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	<title>Wien-Blog</title>
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	<description>Vom letzten Glanz der Märchenstadt oder wie es sich an der blauen Donau gerade lebt.</description>
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		<title>EIN AUFSCHREI GEGEN DIE NEOLIBERALE STADT (6)</title>
		<link>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/02/09/ein-aufschrei-gegen-die-neoliberale-stadt-6/</link>
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		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 12:44:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Aufgabe ist brutal groß: in dieser behäbigen Stadt des Weltkulturerbes und der Kebabstände, der Ballfröhlichkeit und der Notschlafstellen, der Holocaustleugner und der Szenefriseure Institutionen und zugleich die Ideologie, auf die sie sich gründen, radikal umzustülpen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Pensionisten wollen die SPÖ haben, wie sie ist: ohne die Gewalt der Vernunft, die die Arbeiterinnenbewegung in den Kämpfen der 1920er-Jahre für sich reklamieren konnte. Die Masse der heutigen Alten und der Zuwanderer wollen die SPÖ, wie sie ist, um ihren Anteil am Wohlstand zu sichern, um Großgeräte in Spitälern anzuschaffen, die Pflichtschule abzuschließen, den TV-Müll störungsfrei im Möbelhaussofa konsumieren zu können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es sind diese Verfinsterungen des Politischen durch die Schwerkraft der Verhältnisse, die einen Intellektuellen des Unterproletariats wie Robert Sommer nach dem Einverständnis mit der Revolte rufen lassen. Die SPÖ wird heute regiert von Gestalten, die keinen Zweifel kennen über die Art, wie man Mensch ist, wie man ein menschliches Gesicht trägt, und nicht nur Grimassen schneidet vor laufenden Kameras.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Wiener SPÖ wird heute geführt von mediokren Politikzubereitern, deren Kompetenz sich auf das Entfachen antifaschistischer Hysterien und den Verzehr von Krabbenbrötchen beschränkt. – Und trotzdem traue ich dieser Partei, die ihre Mitglieder gerade für 35 Euro mit SalsaDisco und Tombola zum 65. Roten Nelken Ball lockt, immer noch alles Richtige zu.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Sozialdemokratie ist die Bewegung, und es gibt keine andere, in deren Gedächtnis die Erfahrungen des proletarischen Ausgeschlossenseins gespeichert sind. Nur die SPÖ besitzt das jünglingshafte Kostüm des Roten Wiens, das die jahrhundertelange Verdunkelung der Unfreiheit durch Habsburg in unseren Breiten von sich geschüttelt hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Robert Sommer verteidigt die Ausssteiger, die Bettler, die Konsumverweigerer. Er unterstützt Legalize-Initiativen und propagiert die brave Idee von Cannabis Social Clubs. Doch gesündere Drogen verändern keine jener gesellschaftlichen Voraussetzungen, die zum steten Rauschbedürfnis und zur Produktion des »gesellschaftlichen Abschaums« geführt haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sie, die Große Sozialdemokratie, ist immer noch die einzige politische Kraft, die soziale Hoffnungen ausstrahlt. Sie hat immer noch das Potential, die Psychiatrien Wiens aufzulösen, die Interniertenpopulation zu verkleinern. Die SPÖ hätte die Macht, dem Immobilienhai Glorit an der Alten Donau entgegenzutreten und dort ein weiteres »Top-Wohngebiet« für die Reichen zu verhindern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die SPÖ allein hätte die Kraft, das Krankenhaus von einem Ort des Ausschlusses wieder in eine Einrichtung zur Heilung zu verwandeln. Sie hätte die Kompetenz, die Einhaltung der Menschenrechtsstandards in der Arbeit der Exekutive zu überwachen. Sie wäre die einzige Agentur, die Angehörige der Unterklassen mit Verhaltenauffälligkeiten vor dem berüchtigten Goldenen Wienerherz in Schutz nehmen könnte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ja sie, die Wiener SPÖ, besitzt theoretisch sogar die moralische Kraft und Würde, sich bei Werner Vogt  für den skandalösen Hinauswurf aus seiner Funktion als weisungsfreier Pflegeombudsmann der heimischen Spitäler 2006 zu entschuldigen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Frage ist allerdings, wie das Verantwortungsbewusstsein für Mitte und Rand der Gesellschaft in den Köpfen der sozialdemokratischen Politikerinnen wieder geweckt wird? Wie diese Partei die peinliche Vulgarität eine neureichen Milieus, das ihre Spitzen umgibt, wieder abschütteln kann?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Frage ist, wie die Wiener SPÖ die Klientelpolitiker der Bauwirtschaft los wird? Wann beginnt sie das ausgetüftelte System ihrer eigenen Privilegien zu demontieren?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Eine der Antwort auf diese Fragen heisst: Pensionierung des sagenhaft ignoranten Bürgermeisters Michael Häupl. Muss denn der Mann erst nach dem unvermeidlichen Verlust der absoluten Mehrheit für Rot-Grün 2016 in den Ruhestand treten?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und wer folgt ihm nach, der sich nicht nur durch Worte, sondern auch durch seinen Lebenstil, und vor allem: <em>durch Taten </em>auf der Seite der Entrechteten und Armen stellt? Gibt es im roten Rathaus überhaupt noch jemanden, dem zum Beispiel zum Thema Kupferdiebstahl auf Bahntrassen mehr einfällt als Stacheldraht, höhere Mauern, Sicherheitstüren? Gibt es nach 85jähriger Regierungsverantwortung dieser Partei überhaupt noch Personen in ihren Reihen, die für eine Wertordnung stehen könnten, in der Aufrichtigkeit und Würde zentrale Begriffe sind?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Heute heißt es überall: Verfolgung, Stabtaschenlampen – nicht nur in Abrisshäusern. Ohne das Armutsproblem lösen zu können, ohne den Mechanismus der Exklusion zerschlagen zu können, lernen wir, damit zu leben. Um die soziale Tragödie des heutigen Stadtlebens zu erkennen, braucht es keine Echatologien, keinen »Tag X des Lachens und der Entsagung«, keine brennenden Autos, keine Gewalt auf der Straße.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Um die Verhältnisse zu ändern, muss nicht der Hass in der Welt vermehrt werden. Die lange Existenz der Obdachlosenzeitung <em>Augustin</em> beweist doch, dass ein richtiges Leben im Falschen möglich ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In England diskutieren kluge Köpfe gerade die radikale Kürzung der Wochenarbeitszeit (<a href="http://www.neweconomics.org/publications/21-hours">21 Hours</a>) als eine Alternative zur real existierenden Misere. In solchen Debatten wird die Zukunft Europas verhandelt: in den politischen Workshops der Linksparteien, bei demokratischen Wahlen mit mutigen Bautrupps, die auf den Firlefanz der Gesinnungszeichen verzichten und lieber beherzt anpacken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich fordere angewandte Sozialkunde in den Institutionen! Denn in den Gremien der politischen Parteien fallen die Entscheidungen – nicht bei den alpinen Kuhbauern, nicht bei den griechischen Fischern, nicht im Duft wundertätiger Treibhausgräser oder bei der »Volkserhebung« mit den untergehakten Subalternen in der ersten Reihe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2012</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Robert Sommer: Wie bleibt der Rand am Rand. Reportagen vom Alltag der Repression und Exklusion. 178 Seiten. Wien 2011: Mandelbaum Verlag, 9.90 EUR</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><a href="http://www.mandelbaum.de/">http://www.mandelbaum.de/</a></p>
<p><a href="http://kritikundutopie.net/">http://kritikundutopie.net/</a></p>
<p><a href="http://www.augustin.or.at/">http://www.augustin.or.at/</a><strong></strong></p>
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 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1142&amp;md5=51988a9a5b354a5fc5718c37aa8dfb20" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>PROBLEME DER MEDIENERZIEHUNG IM FEBRUAR</title>
		<link>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/29/probleme-der-medienerziehung-im-februar/</link>
		<comments>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/29/probleme-der-medienerziehung-im-februar/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 22:05:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistik]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Virtuos lügen</strong><strong>. </strong>»Fest im Leben stehen« lautet der originelle Titel eines Berichts der Tageszeitung <em>Der Standard</em> über die Seligsprechung der am 11. Juni 1933 zu Wien verstorbenen christlichen Sozialreformerin Hildegard Burian. Auch die katholische Presseagentur bleibt uns einen stichhaltigen Beweis für die Aussage »Hildegard Burjan ist selig« wieder mal schuldig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Politikstilforschung</strong><strong>. </strong>Kann man den im Senegal als Präsidentschaftkandidat verhinderten Weltmusik-Star Youssou N&#8217;Dour nicht ausnahmsweise erlauben in Österreich zur nächsten Bundespräsidentenwahl anzutreten? Sonst haben die Schwarzen gar keine Chancen mehr.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Jetzt kommentieren</strong>. In der krone.tv-Serie »Politik im Bild« bringt Innenpolitik-Chef Claus Pándi erklärtermaßen »die Höhe- und Tiefpunkte der Innenpolitik«. Seine ganze Kunst besteht dabei darin, nie erkennen zu lassen, ob es sich in der aktuelle Folge gerade um einen »Höhe-« oder um einen »Tiefpunkt« handelt. Das muss ich mir als Zuseher nicht mal beim Videocast »FS Misik« selber denken.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Land über Bord</strong><strong>.</strong><strong> </strong>Da gibt&#8217;s also einen Grünen-Politiker in Tirol, der sich von einer Tageszeitung fragen lässt, warum er einer anderen Tageszeitung Interviews gibt. Solange die Grünen-Politiker solche »Qualitäts«-Interviewer nicht vor sich herwatschen, wird auch aus den Grünen nichts mehr.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Gegenfrage</strong><strong>.</strong> Einer heimischen Feuilletonspalte entnehmen wir das neueste Welträtsel: »Wer liest heute noch anstrengende Werke?« Wer fragt das wohl? Sicher ein 40jähriger Erfolgsautor, da deren Erfolg bekanntlich darauf aufgebaut ist, die Fronten zu verwirren, das Publikum konfus zu machen, und die eigene Schreibe für gewichtig auszugeben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Bildungsradio</strong>, »Kulturradio« gar, Achgottchen! – Ich dreh das Gerät auf, und eine weibliche Stimme, die man gerne im Schlafzimmer begrüßen würde, sagt: <em>»… die Verschiebung der Platten. Man kann sich das wie eine riesige Knautschzone vorst…«</em> – Aus, Ende. Mögen sich bitte andere die Geozeitalter als Autozubehör vorstellen, ich glückliches Österreich schweige.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2012</em></p>
<p>&nbsp;</p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1135&amp;md5=f5d071340c65fb74d9e3c5528784137c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>EIN AUFSCHREI GEGEN DIE NEOLIBERALE STADT (5)</title>
		<link>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/27/ein-aufschrei-gegen-die-neoliberale-stadt-5/</link>
		<comments>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/27/ein-aufschrei-gegen-die-neoliberale-stadt-5/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 12:13:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was macht Robert Sommer eigentlich so zuversichtlich, das sich die gerechtere Gesellschaftsordnung durch einen Aufstand herbeiführen lässt? Die erbärmlichen Riots in Frankreich gegen Autobesitzer in den Vororten? Die Plünderungen in England, die 2011 zu noch mehr Überwachungsstaat und berittener Polizei geführt haben? Die brandschatzenden Proteste gegen Sparpakete bei den Staatsausgaben in Griechenland, wo sich Anarchisten und Steuerhinterzieher in der Ablehnung des Staates hundertprozentig einig sind?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Was lässt den Sozialreformer an der revolutionären Phraseologie festhalten? Die Arabellion in den islamischen Mittelmeerländern, die Demokratie nirgendwo mit Wohlstand zu verbinden vermag, und also von Beginn an zum Scheitern verurteilt war? Robert Sommer will »Wien zum Tahrir-Platz« machen. Jeder Sieg einer Revolution, sagt er, sei eine große Verblüffung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wer selbst nie diesen Traum geträumt hat, werfe den ersten Stein. Sommer ist fasziniert von den Gebrüdern Berrigan, die in den 1960ern zu den »Ten Most Wanted« des FBI gehörten, weil sie »Gewalt gegen Sachen« zum taktischen und praktischen Prinzip ihres Kampfes gegen Vietnamkrieg und Atomgefahr erhoben haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ein seltsamer Retro-Traum. Er gaukelt dem Leser die Wiederkehr eines alten Revolutions-Glamours vor, den der Autor kaum zu bezahlen bereit sein wird. Zwar romantisiert Sommer die Armen von Wien nicht. »Auf zehn Fromme«, sagt er ernüchtert über das <em>Augustin</em>-Volk, »kommt ein Widerstandsgeist«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Über die richtige Linie der nächsten Volkserhebung aber sollen nicht mehr Parteifunktionäre befinden können. Was Sommer verlangt ist, dass sich die linke Gesellschaftsveränderer politisch und sozial <em>integral </em>verhalten, dass sie die Berührungsängste zu Menschen aus dem Elend überwinden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Schriftsteller <strong>Peter A. Krobath</strong>, eine weitere Wiener Instanz ins Sachen Sozialrebellion, nennt Sommer »einen geläuterten KPler«. Tatsächlich hat sich der ehemalige <em>Volksstimme-</em>Redakteur 1990 in dem Moment von der kommunistischen Publizistik ab- und der weniger höflichen Armenrevolte zugewandt, als der »rote Osten« des Marxismus-Leninismus im Orkus der Geschichte versank.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nach Sommer sind die realsozialistischen Staaten Europas nicht vom überlegenen Marketingkapitalismus des Westens niedergerungen worden, sondern an den inneren Widersprüchen der marxistischen Ideologie gescheitert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Eine interessante These, da sie uns erlaubt, Sommer mit seinen eigenen Waffen zu kritisieren. Denn, wenn das stimmt, dass die kommunistische Staatenwelt an ihren eigenen Widersprüchen – dem Fehlen der versprochenen Freiheit, dem durchdringenden Produktivitätsethos, der Ideologie der Arbeitsamkeit, der Planwirtschaft, dem Totalitarismus, etc. – zerbrochen ist, dann könnten im Umkehrschluss ja auch die Widersprüche der gegenwärtigen Linken für das Ausbleiben der Revolte in unseren Breiten verantwortlich sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Woran krankt die entschlossene Linke? Sommer feiert ihre Widersprüchlichkeit am Beispiel des im Vorjahr verstorbenen linksgrünen Intellektuellen <strong>Dieter Schrage</strong>, der zugleich a) die kämpferische Selbstbehauptung von gewerkschaftlicher Organisation der Arbeitlosen verteidigte und b) das Hohelied auf die Faulheit des Menschen sang, also gewissermaßen <strong>Karl Marx</strong> mit seinem Schwiegersohn, dem kubanischen Arzt <strong>Paul Lafargue</strong> (»Recht auf Faulheit«), vereinen wollte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zweites Beispiel. Sommer lobt den Kunstvermittler Schrage, weil dieser rassistische »Neger raus«-Graffities als einen abstrakten »Aufstand der Zeichen« im Sinn von <strong>Jean Baudrillard</strong> verteidigte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht ist es gerade diese hochtourige Unentschiedenheit zwischen zukunftsgläubigem Klassenkampf und schlaraffischer Selbstaneignung, zwischen akademischem Romantizismus und Haltungzeigen auf der Straße, mit der die radikale Linke heute ihrem eigenen Erfolg im Weg steht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Robert Sommer hält einem Revolutionsmystizismus die Stange, dem die politischen Kategorien von Rechtsstaat und Konsens ein ewiges Rätsel bleiben. Der intellektuelle Einsatz für Randgruppen ist ja seit jeher eine Remixmaschine mit einem unzuverlässigen Motor. Seine horizontale Eschatologie setzt voraus, dass der Mensch gut sei und sich alle Probleme der Gegenwart in freier Übereinkunft lösen lassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich hingegen plädiere für eine politische Linke, welche die Sicherheitsbedürfnisse der Bevölkerung nicht einfach als »Unsicherheitsdiskurs« diffamiert und das teuflische Feld den Rechten überlässt. Ich halte die Position für vollkommen falsch, dass allein die Destabilisierung der Verhältnisse Gerechtigkeit herbeiführen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gott behüte Wien vor blutigen Zuständen wie am Tahrir-Platz! Es ist unpolitisch zu sagen, die repräsentative Demokratie biete den BürgerInnen nur das medienvermittelte Trugbild einer falschen Wahl.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ja, die gegenwärtige Welt ist ungerecht und unmündig machend – keine Frage. Aber sie als »eine Art Gesamtgefängnis« zu denunzieren, und einen Ausbruch daraus ins arbeitsfreie Wohlleben für möglich zu erklären, das heißt doch nur ein weiteres Machbarkeitsversprechen abzugeben und im Paradies der Tagediebe über »die da oben« zu maulen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2012</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Robert Sommer: Wie bleibt der Rand am Rand. Reportagen vom Alltag der Repression und Exklusion. 178 Seiten. Wien 2011: Mandelbaum Verlag, 9.90 EUR</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><a href="http://www.mandelbaum.de/">http://www.mandelbaum.de/</a></p>
<p><a href="http://kritikundutopie.net/">http://kritikundutopie.net/</a></p>
<p><a href="http://www.augustin.or.at/">http://www.augustin.or.at/</a><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1132&amp;md5=1213ca2a70e97627b1e9852025221cf4" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>EIN AUFSCHREI GEGEN DIE NEOLIBERALE STADT (4)</title>
		<link>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/25/ein-aufschrei-gegen-die-neoliberale-stadt-4/</link>
		<comments>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/25/ein-aufschrei-gegen-die-neoliberale-stadt-4/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 10:57:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Intelligenzia]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die gescheite <strong>Elfriede Jelinek</strong> zeigt sich neuerdings besorgt um die Vergabe eines 5.000-Euro-Jobs im Büro des ORF-Generalintendanten. Ja, fragt man sich da verwundert, wurde sie denn nicht jahrzehntelang aufs Schönste von linken ORF-Journalisten hofiert, hat nicht gerade sie auf dem politischen Gesinnungsjournalismus, den es jetzt angeblich zu verhindern gilt, ihre steile Karriere mit aufgebaut?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich halte nichts von der kulturellen Linken und ihren Machinationen. Verstünden unsere fortschrittlichen Dramaturgen am Burgtheater wirklich zu lesen und nicht nur in schicken Restaurants zu tafeln wie Gott in Frankreich, sie hätten niemals Jelineks kapriziöse Sprachschmerz-Stücke auf die Bühne gehievt, sondern die Borderline-Literatur eines Hermann Schürrer oder eines Bernt Burchhardt, um nur zwei Säulenheilige der Wiener Obdachlosenzeitung <em>Augustin</em> zu nennen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Aufschrei von <strong>Robert Sommer</strong> zerreißt noch ein paar andere Nebel. Bis auf die Haut blamiert steht jetzt zum Beispiel der abgehobene Wien-Diskurs der Kulturwissenschaften da, der in <strong>Lutz Musners </strong>Habitilationsschrift <em>Der Geschmack von Wien</em> 2009 einen vielbeachteten Höhepunkt fand.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vor dem Hintergrund der Exklusion von Randgruppen erscheinen die »bedeutungstiftenden Verschaltungen« der Kuratoren im Wien Museum und die elaborierte Wissenschaftsprosa wieder einmal deutlich als das, was sie immer schon waren: von jeder sozialen Realität abgekoppelte Begriffspiele über die »Chiffren der Stadt«, mit denen sich ihre akademischen Schöpfer der Politik wieselnd als neue Ratgeber anempfehlen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lutz Musner, der sich lieber mit dem unsichtbaren »Habitus der Stadt« als mit dem an vielen Ecken sichtbaren Unglück beschäftigt, nimmt heute zum Dank für seine Harmoniekonzepte sozialdemokratische Orden von Dutzfreunden entgegen. – Eine politische Ehre, die den Sozialkritiker Robert Sommer auch im nächsten Leben nicht ereilen dürfte. Dazu sind seine Zukunftsvorschläge einfach zu böse.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sommer besteht nämlich auf den Widerstand der politisch bewussten Menschen gegen den Gesamtzusammenhang der Gesellschaft. So etwas ist heute bekanntlich schon exotisch genug, um unter staatspolizeiliche Beobachtung gestellt zu werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Diesem Autor erscheint nur ein solches Zusammenleben aller erstrebenswert, das auf das Fremde und Ungewohnte nicht mit Exkommunikation reagiert. Na, sowas hat man gerade noch gebraucht im gute gelaunten Wiener Rathaus, in dem sich das Tagesgespräch um die große Wiener Landesweinbewertung dreht und um die drei putzigen kleinen Felsenmeerscheinchen im Blumengarten Hirschstetten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sie finden, dass man das so nicht gegeneinander ausspielen kann: die öffentliche Besorgnisträgerei der Jelinek, den akademischen Elfenbeinturm und die Blumengärtnerei gegen das Schicksal der Arbeits- und Obdachlosen? Ich finde das schon; man muss es sogar in dieser selbstgerechten Stadt, die keinen Geiz für unter ihrer Würde hält.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Robert Sommer führt als <em>Augustin</em>-Macher seit 16 Jahren vor, wie man Menschen in ihrem Widerstand gegen die soziale Ungerechtigkeit beistehen kann, wie man den Leuten, die allein, isoliert und auf merkwürdig vertrackte Weise rebellieren, helfen kann, auf verständliche Weise aufzubegehren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sommer träumt ohne Allüren von einem »gemeinsamen Aufstand für eine wirkliche Demokratie«. Er will mit einer handverlesenen Fangemeinde eine Ökonomie erstreiten, die den Menschen dient – und nicht umgekehrt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sommer nennt sich stolz einen »Freund der Rebellion«, und er möchte ihr, der Rebelliion, einen Geruch geben, sie sinnlich erfahrbar machen. »Die Idee des linaren gesellschaftlichen Fortschritts ist ziemlich diskreditiert«. Der Tag X aber rücke unausweislich näher, die Gefangenschaft im Gesamtgefängnis des marketingkapitalistischen Lebens werde für uns alle ein Ende nehmen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Jeder edle Mensch gleicht äußerlich einem Tor. Sommer will die bisherigen sozialen Aktionen, die von der politischen Theorien gelenkt wurden, ersetzen durch solche, die von den Außenseitern inspiriert sind. Dieser Autor sucht den Gegenstand seiner Erkenntnis nicht mehr bei Politologen oder Soziologen, sondern bei denen, die in die Hölle hinabsteigen, solange sie noch leben: den Übertretern der sozialen Normen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das ist politisch nicht neu, sondern die von <strong>Franco Basaglia</strong>, <strong>Ronald D. Laing</strong>, <strong>Erwin Goffmann</strong> und <strong>Thomas S. Szaz </strong>in den 1970er-Jahren eingeschlagene Strategie, die Ächtung der Bedürfnisse aufzuheben und das »Befriedungsverbrechen« der Intellektuellen abzustellen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2012</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Robert Sommer: Wie bleibt der Rand am Rand. Reportagen vom Alltag der Repression und Exklusion. 178 Seiten. Wien 2011: Mandelbaum Verlag, 9.90 EUR</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><a href="http://www.mandelbaum.de/">http://www.mandelbaum.de/</a></p>
<p><a href="http://kritikundutopie.net/">http://kritikundutopie.net/</a></p>
<p><a href="http://www.augustin.or.at/">http://www.augustin.or.at/</a><strong></strong></p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1127&amp;md5=cdada664540b032f4bfbf0e968cda019" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>EIN AUFSCHREI GEGEN DIE NEOLIBERALE STADT (3)</title>
		<link>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/22/ein-aufschrei-gegen-die-neoliberale-stadt-3/</link>
		<comments>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/22/ein-aufschrei-gegen-die-neoliberale-stadt-3/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 11:03:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blogs.taz.de/wienblog/?p=1121</guid>
		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Robert Sommers</strong> Streitschrift gegen den Ausschluss Armen aus der profanen Lebenswelt Wiens ist parteiisch, aber keineswegs einseitig. Er beharrt auf die Unteilbarkeit der Stadt, verherrlichst die Randständigen dabei aber kein bisschen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sommer vermag sich sogar in das »Ekelgefühl eines faschistoiden Passantengemüts gegenüber einer verwahrlosten Erscheinung«, wie sie Bettler und Obdachlose abgeben, hineinzudenken. Aber anders als die Mehrheit der Bürgervertreter Wiens knickt er vor diesem ablehnenden Impuls nicht gleich innerlich ein. Sommer schaltet den Verstand an und weist ihm den Weg zu Solidarität und Mitgefühl.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hat nicht jede Stadt ihre eigenen Vorteile? Gewiss. Sommer nennt vier Varianten der Wienerischen Ost-Phobie:den Antislawismus, den Antisemitismus, den Antiislamismus und den Hass auf Zigeuner. Nur letzterem – dem Antiziganismus – schenkt er in <em>Wie der Rand am Rand bleibt</em> nähere Beachtung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Diese Selbstbeschränkung beim »Ausländerthema« hat etwas durchaus befreiendes. Sämtliche Diskuse der Stadtpolitik sind ja seit Jahren hoffnungslos gefangen in den Integrationsproblemen türkischer und andere Zuwanderer. Für die Produktion des gesellschaftlichen Randes, wie ihn Sommer eindringlich beschreibt, ist es unerheblich, wie, wann und warum Migranten aus der Türkei Deutsch lernen. Das sind die Probleme der FPÖ und der Pädagogen an den staatlichen Schulen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Aber auch die beiden Regierungsparteien setzen das Deutschlernen so penetrant auf die Agenda, als wäre die Massenmigration der fleißigen Hilfsarbeiter irgendwie gottgewollt. Das stellt die bettelnden Nicht-Existenzen auf der Gehsteigkante automatisch in ein fortschrittsfeindliches Licht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In Wien regiert jetzt seit mehr als einem Jahr Rot-Grün, und so fragen wir: Hat diese medial vielbejubelte Koalition der liberalen akademischen Elite mit der mafiösen Arbeiteraristokratie auch nur ein einziges Mal die Rücknahme des Betteleiverbotes diskutiert? Nein, hat sie nicht, Sozialdemokraten und Grüne lassen sich von der FPÖ beliebig vor sich hertreiben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Für die Massenmigranten aus den armen Ländern ist das Erlernen der österreichischen Verkehrssprache zweitrangig. Maßgeblicher ist, wie viele Moscheen in der Stadt existieren. Denn in den Bethäusern und Moscheen werden von Moslems ja nicht nur religiöse Rituale verrichtet, hier können sich die nachrückenden Billiglohnkräfte aus der islamischen Welt auch kostenlos duschen und preiswert verköstigen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Für Robert Sommer ist die Migration aus dem Süden und dem Osten Europas übrigens ein Akt der ausgleichenden Gerechtigkeit. Der Autor erinnert daran, dass österreichische Banken in den letzten Jahrzehnten hochprofitabel im Ausland investiert haben. Jetzt holen sich eben die bettelnden Zuwanderer einen Bruchteil vom Lebensstandard-Zugewinn der Österreicher wieder zurück.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gerade das aber regt das Goldene Wienerherz ja bis zum Platzen auf: dass in der City, in den Einkaufsstraßen, den Fußgängerzonen sauarme Zigeuner aus der Slowakei theatralisch bettelnd vor seine Sozialfassade hintreten. Es erscheint dem Wiener ganz unpraktisch, dass die Armen einen unmittelbaren Beweis gegen seine Hohlheit in der Hand haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich meine, dass Robert Sommer auch dort Recht hat, wo er nicht Recht hat, wo man nicht mit seinen Ansichten übereinstimmen kann, etwa wenn er die Existenz von Gefängnissen skandalisiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sommer hat auch dabei Recht, weil er den Finger in die Wunde unserer empirischen Erscheinung steckt und eine bohrende Frage stellt. Diese Frage lautet: »Warum können oder wollen wir uns eine repressionsfreie Gesellschaft ohne Gefängnisse nicht einmal mehr vorstellen?«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich bin nicht in der Lage, diese Frage konstruktiv zu beantworten. Aber muss ich sie deshalb in meinem Kopf als unfruchtbar beiseite schieben? Keineswegs. Ich nehme sie als Ansporn, mein Denken in Schwung zu bringen: Wovor habe ich denn eigentlich Angst, wenn ich an die Ost-Mafia denke? Wem gegenüber fühle ich mich in meinem erfüllten Diesseits ohnmächtig? Sind das nicht eher die Machteliten als die Autodiebe?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Robert Sommer bezeichnet die finanziellen Rettungspakete für Banken, das politische Hauptthema der letzten Jahre, als »eine öffentliche Subvention von potentiellen Wirtschaftskriminellen«. An anderer Stelle beschreibt er die Gentrifizierung der Alten Donau als Zusammenspiel des Immobilienhais Glorit, ein Unternehmer der niederöstereichischen Familie <strong>Glockenstein</strong>, mit den Augustiner Chorherrn von Klosterneuburg.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit solchen Themen kehren wir notgedrungen zur Politik zurück, zu unseren Parteien, die uns zwar fürsorglich vor dem Absturz beim Kleinen Glückspiel bewahren, aber zugleich im Großen Glückspiel des Lebens als Verlust verbuchen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Man kann nicht behaupten, dass dieses materialreiche Buch keine Mängel hatte, die hat es. Doch diese Mängel sind formaler Natur, Stil, Textlängen, Editionsarbeit betreffend; an den Inhalten habe ich nicht das Geringste auszusetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ein paar Beispiele für die Schwächen: Sommer spricht von »Achtsamkeit«, wo er Rücksichtnahme meint. Er setzt voraus, dass jedermann weiß, wer <strong>Helmut Seethaler</strong> ist. Immer wieder reißt im Textfluß ein plumper Zeitungsstil ein (»in letzter Zeit«, »unlängst«).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Da hätte ein Lektorat viel retten können. Warum z. B. sollen bestimmte Studien »Aufmerksamkeitseinheiten« verdienen, und nicht einfach »Aufmerksamkeit« – was kürzer ist und präziser?</p>
<p>Sommer fordert mehr Ironie in der veröffentlichten Meinung, um die grassierende Xenophobie zu bekämpfen. Gut, nur leider greift er dann selbst nicht in den Werkzeugkasten, um die Vorurteile der Wiener gegen die »Überfremdung« zu verarschen, sondern zitiert ausführlich eine Satire aus dem <em>Guardian,</em> die den Briten die Leviten liest.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich wünsche diesem Buch, trotz seiner editorischen Mängel, möglichst viele Leser: vor allem unter den politischen Aktiven der Sozialdemokratie, der Grünen und der sich gerade zum Entern der Parlamente sammelnden Piraten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hätte der Autor ein halbes Jahr länger am Text gearbeitet, so hätte er vielleicht das erste brauchbare politische Manifest im neuen Jahrhundert abgeliefert. Hätte Sommer ein halbes Jahr länger an seinem ehrlichen Aufschrei gegen die Kälte dieser Stadt geschliffen, wäre der fröhlichen Gratisbuchinitiative »Eine Stadt. Ein Buch« 2012 wohl keine andere Wahl geblieben, als nach zehn Jahren des disparaten Bücherverschenkens auf Steuerzahlerkosten endlich einmal ein gewichtiges Werk unter die Leute zu bringen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2012</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Robert Sommer: Wie bleibt der Rand am Rand. Reportagen vom Alltag der Repression und Exklusion. 178 Seiten. Wien 2011: Mandelbaum Verlag, 9.90 EUR</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><a href="http://www.mandelbaum.de/">http://www.mandelbaum.de/</a></p>
<p><a href="http://kritikundutopie.net/">http://kritikundutopie.net/</a></p>
<p><a href="http://www.augustin.or.at/">http://www.augustin.or.at/</a><strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1121&amp;md5=1c3fec528f7c35651423d53e4239772b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>EIN AUFSCHREI GEGEN DIE NEOLIBERALE STADT (2)</title>
		<link>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/15/ein-aufschrei-gegen-die-neoliberale-stadt-2/</link>
		<comments>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/15/ein-aufschrei-gegen-die-neoliberale-stadt-2/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 18:26:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die jährlich weltweit durchgeführte Vergleichsstudie von Mercer zur Bewertung der Lebensqualität stellte Wien auch 2011 Bestnoten aus. Keine Wunder! Die Repression gegen Sandler (der wienerische Ausdruck für Clochards) schreckt inzwischen auch vor amtlichen Strafe für »unbegründetes Stehenbleiben« nicht mehr zurück.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Da muss ja die Lebensqualität der Führungskräfte einfach zunehmen. »Dreimal hintereinander Weltmeister in der Lebensqualität zu werden kommt nicht von ungefähr«, tönt Wiens sozialdemokratischer Bürgermeister heute via <em>Die Presse</em> in die Welt hinaus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Wiener Exekutive, schreibt <strong>Robert Sommer</strong>, seien »alle Arten unamtlicher menschelnder Aufläufe notorisch supekt«. Den Straßenmusikanten in den Fußgängerzonen wird von lebensfremden ÖVP-Bezirksvorstehern die Distanz zu christlichen Gotteshäusern vorgeschrieben, darüber hinaus im Rathaus das Repertoire der dargebotenenen Musik und die Art der Instrumente.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nach jüngsten Meinungsumfragen wird von der Bevölkerung der Rechtsaußenpartei FPÖ die meiste Lösungskompetenz in der Politik zugetraut. Wen also kann es da noch wundern, wenn das verlogene Goldene Wienerherz den städtischen Raum nicht mit Obdachlosen, Punks und Drogensüchtigen teilen will?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nein, man hat sich in der Blaulichtstadt an der Donau über nichts mehr zu wundern. Die Abgründe sind bodenlos. Die Gerichte privilegieren das gemeingefährliche alkoholisierte Autofahren gegenüber dem sich selbst schädigenden Straßensäufer. Auch das ist nur konsequent unter Zeitgenossen, die Vorschriften und Verbote für den richtigen Kurs gegen ihre Mitbürger halten!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In halböffentlichen Räumen, sprich Einkaufszentren, Passagen, Bahnhöfen, Airports und Sportstadien regieren heute nicht mehr der gegenseitige Respekt oder der Rechtsstaat, sondern private Sicherheitssdienste, die nicht der Allgemeinheit verpflichtet sind. Robert Sommer empfindet es als geradezu »obszön«, wenn diese Tugendwächter der kommerziellen Moral vom Arbeitsmarkservive (AMS) bereitgestellt werden, also Langzeitarbeitslose auf Obdachlose gehetzt werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Armen prügeln die Armen, so schaut es heute in der Stadt mit der »höchsten Lebensqualität« aus – und sei es nur aus dem Schlaf. Sommer beschreibt in seinem neuen Buch die Vernichtung der sogenannten Waggonie durch die berüchtigte »Bahnhofsoffensive« der ÖBB. Darunter verstand man das Gewohnheitsrecht von zirka 150 Obdachlosen in abgestellten Waggons zu nächtigen. Dern Autor mit dem direkten Draht zur Szene kritisiert mit klaren Worten das Sterilmachen der Bahnhöfe und die Umwandlung dieser öffentlichen Orte in »Shopping-Cities mit Gleisanschluß«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Man kann es natürlich auch freundlich sagen (aber wozu? Damit <strong>Michael Häupl</strong> aus dem Tiefschlaf erwacht?): Überall in Wien werden bisher für die Allgemeinheit nützlicher Räume privatisiert. Man denke an das Luxusrestaurant <em>Steiereck </em>im Stadtpark, man denke an die hübsche Aussichtsterrasse auf dem Kahlenberg, an das Strandcafé Hermann am Donaukanal, und und und.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Jede Privatisierung von öffentlichem Raum zieht eine regelrechte Überwachungsflut nach sich. Robert Sommer hat ein sehr gutes Auge dafür: ihn erinnern die ungezählten Kameras in der City nicht zufällig an die Pechrinnen mittelalterlicher Ritterburgen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Platzverweis der Randständigen ist stets das Vorspiel des Wegsperrens. Kein anderes Feld der Gesellschaft sei so erfolgreich in der Produktion der Außenseiter, sagt Sommer, wie der Strafvollzug. Am schnellsten freilich geht das in der Psychiatrie. Am Steinhof und in den anderen Anstalten kontrollieren Mediziner und Psychologen abweichendes Verhalten, nachdem sie es zuvor erzeugt haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Robert Sommer dokumentiert weiters »strafvollzugsähnliche Einschnitte in Persönlichkeitsrechte« an Orten, die der Durchschnittswiener für unendlich weit entfernte Planeten hält: in geriatrischen Anstalten, Seniorinnenheimen und Obdachlosenasylen. Für diese »Every-Day-Repression« in den Anstalten übernimmt der Sozialkritiker den Begriff der »totalen Institution« von <strong>Erwing Goffmann</strong>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>»Totale Institution« – Welche Einrichtung in Wien käme für diesen dramatischen Schandtitel mehr in Frage als die Mega-Pflegeheim-Agglomeration in Lainz – von der Stadtverwaltung heute beschönigend »Geriatriezentrum im Wienerwald« genannt? Das Leben der Alten, schreibt Sommer, stehe dort unter einem permanenten Zwang; niemand gehe in Österreich freiwillig in ein Pflegeheim.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wir erfahren von alten Menschen, Greisen, Mitbürgern, die in den Seniorenheimen zwangsgeschoren werden; wir hören von Menschen, Mitbürgern, denen man in den Altenheimen ihre Privatkleidung verweigert; und von solchen, denen ihr unerwünschtes Verhalten sanft oder mit Hilfe von Medikamenten ausgetrieben wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>»Schwarzmalerei«, sagen Sie, »ein linkes Zerrbild der Realität! Solche Zustände kann es doch unter einer rot-grünen Koalition gar nicht geben«. – Nun, dann lassen Sie sich vom Inhalt dieses Buches mal überraschen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>»Unbeholfen, gebrechlich, dement, schrullig zu werden im Prozess des Alterns ist kein Verbrechen«, schreibt Sommer. Man möchte diese Worte Buchstabe für Buchstabe in Stein meiseln und zur ewigen Ermahnung des Pflegepersonals über die Tore der Wiener Altenheime hängen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>»Altern ist kein Verbrechen …« – so eine Steintafel wäre doch einmal ein sozial eingesetzter Subventions-Euro, Herr Kulturstadtrat <strong>Andreas Mailath-Pokorny</strong>, oder?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2012</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Robert Sommer: Wie bleibt der Rand am Rand. Reportagen vom Alltag der Repression und Exklusion. 178 Seiten. Wien 2011: Mandelbaum Verlag, 9.90 EUR</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><a href="http://www.mandelbaum.de/">http://www.mandelbaum.de/</a></p>
<p><a href="http://kritikundutopie.net/">http://kritikundutopie.net/</a></p>
<p><a href="http://www.augustin.or.at/">http://www.augustin.or.at/</a><strong></strong></p>
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		</item>
		<item>
		<title>EIN AUFSCHREI GEGEN DIE NEOLIBERALE STADT (1)</title>
		<link>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/13/ein-aufschrei-gegen-die-neoliberale-stadt-1/</link>
		<comments>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/13/ein-aufschrei-gegen-die-neoliberale-stadt-1/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 21:59:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt durchaus noch Linksradikale in Österreich, die im ursprünglichen Wortsinn das Übel der Welt an der Wurzel packen wollen. Sogar eine Nobelpreisträgerin befindet sich darunter. <strong>Franz Schandl</strong> wurde an dieser Stelle schon einmal gewürdigt. Mehrfach der Antideutsche <strong>Stephan Grigat</strong><strong>,</strong> …</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das praktische Wirken all der Genannten aber beschränkt sich auf ihr publizistisches Handwerk, auf die Belehrung der Köpfe durch Worte, auf akademische Seminare und gelegentliche Antifa-Kundgebungen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Da ist <strong>Robert Sommer</strong> von anderem Kaliber. Auch er hat sich dem Schreiben verschrieben, doch dieser Journalist hat vor 16 Jahren den Rubikon des bloß intellektuellen Windumsichmachens überschritten und unternehmerisch in der Realität interveniert, indem er die erfreulicherweise sehr erfolgreiche Wiener Obdachlosenzeitung <em>Augustin</em> mitbegründete.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sommer hat seine linke Praxis als Journalist mit einem Projekt geadelt, das die bis 1995 aus dem Bannkreis der österreichischen Medien verstoßene Menschen wieder in die Öffentlichkeit zurückholte. Er und seine Mitstreiter haben endlich begonnen <em>mit</em> den Schwachen, Ohnmächtigen, Unterdrückten und Ausgestoßenen zu sprechen, statt <em>über</em> sie.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Stadtzeitung <em>Augustin</em> ist gewiss mehr als eine Tribüne von textlichen Zeugnissen der Outsider. Sie trägt unmittelbar zum Überleben ihrer Macher und Verkäuferinnen bei; das unabhängige Blatt bietet in der selbsternannten »Weltstadt«, die seit 2010 mit menschenrechtswidrigen Bettelverboten gegen die Ärmsten vorgeht, noch einigermaßen Schutz vor behördlichen Übergriffen, und es hilft den Schnorrern ihre Würde im harten Existenzkampf zu bewahren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Robert Sommer ist kein marxistischer Theorieproduzent. Entsprechend argumentiert er in seinem bei Mandelbaum erschienen Buch über die »Exklusionsmaschine Wien« mit dem ganzen Gewicht seiner Biographie:gegen die Dauerentwürdigung der Ärmsten, gegen die Kommerzialisierung der Stadtzonen, gegen die Kriminalisierung des Bettelns.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Robert Sommer legt das Hauptaugenmerk auf Heime, auf Gefängnisse, auf die Psychiatrie und den öffentlichen Raum. Theoretisch beheimatet ist er bei der 2005 formulierten These des französischen Armutsforschers <strong>Patrick Declerck</strong>, wonach die gesellschaftliche Ordnung für ihre Existenz immer eine Schicht von Marginalisierten ausgrenzen <em>muss</em>. Die Armen der Ärmsten werden nämlich einerseits als Gegenstand kollektiver Betroffenheit gebraucht, und andererseits als abschreckendes Beispiel für die Strafe des Abstiegs, der den Normalos beim Überschreitung der Normen droht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Integration und Resozialisierung, diese großen Schlagworte der sozialdemokratischen Politik, sind für Sommer bloß »rhetorische Formeln«. Der Metropole Wien gehe es heute nirgends um den Ein-, sondern immer nur um den nachhaltigen Auschluss einer »unproduktiven Minderheit«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Als scharfer Kritiker der Gegenwartsverhältnisse bleibt Sommer indes resistent gegen die Konstruktion eines neuen revolutionären Subjekts, des »Prekariats« oder der »Multitude«, was für einen linken Denker keine Selbstverständlichkeit ist. Sommers Buch wird von einer einzigen stillen Emotion getragen: dem Respekt für die Würde der Würdelosen. Er widmet seine Aufmerksamkeit Menschen, die er mit vielen Ausdrücken belegt:</p>
<p><em> </em></p>
<p><em><strong>Die Abweichenden. Die Alkoholabhängigen. Die Armen. Die Ausgegrenzten. Die Ausgeschlossenen. Die Ausgesonderten. Die Bettler. Die Desintegrierten. Die Eigenartigen. Die konsumfernen Elemente. Die Entrückten. Die Geldlosen. Die Gescheiterten. Die Heiminsassen. Die Insassen totaler Institutionen. Die Langzeitarbeitslosen. Die Marginalisierten. Die Obdachlosen. Die Outsider. Die Randständigen. Die Schnorrer. Die Stigmatisierten. Die Stimmenhörer. Die Strafentlassenen. Die Subalternen. Die Tschecheranten. Die Überflüssigen. Die Unanständigen. Die Unerwünschten. Die Unproduktiven. Die Unterstandslosen. Die Verdammten. Die Verwahrlosten. Die Wohnungslosen. Die Würdelosen. Die Zurückgelassenen.</strong></em></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Nur wird man einem Text, das mit derart vielen moralisierenden Termini operiert, sofort der Mythologisierung verdächtigen. Gerade das aber, eine schriftstellerische Romantisierung der Unterklassen und ihres rebellischen Potentials, bietet Sommer kaum.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der klug analysierende Sozialpublizist beschreibt in reportageartigen Kapiteln sieben heute in die Gesamtgesellschaft nicht mehr integrierbaren Subsysteme: eben das von Obdachlosen, das von Haftentlassenen, Psychiatriepatienten, Heimbewohnern, Drogenkonsumenten und von stigmatisierten Migranten, sprich: von auf der Straße bettelnden Roma.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Robert Sommer gibt seine Analyse- und Interventionsfelder weder durch Polemik gegen »die da oben« der Lächerlichkeit preis, noch bietet er sein gesammeltes Wissen zur besseren sozialtechnologischen Kontrolle der Entmündigten an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das allein ist schon eine Leistung: die Kräfteverhältnisse der Gesamtgesellschaft so im Auge zu behalten, dass man die dynamischen Spiegelregeln moderner Diskriminierung ohne übertrieben Erwartungen, das es in Zukunft besser werde, anzugreifen vermag. Das allein ist schon eine bewundernswerte Haltung: optimistisch zu bleiben und nach Verständigung der Veränderungswilligen zu rufen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das »neoliberale Wien«, so Robert Sommer, exkludiere ganze Bevölkerungsgruppen, grenze sie ökonomisch und politisch vom Leben der Mehrheit aus. Dabei beobachtet er in den letzten Jahren eine geradezu dramatische »Verzahnung« der ökonomischen Gentrifizierungsprozesse mit der politisch-administrativen »Null Toleranz«-Politik.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wer wollte solchen Thesen in unserer Zeit nicht die größte Aufmerksamkeit wünschen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2012</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Robert Sommer: Wie bleibt der Rand am Rand. Reportagen vom Alltag der Repression und Exklusion. 178 Seiten. Wien 2011: Mandelbaum Verlag, 9.90 EUR</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><a href="http://www.mandelbaum.de/">http://www.mandelbaum.de/</a></p>
<p><a href="http://kritikundutopie.net/">http://kritikundutopie.net/</a></p>
<p><a href="http://www.augustin.or.at/">http://www.augustin.or.at/</a></p>
<p>&nbsp;</p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1108&amp;md5=d18bb32bf742c2102b59e8783558230c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>DIE MOTTOS DER WIENER BALLSAISON 2012</title>
		<link>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/10/die-mottos-der-wiener-ballsaison-2012/</link>
		<comments>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/10/die-mottos-der-wiener-ballsaison-2012/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 10 Jan 2012 20:17:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-violette-redoute-2012">Violette Redoute</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Glück/Unglück«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-43-oaab-ball">43. ÖAAB Ball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>La magia de Espania</strong><strong>«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-un-ballo-in-maschera">Un Ballo in Maschera</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Wir spenden Ihnen Freude – Sie spenden uns mit Freude«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-wiener-techno-ball">Techno Ball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Alles Techno …«</strong></p>
<p><strong></strong><strong></strong> </p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-ball-der-offiziere-2012">Ball der Offiziere</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Gold und Silber«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-ball-der-oberosterreicher">Ball der Oberösterreicher</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Braunau verbündet &#8211; Braunau verbindet«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-schlosserball-2012">Schlosserball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Metall am Ball«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-71-ball-der-alt-hietzinger">71. Ball der Alt-Hietzinger</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Alt trifft Jung«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-immobilienball-2012">Immobilienball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Wien trifft St. Petersburg«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-ball-der-gewichtheber">Ball der Gewichtheber</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Kraft Frei und Alles Walzer«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-55-ball-der-wiener-kaffeesieder">55. Ball der Wiener Kaffeesieder</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Wiener Melange«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/15-wiener-regenbogenball">15. Wiener Regenbogenball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Die Liebe hat bunte Flügel«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-hofburg-ball-der-wiener-wirtschaft">Hofburg-Ball der Wiener Wirtschaft</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Viel Vergnügen und alles Walzer«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-schulball-rahlgasse">Schulball Rahlgasse</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Hollywood«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-10-fruhlingsball">10. Frühlingsball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Karitativer Zweck – Die Möwe«</strong><strong> </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-diversity-ball-5-ballnacht-der-vielfalt">Diversity Ball – 5. Ballnacht der Vielfalt</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Vielfalt tanzt«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-20-life-ball">20. Life Ball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Fight the Flames of Ignorance</strong><strong>«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-sofia-ball-vienna-2012">Sofia Ball Vienna</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Es ist besser ein kleines Licht anzuzünden als die Dunkelheit zu verfluchen«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/almdudler-trachtenparchenball-2012">Almdudler Trachtenpärchenball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Der schrägste Ball seit es Lederhosen gibt«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Teil 2. – Motti, die keine sind:</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-wu-ball-2012">WU Ball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>WU international«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-90-wiener-blumenball">90. Wiener Blumenball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>150 Jahre Garten-Stadt-Wien«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-111-zuckerbackerball">111. Zuckerbäckerball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Die süße Nacht der Wiener Konditoren«</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-boogieball-das-original">Boogieball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>So einen Ballmix für Boogie- &amp; Standard- und Lateintänzer hat es noch nie gegeben«</strong><strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-4-city-dancing-boogie-ball">4. City Dancing Boogie Ball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Eine noch nie dagewesene Ballkombination vereint Boggie Woogie und Rock&#8217;n'Roll mit Standard und Lateintänzen«</strong><strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-ball-der-sargfabrik">Ball der Sargfabrik</a><strong></strong></p>
<p><strong>»</strong><strong>Hausball Sargfabrik«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-hrvatski-bal-kroatenball">Hrvatski Bal/Kroatenball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Österreich &#8211; Ungarn &#8211; Kroatien«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-tu-ball-2012">TU Ball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Die TU tanzt und feiert mit Freunden«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-bokuball-2012">BOKUball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>140 Jahre Universität für Bodenkultur«</strong><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.ballguide.at/events/wien-taborball-2012">Taborball</a></p>
<p><strong>»</strong><strong>Die Ballnacht Am Tabor«</strong><strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>*) Nicht berücksichtigt wurden Bälle ohne Motto; in den zweiten Rang verwiesen solche, bei denen sich unorigineller Weise der Veranstalter ins Motto gesetzt hat.<strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2012</em></p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1103&amp;md5=68830637a392930544664fb9fbc1108a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>DAS BUDDHISTISCHE MÄRCHEN VOM MÄDCHEN ZWEIFEL</title>
		<link>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/07/das-buddhistische-marchen-vom-madchen-zweifel/</link>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 14:09:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Buddhismus]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Eine heilige Schrift der Wibhadschjawādins erzählt: </em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Es war einmal ein Bōdhisattva in Benares, der ein Mädchen zur Tochter nahm und ihr den Namen »Zweifel« gab. Zweifel wuchs zu einer außerordentlich schönen Frau heran, was sich bis hinauf in die Gemächer des regierenden Königs herumsprach. Als der Herrscher sie zur Frau nehmen wollte, stellte der Vater die Bedingung, dass der König erst den Namen des Mädchens erraten müsse. </em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Der vornehme Brautwerber mühte sich redlich, legte lange Listen mit möglichen Namen der Tochter an, aber der richtige war nie darunter. Die junge Frau wiederum ermutigte den König bei seiner Suche, bat ihn wiederholt von tiefstem Herzen nicht aufzugeben. Doch irgendwann verzweifelte der Mann dann an der schwierigen Aufgabe und warf das Handtuch hin mit den Worten: »Mich plagt der Zweifel, ob das Leben zu retten gelingt«.</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Da rief die Umworbene freudig: »Du kennst doch meinen Namen, du hast ihn gerade genannt, jetzt nenne ihn auch meinem Vater«. – Gesagt, getan, die beiden wurden ein trautes Paar, und wenn sie nicht gestorben sind, so tollen sie noch heute im Wunderlianenwald umher.</em></p>
<p><em> </em></p>
<p align="center"><strong>ooOOOoo</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich bin kein großer Leser von Poesie – ich ziehe Ideen Bildern vor. Aber gelegentlich gefallen mir auch Bilder ganz gut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>»Was erkennen Sie in dem Märchen?«, fragte mich meine Lehrerin.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zunächst finde ich es ganz wunderbar, sagte ich, dass der Bōdhisattva Zweifel zur seiner eigenen, höchst persönlichen Sache macht. Auch die christlichen Legenden überliefern uns die quälenden Zweifel ihren Heiligen. Aber diese Märtyrer müssen ihre Glaubenszweifel  immer standhaft gegen all Anfechtungen durchstehen, um von höherer Instanz mit dem ewigen Leben belohnt zu werden. Jedes Hinterfragen von Gewissheiten erscheint da als verführerische Macht des Antichristen. Der östliche Heilige hingegen nimmt das selbständige Denken mit großer Sicherheit an, er zeigt höchste Verantwortung für die kindliche Warum-Frage. Sein asketisches Bemühen dreht sich darum, den nagenden Zweifel  einzugemeinden, ihm im eigenen Denken ein Zuhause zu geben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>LEHRERIN: Sie sprechen Löbliches von der Geschichte. Was erkennen Sie noch?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>ICH: Ist das nicht wunderbar, wie darin die junge Frau dem König Hoffnung macht? Zweifel und Verzweiflung scheinen untrennbar zusammen zu gehören. Die Ermutigungen, die von der Umworbenen ausgehen, machen die Sache für den König aber immer schlimmer. Zweifel vertieft seine Krise beständig, bis der Mann am Ende <em>wie von alleine</em> auf die Lösung des Rätsels kommt. Der Zuspruch der Frau mag sanft-positiv sein, aber er wirkt doch in Wahrheit wie ein monströser Theatereffekt: aufgewühlt ist dieser König, im Inneren verwundet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>»Mehr sehen Sie nicht?«, fragte mich meine Lehrerin, und ich, seitwärts sitzend, antwortete:»Nein, mehr sehe ich nicht«. Nun redete sie mich wieder an:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>So hören Sie denn! Die junge Dame Zweifel beehrt den König mit ihrem Umgang. Doch dieser König ist ein Mensch, der in der Nähe des Begehrten den Mut für seine Aufgabe verliert, ja ihn geradezu verlieren muss. Wer ohne Zuvertrauen ist, wird zaghaft, wird innerlich geizig. Was der König am tiefsten Punkt schmerzlich erfährt, das ist, dass ihm erst in seiner <em>aufrichtigen Resignation</em> das Glück zufällt. Das tue ich Ihnen dar, das behalten Sie.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2012</em></p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1097&amp;md5=ebd3eca255eadd4853150a5b2132289b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>KLEINE WIENER DRECKSCHLACHT AM WINTERLICHEN DONAUUFER</title>
		<link>http://blogs.taz.de/wienblog/2012/01/04/kleine-wiener-dreckschlacht-am-winterlichen-donauufer/</link>
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		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 12:33:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Koch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unter dem Titel »Linke Politproletenpanik auch im 22. Bezirk« wendet sich der Donaustädter FPÖ-Gemeinderat LAbg. <strong>Toni Mahdalik</strong> heute an die geschätzte Wiener Öffentlichkeit. Bereits im Untertitel der Anti-Dreck-Erklärung wird heftig mit der Deutschsprach gejuxt: »FPÖ von faden Fäkalienfestivals unbeeindruckt«.</p>
<p>Um die F-f-F-Stellung perfekt zu machen, hätte es doch eigentlich heißen müssen:  »FPÖ von faden Fäkalienfestivals unbeeinfuckt«, oder?</p>
<p>Zwar wissen wir noch immer nicht, worum es dem starken Mann in der Donaustadt geht, und das erfahren wir auch aus dem Rest der Meldung nur rudimentär: um mehrere Verunreinigungen des geschätzten F-f-Parteiheimes. Aber zur beliebten Wiener Volksbeschäftigung des Schmähens und Schimpfens ist bekanntlich kein Anlaß gering genug. Der Wiener sempert und plärrt ja schon los, wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt.</p>
<p>Man höre: <em>»Das Niveau linker Fanatiker ist dort angekommen, wo sich die Umfragewerte von SPÖ und Grünen schon länger befinden – im Keller«.</em> – Nun im Keller, geschätzter Herr Gemeinderat, ist das Niveau eines Fanatikers von Natur aus, da braucht er sich nirgendwohin auf den Weg zu machen. Aber diese begriffliche Tatsache scheint für fanatischen Fanatismusgegner ein schmerzlich blinder Fleck zu sein, und nicht der einzige.</p>
<p>Die F-f-Mann weiter: <em>»Wenn gutmenschelnde Politproleten freudig zu Fäkalien greifen, um Andersdenkende zu bekämpfen, zeigen sie damit nicht mehr und nicht weniger, als dass sie gerne im Dreck wühlen. Nützen wird es den nützlichen Idioten von Rot und Grün sicher nicht, die FPÖ wird ihren stetigen Vormarsch in der Wählergunst ungebremst fortsetzen«.</em></p>
<p>Die Kunst des freiheitlichen Saubermachens besteht hier allein darin, einen bedauernswerten anonymen Wutakt dem politischen Gegner in die Schuhe zu schieben. Wir wollen nicht gleich Alarm schreien und den Teufel an die Wand malen, aber das wird man ja noch sagen dürfen: mit solchen fiesen Unterstellungen betreiben in der österreichischen Innenpolitik stets die Strache’schen Mannen politische Stimmungsmache.</p>
<p>Dreckanschläge auf ihre Parteilokale kennen etwa auch die Wiener Grünen, zum Beispiel in der Brigittenau, und dort dann mit krakeligen Bekennerschreiben, deren inhaltliche Unflätigkeiten gegen Politikerinnen sich von denen der FPÖ-Pressemeldungen nur unwesentlich unterscheiden.</p>
<p>Schreibenkönnen, sich gekonnt ausdrücken, selbstständig Denken, das fängt mit Lesenkönnen an. Vielleicht sollte Parteichef Strache seinen F-f-Gefolgsmann Mahdalik morgen in die Wipplingerstraße 28 schicken. Dort präsentiert Wiens Amtsführender Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl den »Wiener Lesetests 2012«.</p>
<p><em>© Wolfgang Koch 2012</em></p>
<p><em></em></p>
 <p><a href="http://blogs.taz.de/wienblog/?flattrss_redirect&amp;id=1092&amp;md5=37dff36770c23f8762c68518d2c7c9ba" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blogs.taz.de/wienblog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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