Politisierung des Blicks

Politisierung des Blicks
Politische Bilder, sensible Blicke

Workshop
Mit Inga Schaub, Kulturwissenschaftlerin; Ernst Volland, Künstler, Kurator; Lena Crasemann, Kunsthistorikerin; Jonas Wilisch, Fotograf
Kultur/Medien
09.02.201312:00Uhr bis18:00Uhr
Vierte Welt, Berlin (Kottbusser Tor, Zugang über Außentreppe Adalbertstr. 96)

Susan Sontag beschreibt in „Das Leiden anderer betrachten“ die für die Moderne typische Erfahrung, dass wir durch die Fotografie zu Zuschauerinnen und Zuschauern von Gräueltaten werden, die sich an weit entfernten Schauplätzen abspielen. Aber wie und warum überhaupt kommen Bilder von Krieg und Elend auf die Titelseiten unserer Zeitungen und die Bildschirme unserer Fernseher und Computer? Was passiert, wenn ich diese Bilder betrachte? Wie kann ich mich einerseits öffnen, um sie auf mich wirken zu lassen, aber andererseits den Abstand einnehmen, den ich brauche, um über das Gesehene nachzudenken, es zu verarbeiten und vielleicht sogar zum Handeln bewegt zu werden? Der Werkstatttag bietet die Möglichkeit, sich diesen Fragen anhand von gemeinsamen Bildbetrachtungen zu widmen. Die Erfahrung des Blickens, die jeweiligen Bildmotive sowie der Vorgang der Bildwahrnehmung soll mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutiert werden.
Die Auseinandersetzung mit massenmedial verbreiteten Bildern von Not und Elend bildet einen wichtigen Ausgangspunkt für das Projekt „Poltisches Solo“, das danach fragt, was politisches Handeln heute heißen kann. Gerade Bilder von Kriegen, Hungersnöten oder Armut können bei uns das Gefühl hinterlassen, diese Gräuel beträfen uns nicht oder Rat- und Hilflosigkeit bei uns auslösen. Der Werkstatttag versucht, auf derartige Eindrücke mit einer Politisierung des Blicks zu reagieren. Wir wollen dafür sensibilisieren, dass das Blicken alles andere als ein neutraler Vorgang ist, sondern immer schon von kulturellen, politischen und sozialen Bedingungen geprägt ist. Gerade an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft kann solch eine Sensibilisierung und Politisierung des Blickes stattfinden.
Der Werkstatttag wird von Akteurinnen und Akteuren aus Kunst und Wissenschaft gemeinsam gestaltet. Den ersten Teil gestalten Inga Schaub
(Kulturwissenschaftlerin) und Ernst Volland (Künstler, Kurator, Nachlassverwalter von Jewgeni Chaldej). Ernst Volland wird darüber berichten, wie seine Begegnung mit dem berühmten sowjetischen Kriegsfotografen zu seinem Projekt „Eingebrannte Bilder“ führte; Inga Schaub wird die Notwendigkeit eines aktiven Umgangs mit Bildern theoretisch untermauern. Den zweiten Part des Werkstatttages, ab ca. 15 Uhr, gestalten Leena Crasemann (Kunsthistorikerin) und Jonas Wilisch (Fotograf). Vor dem Hintergrund einer ‘Ikonografie der Armut’ möchten sie gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschiedliches Bildmaterial diskutieren, das vom Anbeginn der Fotografie bis in die jüngste Gegenwart reicht. Dabei sollen bestimmte Bildformeln, Inszenierungsstrategien wie auch die Position des eigenen Blicks thematisiert werden.
Der Werkstatttag setzt auf aktive Beteiligung und lädt zur Überprüfung der eigenen Sehgewohnheiten anhand konkreter Beispiele ein. Er endet mit einem Besuch der Solo-Performance von Elisa Müller. Um vorherige Anmeldung, telefonisch oder per Mail, wird gebeten.
Werkstattanmeldung und weitere Informationen:
030 – 409 83 195, karten@viertewelt.de
Kontakt
Ronald Höhner
Telefon:(030) 44310-149
Fax:(030) 44310-222
Email:hoehner@rosalux.de
Kosten: kostenfrei
Gefördert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Jewgeni Chaldej “Das Rentier Jascha”. Murmansk 1941

Ernst Volland, E 9, 1997

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