22.12.2011 von Wolfgang Koch
Seit einem Jahr ist Österreichs Grünen-Politiker Alexander Van der Bellen als Wiens Stadtbeauftragter für Universitäten und Forschung tätig. Das langjährige Zugpferd der Partei hat im Oktober 2010 sein Gemeinderatsmandat trotz tausender Vorzugsstimmen und dem Erreichen eines Direktmandates nicht angetreten. Stattdessen werkt der Nationalratsabgeordnete nun ehrenamtlich, und mit einer Büroinfrastruktur ausgestattet, die jährlich mit 220.000 Euro zu Buche schlägt, zum Wohl der akademischen Eliten.
Während andere Figuren der Grünen Funktionseliten Lobbyarbeit für Ministerien und Energieriesen betreiben (wessen Interessen werden dabei eigentlich vertreten?), wühlt sich der Professor für Volkswirtschaftslehre mit routinierter Zurückhaltung in die facettenreiche Materie der Hochschulpolitik. Endlich einmal, möchte man rufen, ein zukünftiger Staatssekretär, der sich würdig auf seine Aufgabe vorbereitet.
Die Persistenz seiner Aggregate verhilft Van der Bellen seit 16 Jahren zum Image eines Antipolitikers, der er natürlich keineswegs ist. Die Signale der Nachdenklichkeit, die er klug auszusenden versteht, sind in der österreichischen Politik immer noch so selten gestreut,… weiter lesen
24.01.2011 von Wolfgang Koch
Dem in seiner Existenz gefährdeten Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien droht momentan eine von ministerieller Seite verordnete Zwangsehe mit der Universität Graz. Die Aussicht unter Kuratel der Weltsteirertums gestellt zu werden, scheint sich bereits wie ein Schleier über die Köpfe zu legen. Denn die jüngste Tagung des noch unabhängigen Instituts (in Kooperation mit der Wienbibliothek im Rathaus) machte sich intellektueller Trägheit schuldig.
Überzeugende inszenierte Vorträge zum Thema »Vermessung der urbanen Gesellschaft« seit dem 18. Jahrhundert gab es in der letzten Woche beinahe keine zu hören. Kühne Thesen zur Stadtentwicklung, aktuelle Bezüge zur Gegenwart der Donaumetropole fehlten fast vollständig. In den Kulturwissenschaften scheint momentan niemand für Wien den Finger krumm machen zu wollen.
Daß die Hausbeschriftungen Mitte des 18. Jahrhunderts eingeführt wurden, um einerseits die Konskription, andererseits die Steuererhebung sowie die Durchsetzung der Hofsquartierpflicht zu erleichtern, das hätten wir uns auch ohne höhere Forschungsweihen denken können. Der Historiker Anton TANTNER… weiter lesen
31.10.2010 von Wolfgang Koch
Man hätte keinen besseren Zeitpunkt wählen können: Während an diesem Wochenende im US-Bundestaat Kalifornien über eine komplette Cannabis-Freigabe abgestimmt wird, ging in der Pyramide Vösendorf die Cultiva 2010 über die Bühne. Die alljährliche Marihuana-Messe ist im heurigen Jahr mit über 100 Ausstellern noch einmal gewaltig angewachsen. Am Hybrid-Charakter der Veranstaltung hat sich freilich nichts geändert.
Neben zwei Dutzend Ausstellern von Nutzhanfprodukten, esoterischen Verlagen und Softdrink-Erfindern beherrschten – wie bereits in den Vorjahren – die Homegrow-Lieferanten das Bild: Seeds und Setzlingaufzucht, Growkammer-Ventilatoren und Dark-Room-Sets, Steinwollwürfel, Düngemittel und Bewurzelungshilfen – alles, was dem Anbau von Hanf zum Zweck der Drogengewinnung dient (auch wenn das der freundliche Disclaimer von Organisator Harry Schubert im Übersichtsplan natürlich bestritt).
Für drei Tage mutierte Vösendorf zum österreichischen Kifferparadies mit Clubbing und Koch-Show, mit Howard Marks-Autogrammstunden, mit halbnacktem Ballerinas und dem chemisch einwandfreien Urinreiniger für die nächste Polizeikontrolle.
Cannabisgenuss ist auch in Österreich illegal. Die Verfolgungsbehörden schauen allerdings in… weiter lesen
09.08.2007 von Wolfgang Koch
Off-Festivals sind in Wien so selten wie bengalische Tiger. Denn fehlt hier Kultur oder Wissenschaft das offizielle Mascherl, fallen ihre Produkte sofort unter den Generalverdacht unbrauchbar zu sein.
»Soho in Ottakring« [www.sohoinottakring.at] ist eine Ausnahme von dieser Regel, und der Wienblog hat rechtzeitig auf die besten Veranstaltungen rund um den Brunnenmarkt aufmerksam gemacht. Das »Festival der Verweigerung«, eine gewitzte Idee des Wiener Schriftstellers Peter A. Krobath und seines ominösen Kusserutzky-Klans, präsentierte bei Soho 07 die Vortragsreihe »Wellness für Loser«.
Die beiden denkwürdigsten Beiträge aus dieser Reihe will ich dem Publikum der taz nicht vorenthalten. Diesmal die Geschichte des Vibrators von Dr. Birgit Beermann, Journalistin bei den Medizin Medien Austria (CliniCum, Geriatrie Praxis, krebs:hilfe!). Vielen Dank der Autorin!
© Wolfgang Koch 2007
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Good Vibrations: Wellness durch Orgasmen
Jahrhundertelang waren Frauen von einer chronischen Krankheit geplagt, für die es keine Heilung gab – nur kurzfristige Linderung durch gezielte… weiter lesen