Archive for the ‘Erotica’ Category

11.02.2010 von Wolfgang Koch
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MÄNNERFANTASIEN ANNO 1929

von Wolfgang Koch

Kennen Sie eine wirklich gute Männerfantasie? – Sofort sehe ich sauertöpfische Gesichter vor mir. Männerfantasien? Haben wir nicht schon genug davon? Ist denn nicht die ganze Welt die Ausgeburt einer schändlichen männlichen Phantasmagorie?

 

Jedes Autoplakat kündet doch von unbeschränkter Zukunft, Allmacht und Raserei. Oder der Wiener Opernball: eine Regression der Logen-Kaiser auf die Mutterbrust. Der kulturelle Genozid in Tibet: eine Obstruktion der Gleichheit durchs Chinas gefräßige Industriemanager. 

 

Stimmt, alles wahr: wir leben in einer männerdominierten Welt bzw. inmitten der Verheerungen, die unserer Geschlecht angerichtet hat. Das heißt aber noch lange nicht, dass alle männlichen Kopfgeburten destruktiv sind. Vor allen die erotischen sind es nur zu einem geringen Teil.

 

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13.04.2008 von Wolfgang Koch
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Wiener Salon der Überschreitung

von Wolfgang Koch

Seit zwei Wochen fungiert nun der »Salon der Freiheit« in der Lenaugasse im 8. Bezirk als der neueste Freizeitclub Wiens. Das Lokal wurde im Haus des Kabarett Niedermair eröffnet, das Nadja NIEDERMAIR vor 25 Jahren ins Leben gerufen hat, und es soll in Zuklunft die schärfste Unterhaltung für 200 zahlende Mitglieder bieten.

N.N. nennt ihren Salon bewusst anrüchig »Etablisment«, sie lässt sich mit »Gastgeberin, Königin, Mutter, Majorin« anreden. Die Website des Salons zitiert die einschlägige Ästhetik von Schwingerclubs, Doch in Wahrheit ist das Ganze natürlich ein höchst elitäres Trink-Unternehmen, mit dem die Schickeria nach Frischblut im künstlerischen Lumpenproletariat sucht.

Für die hochtrabenden philosophischen Ansprüche (Freude, Zuflucht, Überschreitung) bürgt Günter RUPP, den Niedermaier zur Pflege des Gedankens engagiert hat. Der ehemalige Wirt des Santo Spirito, einem legendären Szene-Lokal der Achtziger, spricht druckreif im Jargon der Frankfurter Schule.

Das hier wiedergegebene Manifest ist gewissermassen den verquertesten Text aus der aktuellen Produktion von… weiter lesen

27.05.2007 von Wolfgang Koch
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Endlich ist der Life Ball vorüber

von Wolfgang Koch

Als »Europas grössten Aids-Charity-Event« promoteten die Veranstalter ihre Kostümparty im Wiener Rathaus, heuer bereits zum 15. Mal in Serie. Auf den Pressekonferenzen von Ball-Gründers Gerry KESZLER war viel von »Kampf für Toleranz und gegen die Krankheit« die Rede. Schelmisch behauptet er, dass dieser Kampf seit der Einfügung der Dreier-Kombinationstherapie gegen die Seuche »nicht mehr chic« sei.

Aber das war heisse Luft, war das Papier nicht wert, auf dem es dann gedruckt wurde! Denn Wien hat gar keine mondäneres Spektakel als eben diese exhibitionistische Show im Rathaus, zu der von internationalen Pornostars bis zum Dompfarrer Tausende alle eilig herbeieilen. Die schrille Massenparty mit opulenter Modeschau und Life-Acts, diesmal direkt übertragen im TV-Programm des ORF, übertrifft in den Unterschichten bei weitem das Interesse am konkurrenden Wiener Opernball, zu dessen Zampano man Keszler längst hätte machen sollen.

Aber der Operball ist eben der Staatsball – steif und offiziös, besucht von der… weiter lesen

01.02.2007 von Wolfgang Koch
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Der Lack der schöne Wienerin

von Wolfgang Koch

Sie kennen Wien und die Wiener, natürlich! Auch die Wienerinnen, selbstverständlich. Ihnen kann man absolut nichts vormachen!

Ich aber behaupte: Sie kennen SIE nicht! Mit Knopflöchern im Gesicht kann man nichts sehen.

Was haben Sie zum Beispiel nicht schon alles über die schöne Wienerin behauptet, welche Wohldüfte haben Sie nicht schon über SIE in die Welt gesetzt, welche Vorurteile breit gewalzt?

Gewaltige Gerüchte sind da im Umlauf – über die dunkelhäutige Henriette Rothmann, über Fanny Elssler, über Eva Maria Violette, Karoline Pichler, Sophie Löwenthal, Alma Mahler-Werfel, Romy Schneider, Erika Pluhar, Senta Berger, Cordula Reyer und Julia Stemberger. Schmeicheleien, sage ich, die an den Legenden dieser Schauspielerinnen und Tänzerinnen, dieser Hetären und Kurtisanen, der Salonköniginnen und Models kleben wie picksüsser Honig.

Die Realität sagt was anders! – Die schöne Wienerin von heute ist weder stupsnasig noch aus Elfenbein, wie der französische Maler Fragonard sie mit zitterendem Pinsel als Schokoladenmädchen auf der… weiter lesen