Eine Frage, die alle Jahre wieder am Horizont erscheint. Ich habe ein paar Tage seit dem Allerheiligenfest verstreichen lassen, damit die Antwort für Wien-Kitschisten nicht zu hart ausfällt. Denn meine Antwort wird sie zwangsläufig enttäuschen.
Nein, der Tod ist kein Wiener! Möglicherweise war er überhaupt nie ein solcher. Die Stadt an der Donau und ihre Bewohner haben zu den letzten Dingen keine innigere Beziehung als etwa die Leute in Kuala Lumpur oder auf der Insel Sylt.
Wien lebt bestens von Ruf, eine totenfreundliche Metropole zu sein, ein historisches Nekropolis, ein Kultort der angewandten Thanatologie. Aber die modernen Freitodhelfer von Dignitas haben ihr Headquarter in Zürich und eben nicht in Wien aufgeschlagen. Die liberalste Gesetzgebung in Sachen Sterbehilfe steht in Holland in Kraft. Kein Wiener Hospizzentrum verfügt auch nur über ein Einzelzimmer für die Sterbenden. Und sogar Ostösterreichs einzige Prosektur, sie hat ihren Sitz im 9. Wiener Gemeindebezirk, ist… weiter lesen