Veganismus gegen das Böse in der Welt

von Anke Schuhardt

Der Schlüssel zu einer besseren Welt, in der Liebe und Mitgefühl und nicht der Kampf regieren? Für Christian Vagedes ist die Antwort klar: das kann nur der Veganismus leisten. Ein Blick in sein erstes Buch „veg up“.



Nimmt man „veg up“ in die Hand, so fällt als sofort auf, dass das gesamte Buch in Kleinbuchstaben geschrieben und zudem im Querformat gesetzt ist. „buchstäblich zeichen setzen im querdenkerformat“ sagt Christian Vagedes dazu. Vagedes ist Gründer der Veganen Gesellschaft Deutschland und möchte mit seinem gerade erschienen Buch zeigen, wie wir durch den Veganismus einen Weg aus unserer „emotional verpanzerten Welt“ in ein friedlicheres und gerechteres Leben finden können.

Reise in unsere fleischeslustige Vergangenheit

Von Nietzsche über Gandhi, Rudolf Steiner, Brecht, Christian Morgenstern und Platon, von den Römern und den ersten Christen bis zur Industrialisierung, dem Nationalsozialismus und zurück in die Gegenwart: Vagedes nimmt den Leser mit auf eine Reise quer durch alle Kulturen und Zeiten und zeigt, dass es keinesfalls normal sein sollte, Fleisch und tierische Produkte zu verzehren, sondern dass es vielmehr das Schlechte und Böse auf der Welt fördere. Hierfür zieht er unter anderem Arnold Toynbee heran, für ihn der wichtigste Historiker des vergangenen Jahrhunderts. Vagedes schreibt, Toynbee habe einen Schlüssel entdeckt, dessen Verwendung über die weitere Entwicklung unserer Welt entscheidet: die Liebe. Ihr gegenüber steht der Kampf – und genau das, Liebe und Kampf, greift Vagedes in „veg up“ immer wieder auf: „anstatt zu lieben, kämpfen wir schon allein dadurch, dass wir uns weigern, über das hinauszudenken, was uns bereits bewusst ist.“

Sind Fleischesser schlechte Menschen?

Kafka-Effekt nennt Vagedes es, wenn Menschen nur ihre eigenen Interessen verfolgen, keine Bereitschaft haben, über ihren Tellerrand zu schauen. Ihr emotionaler Panzer sei noch nicht geknackt, ihnen fehle eben der Kafka-Effekt, der Moment, als der Schriftsteller sein Mitgefühl für die Fische im Berliner Aquarium entdeckt: „Nun kann ich euch in Frieden betrachten; ich esse euch nicht mehr“. Warum manche Menschen es nicht schaffen, ihren eigenen emotionalen Panzer zu knacken, diese Frage stellt Vagedes immer wieder. Die Antwort liest sich oft so, dass Fleischesser die schlechteren Menschen sind, ohne Mitgefühl und voll emotionaler Probleme. Das lässt sich, meiner Meinung nach, aber schwer verallgemeinern; zudem möchte ich zum Beispiel meine Mutter, nur weil sie Fleisch ist, nicht als schlechten Menschen ansehen. Ebenso wenig würde ich sagen dass alle Veganer gute Menschen sind.

Nicht nur Veganer sollten es lesen

„veg up“ ist kein einfach zu lesendes Buch, kein Roman, der sich in wenigen Stunden durchblättern lässt. Vielmehr ist es aufgrund der vielen Zitate, der Verknüpfung von Quellen und Gedanken oft anstrengend zu lesen, doch wer sich wirklich mit der Geschichte, den Konsequenzen und der Notwendigkeit des Veganismus beschäftigen möchte, den wird „veg up“ nicht enttäuschen. Oft denkt man sich beim Lesen: Stimmt, da hat er Recht, deshalb sollte man vegan werden – wenn man es nicht sowieso schon ist, wie man es wohl bei einem Großteil der Leser vermuten kann. Denn mit dem erklärten Ziel, die Welt zu veganisieren, wird das Buch wohl nur von wenigen Fleischessern gekauft werden. Man will ja nicht belehrt werden. Das ist schade, wo doch gerade Fleischesser verstehen sollten, warum es heutzutage nicht mehr zeitgemäß ist, tierische Produkte zu verzehren. Auch sie sollten mit Büchern wie „veg up“ angesprochen werden. Dafür finden Veganer mehr als genug Argumente für die nächste Diskussionsrunde beim Familienessen.

Es ist ein verschlungener Weg zum Veganismus

Klar, Bücher wie „Tiere essen“ oder „Anständig essen“ sind vielen überzeugten Veganern zu kurz gedacht, nicht konsequent genug. Fakt ist aber, dass sie von tausenden Menschen auf der ganzen Welt gelesen wurden. Viele Bekannte von mir denken jetzt über ihren Fleischkonsum nach oder haben ihn bereits eingestellt. Damit haben die beiden Bücher schon Einiges bei ihnen bewirken können. Jetzt, wo diese Menschen offen für für den Vegetarismus sind, können sie in einem zweiten Schritt weiterdenken und sich für den Veganismus entscheiden. Meiner Meinung nach ist es viel leichter, Menschen so zu erreichen, als Fleischesser von einem Tag auf den anderen Tag zu zwingen, vegan zu werden. Das klappt nur selten – auch ich war erst Vegetarierin, bevor ich mich entschloss, auf alle tierischen Produkte zu verzichten. Den Weg muss jeder für sich selbst finden dürfen – dass ihn aber so viele Menschen wie möglich finden, darauf hoffe ich sehr und dafür möchte ich mich einsetzen – auch wenn das bedeutet, dass meine Freunde erst mal „nur“ Vegetarier werden.

Das Leid nicht verlängern

Für mich klingt „veg up“ sehr missionarisch – und das soll es auch. „denn die aussage, es sei so angenehm, wenn man nicht missioniert würde, ist so seltsam wie propaganda gegen ‘gutmenschen’ und die ‘political correctness’, denn beide dieser pr-floskeln werden sowohl von regierenden wie von oppositionellen gerne benutzt, um menschenverachtende gedanken und taten schönzureden oder davon abzulenken. […] so gleichsam absurd ist der gedanke, dass jedes missionieren zugunsten der veganisierung der welt zu unterlassen sei […] wer allein schon angesichts der zusammenhänge zwischen hungerleidenden menschen und nichtveganem verhalten meint, es wäre besser die information seiner mitmenschen und die werbung um ein veganes verhalten zu unterlassen, verlängert unnötig das abstellbare leid.“

Veganismus gegen den Welthunger

Selbst wer kein Mitleid mit den Tieren hat, der wird seine Augen nicht vor dem Kapitel „welthunger“ verschließen können. „in wahrheit wäre für alle menschen genug essen vorhanden. der hunger existiert nur, weil eine minderheit von menschen, nämlich die sich nichtvegan ernährende mehrheit in den wohlstandsregionen der welt, sich das (un)recht herausnimmt, nichtvegane nahrung zu konsumieren. das verspeisen sämtlicher nichtveganer produkte erfordert den anbau von futtermitteln, der dem anbau von genügend nahrung für alle menschen den platz wegnimmt.“ Dies betrifft natürlich nicht nur Fleisch, wie Vagedes betont, sondern alle nichtveganen Lebensmittel wie Milch, Käse, Butter, Eier usw.: „die zeit ist reif, gleich die ganze wahrheit zu sagen: denn eier und milchprodukte aller art schlagen für die ungerechtigkeit unter den menschen ebenso zu buche wie fleisch.“

Konsequent vegan

Insgesamt 33 Kapitel hat „veg up“, die sich aufgrund ihrer Fülle an Informationen und Argumenten schwer zusammenfassen lassen. Fakt ist, dass Vagedes auf fast 300 Seiten seine Vision für eine bessere Zukunft auf Papier gebannt hat. „veg up“ ist ein Plädoyer für eine bessere Welt, in der Liebe, Mitgefühl und Gerechtigkeit regieren. Vagedes sieht im Veganismus den Schlüssel zu einer besseren Zukunft – für uns alle: „…deshalb heißt dieses Buch ‘veg up’, um den westen und die ganze welt aus dem geistig-kulturellen abdruck des menschlichen fehlverhaltens wachzurütteln. auf der grundlage der veganisierung kann die weltkultur durch diesen aufstieg zur humanität erblühen“.

Übrigens: Auch das Buch selbst ist natürlich konsequent tierproduktfrei produziert. Der verwendete Leim, das Material für den Einband und die Farben sind vegan.


95 Kommentare zu "Veganismus gegen das Böse in der Welt"

  1. Bedauerlicherweise häufen sich hier Kommentare, die mit Vokabeln um sich schmeißen bzw. diese mit dem Veganismus in Verbindung bringen, so dass einem nur noch – oder schon wieder! – die Haare zu Berge stehen können. Da liest man dann u.a., der Veganismus sei „faschistoid“, „misanthrop“, „ideologisch“, „religiös“, „terroristisch“, „propagandistisch“, etc. All dies lässt an ein Diktum von Niklas Luhmann denken: „Wenn man sich das Experiment erlauben könnte, den Alternativen zu untersagen, von ‘kapitalistisch’ und von ‘bürgerlich’ zu sprechen, dann würde man sie etwa so unglücklich machen wie einen geizen, der seine Geldbörse verloren hat.“ (Niklas Luhmann: „Die Selbstbeschreibung der Gesellschaft und die Soziologie.“ Vortrag an der Universität Augsburg. Mittschnitt des Bayrischen Rundfunks, 1986). Nicht anders, so denke ich, würde es einigen sich hier auslassenden Kommentatoren ergehen.

  2. Klar, heutzutage ist jeder Grafiker und jede Jounalistin EXPERTE/IN in ErnährungsWISSENSCHAFTEN.
    Hier wird von Sojamich geschrieben, auch so ein schönes Verganer Märchen, es handelt sich um viel Wasser mit Soja. Da hat mir der Artikel in der Süddeutschen über diesen Grafiker besser gefallen.

    Eine Pressemitteilung, über die MANGELVERSORGUNG UNSERER KINDER vom 27.09.11!

    „Mehr Milch für Bayerns Kinder“ – Brunner und Sackmann starteten landesweite Aktionswochen

    (27. September 2011) München – „Mehr Milch in Kita und Schule“ – unter diesem Motto haben Ernährungsminister Helmut Brunner (l.) und Familienstaatssekretär Markus Sackmann pünktlich zum morgigen Weltschulmilchtag landesweite Aktionswochen gestartet. Sie sollen die Kinder im Freistaat auf den Geschmack von Milch und Milchprodukten bringen. „Wir wollen unseren Kindern zeigen, dass die Milch ein gesunder und abwechslungsreicher Fitmacher ist“, sagte der Minister in einem Münchner Kindergarten, wo er gemeinsam mit dem Staatssekretär und Milchprinzessin Anna Weidinger Trinkmilch, Fruchtjoghurts und Käsewürfel an die Kinder verteilte. Laut Brunner liefern Milch und Milchprodukte nicht nur alle notwendigen Nährstoffe für Kraft, Energie und Konzentration, sondern zudem das wichtige Kalzium für den Knochenaufbau. Derzeit verzehrt aber etwa ein Kindergartenkind in Bayern statt der empfohlenen 350 Gramm an Milch und Milchprodukten im Durchschnitt lediglich 230 Gramm. Um das zu ändern, sprach sich Sackmann dafür aus, die Versorgung mit Milch und Milchprodukten in der Tagesbetreuung zu intensivieren: „Kinder sollten so früh wie möglich lernen, was es heißt, sich gesund zu ernähren.“

    Im Rahmen der Initiative „Mehr Milch in Kita und Schule“ führen die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in den kommenden Wochen gemeinsam mit Kindergärten, Schulen, Eltern, Milcherzeugern und Molkereien zahlreiche Schulmilchaktionen durch.
    http://www.stmelf.bayern.de/service/presse/pm/2011/005040/index.php

  3. Heute erhalten und noch fast warm aus der Druckpresse: Marsili Cronberg: Wie ich verlernte, Tiere zu essen. echo verlag: Göttingen, 2011.

    „Es gibt nicht eins, nicht ein einziges Argument FÜR Fleischkonsum, das nicht zu entkräften wäre. Dafür Hunderte dagegen. Fleischerzeugung verbraucht bis zu zehnmal so viel pflanzliches Material, wie wenn Pflanzen direkt gegessen würden. Nahrung aus Massentierhaltung kommt vor allem aus Drittländern. Vor allem Soja. Für Soja wird Regenwald abgeholzt. Landwirtschaft in Dritte-Welt-Ländern wird zerstört für unser billiges Fleisch. Die Folge ist Hunger. Millionen Menschen verhungern, WEIL [Hervorhebung von mir; F.F.] wir nicht dazu bereit sind, auf unser Schnitzel zu verzichten. [...] Ich werde nie wieder Veganer und Tierschützer verspotten, denn ich verspotte damit nicht sie, sondern ich verspotte damit leidende Tiere und verhungernde Menschen. Ich verspotte damit den Regenwald. Ich verspotte damit die Zukunft unserer Kinder.“ (S. 16 f.)

    Wenngleich der Schluss vom Fleischkonsum zum Welthunger ein (zu) KURZER ist, so ist er dennoch kein KURZSCHLUSS, wie es manche hier (besser) wissen wollen. Gewiss ist die Gleichung komplex bzw. hat viele Variablen, die in summa das ausmachen, was wir für gewöhnlich „Welthunger“ nennen -, allein einen solchen Kurzschluss konnte ich der Arbeit von Vagedes – wie auch vielen anderen Arbeiten zu jenem Thema – nicht entnehmen. Vielmehr lese ich in VEG UP (Kapitel 26/Welthunger) folgendes: „es ist ohne frage der konsum sämtlicher nichtveganer produkte dafür MITverantwortlich, dass es keine gerechte nahrungsmittelverteilung auf der welt gibt [Hervorhebung von mir; F.F.]“ (S. 229). Hier wird – entgegen dem oben angeführten Zitat – lediglich behauptet, dass der Konsum von Fleisch bzw. nichtveganer Produkte EINE Variable in der komplexen Gleichung des Welthungers ist. Welchen Stellenwert diese Variable innerhalb der Gleichung schlussendlich hat, ist – seien wir mal ehrlich – wenn überhaupt, so nur überaus schwierig (intersubjektiv) zu entscheiden.

  4. Tofu statt Beef?

    „Und was ist nun mit der Umwelt? Weniger Fleischkonsum bedeutet weniger Tiere, die mit ihren Blähungen zum erhöhten CO2-Ausstoß beitragen. Das sagt beispielsweise der ehemalige Weltbank-Chef Nicholas Stern, der im Jahr 2006 mit seinem Stern-Report für Aufsehen sorgte. Darin untersuchte er die ökonomischen Folgen der Klimaerwärmung für die britische Regierung. Auch die Vereinten Nationen kamen später in einem Bericht zu einem ähnlichen Schluss. Ganz anders sah das 2010 die britische Cranfield-University. Hier veröffentlichten Forscher in einer Studie, dass es für die Umwelt schädlicher sei, wenn die Briten auf einmal auf ihr “Beef” verzichten würden und stattdessen Tofu auf die Insel verschickt werden müsste.“

    Quelle: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/15/0,3672,8355055,00.html Artikel vom 01.10.2011

    Mal abgesehen davon, dass ein Veganer weder kiloweise Tofu im Jahr konsumieren muss, noch dass er überhaupt Tofu konsumiert (was bereits meine Wenigkeit exemplifiziert), braucht man mitnichten Wissenschaftstheorie studieren, um zu erkennen, was Martin Heidegger mit nur wenigen Worten auf den Punkt gebracht hat: „Beweisen, das heißt aus geeigneten Voraussetzungen ableiten, lässt sich alles.“ (Martin Heidegger: Südwestdeutscher Rundfunk 1999, CD V, Track 10). Dies sollte nicht nur Veganern eine Erkenntnis und Warnung sein!

  5. Eine kurze Richtigstellung:

    Dass der Schluss vom Fleischkonsum zum Welthunger ein (zu) kurzer ist, wenn nicht die vielen anderen Parameter der komplexen Gleichung berücksichtigt werden, ist eine Kritik, die ich, nur weil ich Marsili Cronberg zitiert habe, mitnichten gegen diesen Autor in Anschlag bringen wollte. Cronberg ist sich der komplexen Gleichung durchaus bewusst und weiß sehr wohl, dass nichts – und schon gar nicht der Welthunger – MONOKAUSAL ist: „Sie [die 30.000 Menschen, die jeden Tag in den armen Ländern verhungern], verhungern, weil die subventionierte Landwirtschaftspolitik des Westens die in Jahrtausenden gewachsenen landwirtschaftlichen Strukturen in ihren Ländern zerstört hat. Sie verhungern, weil in ihren Ländern das Futter angebaut wird, mit dem wir unsere „Nutztiere“ mästen. Sie verhungern, weil die Monokulturen die Fruchtbarkeit ihrer Böden zerstören. Sie verhungern, damit unser Essen billig wird. [...] Zwölf Milliraden Menschen könnten wir von der derzeitigen Pflanzenproduktion ernähren, wenn wir nichts mehr von Tieren essen. Wir würden Millionen Quadratmeter Regenwald retten. Millionen Menschleben. Billionen Tierleben.“ (Marsili Cronberg: Wie ich verlernte, Tiere zu essen. echo verlag: Göttingen, 2011, S, 28 ff.).

  6. Die Sojastory
    von Udo Pollmer

    Ob in Kochbüchern, Fachzeitschriften oder im Internet – überall begegnet man der gleichen Story über die Sojabohne: In China schon seit Jahrtausenden kultiviert und sich über ganz Asien verbreitend, gilt sie dort als heilige Pflanze. (…)

    (c) http://www.das-eule.de/html/eu_l_e_n-spiegel_ausgabe_4_2007.html

    Bitte kopieren Sie keine urheberrechtlich geschützten Texte in Ihren Kommentar. Verweisen Sie stattdessen falls möglich auf die Originalquelle. Vielen Dank!

  7. “Manchmal hört man den Vorwurf, dass die von Vegetariern und Veganern so gern verzehrten Sojaprodukte in Monokulturen angebaut werden und die Abholzung von Regenwald verursachen. Gerade dieses Argument offenbart eine Unwissenheit, die einfach nur wehtut.”

    Marsili Cronberg: “Wie ich verlernte, Tiere zu essen”, Echo Verlag: Göttingen, 2011, S. 36-38.

    Allein … beruhen nicht alle unsere Vorurteile auf Informationsdefiziten?

  8. Ich finde es echt unglaublich, wieviele Leute einen so großen Hass gegen den Veganismus entwickelt haben.
    Veganismus bedeutet für mich Liebe in der reinsten Form. Wir haben es geschafft, ohne es großartig einzuplanen, unsere Erde immer mehr kaputt zu machen, es entwickeln sich unglaublich viele Volkskrankheiten und immer mehr Gewalt, mehr als es je gegeben hat. Warum sollte eine vegane Lebensweise dies nicht verringern können?
    Ob es DIE Lösung ist, weiß ich nicht, will ich aber auch nicht abstreiten, ich weiß noch nicht alles, was ich gern darüber wissen würde.

    Ich bin keine Wissenschaftlerin, keine Ärztin oder politisch angestellt oder habe einen ähnlich hohen Job, aber ich weiß, dass es einfach nur falsch ist, das Leben anderer zu nehmen nur weil wir es können. Alles was du anderen antust, kommt in irgendeiner Form auf dich zurück. Es ist egal ob du das glaubst oder nicht. Es fängt klein an, mit deinem Verhalten gegenüber deinen Mitmenschen.

    WARUM seid ihr so herzlos? Das Leben eines Tieres ist dem Tier genauso wichtig wie euer Leben euch wichtig ist. Es gibt so viele Menschen, die sich gegen Pelz entschieden haben, weil dies mit unglaublichen Qualen verbunden ist, und es gibt so viele Menschen, die ihre Haustiere lieben und achten und gleichzeitig den Schweinebraten verdrücken. Kaum einer dieser Menschen würden Hunde, Katzen und Co. essen, aber Schweine, Kühe und Hühner sind ja lecker. Wieso nimmt man sich das Recht heraus, zu trennen??? Hat ein Tier nur dann Glück, wenn es als Haustier und nicht als sogenanntes >Nutztier< geboren wird?

    In einer Welt, in der die Schwächsten keine Chance haben, wie soll dann Gerechtigkeit und Liebe regieren? Das sollte sich jeder mal fragen. Also ist die Veganisierung der Welt für JEDEN ein Vorteil.

  9. „Menschen weigern sich ganz zu Recht, Vorgaben, die nicht begründet sind, als verbindlich anzuerkennen. [...] Was ‘man’ macht und was nicht, mag in den 1950er Jahren noch als Begründung ausgereicht haben. Heute aber nicht mehr. Und was Kirche, Eltern oder die Nachbarn sagen, hat keine Gesetzeskraft mehr. WER MENSCHEN UNSERER ZEIT SAGEN WILL, WAS RICHTIG UND WAS NICHT RICHTIG IST, MUSS ES BEGRÜNDEN KÖNNEN [Hervorhebung von mir; F.F.]. Alles andere ist für einen aufgeklärten Menschen eine Zumutung.“ (Rainer Erlinger: Moral. Wie man richtig gut lebt. Fischer Verlag: Frankfurt am Main, 2011, S. 17 f.)

    Ich kann dem, was Herr Erlinger da schreibt, voll und ganz zustimmen. Ich verstehe, dass es für einen aufgeklärten Menschen eine Zumutung ist, wenn man von ihm etwas fordert, ohne hierfür eine entsprechende Begründung zu liefern. Und doch beschleicht mich – gerade vor dem Hintergrund der täglichen Gräueltaten in den Mastanlagen und Schlachtstätten – ein Gefühl des Zorns. Ist es nicht arg bedenklich und traurig zugleich, wenn man einem Mitmenschen noch BEGRÜNDEN MUSS, warum es nicht richtig ist, einem Mitgeschöpf das zu nehmen, was ihm selbst am allerliebsten ist: das Dasein? Und ist es nicht noch bedenklicher, wenn dieser Mitmensch nach Erhalt der Begründung(en) versucht, fadenscheinige Argumente gegen jene Begründung(en) in Anschlag zu bringen, anstatt sein Verhalten zu überdenken oder gar zu verändern?

    Martin Heidegger gibt uns zu denken, wenn er schreibt: „[W]ir vermögen nur das, was wir mögen.“ (Martin Heidegger: Was heißt Denken? 4. durchges. Aufl. – Tübingen: Max Niemeyer, 1984, S. 1). Man mag dieses Diktum in Frage stellen oder nicht, allein was den Veganismus bzw. das Vermögen vegan zu leben betrifft, erblicke ich in jenem Diktum wenn nicht gleich eine Wahrheit, so doch zumindest eine Erklärung dafür, warum so viele Menschen – selbst nach Erhalt unzähliger Begründungen – dennoch nicht vegan werden (können).

  10. Veganismus ist, wie alle -ismen, eine sinnfreie Überhöhung eines im Kern sinnvollen Gedankens. Dabei sollte man es lassen. Seit so etwa 20 Jahren verfolge ich diese Diskussionen zwischen Veganisten, die verzweifelt versuchen Rechtfertigungen für ihr missionarisches Handeln aus den abstrusesten Quellen zu begründen – Plato war mal was Neues, zugegeben, aber auch ein echter Spitzenplatz in der Kategorie “Absurditäten” – und Leuten, die versuchen, Veganisten mit Tatsachen zu beeindrucken.
    Leute: vergesst das. Veganisten zögern keine Millisekunde, Katzen mit veganem Futter zu misshandeln und sogar schwerste Gesundheitsschäden bei ihren Kindern zu riskieren, solange nur die Ideologie passt. Todesfälle sind dokumentiert – nicht bei Katzen, die können sich wehren.
    Mahlzeit.

  11. ich will jetzt nicht in die diskussion pro / contra veganismus einsteigen aber zum thema 10:1 Futterverwertung bei der Fleischerzeugung:

    Sie schwankt je nach tier zwischen 0,7:1 (Fische in Aquakulturen nehmen zusätzliche Nahrung übers Wasser auf) bis 8:1 für Schafe. Schweine brauchen etwa 3 Kg für 1 Kg Gewichtszunahme

    http://www.landwirt.com/schweineberichte/Futter,9,Futterverwertung-bei-Schweinen.html
    http://en.wikipedia.org/wiki/Feed_conversion_ratio

    Wenn man schon diskutiert sollte man auch bei den Fakten bleiben

    gruß

    p.s. bin studierter landwirt und vegetarier

  12. Die Weisung, bei den Fakten zu bleiben, ist legitim, wirft aber irgendwann unweigerlich die Frage auf, WIE wir zu jenen Fakten gelangen. Im großen Stile und als letzte kamen – so glaube ich – die Neopositivisten in die Verlegenheit bzw. zu der Erkenntnis, dass alle Wahrnehmung theoriegeladen ist. Mit anderen Worten: dass Fakten bzw. TATsachen quasi “getane Sachen” sind und dass es sog. “letzte bzw. erste, elementare Tatsachen” entgegen ihrer eigenen Annahme nicht geben kann. (siehe hierzu: Der Wiener Kreis; Moritz Schlick, Rudolf Carnap, etc.). Oder um mit Wittgenstein zu sprechen: Wissenschaft mag Wissen schaffen. Allein Wissen ist im Grunde nichts anderes als begründeter Glaube, und aller begründeter Glaube beruht letztlich auf unbegründetem Glauben. Ohne hier jemanden diskreditieren zu wollen, denke ich, dass jene Einsicht für einen jeden von uns gilt – unabhängig davon, ob Fachmann oder Laie, Landwirt oder Kaufmann, Omnivore oder Veganer.

  13. @Fridolin Fröhlich: der Einwand, es gebe keine elementaren Tatsachen, mag im philosophischen Sinne greifen. Für diese Diskussion hier ist er irreführend, da sinnlos. Es geht nicht um irgendwelche tiefsinnigen Wahrheiten, sondern lediglich um eine Variante Lifestyle, die sich selbst allen anderen gegenüber als überlegen ansieht – und dazu, vorsichtig formuliert, waghalsige Behauptungen aufstellt. Diese Behauptungen hält kein Mensch für “Tatsachen”.

  14. @Max: Selbst wenn ich mit dir die Ansicht teilen würde, dass jene Einsicht (der Neopositivisten) nur in einem rein wissenschaftstheoretischen Sinne von Belang sei, müsste ich dir an dieser Stelle dennoch mitteilen, dass ich mit meinem letzten Kommentar auf den Beitrag von meinem Vorredner (gelegenheitsveganer) reagiert habe und ergo nur die rechnerischen bzw. statistischen Tatsachen im Auge hatte, also die heteronenen und sich oft widersprechenden Berechnungen, die im Diskurs gerne herangezogen werden, um die je eigene These zu untermauern.

    Unerklärlich ist mir allerdings, wie du zu der Ansicht gelangst, dass der Veganismus ”eine Variante Lifestyle (ist), die sich selbst allen anderen gegenüber als überlegen ansieht”. Ich für meinen Teil sehe im Veganismus einerseits eine (jeweils persönliche) Reaktion auf die Gräueltaten gegenüber nichtmenschlichen Tieren (sofern man diese überhaupt wahrzunehmen vermag), und andererseits eine theoretische Auseinandersetzung mit der conditio humana bzw. dem, was Albert Schweitzer “die Selbstentzweiung des Willens zum Leben” nannte.

    Postskriptum: Ich gebe dir gerne Recht, was die theoretischen Korrelation(en) zwischen Veganismus einerseits und Welthunger, Umweltschutz, Gesundheit andererseits betrifft. Sicher mag es hier unbestreitbare Zusammenhänge geben, allein die höchst volatilen Angaben, Berechnungen, Zahlen, etc. zeigen, dass hier das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist. Doch unbestreitbar ist und bleibt: dass durch eine unvegane Lebensweise Tiere getötet werden. Und ich denke, dass allein diese Tat bzw. Sache (die Tötung von Tieren für menschliche Zwecke) ausreicht, um sich für eine vegane Lebensweise zu entscheiden.

  15. Hass gegen Veganismus??
    Könnte doch sein, dass wir einen siebten Sinn haben, der uns vor so einem Unsinn bewahrt.
    Was fehlt, ist der Nachweis, dass strikte vegane Ernährung vorteilhaft ist für die Gesundheit.
    Betrachtet man die traditionellen Ernährungsweisen der Völker rund um den Globus, dann fällt eines auf:
    das tierische Fett spielt(e) immer eine wichtige Rolle in der Ernährung. Sei es im Himalaya, in der Mongolei, bei den Russen, Rumänen, etc…selbst bei vegetarisch lebenden Indern ist das nicht anders!
    Nur hier im Westen redet man den Leuten ein, dass es schlecht sei, (tierisches) Fett zu essen. Und (fast) alle fallen darauf herein. Veganismus ist DIE Kulmination dieser Ernährungslüge.
    Das sieht man schon im Positionspapier der American Dietetic Association:
    Da werden gesättigte Fettsäuren und Cholesterin als gesundheitsschädlich dargestellt. Nur:
    das beruht auf uralten Ansichten, die wissenschaftlich längst widerlegt wurden. Je weniger (tierisches) Fett – desto kränker und degenerierter werden die Leute!
    Man kann das gut studieren an Veganern, die es geschafft haben, sich über Jahrzehnte mit dieser eigentümlichen Diät zu quälen: dünn, abgemagert und “vertrocknet” sehen solche Leute aus (vor lauter Fettmangel).
    Es gibt viele Möglichkeiten, um gegen Klimawandel und Hunger in der Welt aktiv zu werden – Veganismus ist der falsche Weg.
    Das Böse verbirgt sich in unserem Finanz – und Wirtschaftssystem. Massentierhaltung und das fliessbandmässige abschlachten der Tiere ist Ausdruck dieses kranken, teuflischen Systems – jedoch nicht die Ursache für das Böse in der Welt.
    (Literaturempfehlung: “Mehr Fett”, Systemed-Verlag; “Der große Cholesterin-Schwindel”, Kopp-Verlag)

  16. “Was fehlt, ist der Nachweis, dass strikte vegane Ernährung vorteilhaft ist für die Gesundheit.”

    Mal abgesehen davon, dass es diesbezüglich (also bezüglich der veganen Ernährung) bereits genügend Nachweise gibt, empfehle ich jedem, der solche oder ähnliche Nachweise fordert, ein Studium der Wissenschaftstheorie und/oder der Ernährungswissenschaft. Zwei Jahrzehnte müssten hier genügen, um in Erfahrung zu bringen, dass Theorien weniger FALSIFIZIERT als vielmehr von neuen Theorien ABGELÖST werden; mit anderen Worten: dass es auch in der Wissenschaft sog. “methodologische Moden” (vorherrschende Erklärungsmodelle, Paradigmen) gibt. Was gestern als “gesund” galt, ist es heute nicht mehr und vice versa. Infolgedessen spricht man heute nicht mehr von (wissenschaftlichen) “Wahrheiten”, sondern nur noch von “Arbeitshypothesen”, alles andere wäre auch überaus ermüdend (für einen Verstand, der (alteuropäisch immer noch) nach DER Wahrheit verlangt bzw. dieselbe sucht).

    Ich denke: Wenn uns Heutigen etwas FEHLT, so ist es die Einsicht, dass wir die Ausbeutung und Tötung von Mitgeschöpfen mit Argumenten zu rechtfertigen versuchen, die allesamt an den Haaren herbeigezogen sind.

  17. @amirim: Du greift hier die Rede von der Rezensentin (Anke Schuhardt) auf, die bei ihrer Lektüre von VEG UP bedauerlicherweise nicht recht aufmerksam war, denn an keiner Stelle seiner Arbeit behauptet Vagedes, der Veganismus sei ein Kampf gegen das “Böse” (in der Welt). Nirgends ist zu lesen, dass der Veganismus EIN oder DAS oder gar DAS EINZIGE Mittel sei, das Böse aus der Welt zu schaffen. Überhaupt handelt es sich bei den wenigen Stellen, an denen vom “Bösen” die Rede ist, um Zitate aus der Geistesgeschichte und NICHT um die persönliche Ansicht des Autors. Auch hat Vagedes – entgegen der Interpretation der Rezensentin – weder explizit noch implizit behauptet, dass Fleischesser böse Menschen seien. Dies sollte man sich vergegenwärtigen, wenn man beabsichtigt, eine gerechtfertigte Kritik von VEG UP zu liefern. Aber allen voran sollte man das Buch erst einmal lesen.

  18. Fridolin Fröhlich@:
    die Ansicht, tierische Fette und Cholesterin im Essen sei schädlich, konnte wissenschaftlich nie verifiziert werden.
    Von Beginn dieser unheilvollen Fett-Phobie an wurde seitens der Wissenschaft gelogen und getrickst.
    ES HANDELT SICH ALSO NICHT UM EINE NEUE THEORIE, WENN ALTE IRRTÜMER ENTLARVT WERDEN.
    Die Rehabilitation tierischer Fette ist mehr als überfällig.
    Es braucht kein Studium der Ernährungswissenschaft, um zu erkennen, dass Veganismus langfristig der Gesundheit schadet.
    Man braucht sich nur mal mit traditionellen Ernährungsweisen beschäftigen: nirgendwo gibt es Völker, die von Natur aus vegan leben.
    Das ist sicher kein Zufall oder Willkür. Jede natürlich gewachsene Ernährungstradition hat einen tieferen Sinn.
    Jedoch der von Ideologien und von falschen Theorien verblendete Zivilisations-Veganer kann das nicht mehr nachvollziehen.
    Beispiel Indien: weshalb verwenden Vegetarier in Indien die Milch ihrer Kühe?? Der überzeugte Veganer würder sicher schreien: “Ausbeutung, Ausbeutung!” NEIN, DAS IST EINE BIOLOGISCHE NOTWENDIGKEIT.
    So eine Floskel aus der marxistischen Klassenkampfideologie ist hier völlig unangebracht. Es ist keine Erfindung des Menschen, aus dem Leben anderer Geschöpfe einen Nutzen zu ziehen. Das lässt sich gar nicht vermeiden, will man nicht die Schöpfungs-Ordnung komplett auf den Kopf stellen.

  19. @amirim: An diesem Punkt stellen sich unweigerlich zwei Fragen: 1.) WOHER willst du wissen, dass Veganismus on the long term der Gesundheit schadet? Selbst wenn du hier aus eigener Erfahrung sprächest, also bereits einige Jahre oder gar Jahrzehnte vegan gelebt hättest – was ich allerdings bezweifle –, müsste ich dich doch darauf hinweisen, dass deine kausale Verknüpfung zwischen dem gesundheitlichen Gebrechen und der veganen Ernährungsweise in zweifacher Weise nicht zu einer Verallgemeinerung taugt. Denn einerseits ist vegane Ernährung nicht gleich vegane Ernährung. Sowohl derjenige, der lediglich Rohkost zu sich nimmt, als auch derjenige, der sich überwiegend von denaturierten Fleischersatzprodukten und dergleichen Zeug ernährt, ist per definitionem ein Veganer. Ich möchte und kann mich hier nicht für die eine oder andere vegane Ernährungsweise aussprechen, gebe aber zu bedenken, dass man sich selbst als Veganer schlecht bzw. „ungesund“, weil einseitig ernähren kann. Vor diesem Hintergrund muss die Behauptung, dass Veganismus auf lange Sich der Gesundheit schadet, auf deine Person bzw. Ernährungsweise beschränkt werden. Aber selbst nach dieser Beschränkung stellt sich die Frage – nunmehr aber in einem anderen Gewandt – 1.) WOHER willst du wissen, dass DEIN Veganismus bzw. DEINE vegane Ernährung auf lange Sicht DEINER Gesundheit geschadet hat? Wir brauchen hier keinen Friedrich Nietzsche zu konsultieren, um zu erkennen, dass dergleichen Korrelationen WILLKÜRLICHER Natur sind („Gebe den Menschen einen Grund, und sie sind glücklich!“) – oder, um den radikalen Nietzsche etwas abzumildern: dass solche Korrelationen rein SUBJEKTIVER Natur sind. Wie dem auch sei, ich selbst ernährte mich 20 Jahre lang vegetarisch; und erst seit knapp zwei Jahren lebe ich vegan. Wenn du mit deiner Behauptung Recht hättest, wäre ich im Begriff bzw. auf bestem Wege, mich sukzessive meiner Gesundheit zu berauben( ein „kulinarischer Suizid auf Raten“ sozusagen). Die Frage ist nur: Wenn ich noch dieses Jahr das Zeitliche segnen würde, wäre dann meine zweijährige vegane oder meine 20-jährige vegetarische Ernährung der Grund meines Ablebens? Aber vielleicht gibt es noch andere Gründe für einen plötzlichen Tod, obgleich ich es verstehe, wenn Veganismuskritiker den Tod (oder auch nur die mangelnde Gesundheit) von Veganern gerne heranziehen, um ihre Argumentation zu stützen. Und so komme ich schlussendlich zur zweiten Frage, die nicht lauten kann: WOHER willst du wissen, dass Veganismus langfristig der Gesundheit schadet? sondern: WARUM willst du wissen, dass Veganismus langfristig der Gesundheit schadet? Und mit dieser Frage gelangen wir, ob wir es nun wollen oder nicht, wieder bei Nietzsche, von dem wir lernen können, dass eine Erkenntnis niemals „herrenlos“ ist bzw. dass sich hinter einer jeden Erkenntnis ein Interesse verbirgt.

  20. Postskriptum @amirim: Im Duden finde ich unter dem Schlagwort “Ideologie” mitunter den Eintrag “weltfremde Theorie”. Dass der Veganismus, wie gerne behauptet wird, eine weltfremde Theorie ist, vermag ich nicht zu erkennen. Vielmehr ist er eine DER Welt fremde Theorie. Und nur solange der Veganismus eine der Welt fremde Theorie ist, kann die Welt in ihm eine weltfremde Theorie erblicken.

    Nachfrage: Wenn ich deinen letzten Beitrag richtig verstanden habe, ist dir daran gelegen, den Konsum von tierlichen Produkten (und die damit meistenteils verbundene Tötung von Tieren) dadurch zu rechtfertigen, dass du auf eine vermeintliche NOTWENDIGKEIT dieser Produkte für die menschliche Gesundheit hinweist, richtig?

  21. @fridolin Fröhlich: Warum sollte man den Konsum von Tierprodukten überhaupt rechtfertigen müssen? Geht man mit Machiavelli, rechtfertigt man sich nur für solche Taten, die man unter anderen Umständen als falsch einstufen würde. Das Problem sehe ich beim Konsum von Tierprodukten ( zumindest für mich) überhaupt nicht. Für mich ist er selbstverständlich. Mir ging es hier auch nicht um die Rechtfertigung meines Konsums, anderen sicherlich auch nicht, sondern um nur die Tatsache, dass Vagedes mit offensichtlich falschen und zweifelhaften Argumenten gegen den Konsum von Tierprodukten auf Bauernfang für den Veganismus geht.

  22. @AVSchweini

    Deine Frage („Warum sollte man den Konsum von Tierprodukten überhaupt rechtfertigen müssen?“) und deine [Tatsachen]Behauptung („dass Vagedes mit offensichtlich falschen und zweifelhaften Argumenten gegen den Konsum von Tierprodukten auf Bauernfang für den Veganismus geht“) sind meiner Ansicht nach ein Beleg dafür, dass du den Zusammenhang zwischen der Rechtfertigung unseres Konsumverhaltens einerseits und deiner Kritik an Vagedes andererseits nicht zu sehen vermagst.

    „Die einzige Absicht, um derentwillen Macht regelmäßig über irgendein Mitglied einer zivilisierten Gemeinschaft gegen seinen Willen ausgeübt werden kann, ist DIE SCHÄDIGUNG ANDERER ZU VERHINDERN [Hervorhebung von mir; F.F.].“ (John Stuart Mill: „Über Freiheit“. Frankfurt am Main: Europäische Verlagsanstalt,1969, S. 16).

    Dass man sich mit dem Konsum tierlicher Produkte SELBST bzw. seine Gesundheit schädigen kann, darüber lässt sich vortrefflich streiten, tut hier aber nichts zur Sache, geht es doch [nicht nur in „VEG UP“] hauptsächlich darum, dass man durch den Konsum tierlicher Produkte ANDERE schädigt (Wer doch hierüber streiten möchte, dem bietet das neue Buch von Herrn Dahlke eine Steilvorlage: Ruediger Dahlke: „PEACEFOOD. Wie der Verzicht auf Fleisch und milch Körper und Seel heilt“. München: GU Verlag, 2011).

    Wie sehr der Konsum tierlicher Produkte die hierfür gezüchteten, gemästeten und getöteten Tiere schädigt, ist ausreichend dokumentiert und braucht an dieser Stelle nicht eigens thematisiert werden. Wie der Konsum tierlicher Produkte unsere Umwelt, andere Völker und deren Umwelt(en) schädigt, ist ebenso hinlänglich bekannt und kann seit Jahrzehnten in vielen disziplinären aber auch interdisziplinären Arbeiten nachgelesen werden. Um hier nur einige zu nennen:

    Harald Lemke: „Ethik des Essens. Eine Einführung in die Gastrosophie“. Berlin: Akademie Verlag, 2007 [Kap. 6.: Ingredienzen einer Kritischen Theorie des guten Essens (S. 435-450)].

    Christian Hoffstadt et al. (Hg.): Gastrosophical Turn. Essen zwischen Medizin und Öffentlichkeit. Bochum/Freiburg: Projekt Verlag, 2007. [hier insbesondere der Beitrag von Karsten Weber: „Beim Essen lasse ich mir nicht reinreden. Essen und Autonomie (S. 89-102)].

    Iris Därmann (Hg.): Die Tischgesellschaft. Philosophische und kulturwissenschaftliche Annäherungen. Bielefeld, transcript Verlag, 2008 [hier insbesondere der Beitrag von Harald Lemke: „Welt-Essen und Globale Tischgesellschaft. Rezepte für eine gastrosophische Ethik und Politik“ (S. 213-236)].

    John Robbins: „Food Revolution“. Freiburg: Hans-Nietsch-Verlag, 2003 [Teil 3: Es geht um unsere Umwelt/Es war einmal ein Planet/Den Hunger beenden (S. 245-319)].

    Ruthenberg, Silke: „Viva Vegan Basics. Fakten und mehr über eine moderne Lebensphilosophie”. München: Animal Peace, 2007 [Hunger und Fleischeslust/Über das Welternährungsproblem, Krieg und Frieden, Die Zerstörung der Natur mit Messer und Gabel (S. 95-113)].

    Birgit Klaus: „Tier zuliebe. Vegetarisch leben – eine Kostprobe“. Diederichs Verlag: München, 2011 [Klimawandel (S. 47 ff.)].

    Stiftung Warentest (2010): test Jahrbuch 2011. Über 100 Tests und Reports. Berlin [„Unser täglich Fleisch“ (S. 16)].

    Optiz, Christian: „Ernährung für Mensch und Erde. Grundlagen einer neuen Ethik des Essens“. Emmendingen: Hans Nietsch, 2010.

    Jonathan Safran Foer: „Tiere essen“. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 7. Aufl. 2010.

    Bei Bedarf führe ich gerne noch weitere Titel hinzu. Nun aber zurück zum Thema. Deine eingangs gestellte Frage („Warum sollte man den Konsum von Tierprodukten überhaupt rechtfertigen müssen?“) braucht man GENAU DANN nicht zu beantworten, WENN man leugnet bzw. nicht zu sehen vermag, inwiefern der Konsum tierlicher Produkte ANDERE schädigt. Was ich hingegen nicht zu sehen vermag, ist: was daran schlecht sein sollte, auf die ökologischen und sozialen Zusammenhänge und Hintergründe unseres Konsumverhaltens hinzuweisen, wie es mit „VEG UP“ ein weiteres Mal geschieht?

  23. @Fridolin: Was bringt nun dein bibliographisches Bashing für eine neue erkenntnis für mich? Natürlich weiß ich, dass durch meinen Konsum Tiere sterben. Und nun? Warum sollte das automatisch ein Grund für mich sein, auf Tierprodukte zu verzichten? Ist jeder ein rigoroser Pathrozentist oder ein Biozentrist?
    Was Vagedes betrifft, stört es mich nicht im geringsten, dass jemand auf negative Folgen unseres Konsumverhaltens hinweist. Mich stört nur die Herstellung einer Äquivalenz zwischen der Beseitigung allerlei Weltprobleme und Veganismus als einzig wahre Maßnahme, obwohl man diesen nur aus einem Grunde notwendig nennen könnte – nämlich dann wenn man sich sogenannten Tierrechten verschrieben hat.

  24. @AVSchweini

    “Was bringt nun dein bibliographisches Bashing für eine neue Erkenntnis für mich?” Antwort: Eine, die du scheinbar nicht sehen bzw. thematisieren willst. 

    “Natürlich weiß ich, dass durch meinen Konsum Tiere sterben. (…) Warum sollte das automatisch ein Grund für mich sein, auf Tierprodukte zu verzichten?”

    Es ging mir mitnichten um den Hinweis, dass durch unsere Konsumgewohnheiten massenhaft Tiere gequält und getötet werden; ansonsten würden wir uns jetzt in der Tat über Tierrechtspositionen (Patho- oder Biozentrismus und dergleichen) austauschen.

    Mit dem bibliographischen Bashing wollte ich lediglich darauf hinweisen, dass “VEG UP” nur eine unter vielen Publikationen ist, mit der SYNERGISTISCH argumentiert wird (siehe meinen Beitrag vom 27.09.)

    IST DENN, wenn man für wahr nimmt, dass wir durch den Konsum tierlicher Produkte eben nicht “nur” Tiere, sondern in eins auch uns selbst (auf indirektem Wege) schädigen, DER RÜCKSCHLUSS NICHT LEGITIM, dass wenn wir gesamtgesellschaftlich vegan denken bzw. handeln würden, all jene “Schädigungen”, wenn schon nicht gänzlich, so doch zumindest in einem nicht unerheblichen Maße aus der Welt schaffen können?

  25. Postskriptum @AVSchweini:

    Den Veganismus als ein Allheilmittel, ein oder sogar DEN Schlüssel (zum Paradies auf Erden), oder als Kampf gegen das Böse in der Welt zu betrachten, kam NICHT aus der Feder von Vagedes! Diese Metapher wurde lediglich (aus welchen Gründen auch immer) von Anke Schuhardt in Anschlag gebracht.

  26. @Fridolin Fröhlich

    “Mit dem bibliographischen Bashing wollte ich lediglich darauf hinweisen, dass “VEG UP” nur eine unter vielen Publikationen ist, mit der SYNERGISTISCH argumentiert wird (siehe meinen Beitrag vom 27.09.)”

    Also ich sehe in der Liste nur tendenziöse Literaten. Du verlangst doch nicht von mir, dass ich die Ruthenberg ernst nehme?

    “IST DENN, wenn man für wahr nimmt, dass wir durch den Konsum tierlicher Produkte eben nicht “nur” Tiere, sondern in eins auch uns selbst (auf indirektem Wege) schädigen, DER RÜCKSCHLUSS NICHT LEGITIM, dass wenn wir gesamtgesellschaftlich vegan denken bzw. handeln würden, all jene “Schädigungen”, wenn schon nicht gänzlich, so doch zumindest in einem nicht unerheblichen Maße aus der Welt schaffen können?” Abgesehen davon, dass dieser Schluss mittel- und langfristig mehr als unrealistisch ist, da es keine vegane Gesellschaft geben wird, kann man ihn natürlich ziehen, wenn man meint, dass Tiere irgendwelche Rechte hätten. Wenn man das, wie ich, nicht so sieht, kommt man natürlich zu anderen ebenfalls legitimen Schlussfolgerungen. Ein Problem habe ich jedoch, wenn man wie Vagedes auf Halbwahrheiten und einseitiges Quellenmaterial zurückgreift, um seinen Schluss als einzig wahren herauszustellen.

    “Den Veganismus als ein Allheilmittel, ein oder sogar DEN Schlüssel (zum Paradies auf Erden), oder als Kampf gegen das Böse in der Welt zu betrachten, kam NICHT aus der Feder von Vagedes! Diese Metapher wurde lediglich (aus welchen Gründen auch immer) von Anke Schuhardt in Anschlag gebracht.” Oh doch, das ist sehr wohl auf Vagedes’ Mist gewachsen, d. h. Du kennst seine Position nicht richtig. Vagedes stellt den Veganismus höchstselbst als Allheilmittel und einzig wahres Konzept gegen den Welthunger da, was Du u. a. hier bewundern kannst:

    https://www.facebook.com/topic.php?uid=154920631216030&topic=598

    Dort zeigt er auch noch einmal eindrücklich, dass er mit Kritik und Zweifeln an seiner Position nicht richtig umgehen kann.

  27. Millerweile sind viele Ortsverbände der Veganen Gesellschaft e.V. wegen Christian Vagedes zurückgetreten und haben sich aufgelöst! z.B. Hamburg, Trier usw.

    Die meisten wollen mit einem Christin Vagedes NICHTS mehr zu tun haben. Auch aus der Tierschutzpartei ist er rausgeflogen, JETZT wollen auch Veganer nichts mehr mit Vagendes zu tun haben.

    @Fridolin Fröhlich
    Warum gibt es heut immer mehr ESSgestörte Kinder und Jugendliche? Besonders Mädchen sind betroffen!

  28. Es geht nicht darum, Frau Ruthenberg ernst zu nehmen. Es geht darum zu zeigen, INWIEFERN die synergistische Argumentation verbesserungswürdig ist. Und da lese bzw. sehe ich noch keinen, der hier eine gerechtfertigte Kritik in Anschlag bringen würde.

    PS.: Hier ein weiterer Aufreger für dich:

    “Am 16.10. war Welternährungstag. Schreibe dazu doch einen Leserbrief in deiner Zeitung, der den Zusammenhang zwischen Welthunger und Fleischkonsum aufzeigt.”

    Quelle: http://www.peta.de/aktionswochevegan

  29. @AVSchweini:

    Will nicht nerven, aber ich könnte dir reihenweise Thesen zitieren, aus denen eindeutig hervorgeht, dass Vagedes den Zusammenhang zwischen Veganismus und Welthunger weder verabsolutiert noch monokausal interpretiert. Im folgendenden nur die drei jüngsten Aussagen zu jenem Thema:

    “Wenn man einmal überlegt, dass der Regenwald hauptsächlich nur deswegen abgeholzt wird, weil dort Futtermittel angebaut werden für unglückliche Tiere, und wir eigentlich alle den Regenwald erhalten wollen, dann liegt der Schritt eigentlich nahe, dass wir sagen: ok, dann können wir wenigstens das tun, was wir machen können. Wir haben ja die Souverenität, unser Verhalten zu ändern; und wenn wir uns entscheiden, uns vegan zu ernähren, dann helfen wir DABEI, dass dieser Regenwald eben nicht komplett abgeholzt wird.” (Hervorhebung von mir; F.F.).

    O-Ton Christian Vagedes am 15.10.2011 im “Vegetarischen Terzett” auf der Frankfurter Buchmesse.

    „es ist ohne frage der konsum sämtlicher nichtveganer produkte dafür MITverantwortlich, dass es keine gerechte nahrungsmittelverteilung auf der welt gibt [Hervorhebung von mir; F.F.]“

    Christian Vagedes: VEG UP. Die Veganisierung der Welt. Kapitel 26, S. 229.

    “Hilfreicher als die Einführung (einer “unsinnigen” Fettsteuer; F.F.) wäre ganz dringend etwas anderes: die Abschaffung aller Subventionen für Produkte, die Tierprotein enthalten. Es sind übrigens dieselben Produkte, die auch den Menschenhunger, das Tierleid und die Regenwaldvernichtung FÖRDERN (Hervorhebung von mir; F.F.).”

    Christian Vagedes im Streitgespräch  ”Braucht Deutschland eine Fettsteuer?” in der taz vom 15.10.2011

    Wir sind im Begriff, uns in aller Öffentlichkeit die Haare zu spalten. Da ich dich weder für eine vegane Lebensweise gwinnen noch dich von deiner These abbringen wollte, schlage ich vor, dass wir es hiermit bewenden lassen und vielleicht eine Dissenz-Friedens-Pfeife rauchen – aber nur, wenn dieselbe vegan ist ;-)

  30. Postskriptum @AVSchweini:

    Dass das von den westlichen Konzernen betriebene “land grabbing” auch aus anderen Gründen (als zum Futtermittelanbau) – also selbst NACH einer Veganisierung der Warenwelt – stattfinden könnte, dürfe unstrittig sein.

  31. Und wieder wird ein Parameter mehr in der komplexen Gleichung des Welthungerproblems thematisiert:

    Die Verbraucherorganisation Foodwatch attackiert die Banken: Weil die Institute auf Agrarpreise wetten, hätten sie Mitschuld am weltweiten Hungerproblem:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,792387,00.html

  32. @alle

    Die Diskussion auf den Punkt gebracht (Einen aktuelleren Beitrag als diesen wird man nicht finden):

    „Man mag einwenden, die Tierprodukte seien für den Welthunger nicht ursächlich, sei das Problem doch primär eines der Verteilung im Weltmarkt und der global-lokalen politischen Rahmenbedingungen, die oft zu wünschen übrig lassen. In der Tat: Der Welthunger ist ein strukturelles Problem. Insofern aber das Steak des Nordens das Soja des Südens ist, prägt der Nahrungsumweg über das Tier die strukturelle Situation nicht unwesentlich mit; ohnehin schon bestehende Verteilungsprobleme werden durch die Ressourcenverknappung verschärft; und die gigantische Soja- und Getreidenachfrage der reichsten Länder treibt die Weltmarktpreise in die Höhe, was die ärmsten trifft. (Von der Spekulation auf Nahrungsmittel gar nicht zu reden.)
    So fasst auf der internationalen Politbühne denn auch mehr und mehr die Erkenntnis Fuss, dass die (tierbasierte) Ernährung nicht Privatsache, sondern Politikum ist, und in wissenschaftlichen UN-Reports ist zu lesen, ein Abschied von den Fleisch- und Milchprodukten sei der Welt dringend anzuempfehlen: Der Veganismus kann einen wichtigen Beitrag zur Lösung der vielfältig-verzahnten ökologischen und sozioökonomischen Probleme leisten, die sich angesichts des Weltwirtschafts- und -Bevölkerungswachstums noch gefährlich zu verschärfen drohen.“

    Autor: Adriano Mannino

    Quelle: http://www.tier-im-fokus.ch/mensch_und_tier/veganismus_linke/ Artikel vom 18.10.2011

  33. @Patrick: Hättest Du doch wenigstens die UN-Reports selbst zitiert und nicht irgendwelche Tierrechtsseiten, die sich sowieso alles so zurecht drehen, dass der Veganismus quasi unausweichlich wäre. Das sagt nämlich kein UN-Report, weder der UNEP-Report für Maßnahmen bis 2050 noch die FAO. Die aktuelle Entwicklung geht eher dahin, die Viehwirtschaft zukunftsfähig zu machen, nicht sie abzuschaffen, was auch nur dann eine Option wäre, wenn man tatsächlich keinerlei Viehwirtschaft nachhaltig betreiben könnte. Und das müssten Veganer erst einmal beweisen, was sie, wie bereits sagte, ohnehin nicht können, weil es schier absurd ist.
    Aber das ist eine typische Tierrechtsmasche, die seit Jahren immer mehr zunimmt: Da die Moralkeule nicht bei allen funktioniert, fährt man Trittbrett auf Klimastudien, Studien zu Gesundheit, Umwelt usw., um den auch den anderen Leuten einzuimpfen, dass Tierprodukte in jedem Falle nachhaltigen Schaden für Umwelt und die eigene Person anrichten würden. Die Spanne der Argumentation dabei geht von Menschen, die meinen, der Veganismus sei schlechthin notwendig, um alle möglichen Weltprobleme zu heilen, bishin zu Leuten, die meinen, der Veganismus könnte einen gewissen Beitrag leisten. Je mehr die Argumentation in erstere Richtung tendiert, desto lächerlicher machen sich die Leute.

    Die Agrarwissenschaft hierzulande forscht übrigens seit Jahren an nachhaltigen Methoden, um Sojaimporte etc. einzudämmen, wobei es unzählige Parameter gibt, die die Situation verbessern können, angefangen von der Leistungssteigerung der Tiere, die bereits hierzulande einen erheblichen Beitrag zur Senkung von THG sowie Einsparung von Futtermitteln geleistet hat und von der FAO als wichtige weltweite Maßnahme gefordert wird, bishin zur Veränderung von Futterzusammensetzungen (regionale Alternativen wie Rapsschrot, Getreideschlempe etc. statt Soja, die auch funktonieren, aber häufig teurer sind oder von den bauern mit Skepsis betrachtet werden), Ertragsteigerung von Futter/Pflanzen, noch engere Koppelung von Fleisch- und Milchproduktion (um Futter zu sparen) usw. Hinzuziehen kann man noch andere Parameter, wie die Abschaffung bzw. Eindämmung unsinniger Normierungen, und dann hat bereits einen großen Teil wirksamer Maßnahmen ergriffen, ohne auf einen Verzicht hinzusteuern, den sowieso kein Mensch will – abgesehen von ein paar Tierrechtlern.

  34. @christian Vagedes schreibt.
    “soja ist kein “muss” für veganer. aber die lächerliche anti-soja-propaganda”

    Merkmürdig, betreiben sie nicht lächerliche Vegan Propaganda?

    Schauen sie mal, hier mit WISSENSCHAFTLICHEN Studien über Soja…

    http://www.youtube.com/watch?v=E5Qe1DlWzIY

  35. @AVSchweini

    Ich denke, wir bewegen uns hier auf einem diskursiven Schlachtfeld, auf dem Interessen aller Art mit im Spiel sind. Jede Partei interpretiert sog. „Fakten“ im Sinne der eigenen Position, sodass man sagen kann, dass sich hinter einer jeden Behauptung – aus welchem Lager sie auch immer kommen mag – ein spezifisches Interesse verbirgt. Das gilt nicht nur – wie du es bereits mehrfach herausgestellt hast – für die vegane Bewegung. Das gilt gleichfalls für die Landwirtschaft, die Politik, die Lebensmittelindustrie, etc. Auf welche argumentative Seite man sich nun schlägt, hängt, so wage ich zu behaupten, ebenfalls von höchst eigenen Interessen ab. Hier geht es mitnichten um den zwanglosen Zwang des besseren Argumentes, sondern lediglich um die Durchsetzung des jeweils eigenen Interesses. Von daher findet unsere Diskussion auch keinen Punkt.

  36. @Patrick 1. Word! 2. Um sich der Interessenpolitik zu entziehen, müsste man verschiedene Quellen zum Strietpunkt kritisch distanziert betrachten.

  37. @AVSchweini

    “kritisch distanziert betrachten” klingt gesund, ist aber schwer bis gar nicht umsetzbar, da ein jeder von uns höchst eigene Interessen mit in den Diskurs bringt, wie z.B. den Legitimationversuch der eigenen Ernährungsgewohnheiten, um dieselben nicht ändern zu müssen; oder aber den Willen/Wunsch, dass andere die eigenen Ernährungsgewohnheiten übernehmen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Allein diese zwei Beispiele bestimmen den Diskurs – sozusagen “subkutan” – negativ. Von daher auch das übliche Lamento, ohne jeglichen Erkenntnisgewinn.

  38. @AVSchweini

    Was meinst du mit 1. Word! ???

  39. @FF: Ich würde sagen es ist schwierig, aber nicht unbedingt unmöglich umsetzbar, da Situationen zumindest denkbar sind, in denen der Urteilende gar kein Interesse hat, irgendeine Perspektive zu legitimieren, da es ihn nicht tangiert. Andernfalls (sicher meistens) ist Befangenheit wohl immer ein nicht zu unterschätzender Faktor.

    @Patrick: Das bedeutet soviel wie Zustimmung.

  40. @AVSchweini

    Da wir oft nicht willens oder auch nur fähig sind, von den eigenen Präferenzen zu abstrahieren, sollte man zumindest die eigenen Interessen explizit offenlegen, bevor man im Diskurs eine Behauptung in Anschlag bringt. Das würde ein jedes Streitgespräch erleichtern (oder gar bereichern). Ich für meinen Teil sehe zumindest einen gemeinsamen Nenner darin, dass wir alle sowohl GEGEN das Tierleid als auch GEGEN die (nicht monokausal verursachte) Hungersnot auf Erden sind.

  41. @allgemein

    Einen weiteren Aspekt der komplexen Gleichung des Welthungers thematisiert gegenwärtig foodwatch.de:

    http://www.foodwatch.de/e10/e45260/e45290/

  42. auch nicht ohne: Die Doku Taste The Waste: http://www.youtube.com/watch?v=O0nVio_7Cl8

    Sie zeigt z. B., wie Lebensmittel und potenzielle Lebensmittel den Verbraucher gar nicht erreichen, da unsinnige Normierungen, Vorschriften etc. dazu führen, das ein Großteil erstklassiger Lebensmittel einfach vorher weggeworfen oder gar nicht erst von den Feldern geerntet wird, weil Größe, Form, Aussehen etc. nicht stimmen, übertriebene Mindesthaltbarkeitsdaten existieren u.a. Ein anderes Kapitel sind Biogasanlagen ud Biokraftstoff.

  43. Anscheinend ist die Vegane Gesellschaft zwar für konsequenten Tierschutz, sonst aber eher nicht so reflektiert.
    http://veganlegion.org/vgd-abschied.pdf

  44. “Eine rein pflanzliche (vegane) Ernährung ist die schonendste Lebensweise für Tiere, Umwelt und Klima”, so Sebastian Zösch, Geschäftsführer des VEBU.

    Angesicht der zahlreichen heterogenen Widerstände innerhalb der die Gesellschaft konstituierenden Subsysteme denke ich, dass es noch ein paar Jahre dauern wird, bis diese Einsicht im Zentrum der Gesellschaft ankommt.

  45. Also bitte, Herr Pullez, Zösch und der Vebu selbst ist nun keine seriöse Quelle, auf die man seine Gewissheiten stützen sollte. Die erzählen noch mehr Unsinn als Vagedes und machen halb Deutschland zu Teilzeitveggies. Aber alles was Zöschilein sagt, hat natürlich Hand und Fuß. :D :D :D Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Veganismus, solange er sich nicht als alternativlos (also notwendig) erweist, was mir trotz ständigen Fragens (auch hier irgendwo) noch kein Veganer zeigen konnte, nicht die geringste Chance hat. Warum soll der Mensch so bescheuert sein, freiwillig schwere Einbußen hinzunehmen, die überhaupt nicht notwendig sind? – weder für Gesundheit noch für die Umwelt. Wenn die Veganlobby keine besseren Argumente hat, reicht der nächste Bratwurststand um das Kartenhäuschen zum Einsturz zu bringen.

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