Über die Pornographie in Indien (Update)

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Die Bundesfamilienministerin “Zensursula” von der Leyen hat im Radio SPUTNIK mal wieder ihre Unwissenheit zur Show gestellt. Bisher habe ich mich mit dem Thema in diesem Blog zurückgehalten, da es nicht Thema ist, aber da sie die Sprache jetzt auf Indien gebracht hat ist es das.

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Auf Grund einige Komplikationen gibts den Link jetzt hier: Radio Sputnik. Hintergrund dazu gibts in den Kommentaren bei netzpolitik.org unter Anderem im Kommentar 35. CreeK hat in den Kommentaren einen weiteren Link zur Rohfassung von Radio SPUTNIK gepostet, vielen Dank!
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Sie meint fest zustellen:

Das oberste Ziel muss sein, die Täter zu stellen. Das ist Polizeiarbeit. Und das zweite entscheidende Ziel muss sein, die Quelle zu löschen auf dem Server, da, wo sie sind. Aber da gerät man an seine Grenzen, wenn der Server z.B in Indien steht. Ein hochkompetentes Land, was Computertechniken angeht, aber ein Land, das keinerlei Form von Ächtung von Kinderpornografie hat. Da können sie nicht mehr löschen. (quelle: law blog)

Vielleicht sollte sie etwas vorsichtiger sein, es könnte sonnst zu empfindlichen diplomatischen Verstörungen kommen. Die Inder sind mehr als prüde, jegliche Art von öffentlicher Sexualität ist verpönt. Hier im “ländlichen” Indien, wo ich bin, ist die Gesellschaft extrem konservativ, in einigen Grossstädten mag es ein wenig anders sein, aber auch nicht zu sehr. Pärchen gibt es auf den Strassen nicht zu sehen, Händchen halten wäre völlig daneben. Männer laufen nicht in kurzen Hosen herrum, sondern in Lungis (Senioren) oder langen Hosen. Frauen bekleiden sich stets mit einem Sari oder einer Salvar Camez, dabei sind die Schultern und Knie immer verdeckt, Spagettiträger wären unvorstellbar. Den Hals verhüllen sie dabei auch im heissesten Sommer mit einem Schal – ansonnsten wäre es auch gleich wieder aufreizend.

Etwas konfus war zu Beginn für mich das ständige Händchen halten zwischen Männern und Männern und zwischen Frauen und Frauen. Dies ist hier einfach nur ein zeichen für Freundschaft, mehr nicht. Irgendwo müssen die Menschen hier ja auch ihre Suche nach Zuneigung zum Ausdruck bringen, wenn man es mit der/dem nicht vorhandenen FreundIn nicht kann. Homosexualität war in Indien bis vor kurzem illegal, ein altes Erbe der Kolonialzeit. Das wurde mittlerweile geändert, immerhin.

Ein paar andere Gesetze wurden einen Tag vor Weihnachten im letzten Jahr nocheinmal schnell geändert: Mit der Terroratacke von Mumbai am 26.11.2008 gab es eine Steilvorlage für die indische Regierung neue Gesetze zur besseren Überwachung und Observation zu Erlassen. Diese umfassen ein ganzes Sammelsurium an Massnahmen, von Internetblockaden und Hausdurchsuchungen durch niedere Beamte bei einem alleinigen Verdacht bis hin zu Abhören von jeglicher Kommunikation, sei es Telefon, Email oder anderes. Das Filtern der Websiten soll natürlich auch wieder der “Nationalen Sicherheit” dienen, in wie weit es praktiziert wird ist allerdings noch nicht raus. Dafür produziert das Ministry of Information & Broadcasting einige unterhaltsame Kurznachrichten, die so aussehen:

Let Us follow the path of truth and non-violence shown my Mahatma Gandhi – Ministry of Information & Broadcasting

Diese habe ich schon im letzten Jahr bekommen, erwähnt aber trotzdem finde ich nocheinmal Erwähnung. Dieses Minusterium erinnert mich irgendwie ungewollt an das Ministerium für Wahrheit aus 1984 von George Orwell. In den Träumen einiger Politiker hätten wir so etwas ja mittlerweile auch.

Passend zum Thema sollte man einen alten Bericht auf heise.de lesen:

Der Sprecher der Mumbai Police Sanjay Mohite erklärte gegenüber den Medien, ungesicherte WLANs würden von Terroristen und Cyber-Kriminellen missbraucht: “Die Polizei will die WLAN-Betreiber über Sicherheitsaspekte aufklären. Sie wird dazu Privatpersonen, Schulen, Universitäten und Unternehmen besuchen und dabei die WLAN-Sicherheit überprüfen.”

Was ich jetzt gerne hätte, das unsere Bundesfamilienministerin einsehen würde, dass ihre Internetumwege genau so Sinnlos sind wie ihre These, Kinderpornographie sein in Indien lega. Prornographie ist in Indien illegal, da ist es Kinderpornographie erst recht! Jeder niedere Polizeibeamte kann hier eine Hausdurchsuchung machen, wie wärs damit in Deutschland, Frau von der Leyen? Nocheinmal ein Zitat von Heise.de:

Nicht nur gegen Kinderpornographie will Indien zugleich scharf vorgehen, sondern auch jegliche obszönen Darstellungen verbieten lassen. Ein Unterschied zwischen Produzenten und Nutzern wird dabei nicht gemacht. Auch wer Porno übers Internet allein anschaut, steht damit bereits mit einem Fuß im Gefängnis. Ihm drohen bis zu zwei Jahre Haft. Selbst niedere Polizeibeamte dürfen beim Verdacht auf illegalen Pornokonsum etwa Wohnungsdurchsuchungen durchführen.

Noch fragen? Angemessen wäre jetzt eine Entschuldigung oder ein Rücktritt (der ja sowiso schon lange).

Die beiden Seiten die mich dazu gebracht haben diesen Artikel zu schreiben sind law blog und Internet law, vielen Dank!


18 Kommentare zu "Über die Pornographie in Indien (Update)"

  1. Ich bezweifle ja ganz stark, dass Tante Ursel diese ominösen indischen Gesetze als wissenschaftliche Basis genügen und sie damit überzeugt werden kann, dass Indien kein Kinderpornoterroristenland ist… Garantiert überseht ihr irgendwo bei der indischen Definition dessen was dort in der Gegend so als Pornographie bezeichnet wird den Passus, dass nackte/vergewaltigte/fi**ende Kinder davon explizit ausgeschlossen sind…

  2. Radio Sputnik hat mittlerweile den Mitschnitt zensiert in der Form das die Passage mit Indien nun fehlt. Evtl. hat ja irgendjemand einen Mittschnitt. Ich vermute mal da hat wohl jemand beim MDR einen Anruf aus der CDU Zentrale bekommen. Oder einen schwarzen Koffer?

  3. Ich habe mich gerade förmlich bei der indischen Botschaft in Berlin entschuldigt. Habe darauf hingewiesen, dass Frau von der Leyen in der Hinsicht zwar nicht belehrbar ist (ist ja nicht die erste Äußerung gegenüber Indien). Habe mich klar distanziert und verdeutlicht, dass es nicht die Meinung der deutschen Bevölkerung darstellt.

    Grüße

  4. Pingback: POLITBLOGGER » Uschi und die Inder

  5. Danke für die Info direkt aus Indien!
    Was die Frau sich da leistet ist echt unglaublich. Soviel Tatsachenverleumdnung müsste doch eh schon strafbar sein oder?
    Naja ein Rücktritt wird leider eher nicht zustande kommen da das wieder von ihr selber und Kollegen runtergespielt wird oder niemals erwähnt…

  6. @Ivo: Schau’ mal bei Netzpolitik.org in die Kommentare, da erklärt ein Sputnik-Mitarbeiter, wie das Indien-Zitat “verschwunden” ist. Offenbar gab es ZWEI Interviews: eins ohne Indien-Zitat, das dann auch gesendet wurde, und ein weiteres, in dem UvdL Indien erwähnt. Markus Beckedahl durfte Ausschnitte aus beiden Interviews kommentieren.

  7. An den Informanten:

    ich hab bei Twitter einen neuen Link über Netzpolitik gefunden, der’s hoffentlich tut. Könnte einer mal probe hören?

  8. Sputnik Chef hats aufgeklärt. Sputnik trifft meiner Erachtens nach keine Schuld und hier der Link zum ungeschnittenen vollen Interview!

    http://www.sputnik.de/download/_audio/090709_dein_morgen_von_der_leyen_rohfassung.mp3

  9. oje, da komme ich mit den Updates kaum noch hinterher. Vielen Dank für die Updates!

  10. Moin!

    Das oben genannte Zitat ist nicht ganz korrekt, wie in der Rohfassung des Interviews zu hören ist. Der zentrale Satz lautet:

    “Ein hochkompetentes Land, was Computertechniken angeht, aber ein Land, das keinerlei Form von Ächtung von Kinderpornografie hat.”

    Im law blog wurde das gesamte Zitat auch bereits korrigiert.

    Nur als Hinweis für das nächste Update… ;-)

  11. so, wieder geupdatet. Leider nicht mit der News, dass die gute zurück getreten ist. :-( Trotzdem danke an timtim für den Hinweis

  12. Naja… die Botschaft hat auf meine Emails nicht reagiert… und Frau von der Leyen hat leider auch noch nicht ihren Rücktritt bekannt gegeben… aber die Diskussion ist schon mal bis nach Indien vorgedrungen :)
    http://tinyurl.com/ngge39

  13. Nunja, ich werde nocheimal einen indischen Netzbewohner anschreiben, der könnte das dann ein wenig durchs indische Netz tragen. Vielleicht liest es dann ja noch ein indischer Politiker. Manche sind ein bisschen mehr als nationalstolz, die könnten schnell anspringen…

  14. Pingback: Internetsperren 09.-11.07.2009: Artikel und Kommentare « Wir sind das Volk

  15. Schöner Artikel, aber bitte nicht mit so einem Rechtschreibungs-GAU enden:
    “Angem[ä]ssen wäre jetzt eine Entschuldigung…”

  16. Ups, da hat der Fehlerteufel mal wieder zugeschlagen. Danke für den Hinweis.

  17. Pingback: Ursels Fangemeinde wächst – Volksmutter müsste man sein « xxl-killababe berlin wordblog

  18. Hallo, hat jemand noch das verkürzte Interview (ohne Indien) gespeichert als Datei? Wäre sehr interessant, da ich die Version von 2 aufgenommen Interviews (Antwort auf meine Frage vom MDR) nicht so ganz glaube. Vielen Dank, Jochen, gibtesschon@web.de