Archive for April, 2010

12.04.2010 von Wolfgang Koch
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»DAS SEIN« VON HERMANN NITSCH (Schluss)

von Wolfgang Koch

Letzter Band, letzte Station der Reise. Auf die »Umdichtung« des Tao-Tê-King, die keine sein will, aber doch eine ist, folgt eine weitere, nämlich die Übersetzung des König Oidipus von Sophokles in einer intentionalen Sprache, d. h. in einer Sprache mit mehreren Bedeutungen.

Wie Freud sah Nitsch in der Blendung der altgriechischen Sagengestalt eine verklausulierte Abhandlung des Themas Generationenablöse. Der Text stammt aus dem Jahr 1978, also aus der prä-aktionistischen Phase, als der Autor noch mit einer überladenen Sprache reale Sinneseindrücke evozieren wollte. Im Begleitwort erwähnt Nitsch den Wiener Poeten Ferdinand Schmatz , mit dem er sich in den 1980er-Jahren wegen eines unbotmäßigen Katalogbeitrages überworfen hat, noch als »Freund«.

Es finden sich aber auch Dichtungen neuen Datums am Schluss des 3. Bandes; unter ihnen fällt ein erotisches Erlebnis von 2001 einigermaßen aus dem Rahmen. In gleich drei Poems stellt Nitsch seine Angst vor Atombomben zu Schau (923, 926, 967), und auch ein… weiter lesen

09.04.2010 von Wolfgang Koch
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»DAS SEIN« VON HERMANN NITSCH (13)

von Wolfgang Koch

Herrscht irgendwo große Verwirrung darüber, worum es im O. M. Theater geht? Besteht denn Nachfrage nach weiterreichenden Interpretationen?

Nein, und daraus ersehen wir, dass es Hermann Nitsch in seiner dreibändigen Monumentalschrift allein um Selbstvergewisserung seiner Arbeit geht. Trotz der vorherrschenden terminologischen Vagheit zeigt sich, dass die Entfaltung der Künstler-Philososphie deutliche Bedeutungsverschiebungen in der Spieltheorie zu Folge hat, daß Komposition und Dramaturgie der Aktion nunmehr dem Oberbegriff Sein dienen.

Zum Abschluss des letzten Bandes bietet uns diese Weisheitsschule wieder über 300 Seiten Dichtungen. Gleich der erste Text ist eine komplette »Umdichtung« des Tao-Tê-King, von der es paradoxerweise schon in der Einleitung heißt, sie wäre keineswegs als eine »Umdichtung« zu verstehen. Frage: Soll man nun mehr der Überschrift glauben oder der Einleitung?

Der Text wurde 1966 fertig gestellt und ist erstmals in Wortdichtung II  im Freibord Verlag veröffentlicht worden. Es finden sich darin sehr  interessante Aussagen des Autors – solche, die sich gegen den Hedonismus richten, eine weitere… weiter lesen

01.04.2010 von Wolfgang Koch
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»DAS SEIN« VON HERMANN NITSCH (12)

von Wolfgang Koch

Der 3. und umfangreichste Band des Nitsch’schen Seins-Opus wartet mit einer weiteren Überraschung auf. Hat sich der Autor in den beiden ersten Bänden strikt geweigert, Begriffsdefinitionen zu geben, so bricht er nun bedauernd diese ungeschriebene Regel: »Man weiß, dass ich von exakten Begriffsdefinitionen nichts halte. Trotzdem versuche ich die oft verwendete einigermaßen dazulegen«.

Warum er seine Meinung geändert hat, das erfahren wir nicht. Aber die Sache ist auch so klar: Bedeutungstraditionen müssen in einer derart breiten Abhandlung wie dieser irgendwann einmal mit einbezogen werden. Hermann Nitsch geht dabei gründlich vor. Er unterscheidet 13 Synonyme für das Sein (Geist, Gott, Kosmos, Mystik, Natur, Nichts, Leere, Pantheismus, Schöpfung, Seele, Tao, Werden, Wille) und 11 weitere Begriffe.

Dieser verspätete Defintionsschlacht folgt eine knappe Untersuchung der philosophiegeschichtlichen Rezeption des Seins, und zwar anhand von 23 abendländischen Denkern. Den Anfang im Reigen macht Anaximander mit dem ersten erhaltenen Satz der okzidentalen Philosophie überhaupt.

Zum Urvater… weiter lesen