Archive for Juli, 2010

31.07.2010 von Wolfgang Koch
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WIENER FEUILLETON – 30. Woche 2010

von Wolfgang Koch

Eine Schwäche vereint alle drei Redaktionen: das übermäßige Herausstellen der Autoren und Autorinnen. Ein typisches Kennzeichen des Provinzellen. Nicht die Qualität der Texte scheint im Vordergrund zu stehen, nicht was gesagt wird und wie etwas gesagt wird, sondern wer da etwas sagen darf, Ausbildung, aktuelle Position, letzte Veröffentlichung, Website, ein Bildchen. Fehlt nur noch die Steuernummer, um die BeiträgerInnen als tüchtige und integrierte Mitglieder der Gesellschaft auszuweisen. Dieser Präsentation entsprechend geschnäuzt und gekämmt sehen die meisten Texte auch aus.

1. Platz: SPECTRUM der Tageszeitung »Die Presse«, Redaktion: Karl Woisetschläger

Im SPECTRUM lernen wir diese Woche, dass Zitronenlimonade ein Pleonasmus ist. Das gefällt!

Fünf Tage nach dem die österreichische Schriftstellerin Brigitte Schwaiger ins Donauwasser gegangen ist, bringt die Redaktion einen unveröffentlichten Text der Verstorbenen. Warum aber diesen ausgesprochen schwachen Text, in dem sich zwei Psychiatriepatienten halb kabarettistisch, halb sozialkritisch über eine Verstorbene unterhalten? Wegen dem Sager: »Wieso soll man sich aufregen,… weiter lesen

29.07.2010 von Wolfgang Koch
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WAS SOLLEN WIR IN WIEN WÄHLEN? (Blau)

von Wolfgang Koch

Seit Monaten geht uns das Strache-Bashing der Linken auf den Wecker. Wir halten das Schwingen der Faschismuskeule für eine untilgbare Grundschwäche der Linken. Oder genauer: Das Moralisieren ist leider die einzige Tugend der kulturellen Linken in Österreich; die politische Linke kann sich ihr gegenüber nur selten durchsetzen.

Viel zu bereitwillig suhlen sich Jugend und Intelligenz hier im Bewusstsein der eigenen Überlegenheit, viel zu blauäugig bastelt man an Feindbildern und Sündenböcken. Schuld an der Ausbeutung der Menschen: entweder der Turbokapitalismus oder der Neoliberalismus, oder beide. Schuld am Ausbleiben der Revolution: die Medien, besonders die Neue Kronenzeitung. Schuld am Leben im Falschen: die Recken der Rechten, vor allem H. C. Strache.

Aus der Perspektive einer lebendigen Demokratie sagen wir: »Eine rechtsliberale Partei hat auch in Österreich eine Existenzberechtigung!« Doch als rechtsliberale Kraft wahrgenommen zu werden, dazu hat die Strache-Partei beinahe keine Chance. Politisch ist dieses Feld durch ÖVP und SPÖ so dicht besetzt wie das Gänsehäufel in… weiter lesen

24.07.2010 von Wolfgang Koch
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WIENER FEUILLETON – 29. Woche 2010

von Wolfgang Koch

1. Platz: EXTRA der »Wiener Zeitung«, Redaktion: Gerald Schmickl

Überraschung: das EXTRA schießt in der Wochenwertung nach oben, allerdings nicht dank einer feuilletonistischen Spitzenleistung, sondern weil sich das intellektuelle Niveau der Artikel diesmal auf ein halbwegs berechenbares Maß eingependelt hat, während bei der Konkurrenz weiterhin Tohuwabohu herrscht.

Zu Beginn vier Seiten Italien. Das erinnert uns an die unseligen monothematischen Zeiten dieser Blattbeilage, doch ist das Thema Italien, wie es hier geboten wird, ausreichend abwegig, um in einer mit Bizzarien überfütterten Zeit bemerkt zu werden.

Zunächst eine Geschichte nach dem »Don Camillo und Peppone«-Muster: Wie kam das Voralpendorf Montanér im Veneto zu einer christlich-orthodoxen Kirchengemeinde? Autor: Günther Schatzdorfer.

Dann die steinerne Architekturutopie (»La Cittá Ideale«) des Mailänder Architekten Tomaso Buzzi [1900-81], kenntnisreich erkundet von Petra Regensburger.

Viel zu ausführlich: ein Text von Arthur Fürnhammer über Mailands Sehnsucht nach einem Meerhafen im 19. Jahrhundert.

Es folgt eine Würdigung des Hamburger Volksschauspielers Hans… weiter lesen

22.07.2010 von Wolfgang Koch
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WAS SOLLEN WIR IN WIEN WÄHLEN? (Rot)

von Wolfgang Koch

Da wir unversöhnliche Demokraten sind, keinesfalls Rot. »Hand auf’s Herz«, raunt die Wiener SPÖ, »macht es Sie nicht auch ein wenig stolz, dass so viele Menschen uns Wienerinnen (um unsere Stadt) beneiden?« – Nein, denn um Hundedreck, Bauspekulationen, Bahnhofsdemolierungen, Altensterbeheime und um die Bettlerverordnung beneidet uns niemand auf der Welt. Die Mehrheit der Wähler und Wählerinnen in Wien ist keineswegs so zufrieden, wie uns das die Spin-Doktoren aus der Löwelstraße zu suggerieren versuchen.

Die Mehrheit der Menschen wird am Arbeitsplatz unter Druck gesetzt und der Rest der Bevölkerung mit Spielen und Drogen ruhig gestellt. Wir wählen weder aus patriotischem Stolz noch aus Dankbarkeit für irgendetwas, sondern aus der Notwendigkeit, dass sich das Leben zum Besseren wandelt. Wien muss sich ändern, wenn es Wien bleiben will. Die Wiener Eigenarten und die stille Geruhsamkeit des Lebens in dieser Stadt sind heute im höchsten Maß gefährdet. Die SPÖ hatte über Jahrzehnte ausreichend Zeit, das zu erkennen und entsprechend zu… weiter lesen

18.07.2010 von Wolfgang Koch
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WIENER FEUILLETON – 28. Woche 2010

von Wolfgang Koch

 1. Platz: SPECTRUM der Tageszeitung »Die Presse«, Redaktion: Karl Woisetschläger

Schwächer als in der Vorwoche. Wird aber durch das Thema Donaukanal und dem Abdruck eines Romananfangs von Michael Köhlmeier vor dem Abstieg bewahrt.

Der mit Madalyn überschriebene Köhlmeier-Text behandelt die Zuneigung eines männlichen Wieners zu einem Nachbarskind. – Eine weitere Talentprobe eines Autors, von dem wir seit Jahrzehnten ganz Großes erwarten.

Peter Payer publiziert eine Geschichte des Wiener Donaukanals, von dem Hans Weigel einmal gesagt hat, dass er ein Wahrzeichen der Stadt wäre, wenn er nur einen anderen Namen hätte. Sechs Seiten weiter hinten kritisiert Iris Meder die Architektur des neuen Bootsterminals von Fasch & Fuchs am Schwedenplatz. Beide Artikel freilich unterschlagen die beschämende Tatsache, dass dieses sogenannte Naherholungsgebiet der Innenstadt von einer Verkehrshölle umrahmt wird und dass das Donaukanalwasser eine stinkende Kloake ist.

Essayistik sieht heute in Österreich so aus: Sie zitieren auf zehn Zeilen Sigmund Freud, Friedrich Nietzsche… weiter lesen

15.07.2010 von Wolfgang Koch
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HETZPLAKATE DER WIENER WIRTSCHAFTSKAMMER

von Wolfgang Koch

Die von der sozialdemokratischen Mehrheit im Wiener Rathaus im Frühjahr gegen alle Bedenken durchgeboxte Bettlerverordnung zeigt Wirkung. Allerdings ganz anders als sich das die Menschenfreunde im Gemeinderat der Millionenstadt wohl vorgestellt haben. Statt organisierte Bettler aus armen Nachbarstaaten aus dem Wiener Stadtbild zu verdrängen, hat das Team um Bürgermeister Dr. Michael Häupl die offene Hetze und Verachtung von Straßenbettelei salonfähig gemacht.

Ausgerechnet die Wiener Wirtschaftskammer, die Standesvertreung der heimischen Unternehmen, startete dieser Tage eine Desinformationskampagne, um die kleine Spende an Bedürftige bei Wiener Einkäufern madig zu machen. Wir geben im Folgenden die öffentliche Stellungnahme der Wiener Bettlerlobby zu diesem Skandal wieder. Die Bettlerloby ist ein Netzwerk von AktivistInnen aus dem Sozial- und Kulturbereich, das seit 2008 mit Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen Aufklärung und sachlich fundierte Information in die öffentliche Debatte rund um das Betteln bringt.

Sehr geehrte Damen und Herren der Wiener Wirtschaftskammer!

Sie wenden sich neuerdings in einer Plakat-Aktion mit dem Motto „Helfenweiter lesen

12.07.2010 von Wolfgang Koch
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WIENER FEUILLETON – 27. Woche 2010

von Wolfgang Koch

Wie bereits im Vorjahr bieten wir in den nächsten Wochen kostenlose Blattkritik. Ob eine Presselandschaft von Wert ist oder nicht, entscheidet sich bekanntlich nicht an den Dumpfmedien. Schlechte Zeitungen sind überall schlecht; die Qualitätsskala (siehe NÖN, Heute, täglich Alles, Österreich) ist nach unten gähnend offen.

Dass Wiens Feuilletonstuben finanziell unterdotiert und personell unterbesetzt sind, dass sie von ihren Mutterredaktionen stiefmütterlich behandelt werden, geht aus vielen Details hervor. Ein Vergleich des österreichischen mit dem deutschen oder mit dem schweizerischen Großfeuilleton ginge fürchterlich aus.

Seit dem letzten Vergleichtest hat sich einiges an den Rahmenbedingungen für intelligenten Journalismus in Wien geändert: die Tageszeitung »Der Standard« integrierte erfolgreich ihre Reisebeilage in die Wochenendbeilage ALBUM. Und das SPEKTRUM der »Die Presse« ist jetzt nur mehr gegen volle Bezahlung der Samstagausgabe zu haben; statt der beliebten Samstagausgabe hängt mittlerweile am Sonntag ein vollkommen überflüssiges Produkt namens »Die Presse am Sonntag« zur quasi freien Entnahme aus.

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