücher, Studien oder Expertenaussagen zu zitieren, kommt man aus dieser Mühle von Zweifeln nicht raus. Aus der kommt man raus, wenn man einen kleinen Sprung macht und darauf vertraut, dass der eigene Körper eine große Weisheit hat. Man muss ja keine rohen Eier in der Schwangerschaft essen, wenn man das nicht will; es gibt ja Möglichkeiten die „Befreite Ernährung“ in verschiedene Formen abzuwandeln. Vor vielen Jahren habe ich von John Robbins das Buch „Ernährung für ein neues Jahrtausend“ übersetzt und der hatte tausende Literaturangaben, er hatte unglaublich viel recherchiert. Aber inzwischen, nachdem er zwei schwer behinderte Enkelkinder hat, mit seiner rohkost-veganen Schwiegertochter, rät er von vielem wieder ab, was er damals empfohlen hat. Was nutzen dann diese Literaturverzeichnisse? Er musste etwas konstruieren, weil er aus idealistischen Gründen daran glauben wollte. Dann hat er sich eben die Sachen rausgesucht, die das scheinbar bestätigten, aber es hat im Leben nicht funktioniert. Mein Ansatz, ein bisschen wegzukommen von diesem theoretischen, ist eine sehr pragmatische Ernährungswissenschaft und keine, die man im Labor in den Einzelheiten so beweisen kann. Leben ist sehr komplex und biologisches Leben ist im Labor nur in einem gewissen Ausmaß nachvollziehbar.

Die vielen Diskussionen über richtige Ernährung können sehr verwirrend sein und man fragt sich, wem man eigentlich noch glauben kann. Das geht mir selbst auch beim Thema Veganismus oft so.

Das ist auch eine Debatte, bei der es oft sehr ideologisch wird. Von den veganen Kritikern kann es sehr ideologisch werden, von den Pro-Veganern sowieso. Dann will man eben etwas konstruieren und das kann man natürlich auch, indem man selektiv auf die Wissenschaft eingeht. Was mir viel wichtiger ist: Funktionieren diese Dinge in der Praxis? Dauerhaft, generationsübergreifend? Und klar, mein Buch ist in der Hinsicht ganz bewusst ein Abschied von den Versuchen, etwas auf theoretischer Grundlage abzusichern, nur um dann zehn Jahre später herauszufinden, dass die Leute damit Schiffbruch erleiden. Und ich habe mal sehr an vegane Ernährung geglaubt. Ich habe an Leute wie John McDowell geglaubt, der sich in den USA mit einer rein pflanzlichen Ernährung profiliert hat. Bis ich dann eines Tages in einem Restaurant war, wo er am Nebentisch saß und ein ordentliches Stück Fisch gegessen hat. Das war 1997.

Was hat dich von deiner veganen Überzeugung abgebracht und wie stehst du heute zu dieser Ernährung?

Ich habe viele solche John McDowells getroffen. In dieser Szene wird ganz oft die Unwahrheit gesagt. Außerdem habe ich dutzende Fälle in meinem Umfeld gesehen, wo Kinder veganer Eltern behindert waren. Ich habe jetzt gerade auf der vegetarischen Messe „VeggieWorld“ Jamila Peiter wieder getroffen, die in den 90ern die vegane Rohkost sehr propagiert hat. Sie hat mir erzählt, dass es in ihrem Umfeld zwölf Fälle waren.

Und das lässt sich deiner Meinung nach auf die vegane Ernährung zurück führen?

Es ist ein unglaublich hoher Prozentsatz im Umfeld von Leuten, die ich kenne: Eines von vier Kindern veganer Eltern war behindert – weit über dem Durchschnitt. Wenn die Eltern aber ansonsten bewusst leben, Hausgeburten machen, die Kinder nicht impfen lassen, in der Schwangerschaft weder rauchen noch trinken – was soll es denn sonst sein, wenn nicht die Ernährung? Ich bin ja nicht der Einzige, der es gesehen hat; ich habe viele Freunde, die aus dem Grund von der veganen Ernährung wieder abgerückt sind.

Das lässt sich so jetzt nicht belegen. Würdest du auch keine vegetarische Ernährung empfehlen?

Doch, ich bin ja selbst auch Vegetarier. Vegane Ernährung aber kann zwar für einige wenige Menschen funktionieren, auch über Jahrzehnte, aber das scheint ein kleiner Prozentsatz zu sein.

Das heißt, du würdest du die Befreite Ernährung auch nicht vegan empfehlen?

Das ist eine persönliche Entscheidung, die jeder selbst treffen muss. Was ich nicht für sinnvoll halte, ist, es zum ethischen Ideal zu erklären und zu sagen, das wäre ein gewaltloser Lebensstil. Dann auch noch so zu tun, als wäre es sicher und als gäbe es keine Probleme und dass die Kinder gesund seien, obwohl das in der Praxis nicht bestätigt wird – das geht nicht. Es wäre sehr schön, wenn wir in einer Welt leben würden, bei der wir andere Lebewesen nicht in irgendeiner Weise ausnutzen müssen. Viele Veganer lehnen es vehement ab Honig zu benutzen, weil es ja ein Tierprodukt ist, essen dann aber in einem thailändischen Restaurant Basmati Reis. Nun war ich in Asien und habe mir das mal angeschaut. In Thailand sind etwa 70% des Regenwaldes für Exportreis gerodet worden und die Kleinbauern leben heute in den Slums der Großstädte. In der heutigen Zeit, in dieser kommerziellen Konsum- und Agrarwirtschaft, ist die Nahrungserzeugung etwas, was ich ethisch nicht 100% korrekt hinbekommen werde. Ich sehe es als illusorisch an, diese strikte Grenze zwischen Tier und Pflanzen zu ziehen. Pflanzen sind auch lebende Wesen und was im Anbau von Pflanzen gemacht wird, ist zum Teil auch verheerend für die Umwelt, für Mensch und Tier.

Veganer wissen aber meist, dass komplette Leidvermeidung nicht möglich ist. Sie wollen es aber begrenzen.

Ich bin sehr berührt von Tieren und von dem Leid der Tiere. Ich kaufe meine Rohmilchbutter von kleinen Bauern, von echten Betrieben, die noch ihre Tiere kennen, wo die Kälber noch neben der Kuh auf der Weide sein. Das persönlich finde ich ethisch nicht verwerflicher als Tofu zu essen. Ich halte es ich nicht für ein ethisch vertretbares Produkt. Ich habe selbst in den 90er Jahren mal in einer Tofufabrik ausgeholfen. Sojabohnen werden in gigantischen Monokulturen angebaut und Fabriken werden mit aggressiven Putzmitteln gesäubert – das haben wir damals alles in den Fluss geleitet. Ich lebe in einer vernetzen Welt, fahre Auto und habe nicht ausschließlich Biokleidung an. Ich bin einfach ehrlich damit, dass ein ethisch korrektes Leben durch ein Boykott von allem, was irgendwie fragwürdig ist, kaum möglich ist. Wenn eine gewisse Lebensweise auf Dauer meine Gesundheit kontaminiert, dann tue ich damit auch niemanden einen Gefallen. Selbst die strengsten ethischen Vegetarier der Welt, wie die Toda in Indien, nehmen Milchprodukte zu sich. Wenn sie das Gefühl hätten, eine rein pflanzliche Ernährung sei möglich – sie hätten es schon längst gemacht. Natürlich gehen sie ganz anders mit ihren Tieren um, aber das zeigt ja auch, dass es geht. Man könnte ja eine Tierhaltung praktizieren, die nichts mit der Massentierhaltung zu tun hat und bei der man die Tiere nicht schlachten müsste.

Das Kapitel über Happy Brain, die von dir entwickelte Nahrungsergänzung, war mir zu viel – kann ich die Befreite Ernährung auch ohne Happy Brain durchführen?

Für Leute, für die diese Bereiche neu sind, ist es etwas viel auf einmal, das stimmt. Aber man kann jede einzelne Maßnahme auch ohne die anderen ergreifen; jede einzelne Maßnahme bringt etwas. Happy Brain ist für mich keine Nahrungsergänzung im eigentlichen Sinne. Vieles, was die Leute im Supermarkt kaufen, ist eigentlich Nahrungsergänzung, das hat mit Nahrung nicht viel zu tun, das ist einfach was, das sie zusätzlich in ihren Körper reinschaufeln. Happy Brain ist sehr konzentrierte, sehr natürliche Nahrung. Mir geht es, abgesehen von den Zutaten, um die bioelektrische Energie, um den Körper robuster zu machen, vor allem gegen Elektrosmog. Noch 15, 20 Jahre, dann wird man die Auswirkungen von diesem Wahnsinn sehen, dass wir uns überall mit gepulster Strahlung voll knallen, das macht ein Körper nicht auf Dauer mit.

Du schreibst wir verlangen nach natürlicher Nahrung – was ist wenn mir danach ist, Schokolade oder Fleisch zu essen – kann das dann nicht auch gesund sein?

Ein Alkoholiker verlangt nach Alkohol – warum? Weil er sich durch das viele Trinken an den Alkohol gewöhnt hat, das heißt aber nicht, dass es ihm langfristig gut tut, es bringt nur ein kurzfristiges Gleichgewicht. Viele Menschen haben einen starken Mangel an gehirneigener Betaendorphin-Produktion, und dann ist Zucker kurzfristig wirksam wie eine Droge. Langfristig wird das Problem aber immer größer. Die meisten Menschen haben eben Appetit auf Dinge, die ihre Gesundheit auf Dauer angreifen. Wenn der Körper zelluläre Sättigung kennenlernt, verändert sich das auch.

Das heißt, ich habe dann auch nicht mehr das Gefühl auf etwas verzichten zu müssen, sondern verlange einfach nicht mehr danach?

Genau – ich sage den Leuten nicht, sie müssen auf alles verzichten. Macht erst mal diese Sachen: Hunger zulassen, grüne Smoothies, rohe Fette, Happy Brain. Und dann esst noch einmal am Tag das, was euch zusätzlich richtig gut schmeckt. Dann verändern sich die Vorlieben im Laufe der Zeit. Ich halte sehr viel davon, dass man den Menschen positive Maßnahmen zur Umsetzung an die Hand gibt und nicht eine lange Verbotsliste.

Foto: flickr / duncan

Kommentare (22)

  1. Ein Buch des dänische Eingeweihten/ Weltlehrers Martinus (1890-1981) heisst „Die Ideale Nahrung“. Es beinhaltet auch die Nächstenliebe zum Mikrokosmos, sprich zu unserem Körper, seinen Organen, Zellen, Atomen … Die Menschen sind noch keine fertige Wesen in der Evolution („halb Mensch-halb Tier vs. wahre Menschen, nach Gottes Ebenbild“), demnach muss jeder selbst wissen, was „gut“ für einen ist momentan. Jetzt, aber auch auf lange Sicht, sprich für kommende Inkarnationen. Enzymreiche Nahrung, viel Rohkost (alkalisch) ist natürlich das Ideal, sowie guten Schlaf, Sauerstoff und Bewegung, positive Gedanken, etc.. In einigen tausend Jahren wird es wohl die Licht/ Luft/ Prana-Nahrung sein (mit anderen Organismen).

  2. Die spinnen alle, die Veganer! Nur Rohkost ist die einzig natürliche Ernährungsform des Menschen. Lest den GGK!

    Brigitte

    So sehen gesunde Rohköstler aus:
    http://www.youtube.com/watch?v=yZhr0hJVnmM

  3. Habe gerade gesehen, dass man die beiden von mir zitierten Seiten auch bei amazon unter „Blick ins Buch“ nachlesen kann. (John Robbins, The New Good Life, Seite 21 und 22).

  4. @ Natalie Vera Friedrich. John Robbins schreibt weiter: „It took an enormous effort from all of us, but they are now dear sweet loving boys whom we love with all our hearts. And yet the beginning of their lives was marked by repeated and substantial oxygen deprivation to their brains.They have had and very likely will always have many special needs.“ („The new good life“, 2010, Seite 22) – Ich verstehe das so, dass diese Kinder so früh geboren wurden („extremely premature“), dass noch keine Lungenreife vorhanden war; ihre Behinderung – wie schwer diese ist, beschreibt Robbins nicht weiter – ist dann durch Sauerstoffmangel im Gehirn entstanden.

  5. @ Cornelia und Alle

    Wenn das, das Kriterium der Frühgeburt, also die ganze Schwerstbehinderung ist, die die beiden Enkelkinder von John Robbins haben, ist das wirklich ziemlich dünn. Tatsächlich habe ich nichts über weitere Erklärungen zu den angeblichen Behinderungern der Zwillinge im Netz gefunden.

    An die Berichterstatterin und Interviewerin der taz, Anke Schuhardt, habe ich daher mal eine Bitte:
    Könnten Sie bitte eine Recherche anstellen, darüber:

    a) ob und falls, welche Behinderungen die Enkelkinder von John Robbins haben
    und
    b) von welchen weiteren, bekannten, behinderten Kindern veganer Eltern Opitz hier spricht. Gibt es diese Kinder in diesem Maße tatsächlich? Oder behauptet Opitz Dinge, die nicht der Realität entsprechen?

    Ich bin der Meinung, dass es Aufgabe eines vertrauenswürdigen Journalismus ist, Veröffentlichungen auch sauber zu recherchieren. Im Falle eines Interviews kann das dann auch mal heißen, nachträglich die Behauptungen der jeweiligen Interviewpartner auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen.
    Tatsächlich werden meine Bedenken, inwieweit Herr Opitz sich mit folgender Aussage:

    „In dieser Szene wird ganz oft die Unwahrheit gesagt.“

    möglicherweise selbst beschreibt, immer größer, je länger ich im Netz nach Bestätigungen für seine Behauptungen recherchiere.

  6. @Nathalie Vera Friedrich – Zu den Enkelsöhnen von John Robbins: In seinem Buch „The new good life“ schreibt er auf Seite 21f: „Michelle gave birth to two extremely premature identical twin boys, River and Bodhi. The little fellows were so tiny and so unready for life that they could not possibly have survived without massive medical intervention, and even with it they barely made it. (…) despite the best efforts of the hospital, they turned blue from lack of oxygen many times a day. “ – Frühgeburten bei Zwillingen treten genauso bei nicht-veganen Eltern auf.

  7. Opitz:

    „Ich habe viele solche John McDowells getroffen. In dieser Szene wird ganz oft die Unwahrheit gesagt. Außerdem habe ich dutzende Fälle in meinem Umfeld gesehen, wo Kinder veganer Eltern behindert waren.“

    Wenn Opitz – nach eigenen Aussagen – viele solcher John McDowells getroffen hat, gleichzeitig viele behinderte Kinder veganer Eltern „gesehen“ hat, wer sagt ihm dann, dass es nicht eben solche „McDowells“ waren, die heimlich Fisch (oder was auch immer) konsumierten? Und wer sagt ihm weiter, dass diese Behinderungen nicht auf den heimlichen Konsum tierlicher Produkte zurückzuführen seien?

    Insgesamt sind diese Aussagen Optiz‘ absolut subjektiv und unkonkret.
    Seine Angaben haben nichts mit einer repräsentativen Erhebung zu tun. Wirklich konkret wurde er meines Wissens diesbezüglich eben nur bei den beiden Enkeln von John Robbins (vermutlich wird das nachprüfbar sein). Zu anderen behinderten Kindern von Veganern wird er nicht konkreter als bis zu dem Punkt, dass er sie eben kenne bzw. aus dritter Hand von ihnen gehört habe. Das ist nicht wirklich seriös.
    Und wenn man hier nicht nachhakt, hört sich das eben schnell ziemlich angsteinflößend an.

    Möchte man dazu seriöse Aussagen treffen, muss eben eine repräsentative Erhebung dazu durchgeführt werden. Alles andere ist unseriöse Meinungsmache.

  8. Opitz:
    „In Thailand sind etwa 70% des Regenwaldes für Exportreis gerodet worden“

    Nach meinen Erkenntnissen ist das, was Opitz hier behauptet, so nicht korrekt. In Thailand schrumpfte der Wald seit 1979 von ca. 72% auf 10% der Landfläche. Jedoch nicht wegen des Anbaus von Exportreis, sondern wegen des Anbaus von Maniok, einer Futterpflanze, die für und in der europäischen Schweinemast verwendet wird. Diese Futterpflanze wird in die europäischen Länder exportiert, nachdem der Anbau seit 1979 in Thailand verdreißigfacht wurde.
    Und in den Maniokanbaugebieten sind knapp die Hälfte der Kleinkinder unterernährt. Über ein Zehntel haben Mangelerscheinungen. Und jährlich sterben 60.000 thailändische Kinder an Hunger.

    Es ist also nicht der Basmatireis und der Anbau desselben, der hier angeprangert werden sollte, sondern der Anbau von Futterpflanzen für europäische Masttiere. Denn dieser ist vornehmlich verantwortlich für die Rodung der Regenwälder. Masttierhaltung ist das, was ethisch nicht zu verantworten ist. Nicht der Anbau von Reis für die menschliche Ernährung.

  9. @ P.S.: sieht man dass du keinen plan vom erblich bedingten haarausfall hast

    mein kommentar zu euren kommentaren:

    ich fühle eure angst!

  10. Ich habe die Rohkost-These aus Eigeninteresse quasi studiert :o)
    Musste dann aber aus wissenschaftlichen Gründen (und da ich es einfach nicht vertrage, d.h. es ist nicht be-kömm-lich) einsehen, dass ich meine Nahrung besser etwas erhitze, s.a. Pollmer et al.
    Ohne mich weiter mit den anderen interessanten Thesen (und uninteressanten Kommentar-Dogmatikern) zu beschäftigen, möchte ich nur einen Punkt erwähnen:

    Die MAILLARD-REAKTION… wird ab etwa 140 °C… (ausgelöst)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Maillard-Reaktion
    Bei dem herkömmlichen Kochen erreiche ich solche Temperaturen seltenst
    Allein dieser Punkt lässt mich schon zweifeln..

  11. Zitat: „Von sich sagt er, dass er Physik und Biochemie quasi studiert habe“ … Quasi heißt aber nicht, dass er die Materie tatsächlich nach akademischen Standards durchdrungen hat.

  12. @ Heinz: falls sie das Interview aufmerksam gelesen haben, dürfte Ihnen aufgefallen sein, dass Christian Opitz nicht ausschließlich von einer roh-veganen Ernährung abrät, sondern die vegane Ernährung allgemein als gescheitert betrachtet. Dass eine vegane Ernährung in allen Lebensphasen praktizierbar ist, wurde von der ADA, der größten US-amerikanischen Ernährungsorganisation, in einem Positionspapier dargelegt: http://www.umweltjournal.de/AfA_naturkost/8149.php

  13. Hahaha…ich als langjähriger omnivorer Rohköstler kann an diesen Kommentaren mal wieder nur feststellen, daß die veganen Ideologen es einfach nicht wahrhaben wollen, daß eine roh-vegane Dauerernährung zu schweren Gesundheitsschäden führt. Und um ihre roh-vegane Ideologie hochzuhalten, gehen sie buchstäblich auch über Leichen, und seien es die ihrer Kinder.

    Aber wie Christian schon sagte : In dieser Szene (der roh-veganen) wird gelogen, daß sich die Balken biegen.

  14. Achso: Esospinner ist natürlich auch nicht nett.

  15. Was Sie auch von den Überzeugungen von Herrn Opitz halten mögen, verzichten Sie bei Ihrer Einschätzung doch bitte darauf, den Autor nach Äußerlichkeiten zu bewerten. Das driftet schnell ins Beleidigende ab. Vielen Dank für die ansonsten sehr interessante Diskussion.

  16. noch ein P.S.
    Jetzt war ich gerade noch auf der Website von Christian Opitz.

    Bei allem Respekt – aber wer sich seit dem 13. Lebensjahr mit Naturheilkunde und Ernährungslehre beschäftigt, sollte mit 41 Jahren anders aussehen. Nämlich gesünder, weniger blass und vor allem mit Haaren auf dem Kopf. Da scheint wohl eine gewisse Übersäuerung vorzuliegen. Diese kommt bekanntlich durch den Konsum von Fisch, Fleisch, Kaffee und/oder Alkohol.

  17. Aus einem Bauchgefühl heraus hatte ich diesem Menschen einen Vertrauensvorsprung gegeben und praktiziere die genannte „befreite Ernährung“ seit ca. einem Monat. Er sagt zwar, man sollte das mal 3 Monate durchziehen, um den Körper „zu sättigen“, aber ich will mal kurz schreiben was mir aufgefallen ist.
    Natürlich rein subjektiv. Da muss ich ihm rechtgeben: Man Studien zu Ernährung lesen verwirrt. Diskussionsrunden im Fernsehen zu Ernährung gucken, verwirrt. Das einzige was hilft ist ausprobieren. Was man erfährt, weiß man.
    Meine Erfahrungswerte:
    das was er zelluläre Sättigung nennt existiert tatsächlich. Es passiert nicht täglich, aber wer das erste mal dieses Gefühl von körperlicher Euphorie fühlt, fragt sich was er davor die ganze Zeit gegessen hat. Meine ersten grünen Smoothies haben einfach voll reingehauen. Als ob irgendjemand irgendwelche Korken aus meinen Gehirnwindungen gezogen hat, konnte ich mich so gut konzentrieren, wie fast noch nie.
    Weniger unmittelbar sind diese Fettshakes, aber hier gibt es durchaus diese körperliche Euphorie.
    Die HappyBrain-Nummer war mir auch suspekt, nehm ich nicht.

    Ich kann mir vorstellen, dass sich hier viele Leute von manchen Äußerungen angegriffen fühlen, das ändert aber nix an den tatsächlich überzeugenden Effekten dieser Ernährugnsweise.
    Seit ich diese krassen körperlichen Erlebnisse hatte, hat bei mir eine komplette Neubewertung von Nahrung stattgefunden. Ich esse, um mich zu ernähren – und nicht um mich satt (aka bauch voll) zu machen. Durch das direkte Feedback wird einem das schnell klar.

    Man müsste es halt einfach mal ausprobieren, um es zu wissen. Ansonsten, auch gut. Jeder wie er will. Aber der Mann redet nicht nur Müll. Remember.

  18. Die allerletzte Antwort ist klasse. Großartig für alle, die Vegetarier, Veganer, Rohköstler u.ä. als Dogmatiker bezeichnen. Wobei zu bedenken ist, dass diese selbst ja dann dogmatische „Normal“-Esser sind, deren Dogma es ist, auf keinen Fall auf Fleisch, Gekochtes sowie vermutlich auch auf Alkohol oder Kaffee verzichten (zu können => Sucht => Drogen). Also für diese „normal“-Dogmatiker ist es super und wenn solche Menschen sich darauf einlassen, ist sicher viel gewonnen.

    Ansonsten teile ich die hier schon geäußerte Kritik, insbesondere in Bezug auf die Kinder von Veganern. Seid ich Rohkost-Veganer bin sind mir nahezu ausschließlich positive Beispiele aus allen Generationen begegnet. Diese Äußerungen hier von Opitz sind absolut überflüssig.

    Und noch danke an Anke Schuhardt für ihren Kommentar hier. Es ist schön, solche Menschen in Redaktionen zu wissen.

  19. Ich war sehr gespannt auf dieses Interview, da ich den vorherigen Bericht über sein Buch schon gelesen habe.
    Ich habe gehofft, ein paar Antworten von ihm zu bekommen, aber dieses Interview habe ich an manchen Stellen mit Fassungslosigkeit gelesen.

    Er sagt zu Anfang, dass er keine Studien mag und man auf seinen Körper hören soll und dann führt er diese angeblich praktisch-statistisch bewiesenenTheorien mit den behinderten Kindern von veganen Eltern an…ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, er selbst hat eigentlich keine fundierten Beweise für seine Essweise und behauptet wild irgendwelche Thesen und wenn man einen Beweis will, sagt er, er wolle eben genau von solchen Studien loskommen. Ernährung ist für den Menschen nunmal existenziell und sich damit zu beschäftigen finde ich persönlich sehr richtig. Er hat zwar Recht, wenn er sagt, es gäbe zu viele Meinungen, Studien und Theorien zum Thema Ernährung, was sehr verwirrend ist, wenn man sich damit beschäftigt, aber alles unreflektiert anzunehmen, wie er es empfiehlt, weil mein Körper das schon selber regelt, das kommt für mich nicht in Frage. In diesem Zusammenhang bekommen seine „Nahrungsergäzungsmittel“, die er selbst verkauft, einen noch bittereren Nachgeschmack, nämlich den von Geldmacherei und Profitdenken.
    Er spielt ziemlich bewusst und krass mit Ängsten von Eltern (behinderte Kinder), macht dann weiter mit der bösen, bösen Welt (Reis, Soja usw) und stellt „normale“ Menschen (ja und selbst wenn diese mal ungesund essen) mit Suchtkranken gleich (Alkoholismus). Darüber bin ich wirklich fassungslos.

    Er scheitert leider selbst an der Unaufrichtigkeit, die er anderen Ernährungsformen vorwirft. Schade, ich hab mir mehr Klarheit und Verständnis von diesem Interview erhofft. Das liegt natürlich nicht an Anke, sondern an den verschwurbelten Theorien von Christian Opitz.

  20. @lorenz Ich versuche mit dem Interview nicht Menschen zu überzeugen oder für diese Ernährung zu werben, ich habe sie lediglich vorgestellt (andere Ernährweisen- bzw. Konzepte werden folgen), und wollte anschließend vom Autor des Buches persönlich wissen, wie er zu seinen Überzeugungen kommt. Dass ich einer Meinung mit ihm bin, habe ich nie gesagt. Und das kann ich auch gar nicht sein, schon alleine deshalb, da ich mich vegan ernähre und dass nicht tun würde, wenn ich das Gefühl hätte, mir damit selbst zu schaden.

  21. skalarwellen, na klar….vielen dank liebe taz, dafür dass ihr versucht hier menschenfängerei zu bewerben. der typ ist kein wissenschaftler sondern esospinner.

  22. dass vegane Kinder häufiger behindert sind ist statistisch absolut nicht belegt, das ist einfach nur Dummfug.
    Ich selbst kenne 3 vegane Elternpaare, und alle Kinder sind gesund.