Archive for Oktober, 2006

30.10.2006 von Wolfgang Koch
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Sensationelles Dokument im HGM

von Wolfgang Koch

Die Kapitulation vor der Deutschen Wehrmacht im März 1938 ist der Alptraum des österreichischen Nationalbewusstseins. Umso stolzer erinnert sich die aktuelle Ausstellung »Panzerlärm an Österreichs Grenze …« im Heeresgeschichtlichen Museum (1030 Wien, Arsenal, Objekt 1) an die Ereignisse des Jahres 1956.

Diese Minischau zum Grenzsicherungseinsatz des Bundesheeres zeigt erstmals ein wirklich sensationelles Dokument: den handschriftlichtlichen Brückensprengbefehl von Oberst Erwin Fussenegger vom 5. November 1956.

Um dieses Dokument richtig einschätzen zu können, muss man Folgendes wissen:

Der junge Staat Österreich hatte ab 26. Oktober in aller Eile Soldaten an die burgenländische Grenze gesandt, und für diese Alarmeinheiten zwei Tage später Schiessbefehl erlassen. Die Wirrnisse der ungarischen Revolution sollten auf keinen Fall auf das eigene Staatsgebiet übergreifen.

Man darf nicht vergessen: die Einheiten der Armee, die das junge Österreich aussandte, bestanden gerade erst einmal Jahr; sie waren mangelhaft mit Material aus amerikanischen Depots ausgerüstet oder trugen teils sogar russische Felljacken (die Hinterlassenschaft… weiter lesen

26.10.2006 von Wolfgang Koch
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Wer war eigentlich Wolfgang Priklopil?

von Wolfgang Koch

Es ist schon verdammt viel geschrieben worden über die achteinhalb Jahre lang dauernde Entführung der Österreicherin Natscha Kampusch, sogar mehr, als auf die Haut ganzer Kuhherden geht. Schmieranten und Komödianten sämtlicher Redaktionsstuben haben ihr Bestes gegeben. Ich erinnere nur an das Gestotter einer selbsternannten österreichischen Qualitätszeitung namens »Österreich«, deren epochenmachendes Erscheinen selbst dem ehemaligen Nachrichtenmagazin »Spiegel« ein seitenlanger Bericht wert war.

Zitat: »160 Quadratmeter Höllenbereich. In der Garage ein Geheimzugang zu Nataschas verlies. Er stösst das Mädchen die Treppe zum Kellerverlies hinunter. Natascha hat Angst« (1.9.)

Unvergesslich auch Kollegin Marga Swoboda in der »Neuen Kronenzeitung«. Dort las man anlässlich des ersten Interviews mit der befreiten Gefangenen: »Ich höre alles aus Ihrem Mund und kann es trotzdem kaum glauben. So wird es den Menschen gehen, die das lesen« (7.9.)

In der Tat unglaublich, ganz wirklich, was da in wenigen Wochen an verlogener Empathie aufgeboten wurde, was sich alles an ein… weiter lesen

23.10.2006 von Wolfgang Koch
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Manifest für engagierte Neutralität

von Wolfgang Koch

Die österreichische Neutralität steht heute am Beginn einer neuen Regierungsperiode außer Streit. Niemand bekämpft sie, niemand zieht sie offiziell in Zweifel. Im Bewusstsein der Österreicherinnen und Österreicher ist die Neutralität tief verankert. Für andere Staaten ist die österreichische Neutralität kein Wert an sich, ja sie könnte sogar als ein Ausweichen vor der Verantwortung empfunden werden.

Daher sollte das oberste Gebot unserer Außenpolitik sein, die österreichische Neutralität auch für unsere Freunde in Europa und der Welt zu etwas Nützlichem und Wertvollem zu machen. Dafür ist das außenpolitische Engagement des Neutralen von zentralem Interesse.

Die EU-Verträge geben dem Neutralen genügend Spielraum. Die Europäische Union ist kein Militärbündnis. Sie bekennt sich zu Völker- und Menschenrechten. Sie hat bisher die Außen- und Sicherheitspolitik weitgehend den Regierungen ihrer Mitgliedstaaten überlassen.

FÜR EINE SICHERE ZUKUNFT IN DER WELT

Österreich braucht eine friedensorientierte Außenpolitik. Nach den Grundsätzen einer aktiven Neutralitätspolitik und den damit verbundenen Positionen soll… weiter lesen

19.10.2006 von Wolfgang Koch
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Ein Höllenritt in den Wiener Alpen

von Wolfgang Koch

Auch die Wiener haben ihren Fuji, ihren heiligen Berg – einen inneren Dynamo, um den bei Gelegenheit der Fernblick kreist. So ist es in Wintertagen nichts Ungewöhnliches, dass ein Wienbewohner einen anderen fragt: »Hast du heute den Scheeberg gesehen?« Und der antwortet: »Ja, die Luft war so klar, er war unheimlich nah.«
Der höchste Berg Niederösterreichs erstreckt sich bis auf 2.075 m Seehöhe in den sogenannten Wiener Alpen, also im Westen, und man wird immer wieder überraschende Ausblicke von Hochhäusern auf diesen Gipfel entdecken, Ausblicke, die die seelisch begabteren Menschen sammeln wie sensible Japaner den intimen Anblick des Fuji.
Im Oktober ist übrigens die letzte Gegenlegenheit in das von Berghütten und Gastronomiebetrieben gut erschlossene Gebiet zu reisen. Das geschieht am einfachsten vom niederösterreichischen Ort Puchberg aus. Entweder fährt man mit einem überteuerten Ticket der ÖBB vom Wiener Südbahnhof aus dorthin (29,- EUR für Erwachsene), oder steigt am Bahnhof… weiter lesen

16.10.2006 von Wolfgang Koch
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Orte demonstrativer Frauenverachtung

von Wolfgang Koch

Wien war die Stadt Otto Weiningers, der schon 1903 gesagt hat: »Die Fantasie des Weibes ist Irrtum und Lüge, die Fantasie des Mannes hingegen erst höhere Wahrheit«.
In der Toilettenanlage »Opera Toilet« in der Opernpassage kann man nun so eine höhere Wahrheit gut besichtigen. Da wurden Pissoirs in Form von einem offenen, geschminkten Frauenmund aufgestellt, in dessen Mitte männliche Benutzer zu pissen gewungen sind, wenn sie sich erleichtern.
Man könnte die Sache als komisch oder grotesk abtun, als Schrulle der Gehörlosigkeit in einer an sich schon taubstummen Stadt, wäre diese Toilettenanlage nur ein Einzelfall. Doch das ist sie nicht!
Schon seit den Achtzigerjahren schmücken gespreizte Damenschenkel zwei Urinale im Pub »Wiener Stamperl« in der Sterngasse. Dieses Bierlokal – gegenüber »Shakespeare & Company«, der besten englischsprachigen Buchhandlung der Stadt – präsentiert sich im typischen Prolo-Ambiente für g’standene Mander. Das »Stamperl« zählt nämlich zum gastronomischen Kernbestand des sogenannten Bermudadreiecks,… weiter lesen

12.10.2006 von Wolfgang Koch
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Student sein heisst nach Leben dursten

von Wolfgang Koch

Die Stadt- und Programmzeitung »Falter« ist unverzichtbar für jeden Wienbenutzer, der mehr Ansprüche an das Leben stellt als Arbeiten & Schlafen. Die Hälfte der Leserschaft besteht dort seit jeher aus angehenden Akademikern, weshalb die Ausgaben dieser Wochen seitenweise Studentenfutter für die Erstsemestrigen enthalten. Diesmal ein Studentenmagazin in Augenhöhe: von Studierenden für Studierende.
Im der Falter-Beilage »Durst« (41/06) stellt eine sechsköpfige Redaktion mit Zeichnungen von Tom Mackinger acht Studenten-Typen nach streng wissenschaftlichen Kategorien vor – acht Wiener Studiosi, respektive vier Studentenpaare, die nichts als der planke Lebensdurst in die Hörsäle treibt.
Wie muss man sich also den Wiener Studenten heute vorstellen?
Da ist zunächst der Typus HIPPIE, der mit dem Flower-Power der Sixties allerdings nur mehr die Umhängetasche gemein hat. Der neue Hippie studiert Publizistik oder Politikwissenschaften, er trägt die aktuelleste David-Beckham-Frisur, besitzt einen orginal I-Pod und treibt sich in seiner Freizeit in Flagshipstores herum. Die dem Hippie… weiter lesen

11.10.2006 von Wolfgang Koch
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Wo Martin Buber wirklich geboren wurde

von Wolfgang Koch

2001 erschienen im Böhlau Verlag die Stadtspaziergänge »Jüdisches Wien« von Michaela Feurstein und Gerhard Michram. Ein immer noch unverzichtbares Buch zum Thema, denn der etwas handlichere Band »Jüdisches Wien/ Jewish Vienna« ist nichts weiter als eine »bearbeitete und aktualisierte Fassung« dieses ersten Guides durch die jüdischen Reste des historischen Wiens – 2004 erschienen im Mandelbaum Verlag und gedruckt mit Unterstützung des Kulturamtes der Stadt Wien (ISBN 3-85476-098-1).
Das Werk ist urheberrechtlich geschützt, und offenbar auch die falschen Angaben. – Beide Bücher wurden vom Judaisten Klaus Lohrmann bevorwortet, eine überragende Kapazität auf dem Gebiet der Geschichte Wiens. Aber auch das konnte verhindern, dass die Geburtsstätte des jüdischen Philosophen Martin Buber von den Autoren im Haus Franz-Josefs-Kai 35 verortet wurde. In der »bearbeiteten und aktualisierten Fassung« von 2004 liegt dieser Ort immer noch am nord-östlichen Ende des 1. Bezirks, also drei Gehminuten vom Schwedenplatz entfernt, und es ist immer noch die… weiter lesen