Archive for April, 2008

28.04.2008 von Wolfgang Koch
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Vierzig Jahre nach den 1.Mai-Krawallen

von Wolfgang Koch

TEIL I

[ß = ss] Der Donnertag dieser Woche ist in Wien kein x-beliebiger Tag, dieser Donnerstag erscheint Sozialdemokraten wie Ostern und Weihnachten in einem. 1. Mai: das ist in Wien die jährliche Wiederkehr eines politischen Rituals, d.h. einer scheinbar entscheidenden Handlung. Der Aufmarsch sozialdemokratischer Parteiorganisationen am Wiener Rathausplatz dient der Gruppenintegration. Alle entschlossenen SPÖler erheben sich zur Abwehr von etwas übermächtig ineinander Verschlungenen aus ihren Betten.

Um das Ritual verstehen zu können, gebe ich im Teil II das diesjährige Schreiben der Grossen Sozialdemokartischen Partei an alle ihre Mitglieder wieder. Aus dem Inhalt geht sternenklar hervor, worum es bei der Machtdemonstration der Bewegung diemal geht: um die Feier ihrer eigenen Musealität nämlich. Zweitens geht klar daraus hervor, dass der Rummel, wie jedes Jahr, mit einem kämpferischen Feuerfeuerwerk für die alkoholisierten Massen im Prater enden wird.

Der Prater ist insofern pikant, als Vizebürgermeisterin Grete LASKA nicht auf der Liste der Hauptredner… weiter lesen

24.04.2008 von Wolfgang Koch
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Kleine Wiener Stadtgeschichte (41)

von Wolfgang Koch

Die Austrodiktatur, dieses selbstgemachte Unglück der Österreicher, erdrosselt die Demokratie und wirft die soziale Opposition ins Gefängnis, statt ein breites Bündnis gegen Hitler zu schmieden. Die Austrodiktatur behindert die Bekämpfung des Nationalsozialismus nicht nur, sie bereitet ihm sogar ideologisch den Boden.

Klingt paradox, und ist es auch. Engelbert Dollfuss und Kurt Schuschnigg spalten die nationale Widerstandkraft Österreichs gegen die Hitler-Gefahr. Zwar zwingt ihr betont patriotischer Kurs das Dritte Reich mit der deutschen Wehrmacht einzumarschieren, zwar zwingt Schuschnigg Hitler sich vor der Weltöffentlichkeit bloss zu stellen und sich vor aller Augen ins Unrecht zu setzen. Aber täuschen wir uns nicht! Unter dem Strich sieht die Bilanz böse aus.

Man kann sagen: Das geringere Unrecht der hausgemachten Tyrannei leistet dem grösseren Unrecht der Okkupation Vorschub. Die Staatsspitze, also Schuschnigg, kapituliert mit pathetischen Radioworten im März 1938. Zehn Minuten später verbietet derselbe Mann per Befehl jeden Schuss auf die Okkupanten. (Bürgermeister Richard Schmitz,… weiter lesen

21.04.2008 von Wolfgang Koch
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Wiener Irankonferenz ohne linken Denkreflex

von Wolfgang Koch

Nachdem Bloggerkollege und Science-Fiction-Autor Achmed Khammas, alias Der Datenscheich, politische Gegner der »Islamischen Republik Iran« bloss ausserirdisch findet (siehe Eintrag »Hassprediger frei Haus«), bringe ich der taz-Blog-Leserschaft die Ankündigung der Wiener Iran-Konferenz vom 3./4. Mai 2008 zur Kenntnis.

Gute Sache! Unterstützen.

In Damaskus aufgewachsen zu sein, Herr Kollege, qualifiziert noch für gar nichts.

© Wolfgang Koch 2008
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INTERNATIONALE KONFERENZ
Die iranische Bedrohung
Die Islamische Republik, Israels Existenzkampf und die europäischen Reaktionen
3. und 4. Mai 2008

Campus der Universität Wien (Altes AKH), Hof 2, Hörsaal C1 (Karte)
Alserstrasse/Spitalgasse, Strassenbahn 5, 33, 43, 44
Konferenzsprachen: Deutsch/Englisch mit Simultanübersetzung
Bitte planen Sie Zeit für Einlasskontrollen ein.

Ehrenschutz: Dr. Brigitte Bailer-Galanda, Kammerschauspielerin Elisabeth Orth

Einladung
In der »Islamischen Republik Iran« herrscht ein Regime, das sowohl nach aussen als auch nach innen massiven Terror ausübt, während es gleichzeitig an der Entwicklung nuklearer Waffen, die… weiter lesen

17.04.2008 von Wolfgang Koch
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Kleine Wiener Stadtgeschichte (40)

von Wolfgang Koch

Gewalt, Staatsgewalt, Gegengewalt. Anfang Februar 1934 warnt der aufrechte Christlichsoziale Leopold Kunschak, den die LeserInnen der Kleinen Wiener Stadtgeschichte schon aus dem Abschnitt 29 kennen: »Gebe Gott, dass die Wunden bald geheilt sein werden, ehe Volk und Land an Gräbern steht und weint.«

Doch die Provokationen im Bürgerkrieg gehen unvermindert weiter. Drohungen, Bomben, Waffenrazzien. Den Arbeitern von Linz steigt die Schamröte ins Gesicht. Drei Tage nach Kunschaks eindringlicher Warnung an die Streithähne bricht im oberösterreichischen Industriezentrum der offene Kampf los. Heer und Parteimilitär beschiessen Arbeiterwohnanlagen. Der Rest ist bekannt: Ausnahmezustand über Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, die Steiermark und Kärnten.

Nach Schätzungen kostet der Rumor bis zu 2.000 Tote.

Danach wird die SP verboten, ihre Köpfe können fliehen oder werden verhaftet, die mutigsten Mitglieder gehen in den Untergrund. Am Wiener Rathausplatz zieht, wie zu Kaisers Zeiten, ein Kommissär ein. Der gewählte Gemeinderat wird aufgelöst, und gleich auch noch der Verein Ernst… weiter lesen

13.04.2008 von Wolfgang Koch
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Wiener Salon der Überschreitung

von Wolfgang Koch

Seit zwei Wochen fungiert nun der »Salon der Freiheit« in der Lenaugasse im 8. Bezirk als der neueste Freizeitclub Wiens. Das Lokal wurde im Haus des Kabarett Niedermair eröffnet, das Nadja NIEDERMAIR vor 25 Jahren ins Leben gerufen hat, und es soll in Zuklunft die schärfste Unterhaltung für 200 zahlende Mitglieder bieten.

N.N. nennt ihren Salon bewusst anrüchig »Etablisment«, sie lässt sich mit »Gastgeberin, Königin, Mutter, Majorin« anreden. Die Website des Salons zitiert die einschlägige Ästhetik von Schwingerclubs, Doch in Wahrheit ist das Ganze natürlich ein höchst elitäres Trink-Unternehmen, mit dem die Schickeria nach Frischblut im künstlerischen Lumpenproletariat sucht.

Für die hochtrabenden philosophischen Ansprüche (Freude, Zuflucht, Überschreitung) bürgt Günter RUPP, den Niedermaier zur Pflege des Gedankens engagiert hat. Der ehemalige Wirt des Santo Spirito, einem legendären Szene-Lokal der Achtziger, spricht druckreif im Jargon der Frankfurter Schule.

Das hier wiedergegebene Manifest ist gewissermassen den verquertesten Text aus der aktuellen Produktion von… weiter lesen

10.04.2008 von Wolfgang Koch
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Kleine Wiener Stadtgeschichte (39)

von Wolfgang Koch

Im März 1933 fordert Heimwehrführer Ernst Rüdiger Starhemberg auf Einflüsterungen Musssolinis hin erstmals die Auflösung der Wiener Gemeindevertretung. In der sicheren Entferung von Innsbruck.

Gewalt liegt in der Luft. Seit 1928, zuletzt im Oktober 1932, hat die SP die Aufhebung des kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes von Juli 1917 verlangt. Ihre alten Kämpen wissen noch aus Monarchiezeiten, was mit dieses Sammlung von Gummiparapraphen alles angestellt werden kann. Vergebens.

Drei Tage nach einer Abstimmungspanne im Parlament spricht die Regierung von einer »Selbstausschaltung« der Volksvertretung, zwölf Tage später lässt sie gewählte Mandatare von der Polizei aus dem Hohen Haus schaffen. Das ist der 15. März 1933 und das politische Ende des Projektes Erste Republik Österreich.

Die Regierung verwandelt das Land in eine Diktatur, der Republikanische Schutzbund der Sozialdemokraten wird verboten. Wiens Bürgermeister Seitz antwortet hilflos: mit einem Verbot der Heimwehr auf Wienerischen Boden.

Vier Monate nach Hitlers Machtergreifung in Deutschland und zwei Monate nach der… weiter lesen

06.04.2008 von Wolfgang Koch
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Organisierte Kriminalität in Wien

von Wolfgang Koch

[ß = ss]. Während die humanitären Organsiationen ihren neuen Gassenhauer »Menschenhandel« affichieren lassen und die Wiener Polizei beflissen die Villenviertel von Hietzing bis Döbling sichert, verschwinden aus den Stiegenhäusern in den innerstädtischen Bezirken systematisch Kinderwagen, Rollerskates, Fahrräder und Spielsachen.

Ob da nun alte oder neue Ostbanden Diebsgut in Wien raffen, weiss ich nicht. Jedenfalls kommen die Täter aus Polen, Bulgarien, Rumänien; die Bandenmitglieder stammen von weit her, aus den Gefängnissen der Ukraine und Georgiens, und alle zusammen organisieren sie in der Märchenstadt Wien ein Verbrechen, das sich nicht etwa gegen die Oberschicht richtet, sondern gegen die hiesige Unter- und Mittelschicht.

Denn, sie gesagt, die schönen Villen in Wien, die mit den dicken Vans davor, sind alarmgesichert, die Eingänge werden von Kameraaugen überwacht, Polizei und private Wachdienste fahren Streifen. Das alles gibt es in den Wohnanlagen der Bezirke 1 bis 9 nicht.

Und so funktioniert die organisierte Kriminalität in Wien… weiter lesen

03.04.2008 von Wolfgang Koch
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Kleine Wiener Stadtgeschichte (38)

von Wolfgang Koch

1930. Im Grossraum des Wiener Beckens bleibt der industrielle Aufschwung aus. Das treibt die Christlichsozialen dazu, die Gründung eines Zweckverbandes Gross Wien vorzuschlagen. Die Sozialdemokraten winken ab.

Also geht der Finanzdauerkonflikt in die nächste K.O.-Runde. Im Mittelpunkt des »Fiskalmarsches auf Wien« steht jetzt die Frage, ob der konservativ dominierte Oberstaat ein Veto gegen lokale Steuern erheben darf. Um den Hardliner und Heroen des urbanen Mikrosozialismus, Hugo Breitner, zu brechen, wird im Bundesland Niederösterreich eine Gesetzevorlage zur Besteuerung der Hochquellenwasserleitung vorbereitet. Falls Wien sich weigert, bleibt der Hahn trocken, drohen die Christlichsozialen im Dezember.

Das sozialdemokratische Tröpfelbad versiegt auch zu Weihnachten nicht. In den Waschküchen der Arbeitersilos wird weiter schmutzige Wäsche gewaschen. Dann aber eilt den Rechten die weltweite Wirtschaftskrise zu Hilfe.

1931 setzt die wirtschaftliche Depression voll ein. Die Abgabenteilung ist bis dato bereits siebenmal novelliert worden, zuletzt so drastisch, dass Wiens Anteile von 50,1 auf 37,3 Prozent zurückgehen. … weiter lesen