Archive for the ‘Musik & Bühne’ Category

13.03.2013 von Wolfgang Koch
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DER BESTE FUNKEN AM HIMMEL SEIT JAHREN

von Wolfgang Koch

Lässt das Feuer nach oder wird es zu heftig? / Foto: Oktogon

Seit Jahren weise ich darauf hin, dass die Stadt an der Donau eines ihrer schönsten und friedlichen Volksfeste dem Verein der Vorarlberger in Wien zu verdanken hat. Gemeint ist das Funkenfeuer, kurz: Funken, auf der Himmelwiese am Cobenzl. An diesem Ort, einem der Hausberge der Wiener, wird in jedem März einmal bei Einbruch der Dunkelheit ein kunstvoll aufgeschichteter Holzhaufen mit Stroheinlagen öffentlich entzündet und damit die Winterzeit symbolisch aus dem Jahreskreislauf vertrieben.

 

Letztes Wochenende war es wieder einmal so weit. Die für den diesjährigen Brand verantwortliche Funkenzunft war aus Bregenz-Fluh angereist und übertraf tatsächlich alle Erwartungen der ZuschauerInnen bei weitem. In den Jahren 2011 und 2012 war nämlich beim Funken am Lebensbaumkreis einiges schief gelaufen. So hatte die rotgrüne Stadtregierung im Rathaus das Feuer mit dem fadenscheinigen Argument einer erhöhten Emissionsbelastung der Wiener Luft behindert; es durften nur mehr… weiter lesen

22.06.2011 von Wolfgang Koch
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JANGO EDWARDS: A CHRISTMAS-ALBUM CALLED »SPRINGTIME«

von Wolfgang Koch

Diese Woche Jango Edwards gesehen (tatsächlich, diesen Clown und Verrückten gibt’s noch). Mitten unter hartgesotteten Fans, sensationslüsternen Senioren bei Aperol Spritzz und verirrten Väter-Töchter-Gespannen. Um als Jango-Fan der ersten Stunde durchzugehen, trägt man am besten Langhaar, schlürft Bier aus der Flasche, hat eine tätowierte Freundin und kann ein paar Beatles-Hadern mitsingen.

Muss ich alles nicht haben: diese im Vindobona eng nebeneinander geparkte Körper, die Schmäh führenden Kellner und dann auch noch einen zweistündigen Lachkatarrh. Um nicht missverstanden zu werden: Jango ist sicher ein Künstler, aber von welchem Format wäre er erst, wenn er die Disziplin, die er pantomimisch, schauspielernd und singend mit dem Körper aufbringt, auch mit seinem Geist aufbrächte.

Was für ein Vergnügen wäre es, einfach nur diesem 61jährigen Mann im lang gestellten Schwarzweiß-Sakko bei seinen suggestiven Slapstick-Nummern zuzusehen: Wenn er den alte Saufbold gibt, der einen Finger nicht mehr aus der Bierflasche kriegt; einen Chef de Cuisine, dem… weiter lesen

27.01.2011 von Wolfgang Koch
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DER ÖSTERREICHISCHE KUNSTPREIS ALS BUSSI-BUSSI-GESELLSCHAFT

von Wolfgang Koch

Maurice BLANCHOT hätte das Wort Kultur sicher zu den Worten gezählt, die ein »Wort zu viel« sind, ein Wort, das aus dem Status des Wortes, des Signifikanten verschoben worden ist, ein für und durch die Sprache verlorenes Wort. Entsprechend sehnen sich Kulturschaffende überall auf der Welt heute nach nichts mehr, als danach, ohne dieses Allerweltsvokabel über ihre Arbeit zu sprechen.

Das war bei der Vergabe der Österreichischen Kunstpreise 2010 durch das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur in der Wiener Hofburg naturgemäß nicht zu erwarten. Das der Schuß am 25. Jänner aber so massiv in die Gegenrichtung losging, das verdankte sich der Inszenierung der Feier als Live-Video-Stream (www.bmukk.gv.at/kunstpreise10). Ich wette ein paar Socken, dass diesem fast vierstündigen Spektakel im Internet nicht einmal halb so viele Leute beigewohnt haben wie im Zeremoniensaal.

Bereits an der Konzeption der sieben Staatspreise holpert es gewaltig: Die Ausgezeichneten wurden nämlich als Preisträger für das… weiter lesen

16.05.2009 von Wolfgang Koch
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ZEHN NEUE BÜCHER AUS ÖSTERREICH (9)

von Wolfgang Koch

Schon der erste Satz klingt gestelzt: »Dieses Buch versteht sich nicht als Künstler-Biographie.« Kann denn ein Buch ein Bewustssein von sich selbst besitzen, oder wollen uns die Autoren nur hochtrabend sagen, dass sie, die Autoren, dieses Buch nicht als Künstler-Biographie verstehen?

Gut, man erfährt viel über einen Heroen der zweiten Wiener Schule der Musik auf den folgenden 450 Seiten: Alban Maria Johannes Berg [1885-1935]. Man erfährt, dass Bergs Vater Freimaurer nach dem schottischen Ritus war; dass Berg zeitlebens von Astrologie, Theosophie und Zahlenmystik besessen war, dass er Sportnachrichten verschlang, leidenschaftlich gerne in Kino ging und seine Freunde graphologisch begutachtete.

Alban Berg wuchs – nach dem Tod des Vaters – unter Vormundschaft seines älteren Bruders auf. Radparteien mit den Wandervögeln interessierten den Heranwachsenden mehr als die Schule. Er repetierte mehrmals und schwängerte im Alter von 16 Jahren das Küchenmädchen der Familie. Für die fortan verheimlichte Tochter aus dem Bedienstetenvolk rührte das… weiter lesen

26.02.2008 von Wolfgang Koch
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Ein Abend im Jazzclub Porgy & Bess

von Wolfgang Koch

[ß = ss]. Angeblich haben Internet und neue Distributionwege den Zugang des Publikums zu Kulturveranstaltungen enorm erleichtert. Ich halte das für eine unbewiesene Behauptung unserer Tage. Dass in Wien meistens das Gegenteil der Fall ist und sich der Ticketerwerb schwieriger gestaltet als noch vor zehn Jahren, zeigt ein aktueller Selbstversuch am renommierten Wiener Jazz- und Musikclub Porgy & Bess in der Riemergasse im 1. Bezirk.

1. Tag

Anruf bei der im Programm-Folder und auf der Website www.porgy.at angegeben Nummer für den Ticketvorverkauf: »Ich hätte gerne zwei Karten für das Konzert XY in zwei Wochen, und zwar zwei Sitzplätze an einem Tisch.«

Eine nette Frauenstimme antwortet: »Also Vorverkaufskarten gibt es nur online oder in jeder Filiale der Bank Austria! – Bitte wenden Sie sich dahin.«

2. Tag

Am Infopoint einer Filiale der Bank Austria: »Ich hätte gerne Karten für das Konzert XY in zwei Wochen, zwei Sitzplätze an einem Tisch.«

Eine… weiter lesen