26.05.2010 von Wolfgang Koch
Sie mag eigentlich keine Portraits, sagt die in Amsterdam lebende österreichische Künstlerin Barbara Philipp (www.barbaraphilipp.eu). Das ist merkwürdig. Wenn ein Mediziner keine Füße mag, dann wird er zum Beispiel Augenarzt. Verabscheut eine Leichtmatrosin große Öltanker, dann heuert sie eben auf einem Ausflugsdampfer an.
Beim Künstlervolk ist alles anders: hier geht man den Abneigungen nicht einfach aus dem Weg, wie das jeder normale Mensch tun würde. Die Kreativen nützen selbst ihre Antipathien für den Spannungszustand der schöpferischen Erregung. Für Künstler ist lebendige Kommunikation das eigentliche Element der Welt. Ihre Empfindungen gelten ihnen als Zeichen für einen Komplex von relativer Stabilität.
Vor diesem Hintergrund hat die erklärte Portrait-Verächterin Barbara Philipp eine erstaunliche Serie von persönlich-unpersönlichen Portraits erarbeitet. Diese sind derzeit unter dem Titel »Besondere Kennzeichen« in der Wiener Galerie Kunst & Handel in der Himmelpfortgasse 22 zu sehen.
Philipp lebt gemeinsam mit einem italienischen Wissenschafter in den Niederlanden; sie spricht mit ihrem… weiter lesen
21.05.2010 von Wolfgang Koch
Ein seltsamer Abend war gestern in Wien zu erleben. Nicht der »rote Großvater« erzählte aus seinem kampfreichen Leben, sondern der italienische »Autonomisten-Opa«. Drei Veteranen aus den bleiernen Jahren im Nachbarland waren nach Wien gereist, um 33 Jahre nach dem Ereignis von legendären linken Kollektiv Radio Alice und der Bewegung der Marginalisierten in Bologna zu berichten.
Die Jugend- und Studentenrevolte von 1968 ist in Italien bekanntlich mit zehnjähriger Verspätung eingetroffen. Dafür stieß sie dort auf neue Gegner und musste fantasievollere Formen des Protests finden als »Ho-Chi-Minh«-Rufe: Formen kollektiver Poetik, Jazzmusik, Straßentheater, die Herabwürdigung der Autoritäten, Murales, alternative Clowns, wilde Akte der Selbstaneignung, der Karneval der Besetzungen und das nichtreglementierte Sprechen als Akt der politischen Widerrede.
Das große Buch der Geschichte verzeichnet dies alles unter den schönen Stichworten Umbria-Festival, Autonomia, Indiani metropolitani, A/traverso, Antipsychiatrie, Mao-Dadaismus; und selbst in den akademischen Diskurs der Medientheorie haben die Experimente der unterdrückten Jugend als Beispiel für »strategische… weiter lesen