Mid-Therm und Schikdkrötenbabys

von

Eine kleine Meeresschildkröte auf dem Weg zum Wasser.

Letzte Woche hatten wir unsere Mid Therm Evaluation (MTE). Diese ist ein Bestandteil des weltwärts-Programmes und sollte bis zur Hälfte des Programes stattgefunden haben. Normale Freiwillige hier bei FSL haben einmal im Monat zwei Tage dafür -  wir weltwärts-Freiwilligen haben circa in der Mitte unseres Aufenthalts einmal 5 Tage Evaluation. Im Gegensatz zu einigen weltwärts-Freiwilligen, die vor uns gekommen sind und ihre MTE Ende November hatten, sind wir nicht in Kundapur geblieben, sondern auf einen ökologischen Bauernhof in die Western Ghats gefahren. Eigentlich waren ganz andere Orte geplant, diese wurden jedoch kurz vorher abgesagt. Wir sind auf die “Simha Farm” gegangen. Es war ein wunderbarer, nachts recht kalter dafür tags nicht zu heisser Ort, an dem wir in aller Ruhe und bei guter Stimmung unsere Evaluation durchführen konnten. Das Essen dort ist rein vegetarisch und so weit es möglich ist ökoligisch.

Bei der Evaluation kam einiges zur Sprache, was schon länger gegoren hatte und jetzt verarbeitet und besprochen werden konnte. An einem Tag hatten wir den Programmpunkt “Open Space”, hier konnte man freie Disskussionsgruppen nach beliebigen Themen machen, es gab hitzige Disskussionen zum Thema “weltwärts” genau wie zu unseren lokalen NGO FSL. Alles in allem hat es recht viel Spass gebracht, die Stimmung und das Essen waren super. Wir Freiwilligen aus Kundapur hatten untereinander immer schon recht viel Kontakt, andere Freiwillige, die aus Kerala oder Tamil Nadu kamen, hatten das erste mal seit längerem wieder Kontakt zu uns. Am Montag hatte eine Freiwillige aus dem “Sea Turtle” Projekt Geburtstag. Deswegen gab es abends ein wenig Feuerwerk und Kuchen. Abends konnten wir nach dem Abendbrot oft unsere Zeit selbst gestalten. Hier bot sich das neu gemachte Vollyball und Batminton Feld an, aber auch die eine oder andere Runde UNO wurde leidenschaftlich mit einigen Sonderregeln gespielt…

Nachdem wir am Freitag abend die MTE am Strand von Kundapur haben ausklingen lassen gings wieder nach Hause in die Gastfamilien. Am Sonnabend war bei mir das grosse Saubermachen angesagt. Ich musste die Wäsche einer Woche waschen, mit den Händen, Bürste und Seife wie es hier üblich ist, und mein Zimmer sauber machen. Auf die Dauer kann einen das schon nerven, seine Wäsche immer komplett mit der Hand waschen zu müssen. Aber so lerne ich den Wohlstand, in dem wir in Deutschland leben, einmal ganz neu schätzen. Nachdem ich mit all dem fertig war, rief mich Jule an um mich zu fragen, ob ich mir ihr den Abend am Strand verbringen wollte, da die kleinen Seeschildkröten kurz vorm Schlüpfen sein. Das Seaturtle Projekt ist mit dem Schutz dieser vom Aussterben bedrohten Tiere beschäftigt und musste gelegentlich ein paar Nester “umziehen”, da sie in von Hunden oder Menschen dicht besiedelten Orten gelegt worden waren. Die Meereschildkröten kommen nur zum Legen ihrer 100-120 Eier an Land. Sonst bleiben sie ihr Leben lang im Wasser. In einem dieser Nester waren die Eier jetzt nach knappen zwei Monaten fertig zum Schlüpfen, so haben wir den Abend am Strand verbracht. Es schlüpfte auch tatsächlich eine kleine Schildkröte aus dem Sand und lief in Richtung Wasser. Einige Meter vor der Brandung fiel sie aber in ein von einem Krebs gegrabenes Loch. Wir haben sie ausgegraben und ihr mit unseren Taschenlampen den Weg ins Wasser gezeigt, denn die Tiere reagieren auf Licht.


Ein ähnliches Spektakel gab es nocheinmal am Montag morgen. Daya, der Kordinator vom Schildkrötenprojekt, hatte die restlichen Eier ausgegraben, da sie seiner Meinung nach überfällig waren und vielleicht auch zu tief eingegraben waren. Ich bin der Freiwillige, der am nächsten wohnt. So hat er mich tags drauf auf seinem Motorad abgeholt, und wir haben ein paar Fotos und Videos gemacht. Es war ein klasse Augenblick, diese kleinen, nur etwas grösser als eine Streichholzschachtel grossen Tiere, ins Meer zu entlassen. Irgendwie hatte ich dabei auch ein schlechtes Gefühl. Dieses Meer ist nicht mehr das Meer, für das sie sich durch die Evolution entwickelt haben. Dieses Jahr gab es nur gut 10% so viele Eier wie im Vorjahr. Täglich sieht man die lokalen Fischer mit ihren Booten den Horizont abfahren. Einmal habe ich an einem Wochenende gute 40 Boote auf einmal gezählt. Die sind grösstenteils mit Schleppnetzen unterwegs und lassen diese einige Stunden unter Wasser – wenn sich eine Schildkrpöte drin verfängt erstickt sie qualvoll. Eine weitere Gefahr ist, dass die frisch gelegeten Eier vielen als eine wilkommene Abwechslung zum Essen erscheinen. Es gibt dann keine Hühnereier mehr, sondern Meeresschildkröte – oftmals konnten die Freiwilligen aus diesem Projekt nur noch hören “we shared it in the village”…


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