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Beiträge von Oktober 2008

26.10.2008

DAILY SOUP – 5. LIEFERUNG

von wienblog

23-10-08
Tanz den Jörg Haider 3. »Sein neuestes Projekt dürfte darin bestanden haben, den postfaschistischen Konsens und die postnazistischen Ressentiments gegen jene Nazis zu organisieren, die vom Hitlergruss nicht lassen konnten« (Stephan GRIGAT).

24-10-08
Frauen machen Schwierigkeit in den Top-Positionen der Kulturindustrie. Die geliehene Macht scheint ihnen schneller zu Kopf zu steigen als den männlichen Kollegen, und ehe sie’s recht begreifen, haben sie auch schon ihre Grenzen überschritten. Beispiel 1: Sigrid LÖFFLER, der noch vor zehn Jahren alle Türen im deutschen Feuilleton offen standen. Beispiel 2: Elke HEIDENREICH. Das ZDF feuert die Moderatorin, nachdem sie ihren Kollegen Thomas GOTTSCHALK öffentlich für einen Job, den sie selbst gerne gemacht hätte, geohrfeigt hat. Nun winseln die deutschen Verleger vor der Intendantentür und beschwören das »Einzigartige« der Dame.

Der persönlichkeitsgestörte Inzest-Täter aus Amstetten, Josef FRITZL, 73, hofft allen Ernstes, den Lebensabend im Kreise seiner Familie verbringen zu können. Das erfahren wir aus dem Mund der psychiatrischen Gerichtsgutachterin Adelheid KASTNER in der Süddeutschen, während Österreichs voyeuristische Blätter diese Woche seitenlange Textpassagen aus dem Gutachten abdrucken.

»Es ist eine Sache, über die Lebensumstände zu reden. Eine andere, dieses Leid und Elend mit eigenen Augen zu sehen«. Topmodel Nadja AUERMANN über ihren Kampf gegen Tetanus als UNICEF-Botschafterin und Pampers-Werbeaufputz in Liberia.

25-10-08
Das Auktionshaus Christie’s ändert die Zahlungsmodalitäten für Käufer. Kunstwerke werden in Zukunft nicht mehr herausgegeben, ehe die Kunden den vollen Preis bezahlt haben.

Die Ökonomin Anna J. SCHWARZ, 92, sie hat zusammen mit Milton FRIEDMAN die US-Wirtschaftsgeschichte erforscht, kritisiert die staatliche Kapitalbeteiligung an Banken, um diese vor dem drohenden Konkurs zu retten. »Banken, die falsche Entscheidungen getroffen haben, sollen Pleite machen«.

Tod von Altbürgermeister Helmut ZILK, 81, einer besonders gelungene Dublette des »Herrgotts von Wien«, Karl LUEGER.

26-10-08
Erstmals greift am Nationalfeiertag keine der drei Sonntagsausgaben österreichischer Zeitungen den Begriff Neutralität auf. Die Blätter haben buchstäblich vergessen, dass vor 53 Jahren das kluge österreichische Neutralitätsgesetz beschlossen wurde. Statt dessen bringt das Fellner-Blatt Österreich ein 64-Seiten-Sonderheft prallvoll mit PR-Schmus und einem Ranking prominenter Österreicher. Der Kurier nimmt sich der »Gesichter Amerikas« an, als ob wir hier den nächsten US-Präsidenten wählen könnten. Am überraschendsten aber ist die Leerstelle zum Thema Neutralität beim Marktführer Kronenzeitung, der sich in den letzten Jahren kontinuierlich für die Doktrin der östereichischen Aussen- und Verteidigungspolitik stark gemacht hat. Die heutige Ausgabe liefert den besten Beweis dafür, dass Herausgeber Hans DICHAND die Zügel in der Muthgasse nicht mehr in der Hand hält.

© Wolfgang Koch 2008
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Selbstkorrektur
Mit der letzten Bemerkung tat ich DICHAND und der Kronenzeitung Unrecht. Ich habe übersehen, dass der Reimer-Wolf an diesem Tag eine seiner üblichen sprachlich verhatschten Verszeilen positiv auf die Neutralität bezogen hat. Meine Notiz wirkte aber auch Wunder, denn am nächsten Tag, dem 27.10., wurde dem Nationalfeiertag eine ganze Kolumne von Adrian Hollaender nachgesandt, sowie das Wort Neutralität gewollt in den Bericht von der Bundesheerschau am Wiener Heldenplatz eingefügt.

23.10.2008

DAILY SOUP – 4. LIEFERUNG

von wienblog

17-10-08
Der Pazifist und Quäker Ernst SCHWARZ ist im 86. Lebenjahr verstorben.

Das christliche Altherrenblatt Die Furche unterzog sich einem sogenannten Relaunch und sieht jetzt aus wie eine Tageszeitung vor zwanzig Jahren. Die drei Dutzend Pastoraltheologen, die das Blatt abonniert haben, werden trotzdem dankbar sein.
»Entschleunigung seit über 60 Jahren« verkündet die Redaktion bereits im Titelkopf. – So oft wie heute die Langsamkeit wiedergefunden wird, hat sie gar nicht verloren gehen können.

Wenn in dem stirnrunzelnden Wochenformat namens Furche von »Kirche« die Rede ist, dann ist damit stets Österreichs römisch-katholische Kirche gemeint – als ob es keine anderen Kirchen gäbe. Die Furche hat sich frühzeitig zum Sprachrohr des sogenannten Kirchen-Volksbegehrens von 1995 gemacht. Damals unterzeichneten überraschend 500.000 Katholiken und Katholikinnen ein Reformpapier, das bisher allerdings ohne Folgen belieben ist.
Als Protestant kann ich über das Kirchen-Volksbegehren nur die Kopf schütteln. Wären die 500.000 Unterzeichner kollektiv zur evangelischen Kirche übergetreten, die praktisch alle ihre Forderungen erfüllt, würden die Alarmglocken in Rom gar nicht mehr aufhören zu läuten.

Die optisch geliftete Furche präsentierte den Relaunch vor erlauchten 400 Gästen aus Politik, Kultur und Medien im Wiener Leopold Museum. Passend zur neuen Optik der Zeitung lauter alte Gesichter. Auf dem »Fest für die frische Furche« schwangen ORF-Tween Gerd BACHER, VP-Zukunftshoffnung Heribert STEINBAUER und der Newcomer unter den Bischofen, Helmut KRÄTZL, ihr Tanzbein. Herausgeber Prof. Heinz NUSSBAUMER hauchte die Frage ins Mikrophon, was denn Qualitätsjournalismus sei, und das grossen ORF-Orakel Hugo PORTISCH tröttete zurück: »Dass man gescheiter wird«.

Tanz den Jörg Haider 1. »Wiederholt hat er mit Nationalismus und Rechtsextremismus kokettiert« (Claus REITAN) – und zwei Spalten weiter: »Er hat sich vom Nationalsozialismus eindeutig distanziert und doch immer wieder mit seinen Vokabeln gespielt (Hubert FEICHTELBAUER).

20-10-08
Frankreichs Staatspräsident, seit Wochen mit der Rettung von bankrotten Banken beschäftigt, verzeichnet den mehrfachen unbefugten elektronischen Zugriff auf sein Privatkonto. Nicht einmal das vermag der Elysée-Palast dicht zu halten.

21-10-08
Herzliche Einladung an alle Ganoven der Welt, sich an Österreichs Kulturschätzen zu vergreifen: Nach nur zwei Jahren und neun Monaten verlässt der Art Napper Robert MANG das Gefängnis. Mang hatte im Mai 2003 das berühmteste Salzfass der Welt aus dem Kunsthistorischen Museum am Wiener Ring entwendet und war im Juli 2007 in der zweiten Instanz zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

Immer weniger Menschen auf der Welt lernen Franzsöisch. Innerhalb der letzten sieben Jahre hat die Zahl in den frankophonen Ländern um 11,8 Millionen Heranwachsende abgenommen.

Sarkozys Gattin kämpft in einer Stifung gegen den Analphabetismus.

22-10-08
Tanz den Jörg Haider 2. »Was Haider zum Faschisten fehlte, war die Verherrlichung der Gewalt, auch in Form marschierender Kolonnen. Gebiete wollte er keine annektieren.« (Armin THURNHER).

23-10-08
Albertina-Direktor Klaus A. SCHRÖDER. »Natürlich wird es nach der Finanzmarkkrise eine Wirtschaftskrise geben.«

Die Lebensmittelindustrie kündigt dramatische Preiserhöhungen für gemeines Feldgemüse um 200 Prozent an.

Grünen-Chefin Eva GLAWISCHNIG will ihrer Partei eine neue »sozialliberale Linie« verpassen. Am selben Tag fordert ihr Justizsprecher Albert STEINHAUSER ein gesetzliches Verbot der Mensur in Schlagenden Burschenschaften. »Die Mensur ist nichts anderes als Körperverletztung.« – Liberal wäre es, das rituelle Fechtduell der Studenten wie SM-Spiele zu qualifizieren, die auf dem Einverständnis aller Beteiligten basieren. Erotic, recreational and consensual. Erlaubt ist, was gefällt!

© Wolfgang Koch 2008
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19.10.2008

DAILY SOUP – 3. LIEFERUNG

von wienblog

13+10+08
Der türkische Schwabe Cem ÖZDEMIR wird von seinen Parteifreunden auf dem Weg zum Grünen-Vorsitz unschön im Regen stehen gelassen. 1997 lief ich mit Cem Sesam-Ringe mampfend durch die Stände am Wiener Naschmarkt – er war himmelhoch begeistert vom Angebot an türkischen und mediterranen Waren, das sich in dieser Breite auf keinem Markt Deutschlands finden lässt.

14+10+08
Der Unfalltod des österreichischen Rechtspolitikers Jörg HAIDER zieht Kreise bis in den Sächsischen Landtag. Die Vorsitzende der dortigen Grünen-Fraktion, Antje HERMENAU, kritisiert, dass ein CDU-Abgeordneter Haider als Demokraten bezeichnet hat. – Na, als was denn sonst, bitte? Dass der studierte Verfassungsjurist die Lücken des Rechtsstaates ausnutzte, dass er rassistische Sprüche klopfte und sich als Hetzer und Extrempopulist betätigte, das stempelte ihn noch nicht zu einem Autoritären oder Faschisten. Die Linken haben es sich stets zu einfach mit Jörg Haider gemacht, indem sie ihn als unehrenhaften Konkurrenten hinstellten. An Haiders Höhenflug bis zur Wählerzustimmung von 27 Prozent hat sich gezeigt, dass der Rechtspopulismus von Ausgrenzungspolitik wunderbar profitieren kann. Die äussere Rechte versteht es nun mal blendend, sich als Paria des Systems darzustellen und die Denkzettelwähler einzusammeln. Zur Erinnerung: Haiders Protestpartei hat erst Stimmen verloren, nachdem sie 1999 in eine Bundesregierung mit der ÖVP eingetreten ist.

15+10+08
Abakadabra von Haiders einstiger Weggefährtin, der geschlagenen Liberalen-Politikerin Heide SCHMID: Sie betont gleich zweimal, dass der verunfallte Landeshauptmann mit seinem Wagen die Geschwindigkeitsbeschränkung von 70 km/h um das Doppelte überschritten habe.

16+10+08
Die Wiener Hofreitschule nimmt nach 430 Jahren Männer im Sattel zwei Frauen als Elevinnen auf.

Haider hatte bei seinem Unfall mit 1,8 Promille Alkohol im Blut. So eignet er sich auch posthum noch zum Jugendidol.

17+10+08
Was ist eigentlich aus den Gewaltakteuren in den Banlieues und ihrem French Riots 2005 geworden? Die unruhige Jugend der Franzosen erstickt nun im Fussballstadion das Absingen der Marseillaise in Konzerten aus Pfiffen und Buhrufen.

Wo lebt eigentlich Suhrkamp-Autor Robert MENASSE? In seinem Haider-Nachruf nennt er die Politik der ÖVP: »einen alten, miefigen, aber ins demokratisch Staatstragende gewendeten Austrofaschismus«. Ich lebe in einem Land mit einer vitalen Rechten, sprachlosen Grünen, einer bankrotten Sozialdemokratie und paranoiden Intellektuellen.

18+10+08
Der Standard – Seit 20 Jahren die Giraffe unter den Boulevardzeitungen der österreichischen Akademiker (von Akademikern für Amademiker). Leibblatt des Kampusch-Entführers Wolfgang PRIKLOPIL.

19+10+08
Gleich sechs Reporter berichten auf 530 Zeilen im Kurier von der Trauerfeier für Jörg Haider. Kostprobe: »25.000 Menschen sind nach Klagenfurt gekommen… – die vielen Fernsehzuschauer in ganz Österreich nicht mitgerechnet«.

Bei der Totenmesse im Klagenfurter Dom wird das Vater unser auf Slowenisch gebetet.

Nachruf des Kolumnisten Thomas MAURER: »der grosse Demagoge«, »die permanente Desensibilisierungstheraphie«, »der lebenslange Grenzgänger zwischen Lässigkeit und Fahrlässigkeit«. Haider hat die Linke über Jahrzehnte so nachhaltig blamiert, dass sie nun eine Conditio humana, das Versöhnende des Todes, ignoriert.

© Wolfgang Koch 2008
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15.10.2008

EXZESS ESTERHÁZYSCHNITTE

von wienblog

Ungarn erlebt seit 2006 eine Polarisierung. Paramilitärs der Magyar Garda hetzten gegen Juden und Homosexuelle, rechtsnationale Zündler predigen eine Revolution. Noch aber synchronisiert die internationale Finanzmarkkrise diese Hysterien nicht.

Gewissermassen als Antidot feierte das kunstsinnige Budapest am 11. Oktober den 70. Geburtstag von Hermann NITSCH. Die Galeria White in der Falk Miksa utca eröffnete die mittlerweile vierte Ausstellung des Österreichers im Nachbarland, grossformatige Schüttbilder und Aktionsfotos, und damit die erste nach den Krawallen vor neun Jahren.

»1999 erlebte Ungarn den grössten Kunstskandal seiner Geschichte«, erinnert sich der Übersetzer und Kunstvermittler Lajos ADAMIK. Ein Mitglied der konservativen Regierung hatte damals behauptet, seine religiösen Gefühle würden durch die gezeigten Relikte des Sechstagespieles von 1998 verletzt. Die Vertreter der Religionsgemeinschaften schlossen sich an. Es folgte ein landesweiter Protest; jemand pinselte einen Judenstern auf ein Ausstellungsobjekt.

Die liberale Budapester Stadtregierung freilich widerstand damals dem Kesseltreiben, und das Publikum gab ihr Recht: die Schau verzeichne mehr BesucherInnen denn je.

Nitsch spielt den Skandal von ‘99 heute herunter. »Das hatte nichts mit Ungarn als solchem zu tun, solche Dinge habe ich überall erlebt«.

Wie schon zur Eröffnung des Nitsch Museo Napoli im September reisten auch zum Fest nach Budapest zahlreiche Freunde, Verwandte und Kenner an. Ziehsohn Leo KOPP aus München, der Hippie-Artist Giuseppe ZEVOLA aus Italien, Extremkoch Paul RENNER aus dem Ländle (Renner will nächstes Jahr aus seinem legendären Hellfire Touring Club ausscheren).

Selbst Veronika IMMERVOLL, die lebenslustige Köchin aus dem Künstlerdomizil in Prinzendorf, war in Budapest als Gratulantin zugegen (sie hat einst dem österreichischen Bundeskanzler VRANITZKY ihre Stimme bei der Wiederwahl verweigert, weil der sie in der Schlossküche nicht gebührend begrüsste).

Aber nicht nur Althasen des Orgien Mysterien Theaters feierten in Budapest ein Wiedersehen. Auch Newcomer wie der Franzose Guillaume BRUÈRE, der in der Berliner Galerie Curtze noch bis Ende des Monats »Selbstbildnisse als Kartoffel« ausstellt, hat den Weg in die Arany János utca 17 gefunden.

Dorthin, ins Restaurant Kheiron, hatte dessen Besitzer Tamás KOLLER zu einem Festessen für Hermann Nitsch geladen. Kollers Küche kreierte zum Nitsch-Text Das Malhemd (1991) fünf raffinierte Speisengänge: Lebervariationen, Suppe von der Taubenbrust mit Gerstengraupen, Rosmarin-Kalbsschulter, Lammrücken mit Ziegenkäse-Polenta und Mohnmousse mit Schwarzbeeren.

Die natürlichen Gefahren hielten sich dabei in Grenzen. Die ungarische Musikperformerin ÁGENS, eine Jeanne d’Arc des Eso-Feminismus, die kürzlich erotische Gedichte veröffentlichte, bot auf einem Klangtisch liturgische Action mit gestischen Zitaten aus Nitsch-Aktionen. Von ihrer Performance selber am stärksten ergriffen, verschwand die Künstlerin am Schluss auf Nimmerwiedersehen.

Lajos Adamik nannte den Jubilar in seiner Laudatio »einen grossen Menschheitserzieher« und erinnerte daran, dass es ausgerechnet der griechische Gott der Heilkunst, Aesculapius, war, der auch als der erster Meister der Küche verehrt wurde.

Dr. Lóránd HEGYI, Ex-Direktor des Wiener MMK, derzeit Leiter des Museums für Moderne Kunst St. Etienne, war eigens aus Lyon angereist. Hegyi betonte die Apotheose des Orgienmysteriums auf der sinnlichsten Ebene. Nitsch verbinde das Pathos mit heller Empathie.

Die Festnacht endete freilich trotzdem in melancholischer Tonlage. Bruère zückte seinen Skizzenblock und hielt den ungarischen Stehgeiger in Strichen fest, als wäre Horst JANSSEN auferstanden.

Nitsch durchkreuzte die Regie des Abends nur an einem Punkt. Er weigerte sich am Kopf der Tafel Platz zu nehmen und sie zu präsidieren. Statt dessen sass er lieber leutselig unter den Gratulanten, als ginge es um ganz einen anderen.

© Wolfgang Koch 2008
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12.10.2008

DAILY SOUP – 2. LIEFERUNG

von wienblog

05:10:08
Popsport: MADONNA hat bei ihrem Wien-Striptease einen Sekundenlohn von aberwitzigen 886,73 Euro gemacht.

Politsport: Noch-Kanzler Alfred GUSENBAUER hat ein halbes Jahr Anspruch auf eine arbeitslose Gehaltfortzahlung von 15.300 Euro brutto pro Monat.

Mediensport: Ex-Entführungsopfer Natascha KAMPUSCH behauptet von den Einnahmen für Interviews zu leben.

Gottsport: Der schwule altkatholische Geistliche Christian BLANKENSTEIN feiert die Sonntagsmesse jetzt in Wirtshaus Klostermarie in Wien-Brigittenau.

07:10:08
Der Gitarrero Carlos SANTANA, 67, will in der Pension eine Kirche auf Hawaii gründen. »Santanische Messen« sozusagen.

08:10:08
Der Falter reprintet ein Interview, das ich vor 20 Jahren mit Wirtschaftsminister Robert Graf über seine Manschettenknöpfe geführt habe. »Waren das noch Zeiten, als man mit österreichischen Ministern Interviews über Fragen des Stils führen konnte«.

Das neue Zugpferd der Grünen, Eva GLAWISCHNIG, äussert kluge Kritik an der »abgehobenen EU-Linie der Grünen«, für die massgeblich ihr innerparteilicher Widersacher Johannes VOGGENHUBER verantwortlich ist.

Ein F.A.Z.-Leserbriefschreiber wehrt sich gegen das geplante Einheitsdenkmal in Berlin: »Wer käme in Österreich schon auf die Idee, das Denkmal MARIA THERESIAS gegenüber der Hofburg gegen etwas Ähnlich auszutauschen?« – Dem Mann kann geholfen werden: Ich. Ein Denkmal für 50 Jahre erfolgreiche österreichische Neutralität in der Weltpolitik stünde dem Maria-Theresien-Platz viel besser an, als diese verklärende Herrschaftshieroglyphe der späten Monarchie, die selbtst den Komponisten MOZART in den Schatten der Regentin zu stellen versucht.

Ein 40jähriger korpulenter Spanier badete – zur Verzweiflung der Polizei – zwei Stunden lang nackt im Wassergraben des kaiserlichen Palastes in Tokio.

In Nepal wurde eine Dreijährige als neue Kumari, d.h. als lebendige Inkarnation der hinduistischen Göttin Durga bestimmt. Und zwar mit ausdrücklicher Zustimmung der maoistischen Regierung. – Da können sich die Genossen in Peking mal was abschauen. Darauf warten wir in Sachen DALAI LAMA schon ziemlich lange.

09:10:08
Die führende deutsche Tageszeitung zur Finanzmarkkrise: »Manche Banken stehen vor dem Abgrund und wären ohne die Hilfe des Staates schon einen Schritt weiter«.

10:10:08
Vierzig Prozent der Somalier sind auf ausländische Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Die Immobilienbranche stimmt sich auf »zwölf sehr schmerzhafte Monate« ein, die vor ihr liegen.

11:10:08
Der Rechtsaussenpolitiker Jörg HAIDER stirbt bei seinem zweiten schweren Autounfall auf der Strecke von Klagenfurt Richtung Rosental. Kein Politiker hat seit Bruno KREISKY die österreichische Gesellschaft stärker verändert als er. Das Orginal ist tot, zum Teufel mit den Kopien.

© Wolfgang Koch 2008
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05.10.2008

DAILY SOUP – 1. LIEFERUNG

von wienblog

26-09-08
Bombenanschlag auf das Haus des Historikers Zeev STERNHELL in Jerusalem. Er hat die Palästinenser aufgefordert nicht Frauen und Kinder zu töten, sondern die Siedler zu bekämpfen.

27-09-08
Ex-Landeshauptmann Leopold WAGNER im 81. Lebensjahr gestorben. Mit stolzgeschwellter Brust und dem »Falter« unter dem Arm lief er über den Neuen Platz in Klagenfurt, als ich das erste lange Interview nach dem überstandenen Attentat mit ihm veröffentlichte. Er war überglücklich mit dem Text, der eine komplette Nachdichtung des Gesprochenen war. Peter TURRINI rief mich in der Redaktion an, um mir zu gratulieren.

Der iranische Staatspräsident ACHMEDINESCHAD erklärt vor der UN-Vollversammlung, der verborgene Imam werde uns zusammen mit dem Messias erlösen. Die Welt werde heute von einer kleinen Gruppe Zionisten beherrscht, das US-Imperium sei am Ende und der Holocaust habe nie stattgefunden.

In Oneglia, an der italienischen Riviera, soll in GROCKs ehemaliger Villa ein Zirkusmuseum entstehen.

Der Aktionskünstler Günter BRUS ist Siebzig geworden.

Der Künstler Andres SERRANO widmet sich – unterstützt von Hélène CIXOUS – Fäkalien in Nahaufnahmen.

02-10-08
Usama BIN LADEN gerät immer dann ins Stottern, wenn er nach den vielen zivilen Opfern muslimischen Glaubens gefragt wird, die sein Dschihad bisher gekostet hat.

Achtung, Wertedifferenz! USA: Menschenrechte und Demokratie gegebenenfalls auch mit Gewalt durchsetzen. EU: Notwendigkeit vom Rechtsprimat und Kooperation mit Nichtdemokraten.

Alfred ANDERSCH hat nach dem Krieg durch Falschdarstellung seiner Entlassung aus der Wehrmacht Opferkapital lukriert. Es war nicht um seinen Status als Ex-KZ-Häftling gegangen, sondern um den Status der »Mischlings«-Ehe.

Am Markt von Sapa: Erinnerung an die Reise zu den Bergvölkern Vietnams, wo ich von einer Blauen Hmong-Frau Opium in einer Zündholzschachtel erstanden habe.

04-10-08
Hat uns BUSH zur Angst umerzogen? Kehrt die Tauschwirtschaft wieder? Führt die Krise auf den internationalen Finanzmärkten zur Kartoffel zurück?

Kultur: Suchten Ezra POUND und Hilda DOOLITTLE nach einem dritten Geheimschlüssel zum Griechenlanderbe? Waren sie neben dem Apollinischen und dem Dioysischen die Vertreter einer »eleusischen Moderne«, die das Leben nicht ersetzen, sondern intensivieren wollten? »Dass die Menschen einander göttlich werden müssen, wenn sie denm Einsturz ihrer Götterhimmel als Zivilsation überleben wollen…« – Nein, Dionysos steht nicht nur für den Rausch, die Tobsucht, die zuckende Verklärung, die expressiver, schneller, subjektiver, surrealer sein will als die vormoderne Welt. Das Programm der Lebensintensivierung ist in seinem Konzept bereits enthalten. Als eleusinisches Drittes zwischen Apoll und Dionysos bliebe dann allein der Glaube an die wirksame Macht der Kunst.

Der reichste der russischen Oligarchen, Oleg DERIPASKA, musste Aktienpakete beim Autozulieferer Magna abgeben. Ist morgen der Baukonzern Strabag dran, und erst übermorgen die Kartoffel?

GLAWISCHNIGG folgt VAN DER BELLEN bei den Grünen. Der Versuchpolitiker, der »bis zu seinem Lebenende keinen langweiligen Tag mehr erleben wollte«, inthronisiert die Nachfolgerin aus seiner eigenen Retorte.

In Italien nehmen die Übergriffe auf Zuwanderer kein Ende. Ein Österreicher wird Vizepräsident des Internationalen Seegerichtes in Hamburg. Da sage nochmal jemand, dass man als Binnenland-Europäer nichts erreichen kann.

© Wolfgang Koch 2008
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