21.06.2006 von Detlef Guertler
Eine der typischen Wortschöpfungsvarianten für neue technische Errungenschaften ist die Anlehnung an deren technische Besonderheit, wie beispielsweise beim Laserdrucker oder der Quartzuhr. Dagegen ist auch prinzipiell nichts einzuwenden. Allerdings erwächst daraus häufig ein Neubewortungsbedarf, da gerade bei massenhafter Verbreitung einer solchen Neuerung das technische Detail oftmals in den Hintergrund tritt und der Nutzen dafür in den Vordergrund. Aktuell ist dies schön beim USB-Stick zu beobachten, der so heißt, weil er in der Regel stöckchenförmig ist und an einer Seite einen Anschluss für eine USB-Schnittstelle hat, was wiederum die Abkürzung für Unified Serial Bus ist und am Gehäuse jedes Computers und bald bestimmt auch jedes Kühlschranks zu finden ist.
Dass USB-Stick schon längst nicht mehr der richtige Name für dieses Gerät ist, liegt nicht etwa daran, dass es ein englisches Wort ist, sondern daran, dass der eigentliche Produktnutzen darin nicht stattfindet. Das Ding wird ja nicht gekauft, weil es in einen… weiter lesen
21.06.2006 von Detlef Guertler
Heißt eine Veranstaltung am 7. Oktober, für die Stefan Raab schon jetzt in TV Total die Werbetrommel schlägt. Schon rein aussprachlich ist das ein zungenverbiegendes Monstrum, was allerdings bei der 1:1-Eindeutschung – Serienwagenzusammenstoßherausforderung – auch nicht anders wäre. Angesichts der enormen Bugwelle, mit der TV Total diese Volksbelustigung bewirbt, ist es den Schweiß der Edlen wert, einen lautmalerisch-aussprachlich besser geeigneten Begriff zu finden. Und wenn er ganz nebenbei auch noch deutsch klänge, umso besser. Wie wär’s zum Beispiel mit „Formel Schrott“?
21.06.2006 von Detlef Guertler
„Sag mal, Lucie, spielst du in der Schule eigentlich nicht mehr mit Paula?“ „Och nö, Papa, wir haben uns wieder abgefreundet.“ Abfreunden ist ein wunderschönes Wort, das nicht nur Siebenjährige verwenden können, um das allmähliche Beenden einer Freundschaft zu beschreiben. Für den allmählichen Beginn haben wir ja mit anfreunden schon lange das passende Wort, und eine große Auswahl steht uns zur Verfügung, um das abrupte Ende einer Beziehung zu beschreiben: Wir haben uns gestritten oder getrennt, gehen getrennte Wege oder nicht mehr miteinander, oder brechen schlicht in Tränen aus und sagen „Dieser Scheißkerl!“, und alle wissen, was gemeint ist. Nur für das schleichende Voneinander-Entfernen fehlen uns die Worte. Allenfalls ein „wir haben uns auseinander gelebt“ fällt einem da ein, aber auch das will nur zu intimen Beziehungen so recht passen. Die Lockerung und schließlich Auflösung freundschaftlicher Bande, wie sie beispielsweise bei Umzügen oder Jobwechseln regelmäßig zu beobachten ist, kommt in… weiter lesen
21.06.2006 von Detlef Guertler
Wenn jemand versucht, SchwarzGELD zu legalisieren, so heißt das Geldwäsche und ist illegal. Wenn aber jemand versucht, SchwarzARBEIT zu legalisieren, so ist das hochlöblich und volkswirtschaftlich förderungswürdig und heißt noch gar nicht. Jobwäsche wäre ein passendes Wort, wenn es nicht so direkt auf einen Straftatbestand hindeuten würde, der ja gar nicht vorliegt. Bei der Entnazifizierung gab es damals für ähnliche Aufhellungen den Begriff Persilschein, was allerdings auch als Verb persilieren nicht so recht passen möchte. Bis auf weiteres bleibt das Sprachloch also ungefüllt.
21.06.2006 von Detlef Guertler
Neues von der Wortwarte: Lothar Lemnitzers Neuwortsuchprogramm hat den Geisterbrowser entdeckt. Als Produkt heißt er Ghostzilla und ist ein Browser, der sich so versteckt, dass kein zufällig ins Zimmer platzender Chef merkt, dass man gerade im Internet herumdaddelt. Angesichts der Ghostzilla völlig fehlenden Unheimlichkeit führt die Assoziation zu Geistern doch etwas in die Irre. Weit treffender wäre sicherlich das Wort Tarnkappenbrowser.