Abgrenzung Crowdfunding von Fundraising

von Tino Kreßner

Beim Crowdfunding finanzieren viele Menschen gemeinsam ein Projekt. Der Begriff tauchte erstmals  im Jahr 2006 auf, als es die Plattform sellaband.com Künstlern ermöglichte, ihr Album durch Fans vorfinanzieren zu lassen. Anders als beim Fundraising bekommen die Geldgeber beim Crowdfunding ein Dankeschön oder eine Gewinnbeteiligung. Beim Fundraising sammelt ein NPO (Non-Profit-Organisation) Spenden für einen satzungsmäßigen Zweck ohne eine marktadäquate materielle Gegenleistung zu erbringen.

Das Geld ist beim Crowdfunding immer an das jeweilige Projekt gebunden. Ein Verwendungsnachweis für die Gelder, wie bei klassischen Förderungen, wird nicht benötigt, denn hier zählt die Reputation des Projekteinstellers. Nach der erfolgreichen Projektfinanzierung hat dieser nicht nur das Geld zur Verfügung, sondern in der Regel viele neue Fans, die nun die Umsetzung seines Projektes begleiten. Damit wird es möglich Unterstützer frühzeitig in den Entstehungsprozess eines künstlerischen Projektes, eines Startups oder Produktes einzubeziehen. Geldgeber werden an das Projekt gebunden, da sie in der Regel nicht nur das fertige Produkt oder einen finanziellen Gewinn erhalten, sondern mit ideellen  Werten und Dankeschöns begeistert werden. So verspricht der Musiker vielleicht diese mit im Booklet zu nennen oder an einem Tag ins Produktionsstudio einzuladen. Filmemacher können ihre Geldgeber zum Beispiel im Film auftreten lassen oder zu internen Testscreenings einladen. Der Name eines Geldgebers wird bei dem neuen Buch eines Autors gar der des Titelhelden und das Gemälde wird vom Maler persönlich unterschrieben.

Beim Fundraising tritt hingegen verstärkt die Organisation selbst auf und sammelt Gelder, um mehrere Zwecke der Organisation zu erfüllen. Mittels einer strategischen und operativen Planung werden mögliche Geldgeber identifiziert und häufig direkt angesprochen – gerade wenn es um Großspender geht. Beim Crowdfunding geht es vielmehr um die Masse der einzelnen Geldbeträge. Hier zählt die Crowd, die durch viele Kleinstbeträge ein Projekt entstehen lässt.

Beim Crowdfunding wird oftmals zunächst die Idee online gestellt und das Geld für deren Realisierung gesammelt. Um die Qualität der zu finanzierenden Vorhaben sicher zu stellen, gibt es auf Crowdfunding-Plattformen meist einen weiteren Unterschied zum Fundraising: Der Initiator erhält erst das Geld, wenn sein Projekt 100% in einer von ihm festgelegten Zeitspanne erfolgreich finanziert wurde. Scheitert dies, erhalten alle Unterstützer ihr Geld zurück und können nun in neue Projekte investieren.

50 Mio. Euro spenden die Deutschen derzeit jährlich für Kultur, laut der Kulturstiftung der Länder. Wird Crowdfunding diesen Betrag erhöhen oder lediglich ein Stück vom Gesamt-Spendenaufkommen nehmen?

Weiterlesen: Mehr Informationen über die Spendenkultur in Deutschland und wie diese sich durch Crowdfunding ändert.

Informationen zum Autor: Tino Kreßner ist Gründer von Startnext.de und hat über Marketing 2.0 seine Abschlussarbeit geschrieben. Mit dem Filmprojekt unter Filmtrip.de hat er zum ersten Mal einen Spielfilm komplett mit der Community produziert und durch deren Hilfe in die Kinos gebracht.


10 Kommentare zu "Abgrenzung Crowdfunding von Fundraising"

  1. Fundraising bezeichnet die Anstrengungen einer Organisation eines Projekts zur Beschaffung von Finanzmitteln und anderen Ressourcen. Dabei können unterschiedliche Finanzierungsformen nebeneinander existieren und sich ergänzen. Crowdfunding ist eine Finanzierungsform neben anderen. Sie ersetzt das Fundraising nicht, sondern ist ein Element innerhalb des Fundraisingmixes.

    Beim Fundraising sind unterschiedliche Nachweise über die Tätigkeit Gang und Gebe, ebenso wird eine Organisation stets um zweckgebundene (z.B. projektspezifisch) und um ungebundene Zuwendungen werben. Gegenleistungen sind auch im Fundraising möglich: Immer dann, wenn es nicht Spenden, sondern beispielsweise um Sponsoring geht. Großspenden-Fundraising und das Werben um Kleinspender schließen sich keinesfalls aus. Das Alles-oder-Nichts-Prinzip ist ebenfalls kein Unterscheidungsmerkmal zwischen Fundraising und Crowdfunding, da diese plattform-abhängige Finanzierungsweise bei Spenden-Plattformen ebenfalls seit einigen Jahren üblich sind.

    Die Grundannahme des Artikels, dass Crowdfunding von Fundraising abzugrenzen wäre, ist falsch. Crowdfunding ist eine Finanzierungsweise unter vielen – und sie alle sind Teil des Fundraisings.

  2. Diese Abgrenzungs-Diskussion findet auch in der Literatur statt zwischen Urselmann und z.B. Haibach. Also bitte den Artikel nicht abwürgen und als grundlegend falsch hinstellen, wenn er doch ein Einstieg in eine konstruktive Diskussion sein soll und damit hier die Beschäftigung mit Thema Crowdfunding starten soll – oder gibt es hierzu schon eine verbindliche Wahrheit?

  3. Schließe mich Jörg an. Crowdfunding sollte Teil des Fundraisingmixes einer NGO sein. Dieser Mix besteht aus unterschiedlichen Kanälen.
    Der große Unterschied in dem Sinne besteht darin, dass Crowdunding nicht unbedingt einen gemeinnützigen Hintergrund im Sinne der Abgabenordnung hat (siehe Eingangsstatement von Tino im Artikel).
    Falsch ist der Artikel aber auf keinen Fall ;-) .

  4. Die Diskussion bei Haibach und Urselmann ist in der Hinsicht eindeutig. Fundraising bezeichnet den Finanzierungsmix. Die Diskussion empfinde ich als grundsätzlich falsche Herangehensweise – ich würde ja auch nicht eine Abgrenzung zwischen Obs und Apfel versuchen.

    @Maik: Genau, Fundraising ist ja auch nicht den gemeinnützigen Akteuren allein überlassen. Unternehmen, Personen und Gruppen sind ebenso Aktuere mit Fundraising-Strategien im weitesten Sinne. Und was die Finanzierungsarten angeht, so beziehen wir steuerpflichtiges Sponsoring ja ebenso in den Fundraisingmix ein.

  5. Ich hatte mich auch schon gewundert – das wäre so gewesen, als wenn jemand den “Euro” abgrenzen will von dem Begriff “Währungen”. Oder “Weintrauben” und “Obst”. Bin aber sehr gespannt auf den Workshop am Donnerstag, habe heute mit Jochen sehr anregende Diskussion, wie man Crowdfunding besser definieren kann.

  6. Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Das Crowdfunding grundsätzlich vom Fundraising abzugrenzen macht für mich keinen Sinn. Auch dem Argument, dass beim Fundraising verstärkt die Organisation selbst auftritt und Gelder sammelt, um mehrere Zwecke der Organisation zu erfüllen, kann ich nicht ganz zustimmen. Beim “klassischen” Fundraising sind es doch eher projektbezogene Förderanträge als eine allgemein einsetzbare institutionelle Förderung.

  7. Es ist fast alles gesagt. Aber, @Nina, auch das ist sehr orgaabhängig. Bin schon einige Jahre hauptberuflich Fundraiser. Aber projektbezogene Förderanträge habe ich bislang kaum geschrieben. Ob das ins Fundraising gehört, hängt von der jeweiligen individuellen Konzeption ab.

    So, aber jetzt Schluss :-) .

    Euch einen schönen Abend.

  8. Besonders, wenn eine Plattform Spenden für gemeinnützige Vereine zuläßt und diese auch als Crowdfunding-Beträge einrechnet ist eine Abgrenzung von CF zu Fundraising nicht im geringsten verständlich.
    Für Fundraising scheint Crowdfunding im Moment noch kein besonders sinvoll eingesetztes Werkzeug zu sein. Die richtigen Konzepte dafür schlummern noch. Das kann sich aber bald ändern.

  9. Vielleicht habe ich den Sinn dieses Blogs missverstanden. Ich dachte hier sollen in Form von Präsentationen, Ansichten und News von Crowdfunding-Akteuren, Inhalte vorgestellt und zur Diskussion gestellt werden.

    Mein erster Artikel hier dreht sich um die hervorstechenden Merkmale beider Begriffe und Unterschiede, die in der Praxis auftreten. Einen gegenseitigen Ausschluss habe ich nicht beschrieben. Ich hätte den Titel “Begriffsabgrenzung …” nennen müssen, was mir an Hand der Kommentare klar geworden ist.

    Ich fasse kurz die Diskussion zusammen: Crowdfunding kann ein Instrument von einer Fundraising Kampagne sein. Ein Teil von Crowdfunding können Spenden sein.

    Als neue Information nehme ich mir mit, dass Sponsorings auch Teil von Fundraising sind. Ich hätte gedacht hier unterscheidet man stärker nach dem ideellen und wirtschaftlichen Betrieb der Organisation, um dem steuerlichen Unterschied gerecht zu werden.

    Weiterhin interessant fand ich zu lesen, dass auch Spendenaktionen mit einem Alles-oder-Nichts Prinzip seit Jahren üblich sind … danke für den Hinweis. Gibt es hierfür bekannte Beispiele und Kampagnen zu nennen? (mal unabhängig von der 6-Monate Regel auf betterplace). Wie wurde hier jeweils die Zurückbuchung der Gelder gelöst?

    Für meinen nächsten Artikel möchte ich euch hier an dieser Stelle fragen: was interessiert euch bzgl. des Thema Crowdfundings bzw. was würdet ihr wünschen, worüber ich/wir hier schreiben sollen … und natürlich was sollte anders gemacht werden, damit der Artikel eine Diskussion auslöst und nicht vom Grunde her als falsch hingestellt werden muss.

  10. Schön wäre es, darauf hinzuweisen, dass Crowdfunding (etwa in Form des Street Performer Protocols) eine Alternative zur marktbasierten Finanzierung bietet. Künstler können dann etwa auch in der Form etwas zurückgeben, dass sie ihre Werke unter freie Lizenzen stellen und auf DRM und ähnliche Einschränkungen der persönlichen Freiheit verzichten. Leider gibt es auch häufig Projekte, die sich Crowdfunding zunutze machen, und ihr Ergebnis anschließend ganz gewöhnlich kommerziell vertreiben…

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