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	<title>Wien-Blog</title>
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	<description>Vom letzten Glanz der Märchenstadt oder wie es sich an der blauen Donau gerade lebt.</description>
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		<title>HAT MANFRED BOCKELMANN AUCH DEN DEUTSCHEN ETWAS ZU SAGEN?</title>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 22:59:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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<div id="attachment_1564" class="wp-caption alignnone" style="width: 434px"><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/05/01.jpg" rel="lightbox[1563]"><img class="size-medium wp-image-1564" src="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/05/01-424x298.jpg" alt="" width="424" height="298" /></a><p class="wp-caption-text">Der neue Wanderer Manfred Bockelmann über dem Nebelmeer / Foto: VBK Wien</p></div>
<p>Vom 17. Mai bis 2. September 2013 präsentiert das Leopold Museum die Sonderausstellung »Zeichnen gegen das Vergessen«. Im großen Saal eines der vielen Untergeschosse des Gebäudes zu sehen: etwa sechzig erkennungsdienstlich behandelte Kinder und Jugendliche, mit breit gestreiften Häftlingsanzügen und kahlgeschorenen Köpfen nach ihrer Deportation durch NS-Schergen in die Spitäler und Lager.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>An einer Wand aber keine traurigen, resignierten oder geschockten Gesichter, sondern fröhliches Kinderlachen in bester Sonntags-Kleidung: im Matrosenanzug, im Kostüm, mit Zylinder. Bei dieser zweiten Sorte von Portraits dienten <strong>Manfred Bockelmann</strong> Aufnahmen als Vorlagen zu seinen Bildern, zu denen sich die Kinder in den Lagern und Kliniken freiwillig gemeldet haben – nichtsahnend was ihnen noch bevorstand.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>»Ich zeige keine Märtyrer, keine Leichenberge und keine geschundenen Kreaturen, deren Gesichter von Hunger, Krankheit und Erschöpfung gekennzeichnet sind, die ihrer Individualität beraubt wurden. Ich zeige Individuen, denen das Martyrium noch bevorsteht«, betont der Kohlezeichner, dem das Erinnern und die geistig-seelischen Schäden der Überlebenden ein besonderes Anliegen sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bockelmann wirkt unruhig und gehetzt, und zugleich doch wieder so hingabefähig und sensibel, wie man seinen erfolgreich Liebesschnulzen vortragenden  Bruder, den Sänger und Populärmusiker <strong>Udo Jürgens</strong>, kennt. Der 1943 geborene Arbeiter im Bergwerk der Erinnerung berichtet, im Alter von 14 Jahren die ersten Dokumentarfilme über die Befreiung der Überlebenden in den deutschen Konzentrationslagern gesehen zu haben. Das war für die 1950er-Jahre nicht ungewöhnlich. Die österreichische Nobelpreisträgerin <strong>Elfriede Jelinek</strong> hat einmal erzählt, ihr Vater habe dem Mädchen schon im zarten Alter von nur sechs Jahren die gefilmten Leichenberge gezeigt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bockelmanns Vater Rudolf war von 1938 bis 1945 als aktiver und bestens vernetzter Nationalsozialist Bürgermeister der zweisprachigen Gemeinde Ottmanach am Magdalensberg in Kärnten, und <strong>Rudolf Bockelmann</strong> bekleidete das Amt des Bürgermeisters von 1954 bis 1958 trotz seiner politischen Belastung im Dritten Reich wieder. Diesmal als »parteiunabhängiger Kandidat«, wie sich die ehemaligen Volksgenossen nach dem Krieg für alle Gleichgesinnten bestens verständlich nannten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Diese politische Camouflage der durch ihr Mitläufertum in der Ditatur belasteten Personen war im befreiten Österreich kein ungewöhnlicher Vorgang, und im NS-verseuchten Kärnten muss er sogar als normal bezeichnet werden. Tausenden der österreichischen Hitler-Anhänger, besonders in akademischen Berufen, gelang es nach einer kurzen Abkühlungsphase, ihre Karrieren fortzusetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In diesen Jahren der zweiten Amtszeit seines Vaters will Manfred Bockelmann sein Damaskuserlebnis vor der Leinwand gehabt haben. Und von da an habe ihn das Thema des Holocausts, so betont er heute, nie wieder losgelassen. Ist diese Aussage glaubwürdig? Es existieren keine Spuren von der behaupteten Verletzung in Bockelmanns Reportagefotografien, kein Bild aus früheren Phasen, kein Plattencover, nichts deutet darauf hin, dass diesen Mann das Schicksal der unterernährten und »liquidierten« Lagerkinder je mehr als den Durchschnittsösterreicher beschäftigt hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Als Reisefotograf und später als freier Künstler wandte er sich  formal weit schwierigeren Sujets zu: Bockelmann studierte die Texturen von Sanddünen und Reisstrohmatten, er überpinselte hunderte Zeitungspapierseiten. Bockelmann schlingerte ausgiebig mit Farbpinseln über Leinwände, er rechte mit Werkzeugen Spuren in den Sand, er untersuchte alle möglichen abstrakten Strukturen und Erscheinungen, bis er 2011 die »Zeichen des Vergessens« zu seinem großen Altersprojekt machte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hat nun die Serie dieser nach Haftfotos entstandenen Kinderportraits im restitutionsgeplagten Leopold Museum nur Österreich etwas zu sagen? Hat man in der Alpenrepublik die politische Vergangenheit während der Diktaturen der 1930er- und 1940er-Jahre immer noch nicht gründlich aufgearbeitet?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Oder herrscht in Wien vielleicht gerade ein Wahlkampf, der sich auf allen möglichen kulturellen und medialen Ebenen der Vergangenheitssymbolik bedient? Ist das der Grund, warum wir beim südlichen Nachbarn plötzlich eine Passion für das finstere und monströse Gestern erleben, während im Mutterland der Katastrophe gerade der NSU-Prozess über die Bühne geht, während in Deutschland Neonazis regelmäßig in regionale und lokale Parlamente gewählt werden und sich die Kulturschickeria öffentlich als der Erinnerungskultur überdrüssig zu erkennen geben darf?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich sehe in Manfred Bockelmann durchaus mehr einen deutschen als einen österreichischen Künstler. Nicht nur, weil er seit dreißig Jahren mit einem Bein in München lebt, sondern weil es ihm gegeben scheint, »zu sagen, was er leidet«: also an dem einzigartigen Völkermord in der Geschichte der Menschheit, an der Vernichtung von Menschenmassen im industriellen Takt von Deportationen, Eisenbahnzügen und Verbrennungsöfen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hat sich nicht auch der überaus erfolgreiche Nestor der Schlagerwelt, der brüderliche Udo Jürgens, dem Publikum als typischer Deutscher anempfohlen? In der Tageszeitung <em>Die Welt</em> vom 15. August 2004 hat Jürgens behauptet, auch in seinen Adern fließe vor allem »deutsches Blut«, er liebe Deutschland »über alles« und er sei eigentlich nur »Deutscher mit österreichischem Pass«; unbeschadet davon wurde er drei Jahre später in Zumikon eingebürgert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wie, fragt man sich verwundert, passt denn dieses immens kreative Paar der Bockelmann-Brüder überhaupt unter einen familiären Hut: <em>hier</em> der am größten Menschheitsverbrechen leidende und zur Erinnerungsproduktion getriebene Deutsche, und <em>da</em> der immerfröhliche Schlagerdeutsche, der in mehreren autobiographischen Anläufen die Rolle des nationalsozialistischen Gutsherren und Vaters während und nach dem Krieg nachweislich zu beschönigen versuchte?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(Wird fortgesetzt)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2013</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.leopoldmuseum.org/de/ausstellungen/51/manfred-bockelmann">http://www.leopoldmuseum.org/de/ausstellungen/51/manfred-bockelmann</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1563&amp;md5=6a9cc6f475cb308bbe8aa134f800c9d8" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>ZEICHEN GEGEN DAS VERGESSEN DER KINDERVERNICHTUNG 1941-45</title>
		<link>http://blogs.taz.de/wienblog/2013/05/17/zeichen-gegen-das-vergessen-der-kindervernichtung-1941-45/</link>
		<comments>http://blogs.taz.de/wienblog/2013/05/17/zeichen-gegen-das-vergessen-der-kindervernichtung-1941-45/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 17 May 2013 10:44:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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<div id="attachment_1546" class="wp-caption alignnone" style="width: 434px"><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/05/11.jpg" rel="lightbox[1545]"><img class="size-medium wp-image-1546" src="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/05/11-424x590.jpg" alt="" width="424" height="590" /></a><p class="wp-caption-text">Manfred Bockelmann: Ludwina Schmidt, 2010-13, Kohle auf Jute, 150-110 cm / Foto: VBK Wien, F. Neumüller</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die hellsten politischen Köpfe sind selten in den Mehrheitsparteien zu finden. Die Wiener Demokraten, eine liberale Splitterpartei des späten 19. Jahrhunderts, hielten im Parlament 1873 gerade mal fünf Sitze. Ihre bürgerlichen Abgeordneten wilderten gerne in Orchideengärten und pflanzten das Unkraut der Freiheit unter den unabhängigen Intellektuellen des Landes. Ihr Wortführer <strong>Ferdinand Kronawetter</strong> geiselte jahrelang die kaiserliche Polizeiwillkür und kämpfte für das Frauenwahlrecht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kronawetter beklagte in schönster liberaler Manier, dass die Behörden per Gesetz dazu ermächtig werden das Recht des Hausherrn zu brechen und Hausdurchsuchungen durchführen zu können. Diese Linksliberalen des 19. Jahrhunderts wollten es auch nicht als selbstverständlich ansehen, dass sich Inhaftierte von der Polizei automatisch fotografieren lassen müssen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das ist eine heute für viele Menschen schwer nachvollziehbare Position. Tatsächlich aber gab es einmal diese frühen Datenschützern, die mit der Würde des Menschen gegen das Fotografieren argumentierten, und die damals pionierhaft jene Haltung verbreiteten, die dazu geführt hat, dass wir heute das eigene Bild auch als schützenswert ansehen. Heute haben wir ja beides chaotisch nebeneinander: den gesetzlichen Persönlichkeitsschutz, das heißt ein behördlich normierte Recht auf das eigene Bild, und die wahllose Knipserei und Filmerei an jeder Ecke. Wir fotografieren praktisch alles.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ferdinand Kronawetter sagte 1889 vor dem Reichsrat: »Wo steht es, dass der Mann, der in Untersuchungs- oder Strafhaft oder gar nur in Polizeigewahrsam ist, sich fotografieren lassen muss? Wissen Sie, was das ist? Das ist nach dem Strafgesetzbuch das Verbrechen der Erpressung, und unter den Augen der Regierung und auf ihren Befehl wird von ihren Amtsorganen das Verbrechen der Erpressung begangen, wenn man Jemanden gegen seinen Willen fotografiert«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zum Zeitpunkt, da diese Worte im Parlament fielen, dominierte bereits der Ordoliberalismus im gesamten deutschen Sprachraum. Die erkennungsdienstliche Behandlung von Gefangenen war übliche polizeiliche Praxis geworden und erreichte später im Nationalsozialismus durch SS, Gestapo und Ärzte eine besondere Blüte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Unter den mindestens 70.000 Kindern, die im Konzentrationslager Auschwitz getötet wurden, haben die Täter zwei Gruppen fotografiert: 1. die Kinder, die zur »Vernichtung durch Arbeit« bestimmt waren, also zu Sklavendiensten bis zur tödlichen Erschöpfung, und 2. die Kinder, die für die pseudomedizinische Rasseforschung bestimmt waren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Manfred Bockelmann</strong> – nicht zu verwechseln mit <strong>Frank Böckelmann</strong>, den genialen Dresdner Autor und Mitherausgeber der Zeitschrift <em>Tumult – </em> ist freischaffender Künstler mit Wohnsitzen in Kärnten, München und Wien. Der Autor Böckelmann hat uns zu seinem siebzigsten Geburtstag vor zwei Jahren mit einem radikal geistesgegenwärtigen Lexikon beschenkt (»Risiko, also bin ich«).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Künstler Manfred Bockelmann, der im heurigen Jahr Siebzig wird, tritt mit einem gleichfalls bemerkenswerten Werk im Leopold Museum in Wien an die Öffentlichkeit.  Wir scheinen in einer Zeit zu leben, in der würdige ältere Herren vielerorts noch einmal vor ein großes Publikum hintreten wollen, weil sie denken etwas besonders Gewichtiges zu sagen zu haben, oder zumindest etwas, was noch nicht gesagt worden ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zählen Bockelmann und Böckelmann damit nicht zum selben Phänomen wie der greise, im Februar verstorbene Empörer <strong>Stéphane Hessel </strong>in Frankreich, oder wie <strong>Peppe Grillo</strong> in Italien, oder der austro-kanadische Milliardär <strong>Frank Stronach</strong>, der gerade mit einem Patzen Geld und einer unappetitlichen Portion Paternalismus die österreichische Innenpolitik auf den Kopf stellt?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Woher kommt dieses späte Aufbegehren der Alten gegen das allgemeine Duckmäussertum, gegen das Falsche in der Politik und im kollektiven Bewusstsein, dieses leidenschaftliche öffentliche Selbstinfragestellen, um authentisch zu bleiben? Ist die <a title="High-Heel Antifa" href="http://highheelantifa.blogsport.de/">High-Heel Antifa</a> in den Weiten des Internets tatsächlich schon untergegangen? Versagen wir Jüngere denn in der Zeitdiagostik, oder was ist da los?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(Wird fortgesetzt)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2013</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.leopoldmuseum.org/de/ausstellungen/51/manfred-bockelmann">http://www.leopoldmuseum.org/de/ausstellungen/51/manfred-bockelmann</a></p>
<p>&nbsp;</p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1545&amp;md5=7e54f3ac141352e823ed32be378dc64d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>WORTE AUS DER KINDHEIT DER ÖSTERREICHER</title>
		<link>http://blogs.taz.de/wienblog/2013/04/22/worte-aus-der-kindheit-der-osterreicher/</link>
		<comments>http://blogs.taz.de/wienblog/2013/04/22/worte-aus-der-kindheit-der-osterreicher/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 22 Apr 2013 11:20:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1538" class="wp-caption alignnone" style="width: 434px"><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/04/Schbr8.jpg" rel="lightbox[1537]"><img class="size-medium wp-image-1538" src="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/04/Schbr8-424x282.jpg" alt="" width="424" height="282" /></a><p class="wp-caption-text">Was so aussieht wie etwas, aber möglicherweise etwas anderes ist / Foto: W. Koch</p></div>
<p>Dass Österreicher und Deutsche doch nur entfernte Verwandte in Europa sind, ahnten wir schon länger. Nun wissen wir wieder einmal genauer, warum das so ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieser Tage erfreute sich die Twitter-Liste »WorteausderKindheit« großer Beliebtheit. Sie versammelt Phrasen und Begriffe, die den heutigen Erwachsenen in Deutschland nicht mehr aus dem Ohr gehen. Unter <a href="http://dict.leo.org/forum/viewGeneraldiscussion.php?idThread=902122&amp;idForum=18&amp;lp=ende&amp;lang=de" target="_blank">http://dict.leo.org/forum/vie&#8230; de&amp;lang=de</a> findet sich schon länger eine kommentierte Kollektion dieser Art.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auf diese vielsagenden Akte populärer Selbstbefragung und Selbsterforschung aufmerksam geworden, legte die Tageszeitung »Der Standard« eine nationale Umfrage nach: über einhundert PosterInnen lieferten ein für Österreich gültiges Sittenbild.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In der Folge die geordnerten Worte aus der Kindheit, mit der hierzulande lebenden Generationen aufgewachsen sind:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-A-</p>
<p>… aber danach (geht’s) <strong>ab</strong> ins Bett.</p>
<p>Der/die … hat das <strong>aber</strong> auch.</p>
<p>Das noch, aber dann <strong>abmarsch</strong>.</p>
<p>Wenn der <strong>Aff’</strong> von der Brücke springt, …<strong></strong></p>
<p>Denk an die Kinder in<strong> Afrika</strong>.</p>
<p>Wer hat jetzt <strong>ang’fangen</strong>? Du oder …</p>
<p>Und was hast (du) heute wieder <strong>ang’stellt</strong>?</p>
<p>Wärst net <strong>aufigstiegn</strong>, wärst net runtergfalln.</p>
<p><strong>Aufräumen</strong>, aber dalli!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-B-</p>
<p>Wannst deppert bist, schick ma dich in die <strong>Baumschul</strong>.</p>
<p>Nimm dir doch ein <strong>Beispiel</strong> an …</p>
<p><strong>Bis</strong> dir wieder weh tust.</p>
<p>Wennst <strong>brav</strong> bist, darfst.</p>
<p><strong>Brust</strong> raus, Bauch rein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-D-</p>
<p>Ich zähl jetzt bis <strong>Drei</strong>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-E-</p>
<p>Nur noch <strong>einmal</strong>!</p>
<p>Das kannst wem anders <strong>erzählen</strong>.</p>
<p>Du träumst auch von warmen <strong>Eislutschgern</strong>.</p>
<p>Dich muss der <strong>Esel</strong> im Galopp verloren haben.</p>
<p>Mit dem <strong>Essen</strong> spielt man net.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-F-</p>
<p>Vom vielen <strong>Fernsehen</strong> bekommt man eckige Augen.</p>
<p><strong>Fernsehverbot</strong>.<strong></strong></p>
<p>Mach den Mund zu, sonst fliegt die <strong>Fliege</strong> rein.</p>
<p>Wer <strong>flüstert</strong>, lügt.</p>
<p>Wennst <strong>frech</strong> bist, kommst ins Heim!<br />
In Afrika wärens <strong>froh</strong>, wann’s sowas gäbe.</p>
<p>Heb die <strong>Füße</strong> hoch beim Gehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-G-</p>
<p>Host <strong>g’hört</strong>?</p>
<p>War dein Vater a <strong>Glaserer</strong>?</p>
<p>Mir san <strong>gleich</strong> da.</p>
<p>Ein bißerl a <strong>Glauben</strong> hat noch niemanden g’schadet.</p>
<p>Dein Zimmer schaut aus, wie wenn a <strong>Granaten</strong> eingeschlagen hätt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-H-</p>
<p>Auf, auf, ihr <strong>Hasen</strong>, …</p>
<p>Der <strong>He</strong> ist schon gstorben.</p>
<p>Bis<strong> heiratest</strong>, is alles wieder gut.</p>
<p>Du <strong>hörst</strong> sofort auf, zornig zu sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-I-</p>
<p>Ein <strong>Indianer</strong> kennt keinen Schmerz.</p>
<p><strong>Iss </strong>Kind, sonst hast später Hunger.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-K-</p>
<p><strong>Kaugummi</strong> verpickt den Magen.</p>
<p>Geh in den <strong>Keller</strong> ein Bier holen.</p>
<p>&#8230; sonst <strong>kleschts</strong>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-L-</p>
<p><strong>Lass</strong> die Kleinen einmal in Ruhe.</p>
<p>Im <strong>Laufschritt</strong> marsch.</p>
<p><strong>Licht</strong> sparen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-M-</p>
<p><strong>Messer</strong>, Gabel, Scher und Licht sind für kleine Kinder nicht.</p>
<p>Kannst net <strong>Muh</strong> sagen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-N-</p>
<p>Mit <strong>nackten</strong> Fingern zeigt man nicht (auf angezogene Leute).</p>
<p><strong>Nylonsackerl</strong>.<strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-O-</p>
<p>Schreib mir eine Ansichtskarte, wenn du (im Nasenloch) <strong>oben</strong> bist.</p>
<p>Mir heissen doch ned <strong>Onassis</strong>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-P-</p>
<p>Wart’ nur, bis der <strong>Papa</strong> kommt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-R-</p>
<p><strong>Red</strong>&#8216; – oder scheiss Buchstaben.</p>
<p><strong>Ruhe</strong>!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-S-</p>
<p><strong>Schau</strong> ned so blöd, sonst bleibst da.</p>
<p>Schlagt’s euch die <strong>Schädeln</strong> ein.</p>
<p>Vom <strong>Schielen</strong> bleiben die Augen stecken.</p>
<p><strong>Schnell</strong> heisst net schirch.</p>
<p>Du bleibst jetzt so lang <strong>sitzen</strong>, bis du fertig gegessen hast.</p>
<p><strong>Solange</strong> du da wohnst, machst du was wir wollen.</p>
<p>Wennst <strong>spinnst</strong>, gehst liegen.</p>
<p>Dich müssen’s im <strong>Spital</strong> vertauscht haben.</p>
<p>Die Tür<strong> </strong>is ka <strong>Strohsack</strong>.</p>
<p>Das kannst deiner <strong>Strumpftante</strong> erzählen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-T-</p>
<p>Der <strong>Teller</strong> wird aufgessen.</p>
<p>Es wird gegessen, was auf den <strong>Tisch</strong> kommt.</p>
<p>Wennst noch ein einziges Mal mit der <strong>Tür</strong> knallst, …</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-U-</p>
<p>Was ist des: Hängt an der Wand, macht tick-tack, und wenn’s obefallt, ist die <strong>Uhr</strong> hin?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-V-</p>
<p>&#8230; bis zur <strong>Vergasung</strong>.</p>
<p><strong>Vertrauen</strong> ist gut, Kontrolle ist besser.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-W-</p>
<p>Wo <strong>warst</strong>?</p>
<p>Nein! – <strong>Warum</strong>?</p>
<p><strong>Was</strong> sagt der Has’.</p>
<p>Wenn’s dir <strong>weh</strong> tust, schmier i dir ane.</p>
<p>So lang, bis einer <strong>weint</strong>&#8230;</p>
<p>Wenn du so <strong>weitermachst</strong>, &#8230;<strong></strong></p>
<p><strong>Wenn</strong> die Tante Radln hätt&#8217;, wär sie a Autobus.</p>
<p><strong>Wenn</strong> das Wörtchen »wenn« nicht wär, …</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-Z-</p>
<p>Wie heisst das <strong>Zauberwort</strong>?</p>
<p>Jetzt aber <strong>Zackzack</strong>!</p>
<p>Da wird heute einer <strong>Zapfen</strong> rechnen.</p>
<p><strong>Zieh</strong> dich warm an, es ist kalt draussen.</p>
<p>Schleich dich ins <strong>Zimmer</strong> und komm nimma raus.</p>
<p>Der Pfarrer predigt auch net <strong>zweimal</strong>.</p>
<p>Du bist ned aus <strong>Zucker</strong>.</p>
<p>Hör auf zum <strong>Zunge</strong> zeigen, oder ich schneids da ab.</p>
<p><em></em> </p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2013</em></p>
<p><em></em></p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1537&amp;md5=eb48986b93726f76f72cc693dd05bd8c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>GESCHENK VOM OSTERHASEN: DAS WIENER KIRCHENRANKING 2013</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Mar 2013 22:08:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Christenheit]]></category>

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<div id="attachment_1529" class="wp-caption alignnone" style="width: 434px"><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/03/Karlskirche.jpg" rel="lightbox[1528]"><img class="size-medium wp-image-1529" src="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/03/Karlskirche-424x565.jpg" alt="" width="424" height="565" /></a><p class="wp-caption-text">Eine von zwei dem Pestheiligen Karl Barromäus geweihte Kirchen Wiens / Foto: Courtesy of AKI</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Yelp zählt zu den Internet-Plattformen, auf denen anspruchslose Surfer ihre Zeit mit Allerweltinformationen verplempern. Angeblich haben seit der Yelp-Gründung im Juli 2004 in San Francisco Yelp-Autoren mehr als mehr als 36 Millionen Beiträge über lokale Angebote und Geschäfte geschrieben. Ein in Wien ansässiger Yelper nennt sich Stefan T. und hat unter seinen 240 Beiträge auch ein Ranking der Wiener Gotteshäuser zuwege gebracht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Davon ist wenig bis gar nichts zu halten. Die Auswahl und Bewertung folgt der belanglosen Fährte des Wientourismus, also dem, was der hiesige Touristboard für irgendwie »essentiell« hält. Yelp-Wissen addiert Wegstrecken zu Denkmalkunde und der Statistik der Postkartenverkäufe, und füttert das Publikum so mit lichtlosen Banalitäten. Das Ranking dieser Darstellung lautet:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/stephansdom-wien#hrid:kQB5V9b9ZXBkwGIJkferYQ">1. Stephansdom </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/otto-wagner-kirche-am-steinhof-wien#hrid:IrGYXg2jplKXN9vB5M8bLA">2. Otto Wagner-Kirche am Steinhof </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/karlskirche-wien#hrid:0b3raGoYgFtkOT-9vwaY5A">3. Karlskirche </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/votivkirche-wien#hrid:VufaSDhoOJ-SlRzdP_rMnQ">4. Votivkirche </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/maria-am-gestade-wien#hrid:qxL2OkAinCeJSLvSGWkZVw">5. Maria am Gestade </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/jesuitenkirche-wien#hrid:Q11qd_erVcUhHJWx4o0c7A">6. Jesuitenkirche</a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/augustinerkirche-wien#hrid:b00Oxse8NShVbDQ--7DyZw">7. Augustinerkirche </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/kapuzinerkirche-wien#hrid:QnBcNaV0A7NEiV2FV7xFZw">8. Kapuzinerkirche </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/minoritenkirche-italienische-nationalkirche-maria-schnee-wien-3#hrid:GXlQWwlbmdlzJi01EI5o2g">9. Minoritenkirche &#8211; Italienische Nationalkirche Maria Schnee </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/ruprechtskirche-wien#hrid:_-ihkwgoZkkPjU-A1-QvKw">10. Ruprechtskirche </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/michaelerkirche-wien#hrid:TXhF3ohQis4MfKr_96iU9w">11. Michaelerkirche </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/kirche-zur-heiligsten-dreifaltigkeit-wien#hrid:l9MOJNCr7FoScpP6xUFPNw">12. Kirche zur heiligsten Dreifaltigkeit </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/peterskirche-wien#hrid:UyVehFxvgKIebPYl_mQqMw">13. Peterskirche </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/altlerchenfelder-kirche-wien#hrid:P6TedjAWFUhXFe8dyvnD4Q">14. Altlerchenfelder Kirche </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/schottenkirche-und-schottenstift-wien#hrid:8P2EyRhYoZb7a_7gpF-tUA">15. Schottenkirche und Schottenstift </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/dominikanerkirche-wien#hrid:VmDw4BHywEcjmsulAiVrzA">16. Dominikanerkirche </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/piaristenkirche-maria-treu-wien#hrid:pff-SC6nKmBknTi-lKx50A">17. Piaristenkirche Maria Treu </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/franziskanerkirche-wien#hrid:jcS_1cGPaYuyf_GqFEi43w">18. Franziskanerkirche </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/deutschordenskirche-wien#hrid:vkaPUyOEiioKd5XL3heUJw">19. Deutschordenskirche </a></p>
<p><a href="http://www.yelp.at/biz/griechenkirche-zur-heiligen-dreifaltigkeit-wien#hrid:-yLayTAmxWZuwcqZc7On5g">20. Griechenkirche zur heiligen Dreifaltigkeit </a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In Wahrheit würden keine zwei Kirchengeher in Wien dieselben zwanzig Stätten unter den über 800 Gotteshäusern der Stadt auswählen. Die Uninspiriertheit und Lustlosigkeit von Yelp ist umso erstaunlicher, als ja gerade das Internet die Möglichkeit böte, radikal subjektiv oder – im Gegenteil – streng nach überprüfbaren Kriterien vorzugehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kann schon sein, dass es Wienbesucher gibt, denen schnelle, oberflächliche Informationen auf mobilen Plattformen nützlich sind. Wir aber nutzen die heurigen Osterfesttage, um Stefan T. eine anschauliche Liste von Wiener Bedeutsamkeiten entgegenzustemmen und im Folgenden Zugänge zum Absoluten aufzeigen, ohne dass ein Vibrato der Seele angestimmt wird.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>1. Demontable Kirche Siemensstrasse</strong></p>
<p>Die nach Plänen von Ottokar Uhl 1964 in Transdanubien errichtete »Seelsorgestation« ist heute eine brutalistische Ruine. Nichts scheint bezeichnender für den Zustand der lokalen Anhänger des »Gesalbten«, als der bauliche Verfall dieser funktionalistischen Fertigbetonkirche, Österreichs fulminanten raum-psychologischem Beitrag zum II. Vatikanischen Konzil unter Papst Johannes XXIII.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>2. Edith-Stein-Kapelle</strong></p>
<p>Noch so ein Experiment, das sich mühelos Le Corbusiers Notre-Dame-du-Haut im französischen Ronchamp zur Seite stellen ließe. Sichtbeton, lederbespanntes Stahlrohr, Milchglasscheiben und eine graziöse Madonna in Holz – all das in Rufweite vom neogotischen Wiener Rathauspalast. Die Anwesenheit Gottes geschieht einzig durch die Studentengemeinde.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>3. Salvatorkirche am Wienerfeld</strong></p>
<p>Was Architekt Johannes Spalt im 10. Bezirk um Herbert Boeckls koloristisches Alterbild herum ausgesät hat, das umfasst drei Jahrzehnten später die Ernte einer ausgesprochen sympathischen Pfarrgemeinde. Während der Messe gucken die Erwachsenen durch Glas auf die Kleinkinder hinter dem Priester. Die Jugend nächtigt unter der Orgel.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>4. Jesuitenkirche</strong></p>
<p>Brachiales Jesuitenbarock des Andrea Pozzo, engelstrompetend und stuckmarmoriert der Innenraum, in dem man heute einen Hermann Nitsch gebären müsste. Die erste Seitenkapelle links ehrt das Allerleifach der Universität, die Philosophie, in Gestalt der mystischen Hochzeit der Hl. Katharina; ein weiteres Joch versteckt das Mädchen Maria, im Halbdunklen Lesen lernend.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>5. Maria am Gestade</strong></p>
<p>Inbrünstler, Neomystiker und Evangelikale in der Architekturkulisse des schönsten hochgotischen Sakralbaus zu Wien. Der eigenwillige Knick im Grundriss ist dem einst an der Geländekante verlaufenden Ufer der Donau geschuldet. Napoleons Pferde lagerten hungrig im Inneren; ein Konterfei Draculas ward aufgefunden. Seit 1862 machen die Gebeine des Stadtheiligen Clemens Maria Hofbauer alles wieder gut.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>6. Dom- und Metropolitankirche St. Stephan</strong></p>
<p>Versteinerte Stadtgeschichte mit 343 Stufen hinauf in die Türmerstube, in die Katakomben hinunter sind es weniger. Adolf Loos, der Gottseibeiuns der österreichischen Moderne, behauptete 1906, dass die Proportionen des Hauptraumes nur eine halbe Minute für das brauchen, wofür Beethoven mit seinen Symphonien eine halbe Stunde benötigt: mich aufzurichten.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>7. Ruprechtskirche</strong></p>
<p>Dass ausgerechnet die älteste und kälteste noch bestehende Kirche Wiens die progressivsten Katholiken in einer Rekoratspfarrei beherbergt, darf als stiller Treppenwitz des Geistlichen Wiens durchgehen. Taizé-Community und Blutwäsche, uneigentliche Rede, Auschwitzgedenken und vakante Schwulenseelsorge: Baiern-Apostel Rupert hat immer noch den Geschmack vom Salz im Mund. </p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>8. Peterskirche</strong></p>
<p>Hoppla, schon wieder Barock! Der gleißende Innenraum stülpt sich wie eine Trockenhaube über Touristen aus aller Herren Länder. Baumusikalisch schmiegen sich die Kleinodien der Wiener Romantiker so perfekt ins Gold- und Rosengekränze der Hosanna-Rufe wie nirgendwo sonst in Wien. Dass häufig eine »Missa trinitatis« aus der Kuppola herabtönt, darf unter Besuchern der Donaustadt als selbstverständlich vorausgesetzt werden.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>9. Franziskanerkirche Hl. Hieronymus</strong></p>
<p>Die in gedankliche Irre führende Fassade mit Renaissance-Zitaten beherbergt einen gegenreformatorisch codierten Innenraum mit Antikorgel über, sowie eine ausgedehnte Gruftanlage unter dem Schiff. Die eigentliche Sensation hier sind aber die erzählfreudigen Seitenaltäre mit Triumphbögen, verzückten Heiligen und kunstvoller Stuckdraperie, die halb verbirgt, was sie enthüllt: großes barockes Welttheater.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>10. Stanislauskapelle</strong></p>
<p>Dem katholischen Patron der Jugend verdankt sich dieses mit Blumenfresken bemalte und nur sehr selten zugängliche Kleinod, intim wie ein Wäscheschrank. In der Kurrentgasse 2 wohnte einst Stanislaus Kosta. Der polnische Jüngling aus protestantischem Elternhaus wünschte sich nicht sehnlicher, als dem Jesuitenorden beizutreten. Alternative: die besonders marianische Annakirche, in der parfümierter Adel und demütige Bauern einkehren.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>11. Bernadikapelle im Heiligenkreuzerhof</strong></p>
<p>Ebenfalls praktisch unzugängliche barocke Opulenz in Silber von Martino Altomonte. Unter Zisterziensern wird religiöser Glaube jeder Widerlegung unzugänglich angesehen; unter demütigen Bettlelmönchen hat es die Vernunft seit jeher besonders schwer, mit eigenen Mitteln die Wahrheit oder Falschheit der Dogmen zu diskutieren. Der Glanz an sich ist widerspruchsfrei.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>12.</strong> <strong>Christus, Hoffnung der Welt – Donaucitykirche</strong></p>
<p>Mit Chromstahl aus der Turbinenproduktion bekleideter Kreuzquader, im Jahr 2000 errichtet nach den Plänen von Heinz Tesar. Verbirgt einen neckischen Ikea-Traum aus hellem Birkenholz vor der Zentrale eines Straßenbaukonzerns und der internationale Fernüberwachung der Atomenergiegewinnung auf der Erde, kurz: vor dem Stahlglas-Geprotze von Kaisermühlen.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>13. Wotrubakirche zur Heiligen Dreifaltigkeit</strong></p>
<p>Kubistischer Felsenhaufen ohne Vorne und Hinten, ohne Fassade und Symmetrie. Das transzendentale Subjekt in Mauer ist ein Bauklötzchen, von der Inkarnation in einem heiligen Körper nicht zu trennen. Hier muss einmal ein Aussichtpunkt in die Landschaft gelegen sein, jetzt steht da ein lamentierender Fußblock für Prometheus.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>15. Karl-Borromäus-Kirche am Zentralfriedhof</strong></p>
<p>Nicht die gleichfalls mit diesem Zweitnamen belegte »Karlkirche« am Karlsplatz, sondern der im Volksmund »Lueger-Kirche« genannte Friedhofstempel zu Simmering. Vorbildlich renovierter Jugendstilzentralbau im Eigentum der Gemeinde Wien. Dass sich die Kuppel des arabischen Sternenhimmels als Symbol für Unendlichkeit bedient, dürfte der bis ins Untergeschoss hinabstürzenden Lichtkaskade egal sein.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>16. Christkönigskirche in Pötzleinsdorf</strong></p>
<p>Stimmungsvolle Endstation der Straßenbahnlinie 41. Bau aus 1963 von Karl Schwanzer, wo die Stadt zunächst in einen Schlosspark mit Freimaurerheiligtum und etwas weiter oben in den Dschungel übergeht. Der sakrale Ernst des Ortes rührt von einem blauen Wunder her, nämlich Arnulf Rainers Glasfensterwand, von welcher der Kunsthistoriker Otmar Rychlik einmal sagte, sie wirke wie »übermaltes Licht«.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>17. Rosenkranzkirche in Hetzendorf</strong></p>
<p>Eine simple neuromantische Basilika, bis das schwer kriegsbeschädigte Ungetüm 1956-58 vom Wiener Architektur-Neuerer und Wort-Zertrümmerer Friedrich Achleitner, späterer Archivar der Neigungen und Winkel, einer »purifizierenden Neuinterpretation« des Innenraums unterzogen wurde. Dokument eine der seltenen Sternstunden der Zweiten Moderne in Wien.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>18. Maria, Licht der Kirche</strong></p>
<p>Gerade mal einen Steinwurf vom Islamischen Kulturzentrum in der Dammstraße entfernt errichtete 2011 die Fraternität der Kleinen Schwestern vom Lamm, ein armutsbetonter Dominikanerzweig, eilig ein Minikloster in der Brigittenau. Seither kann man im Sakralraum dieser Ordensschachtel jeden Abend Erweckungsauftritte nach dem Motto »Auch wenn ich unverletzt bin, fange ich nicht an zu hassen« erleben.<em></em></p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>19. Deutschordenskirche</strong></p>
<p>Errichten Sie mal auf dem Grundriss eines gotischen Längsschiffes einen oval-barocken Raum, in dessen Inneres hinein die Ordensbrüder und -gäste nur ein Fenster ihrer Zelle öffnen müssen, um am liturgischen Geschehen teilzunehmen! Auf eine solch bizarre Idee konnten – an der Mauer des Karfreithofs von St. Stephan – nur sehr weit gereiste Ritter verfallen.</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>20. Altlerchenfelderkirche zu den Sieben Zufluchten</strong></p>
<p>Gesamtkunstwerklerisches Mekka des Wiener Romantikerkreises, gestaltet aus dem Germanengeist der 1848er-Revolutionsniederlage, der sich allerdings auch in der Dominikanerkirche, der Peterskirche und der Nepomukkirche im Dritten Hieb manifestiert. Hier in Neubau wurden die ständigen Bevormundungen des Hofbaurates so gründlich abgeschüttelt, dass das Beten bis heute mit dem Kunstschönen korreliert.</p>
<p><em></em> </p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2013</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.yelp.at/list/wiener-kirchen-wien">http://www.yelp.at/list/wiener-kirchen-wien</a></p>
<p>&nbsp;</p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1528&amp;md5=25e13807917567350853b1259cbf9d33" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>WIENER KINDERFREUNDE AUF DER MILCHZAHNSTRASSE</title>
		<link>http://blogs.taz.de/wienblog/2013/03/15/wiener-kinderfreunde-auf-der-milchzahlstrasse/</link>
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		<pubDate>Fri, 15 Mar 2013 08:45:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1519" class="wp-caption alignnone" style="width: 434px"><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/03/IMG_2047.jpg" rel="lightbox[1516]"><img class="size-medium wp-image-1519" src="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/03/IMG_2047-424x318.jpg" alt="" width="424" height="318" /></a><p class="wp-caption-text">Der Gedanken, Kinderrechte umzusetzen, bleibt Maskerade. / Foto: Kinderfreunde</p></div>
<div class="mceTemp"> </div>
<p>Die Österreichischen Kinderfreunde sind eine tragende Säule der sozialdemokratischen Bewegung, und in Wien überdies der größte private Kindergarten- und Hortbetreiber. Die Funktionäre dieser mächtigen Organisation führen nichts häufiger im Mund als die Kinderrechte und versprechen auf sämtlichen ihrer Kanäle, mit fortschrittlichen Pädagogen, tausenden ehrenamtlichen Mitarbeitern und den Eltern eben diese Kinderrechte in ihrer Arbeit auch umzusetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wiens Kinderfreunde beabsichtigen nach eigener Aussage, »dem Kind auf gleicher Augenhöhe zu begegnen und den Heranwachsenden Respekt entgegen bringen«. In der sogenannten Kinderrechte-Arbeit kommen dabei immer neue Ideen zum Einsatz, zum Beispiel regelmäßige Kinderkonferenzen oder ein Kinderrechte-Set im Kinderfreunde-Hort in der Leipziger Straße, im Kindergarten Kluckygasse erprobt man eine Kinderrechte-Schatzkiste mit putzigen Symbolen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sind solche Aktivitäten glaubwürdig? Sind sie überhaupt das viele, bedruckte Papier wert, auf dem sie propagiert werden? – Nehmen wir zum Beispiel den Fall der fünfjährigen Monika O., um die Sache zu überprüfen. Monika O. hat im letzten Sommer den ersten ihre mausspitzen Milchzähne verloren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gleich im September dann, als es nach den Sommerferien mit dem Kindergartenjahr wieder losging, brachten Monikas Eltern Zahnputzzeug in den betreffenden Kinderfreunde-Kindergarten und baten die Betreuerinnen, das Mädchen nach dem Mittagessen zum Zähneputzen zu schicken. Das stieß auf gewohnte Freundlichkeit und allgemeines Wohlwollen, funktionierte auch vier Monate lang prima, bis schließlich eines Tages die Kindergartenleiterin den verdutzten Eltern säuerlich eröffnete, dass Monikas tägliches kleines Mittagsritual leider fortan wieder entfallen müsse.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Warum?, werden Sie jetzt fragen. Nun, wir fragen uns das auch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Begründung dafür, dass die Essenreste wieder auf Monikas Zähnen picken bleiben müssen, lautet: Die Eltern anderer Kinder hätten ebenfalls ihr Interesse am Zähneputzen bekundet. Das aber sei schwierig umzusetzen. Man müsste ja die Bürsten, Becher und Pasten getrennt aufbewahren. Die Leiterin fragte wegen des zu erwartenden dramatischen Mehraufwands an täglicher Betreuungarbeit in der Albertgasse nach und erhielt von der Landesorganisation prompt die gewünschte Weisung, das Zähneputzen der Kleinen aus administrativen Gründen bleiben zu lassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dass die lautstark propagierte UN-Kinderrechtskonvention in den Artikel 14, 17, 24, 32 und 39 auch das »Recht auf Gesundheit und Hygiene« enthält, das lassen die Kinderfreunde kurzerhand unter den Mittagstisch fallen. Weder <strong>Franz Prokop,</strong> der Vorsitzende der Wiener Kinderfreunde, noch Geschäftsführer <strong>Christian Morawek, </strong>oder irgendjemand der 70 Mitarbeiter in der Zentrale, wollten sich auch nur dazu herablassen, den Eltern auf ihre Bewerde zu antworten. Wo kämen wir da bitte hin im Roten Wien, wenn nicht mehr die Zentrale bestimmte, welche Bedürfnisse die Betroffenen anmelden dürfen und welche nicht!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Ignoranz der selbsternannten »Schrittmacher« im Wiener Kinderfreundehaus sucht Ihresgleichen. Eltern werden von dieser einst ehrwürdigen Organisation nicht mehr als Partner oder zahlende Kunden behandelt, sondern in bester kollektivistischer Manier als Bittsteller und lästige Querulanten; Kinder werden nicht als schutzbedürftige Menschen angesehen, sondern als in Anstalten zu verwahrende »Schatzis« und »Mausis«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Unter solchen Vorzeichen klingen Sätze wie folgender aus der aktuellen Zeitschrift der Wiener Kinderfreunde nur mehr zynisch: »Die Kinderrechte-Arbeit im Kindergarten gibt Kindern die Chance zu erfahren, was es bedeutet, wenn Kinderrechte aktiv umgesetzt werden. Sie werden dazu befähigt, diese auf ihrem weiteren Lebensweg einzufordern und in späterer Folge auch ihren eigenen Kindern vorzuleben«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Was zeigt sich am Fall unserer Fünfjährigen in Grossbuchstaben? Es zeigt sich, was es bedeutet, wenn Sozialdemokraten Kinderrechte aktiv umsetzen: nämlich nichts. Und welche Fähigkeiten erwerben die Kinder in solchen Kindergärten? Die Fähigkeit zur deprimierenden Einsicht, dass ihre Rechte Worthülsen sind, auf denen Erwachsene nach Bedarf herumtrampeln wie sie wollen.</p>
<p><em></em> </p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2013</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://wien.kinderfreunde.at/Bundeslaender/Wien">http://wien.kinderfreunde.at/Bundeslaender/Wien</a></p>
<p><a href="http://www.kinderrechte.gv.at/home/">http://www.kinderrechte.gv.at/home/</a></p>
<p>&nbsp;</p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1516&amp;md5=6d78fdd8bd11db98276db21d18241267" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>DER BESTE FUNKEN AM HIMMEL SEIT JAHREN</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Mar 2013 12:01:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Musik & Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1512" class="wp-caption alignnone" style="width: 434px"><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/03/03.jpg" rel="lightbox[1511]"><img class="size-medium wp-image-1512" src="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/03/03-424x316.jpg" alt="" width="424" height="316" /></a><p class="wp-caption-text">Lässt das Feuer nach oder wird es zu heftig? / Foto: Oktogon</p></div>
<p>Seit Jahren weise ich darauf hin, dass die Stadt an der Donau eines ihrer schönsten und friedlichen Volksfeste dem <em>Verein der Vorarlberger in Wien</em> zu verdanken hat. Gemeint ist das Funkenfeuer, kurz: Funken, auf der Himmelwiese am Cobenzl. An diesem Ort, einem der Hausberge der Wiener, wird in jedem März einmal bei Einbruch der Dunkelheit ein kunstvoll aufgeschichteter Holzhaufen mit Stroheinlagen öffentlich entzündet und damit die Winterzeit symbolisch aus dem Jahreskreislauf vertrieben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Letztes Wochenende war es wieder einmal so weit. Die für den diesjährigen Brand verantwortliche Funkenzunft war aus Bregenz-Fluh angereist und übertraf tatsächlich alle Erwartungen der ZuschauerInnen bei weitem. In den Jahren 2011 und 2012 war nämlich beim Funken am Lebensbaumkreis einiges schief gelaufen. So hatte die rotgrüne Stadtregierung im Rathaus das Feuer mit dem fadenscheinigen Argument einer erhöhten Emissionsbelastung der Wiener Luft behindert; es durften nur mehr stark verkleinerte Holztürme am Himmel verbrannt werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zudem sahen sich die Wiener Linien mit dem Andrang der Menschenmassen vollkommen überfordert; im letzten Jahr mussten sich Familien ihren Platz in den überfüllten Bussen vom Cobenzl retour nach Heiligenstadt regelrecht erstreiten. Dieses politisch-administrative Doppelfiasko hat sich im zurückliegenden Jahr offenbar so weit herumgesprochen, dass heuer nur mehr ein Bruchteil der schaulustigen Menge zusammenströmte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die geringere Besucherzahl hatte wunderbare Effekte: nur mehr zwei- bis dreitausend Menschen, so dass man einander nicht mehr gegenseitig auf die Zehen steigen musste; sinnvolle Absperrungen und Schotterhaufen für die Kinder zum Spielen; sinnvolle Busintervalle von drei und später dann zehn Minuten; und, das Wichtigste, ein wieder 14 Meter hoher, perfekt gebauter Funken, dessen Turmkonstruktion den Flammen länger als eine Stunde standhielt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Politikerreden beschränkten sich 2013 auf angenehme Kürze, die Atmosphäre war wieder entspannt wie in den Anfangsjahren dieses Voralberger Brauchtumsexports nach Wien. Als die Flammen des Funkens die Hexenpuppe an der Spitze des Stapels erreichte, donnerte ein herzerfrischender Böller über die Wiesen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kritisieren ließe sich am Szenarium des heurigen Festes nur das überlange Feuerwerk, das vermutlich das Jahresauskommen einer ganzen chinesischen Kleinstadt sichern dürfte. Und auszusetzen hätte ich vielleicht noch ein Wenig an der Dauerbeschallung mit Grooves aus den Lautsprecherboxen. Am Player verdrängte ein gewisser <strong>Flo</strong><strong> Plattner</strong> das schöne Knistern der brennenden Scheiter im Hörraum.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nein, sage ich, noch haben wir gewöhnlichen Verbraucher uns nicht daran gewöhnt, dass bei jeder Spaßveranstaltung synthetische Bässe den Herzschlag der Menge synchronisieren. Noch sind wir nicht alle gleichgeschaltet. Doch in Österreich wird mittlerweile vom Brauchtum über Wahlveranstaltungen bis zum Sport praktisch jeder Großevent mit akustischem Müll zugedeckt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gibt es denn heute überhaupt etwas Uncooleres als öffentlich wummernde Basslinien?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2013</em></p>
<p><em></em></p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1511&amp;md5=81a23fa3608716d9796af263de887bc1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>SPÖ: DIE UNBESIEGTE VERLIERERIN DER HEERESDEBATTE IN ÖSTERREICH</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Feb 2013 19:41:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_1506" class="wp-caption alignnone" style="width: 434px"><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/02/CIMG5396.jpg" rel="lightbox[1505]"><img class="size-medium wp-image-1506" src="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/02/CIMG5396-424x318.jpg" alt="" width="424" height="318" /></a><p class="wp-caption-text">Den Vorhang zu und alle Fragen offen / Foto: E. Obermayr</p></div>
<p>Österreichs Streitmacht beruht also auch weiterhin auf Furcht vor Militärstrafen. Seit 2004 wurden schon über 1.000 Wehrpflichtige wegen Nichtbefolgung einer Zuweisung oder unerlaubter Abwesenheit kriminalisiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die SPÖ tritt seit der Volksbefragung am 20. Jänner 2013 innenpolitisch ängstlich auf und bewertet koalitionäre Einheit wieder höher als politischen Meinungsstreit. Dabei könnte sich die Partei – trotz der schwerwiegenden Fehler, die mit den prominenten Namen <strong>Androsch</strong>, <strong>Fischer</strong> und <strong>Burgstaller</strong> verbunden sind – durchaus glücklich schätzen, hat sie doch von ihren vier Grundwerten (Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Demokratie) erstmals die Freiheit in einer bundesweiten Kampagne in Stellung gebracht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die SPÖ zog in der Kampagne zur Heeresreform unter dem Stichwort »Freiwilligkeit« an einem Strang mit den grünen Bürgerrechtlern und den beiden liberalen Parteien im Land (BZÖ, Strachisten). Sie lehnte die Wehrpflicht im Namen »sozial verantworteter Selbstbestimmung« ab und propagierte neben dem »Freiwilligenheer« ein »Freiwilliges Sozialjahr«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das war politisch klug und sachlich richtig! Denn in Österreich gibt es eine drit Jahrzahnten ungestillte Sehnsucht nach Liberalität. Das Freiheitsideal der bürgerlichen Revolution war seit jeher ein Leitstern aller fortschrittlichen Politik, und hat nicht bereits das 19. Jahrhundert gezeigt, dass es die ArbeiterInnenbewegung besser zu bewahren verstand als die Besitzerklasse?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ihre freiheits- und menschenrechtsfreundliche Position zur Heeresreform hatte die SPÖ allerdings nicht der programmatischen Arbeit ihrer Parteiakademie zu verdanken, sondern der militärpolitischen Intelligenz, also engagierten Offizieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit ihrem Herzensthema »soziale Gerechtigkeit« ist für die SPÖ in einem Land ohne dramatische soziale Konflikte kein Profil zu gewinnen. Darum war es längst überfällig Kollektivismus, Anti-Individualismus und den Verzicht auf persönliche Verantwortung ideologisch abstreift. Den Ruf nach dem »Vater Staat« ist keine brauchbare Basis für die Zukunft mehr.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im Gegenzug strapazierte Schwarz-Blau fast ausschließlich das »Gemeinwohl« für die Wehrpflicht. Man erörterte die Grundsatzfrage, ob es zulässig sei, den Bürgern nicht nur Steuergeld, sondern auch gesellschaftliches Engagement abzuverlangen. Die Rückschrittsparteien forderte junge Menschen zu »solidarischen Staatsbürgern zu erziehen«, bei ihnen Sinn und Verantwortung für das Gemeinsame zu erwecken. »Eine wertelose Gesellschaft«, wiederholte <strong>H.C. Strache</strong> in einer Tour, »wird zu einer wertlosen Gesellschaft«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im Wesentlichen entschied genau dieses kommunitaristische Abstimmungsmotiv die Befragung, ergo der Zivildienst über die Sicherheitsvorsorge. Darin mochte eine Rationalisierung anderer Unzufriedenheiten stecken, doch es war durchaus mehr als natürliche Ranküne.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Was bedeutet es in einer Demokratie, wenn eine Mehrheit Zwang als Stütze der solidarischen Gesellschaft anerkennt? Was besagt es auf historisch belastetem Boden, wenn die Gemeinwohlverantwortlichkeit unter Strafdrohung auf die Schultern junger Männer gelegt wird?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es bedeutet, dass die Grenze zwischen Staat und Gesellschaft verwischt wird und die Politik ein totalitäres Verbundsystem zwischen ihnen erzeugt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kommunitaristische Debatten kommen aus den USA. Dort beklagt man schon länger die »Auflösung von Bindungen« und das Ausufern »egoistische Sonderinteressen«. Linke und Rechte versuchen eine Wiederbelebung von Gemeinschaftsdenken unter den Bedingungen der Informations- und Dienstleistungsgesellschaft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Doch das Lob eines an die Gemeinschaft gebundenen Selbst hat in den USA stets ein starkes liberales Gegengewicht. Als 1940 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, protestierte das <em>Commitee on Militarism in Education</em> mit den Worten: »Nach unserer Auffassung schmeckt die Wehrpflicht zu Friedenszeiten nach Totalitarismus …«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das gilt in Österreich gleich doppelt. Hier musste sich die SPÖ ja erst aus den Widersprüchen ihrer Gleichheitsideologie lösen, um dem Gemeinschaftstrend eines sehnsüchtigen Zeitalters entgegenzutreten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Anders als in den USA läuft die Idee einer »Wehr- und Wertegemeinschaft« hierzulande automatisch Gefahr an die »Volksgemeinschaft« der Hitler-Diktatur anzuschließen. Auf mentalitätsgeschichtlich verseuchtem Boden setzt Waffenpflicht zwangsläufig den Geist der braunen Massenideologie fort.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auf die Idee, aus der Zwangsrekrutierung einen neuen Gemeinschaftssinn zu entwickeln, konnte nur eine postfaschistische Gesellschaft verfallen. Womit agitierte Schwarz-Blau denn gegen das »Profiheer«? Mit Bürgersinn und gemeinschaftlicher Zwangsorganisation – gerichtet gegen antisoziales und gemeinschaftsschädigendes Verhalten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>ÖVP und FPÖ haben am 20. Jänner 2013 den politischen Schulterschluss für eine mobilisierte Gesellschaft vollzogen, die auf der Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft, auf gegenseitiger Kontrolle und der freiwilligen Unterordnung der Individuen unter das Gemeinwohl beruht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Konnte man bis dahin glauben, dass die »Volksgemeinschaft« in Österreich nur mehr als eine »Wehrgemeinschaft« gegen Fremde aufersteht, als aggressives Kollektiv der Verfolger von Illegalen, Asylsuchenden und Bettlern, wie seit Wochen in der besetzten Wiener Votivkirche, so sind wir seit dem 20. Jänner gewarnt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center">***</p>
<p>Was übrigens die Boulevardmedien betrifft, so haben sie allein an die Leserschaft der Zukunft gedacht und ein nachhaltiges Signal an die Jugend ausgesandt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2013</em></p>
<p><em></em></p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1505&amp;md5=2443faa2bf485774b3bb6bc3b2348d74" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>VOLKSBEFRAGUNG IN ÖSTERREICH: STRACHES NÜTZLICHE IDIOTEN VON LINKS</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Jan 2013 13:55:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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<div id="attachment_1500" class="wp-caption alignnone" style="width: 434px"><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/01/CIMG3811.jpg" rel="lightbox[1499]"><img class="size-medium wp-image-1500" src="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/01/CIMG3811-424x318.jpg" alt="" width="424" height="318" /></a><p class="wp-caption-text">Österreich legt nicht ab vom Ufer des Kalten Krieges / Foto: W. Koch</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Während die deutschen Jusos soeben die Kriegsgegner Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die ihre Mutterpartei auf dem Gewissen hat, im politischen Gedächtnis eingemeinden,<em> </em>befürwortet die Sozialistische Jugend Österreich (SJÖ) die allgemeine Wehrpflicht, was deren Mutterpartei SPÖ ablehnt. Dieser Konservatismus der Kleingeister ist typisch für Österreich und verhängnisvoll für die zukünftige politische Machtverteilung im Land.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Seit Juli 2012 weist keine Umfrage mehr eine Mehrheit für das sogenannte »Profiheer«-Modell der Sozialdemokraten aus. Die erste bundesweite Volksbefragung ist so gut wie entschieden: es wird nach dem 20. Jänner keine Militärdebatten in Österreich mehr geben. Das beamtete Berufsheer wird nicht von 16.000 auf 8.500 Mann verkleinert. Die Zeitsoldaten erlernen keinen zivilen Beruf, der sie stärker in die Gesellschaft integriert. Die Einsatzfähigkeit für friedenssichernde UN-Missionen wird nicht erhöht. Die Höhe des Heeresbudgets bleibt auf Jahrzehnte unangetastet. Wir verlangen weiterhin von jungen Männern, ihr Schicksal an das der Armee zu binden. Kurz: die Chance für einen Aufbruch dürfte bereits vertan sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Heeresreform </strong>in Österreich scheitert keineswegs nur an dem schwarz-blauen Schulterschluss der konservativen Regierungspartei ÖVP mit dem rechten Herausforderer H. C. Strache (FPÖ). Deren Hauptargumente für die schmerzhafte Häutung des Menschen in der Kaserne lauten ja bloß: Verteidigungsminister Darabos, linkspopulistische Boulevard-Verschwörung der Kronenzeitung, Zivildienst, Katastrophenschutz, Militärmusik – vom Waffendienst ist im Wehrpflichtlager praktisch nie die Rede.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Braucht es denn wirklich das österreichische Bundesheer, damit sich ihm ausreichend Leute verweigern? Wollen wir den Schutz der Nation vom Zivildienst abhängig machen? Sicher nicht!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auf der sozialen Ebene entspricht der Ruf nach der Wehrpflicht der Sehnsucht nach einer besser integrierten Gesellschaft. Aber der Zusammenhalt aller, der wächst in Familie, Schule und am Arbeitsplatz, und sonst nirgends.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>ÖVP und FPÖ</strong> bringen bei der Volksbefragung allein keine Mehrheit zustande. Die Abstimmung wird erst von einer denkfaulen und kompromissunfähigen Linken zugunsten der Stahlhelm-Fraktion entschieden. Es sind die Militärskeptiker vom KZ-Verband bis hin zur Katholischen Aktion, die dem schwarzblauen Schulterschluss mit bestem Willen und lauterster Gesinnung zum ersten Triumph im Wahljahr 2013 verhelfen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der rechte Gebrauch eine Idee besteht darin, sie ansteckend zu machen. Aber seit der Fehlbesetzung mit dem Großindustriellen und Rüstungsprofiteur Hannes Androsch an der Spitze ihrer Kampagne hat die SP-Parteilinie keine Chance auf Erfolg mehr. In allen Diskussionen setzen sich Leute durch, die nicht sagen, was gerade nottut, sondern, was sie in ihrer Selbstherrlichkeit für wahr halten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Doyen der österreichischen Friedensforschung, Gerald Mader, vermutet ins Blaue hinein, Berufssoldaten ließen sich leichter befehligen. Die linke Solidar-Werkstatt faselt von einer »EU-Großmacht«. Die Ex-Sozialdemokratin Barbara Blaha beliefert die Medien mit der zynischen Femdom-Fantasie, wonach sich die Gleichberechtigung der Geschlechter von den durch die Wehrpflicht unterworfenen Männern »abkoppeln« lasse.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Liberale Kommentatoren in allen Qualitätsblättern zeigen sich herablassend gegenüber dem Volk und besingen den Zwang, auf dem das Heer ruht, mit weinerlicher Demokratiefeindlichkeit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Konferenz der Katholischen Aktion bemängelt »eine Vermischung« der Pflegesicherheit mit der Landesverteidigung, so als ob das nicht im Zivildienstgesetz vermischt wäre, sondern von der Regierung boshaft ins Szene gesetzt würde. »Auf falsch gestellte Fragen«, meinen die engagierten Christen, »gibt es keine richtige Antwort«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dabei ist doch genau das die Definition des Politischen: richtig zu antworten auf eine Frage, die eine Mehrheit für eine Entscheidung zur Wahl stellt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Der Dank für der Niederlage</strong> der friedenspolitischen Perspektive gebührt einer politik- und kompromissunfähigen Öffentlichkeit, die lieber das Bürgerkriegsjahr »1934« oder »Imperialismus« an die Wand malt, als an internationalen Bemühungen zur Durchsetzung des Rechts teilzunehmen. Das Profiheer scheitert an unserer unmoralischen Gleichgültigkeit gegenüber der Welt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Warum nur weigern sich kritische Zeitgenossen, die Folgen der Wehrpflicht abzuschätzen? Die SPÖ-Politikerin Gabi Burgstaller kann keinen Schaden für die eingezogenen Burschen erkennen. Der gleichfalls aus der Sozialdemokratie stammende Bundespräsident sieht ohne Einrückendgemachte die Neutralität gefährdet, und der Armeekommandant fürchtet um die Mobilisierung im Katastrophenfall.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>»Ich weiß nicht, machen Sie einen Ochsen aus sich, oder sind Sie schon als Ochs zur Welt gekommen?«, sagt Schwejk. – Weiten Teile der österreichischen Intelligenz dämmert bis heute nicht, dass Wehrdienstverweigerung eine ethische begründbare Forderung ist, und Wehrpflicht ein problematischer Eingriff in die persönlichen Freiheitsrechte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es besteht aber kein moralisches Recht auf Unwissenheit und auf gegenseitige Indifferenz, sondern die Pflicht, Hilfe zu leisten, wo das möglich ist. Alle Gewaltopfer haben ein Recht, vor Mord und Tyrannei geschützt zu werden. Dazu benötigt die UNO ausdrücklich Berufssoldaten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dem Österreicher fehlt es rundum an demokratischer Disziplin, an der Bereitschaft, sich mit Sachfragen zu beschäftigen, geduldig zuzuhören und klug abzuwägen. Lieber diskutiert er über Neutralität oder Nato, was gar nicht zur Abstimmung steht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Hinter den Kulissen</strong> einigen sich die Unterhändler der Koalition übrigens gerade auf einen Kompromiss nach dem 20. Jänner: <em>Wehrpflicht nur noch für einen Tag.</em> Österreich soll Dänemark werden, wo Wehrpflichtige nur dann per Los eingezogen werden, wenn die Zahl der Freiwilligen nicht ausreicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die SPD hat dieses dänische Modell 2005 für Deutschland verworfen, weil es die Wehrgerechtigkeit vollends <em>ad absurdum</em> führt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>© </em></strong><strong>Wolfgang Koch 2013</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=yRgtT2woLXI">https://www.youtube.com/watch?v=yRgtT2woLXI</a></p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1499&amp;md5=1f59fe514813eff53a2f2a60a3667b67" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>VOLKSBEFRAGUNG: 100 SÄTZE FÜR EIN ÖSTERREICHISCHES BERUFSHEER</title>
		<link>http://blogs.taz.de/wienblog/2013/01/14/volksbefragung-100-satze-fur-ein-osterreichisches-berufsheer/</link>
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		<pubDate>Mon, 14 Jan 2013 08:33:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1494" class="wp-caption alignnone" style="width: 434px"><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/01/CIMG37011.jpg" rel="lightbox[1486]"><img class="size-medium wp-image-1494" src="http://blogs.taz.de/wienblog/files/2013/01/CIMG37011-424x318.jpg" alt="" width="424" height="318" /></a><p class="wp-caption-text">Zeitgemässe Sicherheitslösungen sind gefragt / Foto: W. Koch</p></div>
<p><strong>Das Bundesheer</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. Das Bundesheer ist per Verfassung die Streitmacht der Republik Österreich.</p>
<p>2. Jeder Staat hat nur das Recht zur Selbstverteidigung Gewalt anzuwenden (UN-Charta).</p>
<p>3. Jede weitere Ermächtigung ist den Beschlüssen der Vereinten Nationen vorbehalten.</p>
<p>4. Österreich bestärkt diese Grundssätze durch seine immerwährende Neutralität.</p>
<p>5. Parlament und Regierung entscheiden demokratisch über den Einsatz der Armee.</p>
<p>6. Österreich verfährt zurückhaltend mit der politischen Freigabe von bewaffneten Kräften.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Die Gefahren</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>7. Österreich ist in absehbarer Zukunft sicher; eine isolierte Bedrohung undenkbar.</p>
<p>8. Eine Verletzung der Grenzen durch fremde Mächte ist nicht mehr das Risiko.</p>
<p>9. Bedroht sind wir von den länderübergreifenden Folgen sozialer Ungerechtigkeit.</p>
<p>10. Bedroht sind wir von den länderübergreifenden Folgen des Klimawandels.</p>
<p>11. Unsere Gesellschaft ist abhängig von fossilen Rohstoffen (Öl, Gas, Kohle).</p>
<p>12. Diese geänderte Bedrohungslage erfordert ein Mehr an internationaler Solidarität.</p>
<p>13. Dem Militär kommen nur mehr Nebenaufgaben zu; Stärke schafft keinen Frieden.</p>
<p>14. Auch auf gezielten Einzelterror gibt es keine militärische Antwort.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Aufgaben</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>15. Österreichische Soldaten dienen aussschließlich der Friedenserhaltung.</p>
<p>16. Abrüstung bleibt der Schlüssel zu einer gerechteren Weltordnung.</p>
<p>17. Die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen muss verhindert werden.</p>
<p>18. Im Krisenfall steht der Schutz lebenswichtiger Einrichtungen im Mittelpunkt.</p>
<p>19. Eine Verteidigung der EU-Außengrenzen ist mit Wehrpflichtigen nicht möglich.</p>
<p>20. Grundwehrdiener können auch nicht für den Antiterror-Einsatz ausgebildet werden.</p>
<p>21. Der Katastrophenschutz zählt nicht zum Kernbereich des Militärischen (Assistenz).</p>
<p>22. Der Katastrophenschutz rechtfertigt keine militärische Ausbildung.</p>
<p>23. Er kann von Blaulichtorganisationen besser und kostengünstiger organisiert werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Die Missionen</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>24. Auslandseinsätze laufen immer Gefahr koloniale Schauplätze zu schaffen.</p>
<p>25. Doch alle Gewaltopfer der Welt haben das Recht, gerettet und beschützt zu werden.</p>
<p>26. Österreichs Soldaten dürfen nicht für fremde Interessen eingesetzt werden.</p>
<p>27. Ein UN-Beschluss ist die unverrückbare Voraussetzung für jede Entsendung.</p>
<p>28. Nur Freiwillige können das kollektive UN-Sicherheitssystem verwirklichen.</p>
<p>29. Seit 1960 hat das Bundesheer an über 50 solchen Missionen teilgenommen.</p>
<p>30. Österreich liegt stärkemäßig unter den ersten 20 Staaten, die UN-Personal stellen.</p>
<p>31. Von den bisher 90.000 eingesetzen Soldaten starben mehr als 40 im Einsatz.</p>
<p>32. Erfolge sind nur durch ein Zusammenwirken von UNO, OSZE, EU und Nato möglich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Wehrpflicht</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>33. Das Bundesheer ist eine seit Jahren reformbedürftige Institution.</p>
<p>34. Wehrpflicht und Ersatzdienst greifen problematisch in die Menschenrechte ein.</p>
<p>35. Eine Wehrpflichtarmee kann nicht flexibel neuen Aufgaben angepasst werden.</p>
<p>36. Eine Wehrpflichtarmee kann nicht auf demokratischem Weg verkleinert werden.     </p>
<p>37. Wehrpflichtige können nur zum Einsatz im Inland herangezogen werden.</p>
<p>38. Die Wehrpflicht verschwendet Mittel für die berufliche Ausbildung von Profis.</p>
<p>39. Die Wehrpflicht verlängert jede Berufsausbildung und belastet die Wirtschaft.</p>
<p>40. Die Wehrpflicht kann nicht mit Ersparnissen für den Haushalt gerechtfertigt werden.</p>
<p>41. Die Wehrpflicht ist kein Garant gegen den politischen Missbrauch der Armee.</p>
<p>42. Die Männerwehrpflicht treibt einen Keil zwischen Männer und Frauen.</p>
<p>43. Die Männerwehrpflicht ist ein ewiger Nährboden von Frauenverachtung.</p>
<p>44. Der Zwangsdienst für Männer bewertet weibliches Leben höher als männliches.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Der Grundwehrdienst</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>45. Der Grundwehrdienst dient der Gewinnung von Berufs- und Milizsoldaten (Kader).</p>
<p>46. Die Mehrheit der Zwangsverpfichteten erlebt ihn als sinnlos und leidvoll.</p>
<p>47. Als Systemerhalter im Inland erleichtern sie fragwürdige Experimente im Ausland.</p>
<p>48. Grundwehrdiener kommen übrigens kaum im Katastrophenschutz zum Einsatz.</p>
<p>49. Jugendliche lernen humanistische Werte in der Schule, nicht in der Kaserne.</p>
<p>50. Militärischer Zwang kann Zuwanderer nicht kulturell integrieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Das Profiheer</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>51. Das geplante Profiheer verpflichtet freiwillige Männer und Frauen auf Zeit.</p>
<p>52. Jährlich sollen 1.300 Zeitsoldaten angeworben und ausgewählt werden.</p>
<p>53. Sie gehen anschließend in die Reserve oder dienen in einer Milizstruktur weiter.</p>
<p>54. Die überwiegende Mehrheit kehrt mit Ende Dreissig in das Zivilleben zurück.</p>
<p>55. Zu diesem Zweck erhalten die Profis eine Ausbildung in einem zivilen Beruf.</p>
<p>56. Am Ende können sie die erworbenen Qualifikationen mitnehmen.</p>
<p>57. Berufs- und Milizsoldaten sind keinesfalls skrupelloser als Wehrpflichtige.</p>
<p>58. Alle sind österreichische Staatsbürger und somit Teil der Gesellschaft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Geschichte</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>59. Die Geschichte kennt keine Gesetze, die man durch Erfahrung überprüfen könnte.</p>
<p>60. Über den Armeeeinsatz entscheiden immer die politischen Machtverhältnisse. </p>
<p>61. Allgemeines Wahlrecht und Wehrpflicht sind kein historisches Zwillingspaar.</p>
<p>62. 1934 missbrauchte die Regierung Dollfuß das Berufsheer gegen die Bevölkerung.</p>
<p>63. Dass Wehrpflichtige den Bürgerkrieg verhindert hätten, lässt sich nicht beweisen.</p>
<p>64. 1938 war unsere Wehrpflichtarmee zum militärischen Widerstand gegen Hitler bereit.</p>
<p>65. Die Verantwortung für die Kapitulation vor Hitler trug die Regierung Schuschnigg.</p>
<p>66. Außer China hat noch keine Diktatur der Welt auf die Wehrpflicht verzichtet.</p>
<p>67. Seit 1945 putschten in Europa fünfmal Wehrpflichtarmeen (GR, POR, 2x TÜR, SP).</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Die Union</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>68. Der Friedensnobelpreis des Jahres 2012 geht an die Europäische Union (EU).</p>
<p>69. Die Sicherheit Österreich und die der EU sind weitestgehend miteinander verbunden.</p>
<p>70. Österreich ist sicher, solange die Friedensmacht EU sicher ist.</p>
<p>71. Eine äußere Bedrohung Österreichs ohne Betroffenheit der EU ist unmöglich.</p>
<p>72. EU-Verträge haben keine Auswirkungen auf völkerrechtliche Verträge der Mitglieder.</p>
<p>73. Die EU nimmt ausdrücklich auf die Wünsche der Neutralen Rücksicht (Irische Klausel).</p>
<p>74. 21 von 27 EU-Mitgliedstaaten haben bereits auf Profi-Armeen umgestellt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Die Krisenreaktion</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>75. Der Ausbau der Union zu einem hochgerüsteten Militärpakt ist eine Legende.</p>
<p>76. Zwar trainiert die EU auch für bescheidene Kampfeinsätze außerhalb ihrer Grenzen.</p>
<p>77. Trotzdem wird Gewalt nirgends als Entscheidungsmittel von Konflikten angesehen.</p>
<p>78. Vereinte EU-Kräfte sollen notfalls Konfliktparteien gewaltsam trennen können.</p>
<p>79. Jedes Teilnehmerland finanziert seinen eigenen Beitrag zu dieser <em>Peterberger Aufgabe</em><em>.</em></p>
<p>80. Die bisherige Einsatzfähigkeit von zweimal 1.500 Europäern ist ein politischer Erfolg.</p>
<p>81. Dass die seit 2007 bestehenden <em>Battlegroups</em> noch nie nie eingesetzt wurden, ebenfalls.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Die Nato</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>82. Von den 27 EU-Staaten gehören (teils andere) 21 Staaten gleichzeitig der Nato an.</p>
<p>83. Österreich findet im Bündnis seit 1995 als Partner ohne Beistandspflicht Gehör.</p>
<p>84. Eine äußere Bedrohung Österreichs ohne Betroffenheit der Nato ist unmöglich.</p>
<p>85. Eine Grenzverletzung durch einen Nato-Staat ruft das gesamte Bündnis auf den Plan.</p>
<p>86. Es existiert kein Zusammenhang zwischen Wehrpflicht und Nato-Zugehörigkeit:</p>
<p>87. Es gibt in der EU bündnisfreie Staaten <em>ohne</em> Wehrpflicht (Schweden, Irland),</p>
<p>88. und es gibt europäische Nato-Länder <em>mit </em>Wehrpflicht (GR, TÜR, EST, NOR, DÄN).</p>
<p>89. In Nato-Staaten, die die Wehrpflicht ausgesetzt haben, sank der Verteidigungshaushalt.</p>
<p>90. In denselben Staaten (FR, B, SP, NL) wurden die Streitkräfte auch deutlich reduziert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Der Zivildienst </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>91. Welches Sicherheitssystem Österreich braucht, kann nicht vom Zivildienst abhängen.</p>
<p>92  Es braucht das Bundesheer nicht, damit sich ihm ausreichend Leute verweigern.</p>
<p>93. Sozial- und Rettungsleistungen stehen und fallen nicht mit der Wehrpflicht.</p>
<p>94. Der konkurrenzlos günstige Zwangsdienst drückt in einigen Berufsgruppen die Löhne.</p>
<p>95. Der Freiwillige Zivildienst kann 8.000 Sozialjahr-Arbeitsplätze pro Jahr schaffen.</p>
<p>96. Bezahlte Sozialdienste sind nicht an ein bestimmtes Geschlecht oder Alter gebunden.</p>
<p>97. Die kollektivvertragliche Entlohnung wertet Ehrenämter und Sozialberufe auf.</p>
<p>98. Das Freiwillige Sozialjahr kann in der Berufsausbildung angerechnet werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Volksbefragung</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>99. Eine nicht abgegebene Stimme ist eine verlorene Stimme.</p>
<p>100. Eine ungültige Stimme ist eine verlorene Stimme.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2013</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>ÖSTERREICHS NEUTRALITÄT VERPFLICHTET ZUR ABRÜSTUNG</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Dec 2012 19:47:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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<p>Hätte die österreichische Bundesregierung ihre neue Sicherheitsdoktrin erst vom Nationalrat absegnen lassen müssen, bevor sie eine Volksbefragung zum Thema Wehrpflicht vom Zaun brach? Gewiss, diese Kritik ist berechtigt, doch in der seit September 2011 vorliegenden Synopse der Regierung heißt es wörtlich:</p>
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<p>»Konventionelle Angriffe gegen Österreich sind auf absehbare Zeit unwahrscheinlich geworden«. Das ist eine klare Absage an die territoriale Landesverteidigung, und ein lautes Bekenntnis dazu brächte die gesamte ÖVP-Propaganda zur Volksbefragung ins Wanken.</p>
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<p>Unrecht haben alle jene in Österreich, die in dieser Befragung einen Missbrauch des direktdemokratischen Instruments wittern. Man sollte vielmehr der Regierung Faymann zu ihrem unerschrockenen Mut gratulieren.</p>
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<p>Das Experiment der Großen Koalition ist ja in der Ersten Republik an eben der Wehrfrage zerbrochen. 1919 hatte der Diktatfrieden von Saint-Germain-en-Laye ein Berufsheer erzwungen. Dem sozialdemokratischen Staatssekretär Julius Deutsch gelang es gerade noch, trotz sechs- bzw. 12jähriger Dienstzeit, viele Freiwillige der Volkswehrmilizen in die Armee zu übernehmen.</p>
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<p>Als Deutsch per Weisung aber auch noch die Soldatenräte als Personalvertretung integrieren wollte, kündigten die Christlichsozialen, die Vorgänger der ÖVP,  die Zusammenarbeit auf. Nach Neuwahlen zogen die Sozialdemokraten heroisch aus der Regierung aus – »Nicht als Besiegte, als Sieger verlassen wir das Kampffeld der Koalition« – und kehrten zum unermesslichen Schaden aller bis 1945 nicht mehr zurück.</p>
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<p>Riskiert Österreich 2013, dass sich dieses düstere Kapitel seiner Geschichte als Farce wiederholt? Nein, Rot-Schwarz stellt am 20. Jänner eindrucksvoll die Stabilität der Koalition unter Beweis.</p>
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<p>Wenn man der Regierung etwas vorwerfen will, dann bitte, dass sie ihre Arbeit strikt an das Ergebnis der Volksbefragung bindet. Weiters, dass der Befragungstext suggeriert, wir hätten noch keine Berufsarmee. Doch das Verteidigungsministerium, eine Institution von kakanischen Ausmaßen, beschäftigt 22.560 Personen  – das sind 17% der Beschäftigten des Bundes (2011). Jeder sechste Staatsdiener der Nation ist bereits ein Berufssoldat oder ein ziviler Angehöriger des Heeres.</p>
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<p>Zu kritisieren wäre weiters das Ausklammern der Geschlechtergerechtigkeit zulasten der Männer und dass sich die Regierung bisher nicht dazu geäußert hat, ob die Wehrpflicht nun tatsächlich aus der Verfassung gestrichen, oder ob sie – wie in den USA und in Deutschland – nur <em>außer Kraft gesetzt</em> werden soll.</p>
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<p>Das alles kümmert die aktuelle Diskussion in Österreich wenig; für die Neutralisten im Streit um Berufsheer oder Wehrpflicht kann friedensstiftende Außenpolitik auf der internationalen Bühne mit jedem Stiefel betrieben werden. Warum ist dieser Standpunkt falsch?</p>
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<p>[1] Alle drei Bestimmungen des Neutralitätsgesetzes (keine Kriegsteilnahme, kein Bündnis, keine fremden Stützpunkte) zielen klar auf die völkerrechtliche Kriegsächtung. Neutralität ist kein schwächliches Konzept der Nichteinmischung oder der humanitären Reparaturkolonne, sie verpflichtet zur kontinuierlichen Arbeit an einer besseren Welt, und das heißt zur Abrüstung.</p>
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<p>Ein Berufsheer kann schrittweise verkleinert werden, eine Wehrpflichtarmee aber nicht – denn ihr Umfang ergibt sich aus der Mannstärke der Eingerufenen. Wir entscheiden am 20. Jänner also, ob die Demoskopie zur Grundlage der Sicherheitspolitik gemacht werden soll oder nicht.</p>
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<p>Abrüstung bleibt der Schlüssel zu einer gerechteren Weltordnung. Schwächung allein humanisiert Großmächte. Österreich marschiert nicht mehr an der Seite anderer, im gleichen Schritt und Tritt, und wir haben uns dabei nichts vorzuwerfen! Denn wir sehen im internationalen Strafrecht durchaus mehr als geduldiges Papier.</p>
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<p>[2] Österreich bindet seine Neutralitätspolitik seit 1955 strikt an ein Mandat der Vereinten Nationen. Warum nun werden Wehrpflichtige zum Zwecke der Friedenssicherung nach der VN-Charta nicht zugelassen? Weil das Völkerrecht die Wehrpflicht als eine allgemeine Bürgerpflicht auffasst, gebunden an die territoriale Verteidigung des Nationalstaates. Sie ist nicht als universeller Friedensdienst interpretierbar; das kollektive Sicherheitsmodell der VN verlangte Berufsarmeen.</p>
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<p>Die Gefahren des Interventionismus ist von der Kritik benannt worden: dass der Umfang der Krisenreaktionskräfte vergrößert wird; dass eine Berufsarmee ihren Nicht-Einsatz rechtfertigen muss, statt dass die Politik ihren Einsatz rechtfertigen müsste.</p>
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<p>Das »Theater der Militärmissionen« hat keine Zukunft. Es verwandelt die Welt mit hochmoralischen Argumenten in quasikoloniale Schauplätze. Die Alternative, ob wir Soldaten in Krisengebiete entsenden oder zuschauen ist keine – sie bleibt der Logik des Krieges verhaftet und verengt den Handlungsspielraum der Politik. Militärische Kommandos laufen stets Gefahr, den Dampfkessel der Globalisierungskonflikte völkerrechtswidrig unter Kontrolle zu bringen.</p>
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<p>Die Aufgabe eines Neutralen kann nie in der Konsolidierung von Imperien liegen. Wir müssen bewaffnete Konflikte in zivile umwandeln und durch mehr Internationale Polizeieinsätze (derzeit gibt es nur fünf in Afghanistan, Palästina, Georgien, Kosovo) innerhalb von rechtsstaatlichen Normen bearbeiten.</p>
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<p>Österreichs Außenpolitik folgt seit 1955 einem vernünftigen Grundsatz: aufmerksames Nichteinmischen in den Streit anderer, zurückhaltende Begleitung von Konflikten, ein Pflaster auf die Krisen der Weltgesellschaft, um den Wahnsinn möglichst fern zu halten. Man nenne das ruhig »Feigheit«! Aber niemanden Angst zu machen, ein gutes Beispiel geben – das sind allemal bessere Tugenden als Dreinhauen.</p>
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<p>Österreich braucht gegen niemanden militärische Entschlossenheit zu demonstrieren. Darum unterschreibe ich am 20. Jänner den SPÖ-Vorschlag und flüchte mich nicht in eine politikferne Position, die keinen Zusammenhang mehr zwischen dem Neutralitätsgesetz und dem Wehrsystem zu sehen vermag.</p>
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<p>Mit dem Darabos-Modell des Profiheeres rückt die Außerdienststellung des überholten Bundesheeres einen historischen Schritt näher. Es schafft die gesetzliche Grundlage zur Verkleinerung der Armee. Die immerwährende Neutralität verpflichtet uns auf eine militärfreie Zukunft, in der bewaffnete Einsätze nicht mehr als Entscheidungsmittel von Konflikten angesehen werden.</p>
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<p><strong><em>©</em></strong> <em>Wolfgang Koch 2012</em></p>
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