15.03.2013 von Wolfgang Koch

Der Gedanken, Kinderrechte umzusetzen, bleibt Maskerade. / Foto: Kinderfreunde
Die Österreichischen Kinderfreunde sind eine tragende Säule der sozialdemokratischen Bewegung, und in Wien überdies der größte private Kindergarten- und Hortbetreiber. Die Funktionäre dieser mächtigen Organisation führen nichts häufiger im Mund als die Kinderrechte und versprechen auf sämtlichen ihrer Kanäle, mit fortschrittlichen Pädagogen, tausenden ehrenamtlichen Mitarbeitern und den Eltern eben diese Kinderrechte in ihrer Arbeit auch umzusetzen.
Wiens Kinderfreunde beabsichtigen nach eigener Aussage, »dem Kind auf gleicher Augenhöhe zu begegnen und den Heranwachsenden Respekt entgegen bringen«. In der sogenannten Kinderrechte-Arbeit kommen dabei immer neue Ideen zum Einsatz, zum Beispiel regelmäßige Kinderkonferenzen oder ein Kinderrechte-Set im Kinderfreunde-Hort in der Leipziger Straße, im Kindergarten Kluckygasse erprobt man eine Kinderrechte-Schatzkiste mit putzigen Symbolen.
Sind solche Aktivitäten glaubwürdig? Sind sie überhaupt das viele, bedruckte Papier wert, auf dem sie propagiert werden? – Nehmen wir zum Beispiel den Fall der fünfjährigen Monika O.,… weiter lesen
13.03.2013 von Wolfgang Koch

Lässt das Feuer nach oder wird es zu heftig? / Foto: Oktogon
Seit Jahren weise ich darauf hin, dass die Stadt an der Donau eines ihrer schönsten und friedlichen Volksfeste dem Verein der Vorarlberger in Wien zu verdanken hat. Gemeint ist das Funkenfeuer, kurz: Funken, auf der Himmelwiese am Cobenzl. An diesem Ort, einem der Hausberge der Wiener, wird in jedem März einmal bei Einbruch der Dunkelheit ein kunstvoll aufgeschichteter Holzhaufen mit Stroheinlagen öffentlich entzündet und damit die Winterzeit symbolisch aus dem Jahreskreislauf vertrieben.
Letztes Wochenende war es wieder einmal so weit. Die für den diesjährigen Brand verantwortliche Funkenzunft war aus Bregenz-Fluh angereist und übertraf tatsächlich alle Erwartungen der ZuschauerInnen bei weitem. In den Jahren 2011 und 2012 war nämlich beim Funken am Lebensbaumkreis einiges schief gelaufen. So hatte die rotgrüne Stadtregierung im Rathaus das Feuer mit dem fadenscheinigen Argument einer erhöhten Emissionsbelastung der Wiener Luft behindert; es durften nur mehr… weiter lesen
02.10.2012 von Wolfgang Koch
Es ist nun auch schon wieder 13 Jahre her, dass im Skeptical Inquirer der Snuff-Film, in dem SchaupielerInnen angeblich tatsächlich getötet werden, als urbane Legende enttarnt wurde. Damals, im Mai/Juni 1999, zerpflückten die professoralen Skeptiker in ihrer Weltzentrale in Amherst sämtliche kursierenden Gerüchte über reale Leinwandmassaker.
Amherst liegt im US-Bundestaat New York, nicht unweit der Niagarafälle, und das Städtchen schmückt sich seither immer wieder stolz mit dem Titel, eine der sichersten Städte Amerikas zu sein. Diesen großspurigen Anspruch teilt Amherst übrigens mit Wien (für den Bereich der europäischen Kontinentalplatte), wo derzeit ein viel süßeres Gerücht die Runde macht.

Gegen alle guten Sitten verstossende Brombeerhecke / Foto: Stadtfruchtwien
Warum wohl, fragen sich die Freunde und Freundinnen essbarer Stadtfrüchte, wachsen bei uns in Wien so viele wilde Apfelbäume ausgerechnet an Bahndämmen? Hier drängt sich eine aufmerksame Beobachtung zur Legendenbildung geradezu auf.
Die Antwort erfahrener Obstsammler: An den wilden Äpfeln auf… weiter lesen
15.01.2012 von Wolfgang Koch
Die jährlich weltweit durchgeführte Vergleichsstudie von Mercer zur Bewertung der Lebensqualität stellte Wien auch 2011 Bestnoten aus. Keine Wunder! Die Repression gegen Sandler (der wienerische Ausdruck für Clochards) schreckt inzwischen auch vor amtlichen Strafe für »unbegründetes Stehenbleiben« nicht mehr zurück.
Da muss ja die Lebensqualität der Führungskräfte einfach zunehmen. »Dreimal hintereinander Weltmeister in der Lebensqualität zu werden kommt nicht von ungefähr«, tönt Wiens sozialdemokratischer Bürgermeister heute via Die Presse in die Welt hinaus.
Der Wiener Exekutive, schreibt Robert Sommer, seien »alle Arten unamtlicher menschelnder Aufläufe notorisch supekt«. Den Straßenmusikanten in den Fußgängerzonen wird von lebensfremden ÖVP-Bezirksvorstehern die Distanz zu christlichen Gotteshäusern vorgeschrieben, darüber hinaus im Rathaus das Repertoire der dargebotenenen Musik und die Art der Instrumente.
Nach jüngsten Meinungsumfragen wird von der Bevölkerung der Rechtsaußenpartei FPÖ die meiste Lösungskompetenz in der Politik zugetraut. Wen also kann es da noch wundern, wenn das verlogene Goldene Wienerherz den städtischen… weiter lesen
10.01.2012 von Wolfgang Koch
Violette Redoute
»Glück/Unglück«
43. ÖAAB Ball
»La magia de Espania«
Un Ballo in Maschera
»Wir spenden Ihnen Freude – Sie spenden uns mit Freude«
Techno Ball
»Alles Techno …«
Ball der Offiziere
»Gold und Silber«
Ball der Oberösterreicher
»Braunau verbündet – Braunau verbindet«
Schlosserball
»Metall am Ball«
71. Ball der Alt-Hietzinger
»Alt trifft Jung«
Immobilienball
»Wien trifft St. Petersburg«
Ball der Gewichtheber
»Kraft Frei und Alles Walzer«
55. Ball der Wiener Kaffeesieder
»Wiener Melange«
15. Wiener Regenbogenball
»Die Liebe hat bunte Flügel«
Hofburg-Ball der Wiener Wirtschaft
»Viel Vergnügen und alles Walzer«
Schulball Rahlgasse
»Hollywood«
10. Frühlingsball
»Karitativer Zweck – Die Möwe«
Diversity Ball – 5. Ballnacht der Vielfalt
»Vielfalt tanzt«
20. Life Ball
»Fight the Flames of Ignorance«
Sofia Ball Vienna
»Es ist besser ein kleines Licht anzuzünden als die Dunkelheit zu… weiter lesen
13.10.2011 von Wolfgang Koch
Die Wiener Presse feiert dieser Tage einen politischen Verrat der Sonderklasse. Von der »Neuen Kronenzeitung« bis zum Qualitätsblatt »Der Standard«, von der Wochenzeitung »Falter« bis zum sozialdemokratischen U-Bahnverdrecksblatt »Heute« – alle sind sich darüber einig: Mit der rot-grünen Tarifreform der öffentlichen Verkehrsmittel ab Mai 2012 haben die Grünen ihre sozial- und verkehrspolitischen Ideale verraten.
Es stimmt, dass die neuen Koalitionspartner der Ratshaus-SPÖ im Oktober 2010 das mutige Wahlversprechen abgegeben haben, den Preis einer Jahreskarte der Wiener Linien auf 100,- Euro abzusenken. Und genau das ist nun auch herausragend kreativ umgesetzt worden. Deshalb schäumen die Autofahrerparteien und die ihnen hörigen Medien.
Die Jahreskarte für die Wiener Linien wird es ab 1. Mai 2012 um 365,- Euro geben (bisher kostete das Jahresticket 449,-), und die Gebühr für Schwarzfahren wird auf die außergewöhnlich sympathischen 100,- Euro angehoben. Um also in den zeitlosen Genuss der neuen Öffi-Tarife zu kommen, brauchen die rund 240.000 Jahreskartenbesitzerinnen in Hinkunft… weiter lesen
19.06.2011 von Wolfgang Koch
Jahre, Jahrzehnte habe ich nach einem Ort wie diesem gesucht! Und es dürfte kein Zufall sein, dass die Entdeckung in einer Stadt, die an sich selbst erkrankt ist – an ihrer ausufernden Selbstbezüglichkeit, wo die einzelnen meist wie Hund und Katze aufeinander sind –, ausgerechnet eine Apotheke ist.
Unter den etwa zwei Dutzend Apotheken, die ich in den 23 Bezirken, auf die sich hier das Leben verteilt, kenne, und die ich teils regelmäßig besuche, ist diese mit Abstand die seltsamste: die Allerheiligen-Apotheke am gleichnamigen Platz in der Brigittenau.
»Seltsam« ist erstens ihre Einrichtung, noch »seltsamer« sind die darin tätigen Damen. Dabei erwartet einen am Allerheiligenplatz gar keine dieser beliebten Jugendstilfassaden, und es walten in der Offizin keine weißen Engel zwischen denkmalgeschützten Schubladen, nein, alles ist durchaus modern hier, in Sichtweite des höchsten Gebäudes von Österreich.
Das beginnt damit, dass das Eckgeschäft nahe dem Milleniumstower zwei automatische Doppeltüren besitzt, aber nur… weiter lesen
11.08.2010 von Wolfgang Koch
Es könnte eigentlich das schönste Sommerfestival überhaupt sein, das es in Wien gibt: die nahe der Floridsdorfer Brücke stattfindenden Afrika-Tage. Wäre da nur nicht diese bombastische Bühne, der martialische Zaun, ein bekloppter Ordnerdienst und ein auf Profitmaximierung fixierte Veranstalter: die Messe und Veranstaltungsorganisation aus der Lindwurmstraße 126 in München.
Es gibt jeden Tag spontane Trommelsessions abseits des Bühnengeschehens. Das würde für eine heitere Stimmung vollkommen genügen, dazu die Hydranten mit Frischwasser. Man würde den Bazar und die Gastronomiestände gerne hinnehmen, wie ja auch bei Weihnachtsmarkt niemand auf die glorreiche Idee kommt, einen Zaun drum herum zu ziehen und für den Besuch eines Verkaufsgeländes Eintritt zu verlangen.
Genau aber das tut der deutsch-arabische Geschäftsmann Medhat Abdelati aus München. Von 14 bis 17 Uhr zahlen die Festivalgäste einen Eintritt von 5 Euro, ohne dass da irgendetwas dafür geboten würde, was nicht ein zweites Mal zu bezahlen ist. Im Gegenteil: es wird nicht nur… weiter lesen
13.02.2010 von Wolfgang Koch
Muss heute ein Historiker die Mentalitäten des 17. Jahrhunderts untersuchen, so begibt er sich am besten nach Wien. Wir unterhalten hier in der Albertina ein welteinmaliges Institut, dessen Ausstattung und Direktion, unter der Leitung von Klaus Albrecht Schröder, den ganzen Habitus des galanten Zeitalters nachbildet wie ein populärer Historienfilm.
Man begab sich zum Beispiel diese Woche zur Eröffnung einer der zahlreichen Ausstellungen des Hauses, das noch vor zehn Jahren für die größte Grafiksammlung der Welt berühmt war und heute Buketts aus der angestaubtesten internationalen Museumsware darreicht (Andy Warhols Cars-Serien aus der Daimler Benz Sammlung, oder Impressionisten aus dem Wallraf-Richartz-Museum zu Köln).
Dem p. t. Eröffnungspublikum wird an solchen Abenden die Tortur von einem Dutzend Warteschlangen zuteil: bei der Auffahrt auf die Albertinarampe mit dem Lift (1), dann bei der Abgabe der Garderobe (2), vor dem Ordnerspalier, der Palastgarde, im Foyer (3), dann wieder vor dem Festsaal (4), dann im Festsaal… weiter lesen
12.08.2009 von Wolfgang Koch
Was ein echter Wiener Strizzi (Arbeitsscheuer, Tunichtgut) ist, der haut dir nicht gleich in die Goschen (Mund). Er droht nur damit und rechnet im übrigen mit der Dummheit und Feigheit seiner Opfer.
In den letzten Monaten verfiel so ein ausgekochter Strizzi auf die geniale Idee, Videokameras im öffentlichen Raum zu inspizieren. Entdeckte dieser Fallot (Gauner, Schelm) irgendwo ein Corpus Delicti an einer Geschäfts- oder Lokalfassade, rannte er umgehend zu einem Rechtsanwalt in der noblen Walfischgasse im 1. Bezirk. Dieser formulierte dann geharnischte Briefe mit beiliegenden Zahlscheinen an die betroffenen Geschäftsleute.
Der Herr Verteidiger in Strafsachen schrieb: »Ich habe anzuzeigen, dass ich die anwaltliche Vertretung [des Strizzis] übernommen habe. Mein Mandant hat mich dahingehend informiert, dass er am [soundsovielten Tag] dadurch, dass von ihm unzulässigerweise Videobilder aufgenommen wurden, in seinem verfassungsmässig gewährleisteten Grundrecht auf Datenschutz als einem gemäss § 16 ABGB absolut geschütztem Persönlichkeitsrecht verletzt wurde.
Mein Mandant [der Strizzi] hat… weiter lesen