Vor dem Krieg ist nach dem Krieg. Vier Jahre nach der Einführung des allgemeinen Männerwahlrechtes in der Monarchie demonstrieren Tausende vor dem Rathaus und in Ottakring gegen die Teuerungswelle.
Bei den 1911er-Wahlen zum Reichstag verlieren die Christlichsozialen 17 ihrer bisher zwanzig Wiener Mandate. Damit vollzieht sich eine für die Stadt entscheidende Wende: Die Sozialdemokratie erleidet nämlich zugleich in den Sudentenländern eine empfindliche Niederlage; so kommen jetzt zahlreiche ihre neuen Abgeordneten aus Wien.
Das Schwergewicht der Sozialdemokratie wird fortan auf der Stadt beruhen, während die Christlichsozialen, aus Wien hinausgedrängt, zur einer Partei der Länder mutiert.
Vor dem Krieg ist nach dem Krieg. Ich will hier keine extragrosssen Worte über die Weltkriegskatastrophe verlieren.
Wir halten fest: Das Weisse Wien, das mit den Liberalen begonnen und sich mit den Christlichsozialen fortgesetzt hat, erblasst, es wird fahl und immer bleicher. Der Rotlichtbezirk am Spittelberg, mit seinen Nymphen-Liesls und Kellnerinnen in weissen Strümpfen,… weiter lesen