Archive for the ‘Kunst’ Category

22.05.2013 von Wolfgang Koch
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WIE DIE GIRAFFE IN DIE UKRAINE KAM – ЯК CAME Жирафа у УКРАЇНІ (I)

von Wolfgang Koch

Wolfgang Walkensteiner: What I didn't see in Ukrainian woods, 2013 (1), 200-100 cm / Foto: Walkensteiner

  Giraffen sind in der zeitgenössischen Kunst ein No-Go. An diesem Umstand trägt ausgerechnet eines der kleinsten Werke des Spaniers Salvador Dalí die Schuld: 1936 malte der Surrealist mit Ölfarbe auf einer gerade mal 35 x 27 cm großen Holzunterlage das berühmte Gemälde Die brennende Giraffe.

 

Die ikonische Qualität dieser Arbeit ist sehr erstaunlich. Das Tier steht bei Dalí ja gar nicht im Mittelpunkt der Darstellung. Hinter zwei theatralischen weiblichen Figuren ist erst im hinteren Teil des Bildes jenes unvergesslicher Exemplar zu sehen, dessen Rücken in lodernden Flammen steht. Und Dalís Giraffe scheint dieser Brand, im Gegensatz zu den beiden schwer ramponierten Frauenkörpern, absolut nichts anhaben zu können – ein Symbol für die ewige, unvergängliche Natur im Kontrast zur Zerbrechlichkeit des Menschen.

 

Dass der in Wien und Kärnten wirkende Künstler Wolfgangweiter lesen

21.05.2013 von Wolfgang Koch
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DAS LOS DER DEPORTIERTEN KINDER WAR TOD UND VERGESSEN

von Wolfgang Koch

 

Manfred Bockelmann: Josef Maria Schneck, 2010-13, Kohlezeichnung auf Jute, 150 x 110 cm / Foto: VBK Wien, F. Neumüller

 

Von Hitlers Kindervernichtung 1941-45 lässt sich nicht pathosfrei sprechen, das ergibt sich schon aus dem Koinzidieren von Kindheit und Tod. Entsprechend zurückhaltend wird das Thema in der Fachliteratur behandelt. Allerdings lässt sich auch nicht behaupten, dass es irgendwie vergessen oder tabuisiert wäre.

 

Der offizielle Reader des Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau zum Beispiel widmet zwanzig von 460 Seiten den Lebensbedingungen der jüngsten Häftlinge im Lager, gegliedert nach folgenden Abschnitten: 1. Jüdische Kinder und Jugendliche, 2. Kinder und Jugendliche unter den Zigeunern; 3. Polnische Kinder und Jugendliche, 4. Kinder und Jugendliche aus Weißrussland und der Ukraine, 5. Im Lager geborene Kinder, 6. Das Leben der Kinder im Lager.

 

Jeder auf Aufklärung und Rationalität setzende Umgang mit dem Holocaust wird auf große Gefühle und Melodramatik verzichten. Warum tun es… weiter lesen

19.05.2013 von Wolfgang Koch
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HÄTTE MANFRED BOCKELMANN BESSER DIE TÄTER PORTRAITIEREN SOLLEN?

von Wolfgang Koch

 

Manfred Bockelmann: Josefine K., 11 Jahre / Foto: VBK Wien, F. Neumüller

»Zeichnen gegen das Vergessen« heißt die Hälfte einer neuen, im Wiener Leopold Museum gezeigte Serie von Manfred Bockelmann. Eines dieser Bilder zeigt die zweijährige Karolina Rigo, ein engelsgleicher Lockenkopf, der einem Kleinkind im deutschen Konzentrationslager Auschwitz gehört hat. Bockelmann portraitierte auch die lachende 12jährige Anna Cohen, und er zeichnete das schöne Renaissanceantlitz der 11jährigen Josefine K. – Zeile für Zeile, mit dem Kohlestift in Augenhöhe vor der Juteleinwand stehend, und nach fotografischen Frontalaufnahmen aus erhaltenen Aktenbeständen.

 

Er wolle mit der Serie gar keine Kunst machen, betont der Zeichner halb verlegen, er wolle einfach nur an ein schreckliches Schicksal erinnern, das Menschheitsverbrechen unvergesslich machen, ja, er wünsche sich von ganzen Herzen, sagt Bockelmann, dass die nächtlichen Partybesucher im Hof des Wiener des Museumsquartiers diese seine Zeugnisse des Grauens registrieren und fortan im Kopf behalten werden. Es gehe bei dieser Arbeit nie und… weiter lesen

17.05.2013 von Wolfgang Koch
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HAT MANFRED BOCKELMANN AUCH DEN DEUTSCHEN ETWAS ZU SAGEN?

von Wolfgang Koch

 

Der neue Wanderer Manfred Bockelmann über dem Nebelmeer / Foto: VBK Wien

Vom 17. Mai bis 2. September 2013 präsentiert das Leopold Museum die Sonderausstellung »Zeichnen gegen das Vergessen«. Im großen Saal eines der vielen Untergeschosse des Gebäudes zu sehen: etwa sechzig erkennungsdienstlich behandelte Kinder und Jugendliche, mit breit gestreiften Häftlingsanzügen und kahlgeschorenen Köpfen nach ihrer Deportation durch NS-Schergen in die Spitäler und Lager.

 

An einer Wand aber keine traurigen, resignierten oder geschockten Gesichter, sondern fröhliches Kinderlachen in bester Sonntags-Kleidung: im Matrosenanzug, im Kostüm, mit Zylinder. Bei dieser zweiten Sorte von Portraits dienten Manfred Bockelmann Aufnahmen als Vorlagen zu seinen Bildern, zu denen sich die Kinder in den Lagern und Kliniken freiwillig gemeldet haben – nichtsahnend was ihnen noch bevorstand.

 

»Ich zeige keine Märtyrer, keine Leichenberge und keine geschundenen Kreaturen, deren Gesichter von Hunger, Krankheit und Erschöpfung gekennzeichnet sind, die ihrer Individualität beraubt wurden. Ich zeige Individuen, denen… weiter lesen

17.05.2013 von Wolfgang Koch
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ZEICHEN GEGEN DAS VERGESSEN DER KINDERVERNICHTUNG 1941-45

von Wolfgang Koch

 

Manfred Bockelmann: Ludwina Schmidt, 2010-13, Kohle auf Jute, 150-110 cm / Foto: VBK Wien, F. Neumüller

 

Die hellsten politischen Köpfe sind selten in den Mehrheitsparteien zu finden. Die Wiener Demokraten, eine liberale Splitterpartei des späten 19. Jahrhunderts, hielten im Parlament 1873 gerade mal fünf Sitze. Ihre bürgerlichen Abgeordneten wilderten gerne in Orchideengärten und pflanzten das Unkraut der Freiheit unter den unabhängigen Intellektuellen des Landes. Ihr Wortführer Ferdinand Kronawetter geiselte jahrelang die kaiserliche Polizeiwillkür und kämpfte für das Frauenwahlrecht.

 

Kronawetter beklagte in schönster liberaler Manier, dass die Behörden per Gesetz dazu ermächtig werden das Recht des Hausherrn zu brechen und Hausdurchsuchungen durchführen zu können. Diese Linksliberalen des 19. Jahrhunderts wollten es auch nicht als selbstverständlich ansehen, dass sich Inhaftierte von der Polizei automatisch fotografieren lassen müssen.

 

Das ist eine heute für viele Menschen schwer nachvollziehbare Position. Tatsächlich aber gab es einmal diese frühen Datenschützern, die… weiter lesen

16.10.2012 von Wolfgang Koch
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WALTER SEITTERS WELTGESCHICHTLICHE WIEDERANEIGNUNG DES WESTENS [e]

von Wolfgang Koch

Die Geschichte der Moderne beginnt lange vor dem 15. und 16. Jahrhundert, vielleicht mit der Erfindung der Geldwirtschaft in den Hochkulturen der europäischen und der indischen Antike, sicher aber mit der Ersten industriellen Revolution, in der der Reformorden der Zisterzienser zum benediktinischen Ideal der Askese zurückkehren wollte.

Uralte Mauern des Westwerks, ganz neu / Foto: Gisela Erlacher

 

Die Mönche suchten sich bewusst beschwerliche Arbeitsbedingungen aus, sie stellten körperliche Arbeit und Kultivierung der Natur in den Mittelpunkt des klösterlichen Lebens.

 

So verband sich disziplinierte Arbeit mit dem rationellen Einsatz von Technik und Natur. Der Leidenscharakter der körperlichen Arbeit wurde zwar nicht überwunden, konnte es noch nicht werden, aber er wurde ins Positive gewendet. Alle Plackerei sollte fortan durch technische Innovationen und organisatorische Rationalisierung beseitigen werden.

 

Das ist der wirtschaftsgeschichtliche Hintergrund von Walter Seitters makrogeschichtlichem Ansatz. Sein historischer Strukturalismus betrachtet politische und soziale Einheiten allerdings als Ausdruck… weiter lesen

06.10.2012 von Wolfgang Koch
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WARUM DIE RECHTSPARTEI FPÖ DOCH EINE BERECHTIGUNG HAT (b)

von Wolfgang Koch

Gedärme jodeln, das Blut spritzt in Fontänen. Der Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl möchte sich zu dem Thema nicht äußern, um keine schlafenden Hunde zu wecken – und er tut damit genau das, was die Menschen an der Politik heute so abstößt: taktisch argumentieren. Man sagt A, weil andere B sagen, und umgekehrt, statt das eigene Herz und den eigenen Verstand sprechen zu lassen.

Kann denn Gewaltverstiegenheit eine Errungenschaft sein? / Foto: M. Obermayr

 

Der Protest gegen die Flut von Gewaltdarstellung beschränkt sich in Österreich auf ein paar ablehende Stellungnahmen der Rechtspartei FPÖ, die reflexartig auf jede merkwürdige Subkultur reagiert. Niederösterreichische Elternvereine (LEVNÖ) fordern eine für die Präventionsarbeit zweckgebundene Besteuerung von Gewalt-Computerspielen. Und damit hat sich es sich schon wieder; mehr an Diskussion findet in Österreich nicht statt.

 

Die angepassten Grünen begreifen die 7.000 Besucher des Slashfilm-Festivals als Teil der eigenen Klientel und tragen die Kultursubventionen für den Mitveranstalter… weiter lesen

04.10.2012 von Wolfgang Koch
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BEGEISTERT DEN SCHREIEN DER ANDEREN ZUHÖREN (a)

von Wolfgang Koch

»Über eine Stunde angespannt im Kino zu sitzen, anderen beim Schreien zuzuhören und selbst im Sitz zu versinken (damit der Mörder mich nicht sieht), ist großartig«. Mit diesem Bekenntnis zum Genuß inszenierter Mordlust wartete die Filmkritikerin Stephanie Gründler in der Wiener Tageszeitung Der Standard auf.

 

In jeder Videothek gastiert die Mordlust-Industrie. / Foto: M. Obermayr

7.000 Besucher konsumierten in nur zehn Kinotagen beim /slash-Filmfestival 2012 alles, was die internationale Angstlust-Produktion derzeit auf dem Gebiet Horror, Slasher und Splatter zu bieten hat: einäugige Monster, kichernde Skelette, vor allem aber gnadenlose Greuel, realistisch gezeigte Sterbensqualen aus der Täterperspektive und Totenschändungen im Gemütszustand von Serienmördern.

 

Diese Art von Kinounterhaltung kultiviert mit endlosen Gewaltbildern genau jene meditative Versenkung in den Hass, die unweigerlich auf die Vernichtung von Menschenleben zusteuert und diese schließlich auch, bis alle Zweifel ausgelöscht sind, auf der Leinwand vollbringt. Höhepunkt: der entsetzliche Streifen V/H/S von David Bruckner… weiter lesen

16.06.2012 von Wolfgang Koch
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MAKRO-HISTORIE AM BEISPIEL DER WIENER STEPHANSKIRCHE [d]

von Wolfgang Koch
Wogegen wehrte sich denn die widerspenstige Romanik in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts? Gegen die gotischen Papstanhänger und Kaisergegner, die mit einer neuen Eleganz auftrumpften, hochmütig und feminin. Die zisterziensische Reform wandte sich auch gegen die benediktische Praxis; aus ihr gingen die geistlichen Ritterorden hervor.  

Eine metaphysische Laison zwischen Sein und Nichts

Walter Seitter meint, mit dem Ausbau des Westwerkes und der darin untergebrachten Herrenempore versuchte das Weltliche eine Art Gleichgewicht zum Sakralen von St. Stephan zu halten. Bis zur zisterziensischen Reform seien die Menschen gewissermaßen als zivile Bürger im Kirchenraum anwesend gewesen, und nicht als untertänige Gläubige.

 

Warum wohl, fragt der Autor, stellen sich Männer bei der katholischen Sonntagsmesse bis heute immer noch ganz hinten auf? Weil, so könnte man sagen, sie damit eine gewisse Distanz anzeigen gegenüber dem religiösen Furor, der das rituelle Geschehen aus der Verfügungsgewalt der Gemeinschaft löst und in die… weiter lesen

15.06.2012 von Wolfgang Koch
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DER UNVERMEIDLICHE AUSFLUG DER WIENER NACH SCHÖNGRABERN [c]

von Wolfgang Koch

 

Von der Schönheit des Auferstehungsleibes

Wien ist verglichen mit Kärnten oder der Steiermark nicht gerade gesegnet an romanischen Bauschätzen. Ein paar Gewölbebogen in Kirchen und Kellern, Schwellen in Kreuzgängen, das Westwerk von St. Stephan – der Rest liegt unter der Erde oder ist für immer verschwunden.

 

Wer in dieser Stadt das Lebensgefühl der Karolinger, Kuenringer und Babenberger nachempfinden will, verlegt sich besser auf Preziosen und geht in die Schatzkammer. Dort stößt man auf Hauptwerke der Romanik.

 

In Ermangelung wertvoller baulicher Relikte spielt die Pfarrkirche im niederösterreichischen Schöngrabern, auf der ehemaligen Hauptverbindung nach Prag gelegen, eine für die Forschung notorische Rolle. Seit dem 19. Jahrhundert arbeiten sich immer neue Generationen von Kunsthistorikern, Theologen und Heimatforschern an diesem eigenartigen Bauwerk ab.

 

Wie an gewissen Details der Stephanskirche überzeugt Walter Seitters Methode der »monumentarische Archäologie« auch hier nicht ganz. Zwar vergleicht er die grandiose Außenapsis der Kapelle… weiter lesen