Im Wiener Wochenend-Feuilleton finden sich immer wieder wertvolle journalistische Artikel, die nicht zur Feuilletonkultur passen. So diese Woche eine informationsreiche Analyse der Stadtentwicklung auf der Donauplatte von Reinhard Seiß im SPEKTRUM, die ein dramatisches Licht auf die heimische Politik vor der Wahl wirft. Solche dringend notwendigen Hintergrundanalysen konnte man vor zehn Jahren noch im Nachrichtenmagazin profil lesen; heute muss das Feuilleton die investigativen Aufgaben des maroden politischen Journalismus in Österreich mit übernehmen.
Als feuilletonfremd werten wir auch eine Apotheose der Leiharbeit in derselben Ausgabe des SPEKTRUMs. Im ALBUM gilt das für die Titelgesschichte: eine Reportage aus dem Schockraum des Allgemeinen Krankenhauses (AKH), verfasst von der Gesundheitsredakteurin Karin Pollack. Dieser im Krimi-Ton gehaltene Beitrag, in dessen Mittelpunkt der Ex-Gatte einer Ex-Gesundheitsministerin als Auskunftsperson steht, lobt die Sportlichkeit der Unfallmedizin über den Klee und lässt auf zwei vollen Seiten nicht einen einzigen Patienten zu Wort kommen.
Gelungene Feuilleton-Texte glänzen entweder durch freundlichen… weiter lesen