Die tägliche Verwirrung (II): Aspartam

Auf meinem Schreibtisch liegt ein Päckchen Kaugummi – ungeöffnet. Nicht dass der Bedarf nach der letzten knoblauchhaltigen Mahlzeit nicht groß war, aber meinen letzten Kaugummi habe ich vor genau 22 Tagen gekaut. Warum ich das so genau weiß?

Vor drei Wochen lief die Dokumentation „Unser täglich Gift“ auf Arte, in der es unter um den Süßstoff Aspartam ging. Im Film wurde der Lebensmittelzusatzstoff als stark gesundheitsgefährdend und krebserregend beschrieben. Im „echten“ Leben versüßt er zahlreiche Diätprodukte, Light Softdrinks und Kaugummis. Naive Verbraucher werden mit Signalwörtern wie „zuckerfrei“ in die Süßstofffalle gelockt, während kritische Forscher und Medien den Beinamen „süßes Gift“ prägten.

Aspartam ist extrem süß, etwa 200 mal so süß wie Saccharose. Aber Aspartam ist auch extrem umstritten. Der Chemiker James M. Schlatter entdeckte Aspartam im Jahr 1965, als er auf der Suche nach einem Mittel gegen Magengeschwüre war. Bis Mitte der 70er Jahre stand es sogar auf einer CIA-Liste als biochemischer Kampfstoff und Mittel zur Kriegsführung. Bereits seit der Entdeckung gab es immer wieder kontroverse Studien und Debatten über die Verträglichkeit des Stoffes.

Die zuständige amerikanische Behörde Food and Drug Administration (FDA) lehnte die Zulassung bis 1981 ab, erst nach einer großen Anzahl toxikologischer und klinischer Studien wurde der Gebrauch für sicher erklärt. Kritiker erklären sich das vor allem durch die wirtschaftlichen und politischen Verstrickungen – kein geringerer als Donald Rumsfeld, Verteidigungsminister unter George W. Bush, soll für die Zulassung des Stoffes verantwortlich sein. Von 1977 bis 1985 arbeitete Rumsfeld bei der Firma Searl Laboratories, bis er vom damaligen Präsident Ronald Reagan in die Regierung berufen wurde. Einen Tag nach seinem Dienstantritt benannte er Arthur Hayes, einen bekennenden Befürworter von Aspartam, zum Vorsitzenden der FDA – unter dessen Leitung das Mittel kurz darauf auch genehmigt wurde.

In Deutschland wurde Aspartam, auch E 591 genannt, im Januar 1990 zugelassen, in der EU erst 1994. Die maximale Tagesdosis, die jeder Mensch bedenkenlos zu sich nehmen kann, wurde damals in den USA auf täglich höchstens 50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt, in der EU auf 40 mg/kg Körpergewicht. Es mag unrealistisch sein, dass ein Mensch an einem Tag 30 Liter Softgetränke trinkt, oder 230 Kaugummis isst – bei einer Studie aus dem Jahr 1986 von Anthony Kulczycki Junior, reagierten die Probanden jedoch bereits bei niedrigeren Dosen mit allergischen Reaktionen auf den Konsum. Auch in späteren Studien reagierten vor allem Frauen sensibel auf Aspartam, auch wenn es sich dabei um weibliche Ratten handelte.

Im Krebsforschungszentrum in Bologna wurden 1800 Tiere mit verschieden hohen Dosen gefüttert. Im Gegensatz zu den bisherigen Studien war diese auf einen langen Zeitraum angelegt – bis zum Tod der Versuchstiere. 2005 veröffentlichten Morando Soffritti, Leiter des Instituts, und seine Mitarbeiter ihre Ergebnisse: Tiere, die während der Studie mit Aspartam gefüttert wurden, erkrankten häufiger an Lymphdrüsenkrebs und Leukämien als die Kontrolltiere. Die zuständige EU-Lebensmittelbehörde (EFSA), sowie das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) reagierten auf die Studie verhalten und vertraten weiterhin den Standpunkt, dass Aspartam „sicher“ und „verträglich“ sei. Sie kritisierten vor allem die lange Dauer der Studie, da Krebs auch eine Alterserkrankung sei.

Zwei im März 2011 veröffentlichte Studien stuften Aspartam erneut als enorm gesundheitsschädlich ein – die Forscher brachten den Süßstoff sogar mit einem gestiegenen Risiko für Frühgeburten in Verbindung. Auch wenn die EFSA diese Studien als „nicht aussagekräftig“ abtat und keine Änderungen der Zulassung in Betracht sieht – ein bitterer Nachgeschmack bleibt zurück. Und die Packung Kaugummi unberührt.

Kommentare (13)

  1. Habe grad den Beitrag gefunden und großer Lob an Johanna Emge. Ich bin erst seit 2 Wochen durch „Unser Täglich Gift“ auf die Hintergrundverschleierung so richtig in das Thema eingestiegen, obwohl ich von der Bedenklichkeit bereits seit langen wusste.
    Zum einen soltle man sich ganz ernsthaft fragen, warum hat ein Stoff, der unbedenklich sein sollte, solche Hürden die FDA Zulassung zu nehmen? Ich denke, dass ist doch schon Aussage genug, um zu erkennen, dass hier Trug und Schleier voran getragen werden.
    Ich habe die ganzen Anführungen in der Doku im Internet nachrecherchiert und die Dokumente existieren wirklich. Ich habe diese auf unserer FB Site alle verlinkt. Da sind auch die Dokumente der Ramaccini Stiftung und noch vieles mehr drinnen, wo auch Aussagen über die Menge des Verzehrs gemacht werden.
    Dann sollte man sich fragen, warum ist es notwendig auf solche chemischen Zusatzstoffe in der heutigen Zeit zurückzugreifen, wenne s natürliche Alternativen wie Stevia und/oder Luo Han Guo (das chinesische Stevie) gibt. Aus der Natur auf unserem Teller.
    Ich forder jeden auf, der sich diese Lügereien nicht länger bieten läßt, sich auf unserem FB zu verlinken. Drückt „gefällt mir“ schickt mir ne Freundschaftsanfrage, erzählt es allen die Ihr kennt, fordert Sie auf mitzumachen. Diesen betrug müssen wir uns nicht gefallen lassen.
    Enagagiert Euch………LG Markus

  2. die verharmlosung vieler zusatzstoffe in industriell hergestellten lebensmitteln findet durch die industrie statt.
    diese finanziert die forschung, bezahlt werbeanzeigen in den medien und es ist der industrie egal ob menschen krank werden. hauptsache der umsatz stimmt.
    man kann garnicht misstrauisch genug sein.
    dr.dietsche umweltmedizin

  3. Hallo zusammen,
    Aufklärung finde ich an sich nicht schlecht, klar sollten wir nicht in Hysterie verfallen, dafür ist das Leben zu kurz und unser bisheriges Wirken zu schlecht 😉
    ich finde es aber trotzdem erschreckend, was alles so in unser Essen gepanscht wird…
    als Diabetikerin habe ich mich jahrelang von Produkten mit Süßstoffen ernährt, unter anderem auch Aspartam…mit der zeit gewöhnt sich der Körper wohl daran, was weiß ich. Jedenfalls habe ich mich vor knapp 2 Jahren dagegen entschieden und lebe mit normal und leicht gezuckerten Produkten auch sehr gut und wenn man den Diabetes im Griff hat, kann man getrost zu Zucker greifen oder meine Empfehlung: Stevia und Agavendicksaft 😉 Gruß

  4. Inzwischen hörte ich bereits gegeteilige Aussagen anderer „Experten“.
    Es war von Süßstoff-Hysterie die Rede, explizit wurde Aspartam erwähnt.
    Nun weiß ich erst recht nicht mehr, wem ich mehr Glauben schenken soll.
    Für mich wäre das auch wichtig zu wissen, da zuckerfeies Kaugummi meinen Tabak-Entzug erleichert hat.
    Seit diesem Zeitpunkt ist Kaugummi zu einer lieben Gewohnheit geworden.

  5. @HCN
    Auch wenn man Schadstoffe nicht gänzlich vermeiden kann, gibt es dennoch genug Möglichkeiten zur Reduzierung. Vor allem bei Plastikverpackungen kann man kreativ sein, siehe http://blogs.taz.de/tischgespraech/2011/03/21/ohne_plastik_geht_es_auch/. Obst und Gemüse lassen sich prima auf dem Markt einkaufen — ohne Plastikverpackung. Und Wasser gibt es auch in Glasflaschen. Wenn 100% nicht gehen kann ich es doch auch mit 50% versuchen, statt gleich komplett aufzugeben, oder?

  6. Und was isst du dann? Baust du etwa alles was du zum Essen brauchst in deinem Garten an und hast dein eingenen Gebirgsquell für dein Trinkwasser? In Wasser aus Plastikflaschen sind auch krebserregende Phtalate. Nach deiner Logik dürfte man ja wirklich nur Quellwasser frisch gezapft und Brot aus selber gepflanzem Getreide zu sich nehmen.
    Ist nicht böse gemeint. Ich bin auch der Meinung dass man nicht alles so hinnehmen muss wie es die Industrie einem vorsetzt aber ich denke auch, dass viele Leute einfach so einen Artikel lesen, sich dann total über das alles aufregen wie Leute sowas essen können, aber sich während sie das schreiben ein Brot mit Wurst aus dem Supermarkt mit einer Cola reinziehen und danach vielleicht noch eine rauchen.
    Gruß
    HCN

  7. Ich habe ganz einfach keine Lust, irgendwelche Sachen(Lebensmittel kann man dazu ja nicht sagen), die in der Retorte entstanden sind, zum größten Teil aus Chemikalien bestehen, billig in der Herstellung sind, eine milliardenschwere Werbebranche hinter sich haben, um dann zu einem „guten“ Preis verkauft werden, in und an meinen Körper zu lassen.

    Ich nenne das Verarschung. Ohne mich!!!

  8. Interessant wäre da zu wissen Welche Dosen an Aspartam den Ratten gegeben wurde. Weil wie es mit so ziemlich allen Substanzen ist, macht die Dosis das Gift. Das es viele Sachen gibt, die womöglich weitaus schädlicher sind als Aspartam im Essen wurde ja schon angesprochen.
    Viel schlimmer als das bisschen Aspartam im Kaugummi ist wohl eher die ganze Reihe an Zusatzstoffen die in diversen Fertigprodukten steckt und nun mal ehrlich: wer weiß nicht, dass Fast Food und Knorr oder Maggi Fertigprodukte und was es da sonst noch alles gibt, so viele Sachen wie Geschmacksverstärker, diverse Konservierungsmittel, Süßstoffe usw. enthalten und wie viele Leute verzichten letzendlich darauf.
    Also wenn du nicht wirklich alles selber in deinem Garten anbaust und dein Getreide selber mahlst (ja auch in Mehl sind Zusatzstoffe) kannst du wohl getrost deinen Kaugummi kauen ohne dass du gleich oder auch in 10 Jahren tot vom Stuhl fällst.
    Gruß
    HCN

  9. Ich trinke und esse seit über 30 Jahren in ziemlich großen Mengen Produkte mit Süßstoff und auch mit Aspartam, als er freigegeben wurde. Ich bin sehr froh darüber, dadurch deutlich weniger Leerkalorien durch Zucker zu mir zu nehmen und trotzdem den Schweinehund befriedigen zu können. Ich würde sagen, mir geht es sehr gut. Ob ich allerdings nächstes Jahr an Krebs erkranken werde, kann ich natürlich nicht sagen, aber ich kann mich dem Kommentar von Till nur anschließen. Das Leben ist lebensgefährlich und endet mit dem Tod. Damit will ich nicht sagen, dass man sich um das was man isst nicht scheren muss, aber in Bezug auf Süßstoffe scheint mir, aus persönlicher Erfahrung, mal wieder der Hysterienteufel losgelassen worden zu sein.

  10. Natürlich kann man nicht alles gesundheitsschädigende vermeiden – aber ich kann auf Lebensmittel, die mir schaden, meinem Körper nicht gut tun, so weit wie möglich verzichten. Vor allem, wenn der Verzicht so einfach ist wie keinen Kaugummi mehr zu kauen oder weniger Light-Getränke zu konsumieren.

  11. Hallo Till,

    bei der „täglichen Verwirrung“ geht es um Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, die man nicht zuordnen kann.

    Als Verbraucher interessiert mich was ich esse, das hat nicht ubedingt etwas mit Angst zu tun, sondern mit eher mit Neugier und einem bewussten Kaufverhalten. Meiner Meinung nach habe ich als Verbraucher ein gutes Recht zu erfahren, was sich hinter den Begriffen auf der Verpackung verbirgt — das muss ja nicht zwangsläufig etwas gesundheitsschädliches sein, aber ich will es wissen.

    Natürlich gibt es unheimlich vieles in der Natur, was wahrscheinlich viel größere Auswirkungen auf meine Gesundheit hat als ein kleiner aspartamhaltiger Kaugummi — darauf habe ich selbst aber keinen bzw. keinen so großen Einfluss wie bei der Entscheidung, was letztendlich im Einkaufswagen landet.

  12. Beim Spaziergang durch Darmstadt atmet ihr ne Menge hochgiftigen Feinstaub ein. Das eine ungeimpfte Ökokind aus der Kita niest munter Rötelnviren durch die Gegend. Euer Spülschwamm enthält nach drei Tagen Benutzung mehr Keime als eure Kloschüssel. Das Geschirr nach dem Spülen mit selbigem auch. Eure Zimmerpflanzen verteilen beim nächsten Windstoß Abermillionen von Pilzsporen im Zimmer. Beim Waldspaziergang in Süddeutschland atmet ihr eine höhere Dosis natürlicher Radioaktivität ein als in großen Teilen Norddeutschlands. Ihr lebt aber trotz allem noch und habt nichts besseres zu tun, als Euch über Aspartam aufzuregen. Auf was bezieht sich „die tägliche Verwirrung“ eigentlich, auf die Chemikalie oder auf die Paranoia der Bevölkerung? Man muss nicht vor allen Dingen Angst haben.

  13. Hallo ihr Lieben,

    hier mal was zum Thema Aspartam in Kaugummis.

    Viele Grüße
    Yin