Archive for Juni, 2006

30.06.2006 von Detlef Guertler
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Maßstabation

von Detlef Guertler

Besonders heimtückisch sind Anglizismen, die hinter der fremden Hülle nur ein hohles Etwas, kurz: ein Nichts verbergen. Sie erwecken die Illusion, etwas würde nur deswegen nicht so hohl klingen, wie es ist, weil es fremd klingt. Typisches Beispiel hierfür ist das Benchmarking, was sich von der Benchmark ableitet, die wiederum eigentlich Maßstab heißt, und es spricht überhaupt nichts dagegen, sich irgendetwas oder -jemanden als Maßstab zu nehmen, und wer unbedingt will, darf ihn sich auch als Benchmark setzen.
Gegen Benchmarking hingegen spricht alles. Benchmarking bedeutet, sich auf allen in Frage kommenden Gebieten das jeweils beste als Maßstab zu nehmen und sich dorthin zu hangeln. Man nehme von der Kuh das Euter, vom Huhn den After, vom Schaf das Fell und vom Schwein den Schinken, und schon hat man sich die eierlegende Wollmilchsau zusammengebenchmarkt. In der Kultur nennt sich solches Benchmarking seit Jahrhunderten Eklektizismus und bringt Scheußlichkeiten wie Andrea Bocelli,… weiter lesen

29.06.2006 von Detlef Guertler
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Zuggucker

von Detlef Guertler

Die Wortwarte serviert heute den Denglizismus “Schiffsspotter”, also jemand dessen Hobby das Beobachten, Registrieren und/oder Fotografieren von Schiffen ist. Durch die Mischung von deutschem Schiff und englischem Spotting entsteht allerdings ein kaum aussprech- und verstehbares Wort. Vor solch halbherzigen Eindeutschungen ist deshalb abzuraten. Entweder man bleibt beim ganz englischen train, plane oder ship spotter, oder man macht das Wort ganz deutsch – was hier daran scheitern könnte, dass Spotting an sich so grundbritisch ist, dass sich dieses Hobby der Eindeutschung entzieht. Ein gewissen Charme hätte der Zuggucker anstelle des train spotters, aber jeder train spotter wird entrüstet die Unterstellung zurückweisen, er gucke einfach nur. Bis zum Beweis des Gegenteils darf hier also der reine Anglizismus stehen bleiben.

29.06.2006 von Detlef Guertler
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Base

von Detlef Guertler

Mag ja sein, dass die Jugend von heute nicht mehr weiß, dass eine Base, Bahse ausgesprochen, eine Kusine ist. Oder auch das Gegenteil einer Säure. Mag ja sein, dass sie nur Base, Beyss ausgesprochen, kennt, was sowohl Heimatbasis, Handynetz als auch der Vorname von Cap sein kann. Trotzdem ist es nicht statthaft, liebe Leute von United Internet, den Artikel über eine Segelregatta mit “Jubel auf der deutschen Base” zu betiteln.

29.06.2006 von Detlef Guertler
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Klamauker

von Detlef Guertler

Nichts scheinen die Deutschen so gerne zu sehen wie Comedies. Warum sonst müllt diese Kleinkunstgattung, die weder mit der Komödie noch mit dem Kabarett verwandt sein möchte, die Fernsehprogramme voll? Und weil es so viele Comedies gibt, gibt es eben inzwischen auch ganz viele Comedians, auch diese weder verwandt noch verschwägert mit Komödianten oder Kabarettisten. Und damit auch ja keiner mehr den Comedian mit irgend etwas verwechseln kann, was er nicht ist, nur weil er so ähnlich klingt, sollten wir ihn in Zukunft Klamauker nennen. Der außerdem auch eine weibliche Form annehmen kann, was sowohl die taz als auch Hella von Sinnen sofort von dieser Neubewortung überzeugen sollte. Die Sendung selbst könnte dann Klamauke heißen, und aus dem Stand-up-Comedian würde der Spontan-Klamauker.

Klamauker, m: Teilnehmer an Witzvorführungen; vormals: Comedian
Klamauke, f: Witzvorführung; vormals: Comed
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28.06.2006 von Detlef Guertler
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prallen

von Detlef Guertler

Der Zusammenstoß zweier Autos ist eines der nachdrücklichsten Erlebnisse, die die heutige Zeit einem bieten kann. Das weiß nicht nur jeder, der das schon einmal mitgemacht und überlebt hat, das zeigt sich auch beim schlichten Blick ins Fernsehprogramm: Die Hälfte der Sendezeit besteht aus Krimis und Action-Filmen, und bei denen wiederum besteht die Hälfte der Action darin, Autos möglichst effektvoll zu verschrotten (siehe auch den Beitrag zur Stock Car Crash Challenge). Dieses Erlebnis also ist so eindrucksvoll, dass andere Sprachen ihm eine entsprechend eindrucksvoll-lautmalerische Benennung gewidmet haben: Crash heißt es im Englischen, choque (sprich: Tschocke) im Spanischen. Dazu gibt es die passenden Verben und natürlich die Übertragung auf ähnlich eindrucksvolle Erlebnisse außerhalb der Verkehrswelt: Crash wird eher für Zusammenbrüche verwendet (z.B. an der Börse), Choque eher für unfriedliches Aufeinandertreffen (z.B. bei Demonstrationen oder beim Fußball).
Und was bietet uns das Deutsche? Nichts auch nur annähernd vergleichbares. Wir… weiter lesen

28.06.2006 von Detlef Guertler
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World Cup

von Detlef Guertler

Wer immer beim DFB die Entscheidung getroffen hat, die offizielle Bezeichnung FIFA World Cup nicht FIFA WC (wie in den englischen Untertiteln), sondern FIFA WM abzukürzen, hat sich um das Vaterland verdient gemacht.

28.06.2006 von Detlef Guertler
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Grubbegugge

von Detlef Guertler

Wir ziehen den Hut vor den Lesern des “Darmstädter Echos”. Denn der hier bereits lobend erwähnte Wettbewerb für die Eindeutschung von “Public Viewing” hat ein hervorragendes Ergebnis gebracht: Grubbegugge. Das ist melodisch, gemütlich, und durch die (unbeabsichtigte?) Anlehnung an die alemannische Guggenmusik auch ziemlich nah dran an der Geräuschkulisse vor den WM-Großbildleinwänden. So muss Sprache sein, dann klappt’s auch mit der Weltmeisterschaft. Einziger Haken ist natürlich die regional etwas eingegrenzte Verwendbarkeit. Aber vielleicht finden ja Sachsen, Friesen und Niederbayern auch noch ähnlich heimelige Übersetzungen. Dann kann man das “Public Viewing” getrost den überregionalen Zeitungen und dem Fernsehen überlassen.

27.06.2006 von Detlef Guertler
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googeln

von Detlef Guertler

Kann es sein, dass Google die einzige Webseite ist, die es geschafft hat, der deutschen Sprache ein Verb hinzuzufügen? Warum ebayen wir nicht, amazonen oder yahooen wir nicht? Wo doch Yahoo uns sogar mit millionenschwerem Werbeaufwand die Beverbung schmackhaft machte (“Do you Yahoo?”). Selbst die meist genutzten Computerprogramme sind verbenfreie Zone: Niemand excelt, powerpointet oder linuxt, und wenn jemand wordet, hat das nichts mit Microsofts Textverarbeitung zu tun. Warum also googeln wir?

27.06.2006 von Detlef Guertler
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Pixen

von Detlef Guertler

Wenn verschicken “simsen” heißt, müsste konsequenterweise das Verschicken von Bildern “mimsen” heißen, oder? Heißt es aber nicht und wird es auch nicht heißen. Und das nicht nur, weil kaum jemand die MMS verschickt, von der sich die Mobilfunker so hohe Profite versprochen hatten, sondern auch, weil mimsen gekünstelt ist. Muss man denn wirklich Wortgetüme wie Multimedia und Message bemühen, nur weil man Bilder durchs Handy versendet?
Außerdem wäre es doch viel eleganter, wenn wir ein Wort für alle Arten von immateriellem Bildversand hätten – unabhängig von den jeweiligen technischen Unterschieden (Mail, Handy, P2P). Wie wäre es dafür mit dem Verb “pixen”? Kurz, klar, cool. Die auf den ersten Klang etwas störende Nähe zu “wichsen” ist zwar auch beim zweiten Klang noch störend, könnte aber durchaus die Verbreitung des Worten in eher teenigen Zielgruppen befördern.

pixen: eine Bild-Datei versenden

26.06.2006 von Detlef Guertler
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MP3-Player

von Detlef Guertler

Hier steht ein spannendes Rennen um die Neubewortung bevor. Klar ist, dass sich der gestelzte, technische Ausdruck MP3-Player nicht auf Dauer halten kann, insbesondere nicht, wenn die halbe Welt so ein Gerät benutzt. Aber welches Wort wird die halbe Welt dafür verwenden? Wenn sich die Wort-Entwicklung des tragbaren Kassettenrekorders wiederholen sollte, der weltweit den Namen des Marktführerprodukts “Walkman” von Sony annahm, heißt der MP3-Player schon bald I-Pod. Allerdings würde ich darauf nicht wetten: Walkman kommt sprachlich nicht als Marke, sondern als Produktbeschreibung daher, genau wie in den 20er Jahren der Haartrockner von AEG mit dem Markennamen “Fön”; I-Pod hingegen beschreibt kein Produkt, sondern allenfalls eine Befindlichkeit und hat deshalb schlechtere Verallgemeinerungs-Chancen.
Folglich ist durchaus Raum für andere Neubewortungsversuche. Vorstellbar wäre von der Funktion herkommend beispielsweise das Wort Hörspieler oder auch Hörspeicher, was allerdings beides eher uncool klänge. Ein bisschen cooler wäre der alte Bekannte “Walkman”. Es handelt sich zwar… weiter lesen