vonWolfgang Koch 04.09.2017

Wolfgang Kochs Wienblog

Vom letzten Glanz der Märchenstadt oder wie es sich an der blauen Donau gerade lebt.

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»Haben schon gewählt: Original-Sacher-Torte oder Eduard-Sacher-Torte?« Die ihren Bürgern schon zweimal geschenkte Republik Österreich liegt im Tortenstreit. Der regierende Träger der Tante-Jolesch-Medaille ist im besten Wohlfühlton gescheitert. Eine neue Koalition soll wieder einmal alle Probleme lösen und nichts verändern.

Die Kandidaten für die Parlamentssitze zittern. Das Original-Sacher-Lager fürchtet Haustetschen für erfolgreiche Wertschöpfung ohne Bonusmeilen für den Mittelstand; die Eduard-Sacher-Front Gnackwatschen für zwei Jahre »Willkommenskultur« im Kielwasser von Angela Merkel.

Das Original hätte ja diesmal durchaus Chancen, ist aber zerrissen zwischen Wegträum-Europa und Brüsselophobie. Die Parteien mit dem Binnen-I, die Sozialdemokraten und die Grünen, sind sich zwar einig über die zusätzliche Marmeladenschicht in der Teigmitte, missachten aber Rechtsverbindlichkeit als Lebensgrundlage der Demokratie.

Bei einer österreichischen Staatsschuldenquote von 80% (Italien 133%) herrscht, trotz Verdoppelung des realen BIP in den vergangenen 35 Jahren, immer mehr Wilder Westen am Arbeitsmarkt. In den Parteien dreht sich alles um Taktik, welche die Protagonisten für den Moment gut dastehen lässt. Und ausgerechnet nach ihrem bisher grössten Triumph – der Wahl eines Donaldisten zum Bundespräsidenten – zerreisst es die Partei der ökologischen Sache.

© Wolfgang Koch 2017

Foto: Inés Bacher

 

 

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