Brainstorming

Natürlich ist die „Aktion lebendiges Deutsch“ grundsätzlich wertvoll und begrüßenswert. Jeden Monat ein bis drei Anglizismen ent-fremden kann ja gar nicht schaden – denn all die Vorschläge, die nichts taugen, werden sowieso dem Malstrom des Vergessens anheim fallen. Und jedes neue Wort, das sich durchsetzt, bereichert schon definitionsgemäß die deutsche Sprache, da sich ja nur durchsetzen kann, was die Menschen auch verwenden.
So weit die Theorie. In der Praxis jedoch zeigt sich gerade, wie peinlich es werden kann, wenn in Ehren ergraute Studien- und sonstige Räte versuchen, ihre Sprache zu erneuern. Und zwar zeigt es sich beim Wort Brainstorming, für das die Jury aus 4426 Einsendungen die Eindeutschung Denkrunde erwählte. Denn Denkrunde geht treffsicher am eigentlichen Inhalt des Begriffs Brainstorming vorbei – schließlich geht es beim Brainstormen gerade nicht so sehr ums Denken, sondern eher ums Spinnen, um ungeschütztes Durcheinanderassoziieren, von Hölzchen zu Stöckchen springen, alles und das Gegenteil auf den Tisch bringen. Vermutlich haben weder Walter Krämer noch Josef Kraus noch Wolf Schneider noch Cornelius Sommer (so die Initiatoren der Aktion Lebendiges Deutsch) jemals an einem Brainstorming teilgenommen, sonst wären sie nicht auf diesen Vorschlag gekommen.
Was also sonst? Im Deutschen geht es bei solchen Gelegenheiten sonst nicht so sehr stürmisch, als vielmehr gewittrig zu. Insbesondere der Blitz, den das Ausland eher mit deutscher Kriegführung in Verbindung bringt, ist im Inland eher Kreativitätssymbol. Mein Vorschlag für Brainstorming heißt deshalb schlicht Geistesblitzen. Und als Verb schreibt man das gleiche Wort einfach nur klein.

Geistesblitzen, n: Kreative Runde zum Erzeugen von Ideen; vormals: Brainstorming
geistesblitzen: Erzeugen von Ideen in kreativer Runde; vormals: brainstormen

Kommentare (6)

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  1. Pingback: Gedankenblitz und Denkgewitter » Creative Thinking

  2. Ein von mir sehr geschätzter Kollege verwendet für Brainstorming den Ausdruck „Hirnen“.

    Ist kürzer als Geistesblitzen, und auch ehrlicher, weil ich aus leidvoller Erfahrung weiß, dass sich in einer solchen Sitzung nicht immer ein Geistesblitz einstellen will…

  3. Juchhuh, endlich nimmt sich jemand dieser nicht enden wollenden Peinlichkeiten des modischen Neusprechs an!
    Danke Detlef!

  4. By the way: Unter

    http://heesters.net/forum/read.php?f=34&i=225979&session=&t=225979

    findet sich eine spannende Diskussion aus dem Jahre 2005 über die Frage, wie schwarzpetern konjugiert wird. Heißt es z.B. „ich habe schwarzgepetert“ oder doch eher „ich habe geschwarzpetert“?

  5. Blamestorming war mir bislang noch unbekannt. Als Freiberufler hat man mit sowas selten zu tun. Der klassische deutsche Ausdruck für diesen Vorgang wäre ja: Jemand den Schwarzen Peter zuschieben. Woraus sich das Verb „schwarzpetern“ bilden lässt…

  6. Geistesblitzen gefällt mir. Kannst Du was Ähnliches für Blamestorming erfinden?

    Blamestorming – ein Treffen, eigens angesetzt, um einen Schuldigen auszudeuten… 🙂

    Gruß Jochen