Speicherstäbchen

Eine der typischen Wortschöpfungsvarianten für neue technische Errungenschaften ist die Anlehnung an deren technische Besonderheit, wie beispielsweise beim Laserdrucker oder der Quartzuhr. Dagegen ist auch prinzipiell nichts einzuwenden. Allerdings erwächst daraus häufig ein Neubewortungsbedarf, da gerade bei massenhafter Verbreitung einer solchen Neuerung das technische Detail oftmals in den Hintergrund tritt und der Nutzen dafür in den Vordergrund. Aktuell ist dies schön beim USB-Stick zu beobachten, der so heißt, weil er in der Regel stöckchenförmig ist und an einer Seite einen Anschluss für eine USB-Schnittstelle hat, was wiederum die Abkürzung für Unified Serial Bus ist und am Gehäuse jedes Computers und bald bestimmt auch jedes Kühlschranks zu finden ist.

Dass USB-Stick schon längst nicht mehr der richtige Name für dieses Gerät ist, liegt nicht etwa daran, dass es ein englisches Wort ist, sondern daran, dass der eigentliche Produktnutzen darin nicht stattfindet. Das Ding wird ja nicht gekauft, weil es in einen USB-Anschluss passt, sondern weil man viele, viele Daten darauf speichern kann. Wer mit diesem Teil groß geworden ist, wird sich kaum noch vorstellen können, dass man früher Bruchteile dieser Datenmengen auf zerbrechlichen Disketten durch die Gegend trug. Und weil bald schon jeder mit diesem Ding umgehen wird (weil es auch in der Bedienung einfach, einfacher geht`s nicht ist), braucht es einen neuen Namen. Mein Vorschlag: Speicherstäbchen. Da stecken sowohl Form als auch Funktion drin, und die Verkleinerungsform signalisiert nicht nur Heimeligkeit, sondern umgeht auch mannigfache Missverständnisse, die bei Verwendung der Grundform Stab auftreten könnten.

Speicherstäbchen, n: Datenspeicher in Stäbchenform, vormals: USB-Stick

Kommentare (7)

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  1. Darf man daran erinnern, dass wie so oft auf diesem Gebiet ein Englischer Begriff existiert, der eben den Zweck und nicht dies eine technische Detail hervorhebt – Memory-Stick sagen meine Kollegen hier in England. Da wird man komisch angeguckt, wenn man denn USB stick sagt. Oder (mein persoenliches Lieblings „Wort“: Handy…

    Ich bin fuer Speicherstift/stab/staebchen 🙂

  2. „Dass USB-Stick schon längst nicht mehr der richtige Name für dieses Gerät ist, liegt nicht etwa daran, dass es ein englisches Wort ist, sondern daran, dass der eigentliche Produktnutzen darin nicht stattfindet. Das Ding wird ja nicht gekauft, weil es in einen USB-Anschluss passt, sondern…“

    und ob usb-sticks gekauft werden weil sie usb-kompatibel sind, die ubiquität von usb macht es möglich daten vom eigenen an einen beliebigen anderen rechner zu übertragen auch wenn man den fremden rechner noch nie gesehen hat. man kann sich schlicht hundertprozentig darauf verlassen am fremden gerät egal welcher plattform und welches herstellers einen usb port vorzufinden sofern der rechner in den letzten sechs jahren gebaut wurde.

    meinethalben soll mann sie in zukunft, wie dies ja jetzt schon auf vielen händler seiten geschieht, usb- speicher nennen.

    der usb-stick hat sich aus gutem grund eingebürgert, es gibt viel schlimmere und unrundere lehnbegriffe wie das vermaledeite „public viewing“ der entspannten patrioten die aufmerksamkeit verdienen.

  3. Achso: Die Speicherstäbchen (oder Speichersteine) werden übrigens ins Mutterbrett gesteckt, dienen also der internen Speicherausstattung, nicht dem externen Informationsaustausch.

  4. Also, das oben verwendete „Stöckchen“ klingt, finde ich, nicht gar so zerbrechlich wie „Stäbchen“.

    „Hol Stöckchen!“

    Stöckchen hätte zudem den Vorteil, daß der „Stock“ schon drin-steckt (stecken kommt wohl nicht Stock, sondern von stechen):
    Stock: Grundstock, Lager, Vorrat (im englischen in diesem Sinne noch erhalten); Sinnableitung vom Baumstumpf, abgeschlagener Stamm oder Ast

    Wegen der technischen Spezifikation des USB-Anschlusses wird die Formgebung im wesentlichen auch nicht von der eines Stockes abweichen. 🙂

    Also, wie wär’s mit „Stöckchen“, hilfsweise „Speicher-Stöckchen“?

  5. USB-Stick oder in Nernbersch: USB-Stigg. 😉

    Werden die Dinger eigentlich noch weiterentwickelt? Ich meine jetzt nicht in der Art 1GB, 2GB, 50GB, oder UBS-2, USB-3, USB-08/15, sondern von der Form.

    Es gibt Leute, die tragen die Dinger um den Hals. Andere tragen Kreuze um den Hals. Dass da bisher noch niemand auf die Idee gekommen ist, das zu kombinieren – was für eine riesige Marktlücke!
    Man verkaufe das Ding in Kreuzform mit und ohne Jesus drauf. Ein „Gib mir bitte dein Kreuz.“ oder ein „Sei so gut und gebe mir Jesus.“ dürften sich aber wohl auch außerhalb von Mahrzahn oder Halle-Neustadt nicht so recht durchsetzen, denn die Auswahl der möglichen geometrischen Figuren ist fast unbegrenzt. Es könnte ein richtiger Trend werden, da in der Auswahl nicht mehr so sehr die Datenmenge (wozu hat man schließlich Festplatten?), sondern die Form entscheidet: Kreuz, Stern, Kreis, … Wie soll das Ding dann heißen?

    Solange wir aber noch nicht an diesem Punkt angelangt sind, würde ich dann doch die Dialektvariante bevorzugen: Speicherstäble.
    Und dann heißt die kreative Variante wohl Speicherle.

    Grüß aus dem Allgäu von W. Wilhelm

  6. Datenzunge ist mir unappetitlich bzw. zweideutig: Gib mir mal deine Datenzunge würde ich nicht sagen; gib mir mal dein Speicherstäbchen hingegen schon.
    Meine Grafikerin nennt ihren USB-Stick Schweinchen. Klingt auch nicht schlecht, in der Verbindung Datenschweinchen hätte es auch die Assoziation zum Sparschweinchen, das das Geld speichert. Nachteil: Die Form des Geräts ist überhaupt nicht schweinig. Aber das kann ja noch werden.

  7. Neu nachdenken angesagt: der USB-Stick ist ja weder stöckchenförmig noch dem Stäbchen vergleichbar. Meinn Vorschlag: Datenzunge.