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22.10.2007 von Wolfgang Koch
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Kleine Wiener Stadtgeschichte (20)

von Wolfgang Koch

Der Wienerische Geist trägt jetzt Frack und Monokel. Es wächst eine Architektur, die im Jugendstil eine dynamische Fortsetzung findet und dank ihrer Repräsentanz den Monumentalismus der Gründerzeit abzuwehren vermag.

Lässt sich die Wiener Moderne tatsächlich als verspätetes Aufglühen des europäischen Humanismus und der Aufklärung verstehen? Derselbe Sigmund FREUD, dessen Traumdeutung 1900 erscheint und der einmal bekennt: »Meine ganze Libido gehört Österreich-Ungarn«, derselbe Freud nimmt zu Beginn seiner Arbeiten an, dass man durch die Aufklärung moralischer Mechanismen einer Verdrängung der Triebe entgegenwirken kann. Freud bekennt aber auch: »An keinem Orte ist die feindselige Indifferenz der gelehrten und gebildeten Kreise dem Analytiker so deutlich spürbar wie in Wien.«

Das Wien um 1900 ist multikulturell: Es ist die grösste tschechische Stadt des Erdkreises und hat noch im Ersten Weltkrieg etwa so viele jüdische Einwohner wie heute die Stadt Haifa in Israel.

Das Wien um 1900 ist intellektuell: Es treibt so viele sprachkritische… weiter lesen