googeln

von Detlef Guertler

Kann es sein, dass Google die einzige Webseite ist, die es geschafft hat, der deutschen Sprache ein Verb hinzuzufügen? Warum ebayen wir nicht, amazonen oder yahooen wir nicht? Wo doch Yahoo uns sogar mit millionenschwerem Werbeaufwand die Beverbung schmackhaft machte (“Do you Yahoo?”). Selbst die meist genutzten Computerprogramme sind verbenfreie Zone: Niemand excelt, powerpointet oder linuxt, und wenn jemand wordet, hat das nichts mit Microsofts Textverarbeitung zu tun. Warum also googeln wir?


16 Kommentare zu "googeln"

  1. Aus der jüngsten Zeit gibt es noch “skypen”, mal sehen, ob sich das durchsetzt.

  2. Weil “googeln” ähnlich klingt wie (durch)nudeln. Dann haben wir noch giggeln, huddeln, fuddeln etc., alles nix elaboriertes, da reiht sich googeln nahtlos ein.

  3. In meinem Arbeitsumfeld (IT-Branche) ist ‘skypen’ inzwischen mindenstens genauso verbreitet wie ‘googeln’.

    Aber da gibt es irgendwie auch keine Grenzen: Wir FTPen uns Dateien mit dem FTP-Programm (“ich habe es gerade geFTP’t” – oder wie soll ich das schreiben?), wir zippen bzw. entzippen Dateien mit dem ZIP-fähigen Kompressionsprogramm, Grafiker müssen Bilder fürs Web runterpixeln.
    Powerpointen habe ich auch mal gehoert. Wird angeblich in grossen Unternehmen gesagt.
    Mailen bzw. emailen ist ein alter Hut.
    Und man sagte mit, photoshopen heisst jetzt shopen (oder shoppen?)…

  4. Tja, millionenschwere, aber fruchtlose Bewerbung für “Do you yahoo”.

    Hätten Sie es mal mit “Yahoost Du” oder “Laß uns yahuhn” versucht, da wäre gewiss mehr bei rausgekommen; vergleiche: http://www.aktionlebendigesdeutsch.de/endmark.php

    RWE: “One group, multi utilities” hat keiner nicht verstanden… heute: “Alles aus einer Hand”, was auch viel pittoresker klingt.

  5. Persönlich wiki ich meist bevor ich googel, oder sollte ich eher wikipedieren?

    Fragen über Fragen.

  6. Und wie konjugiert man Wiki als Verb? Ich wikie, du wikist, er wikit? Nö, da mach ich nich mit. Und der Infinitiv Wiken ist a) klanglich zu weit von Wikipedia entfernt, und b) klanglich zu nah an einem anderen Verb. Des weiteren stellt sich, anders als beim Googeln, hier das Problem, eine aktive Form (ich trage etwas in Wikipedia ein) von der passiven Form (ich schlage etwas bei Wikipedia nach) zu unterscheiden. Ganz zu schweigen von dem Problem, dass es außer Wikipedia noch hunderte anderer Wikis gibt. Und wikipedieren ist zu lang und wikipeden auch nicht besser. Wikipedia lässt sich also eigentlich nicht einverben.

  7. … da viel mir noch ein:
    ich webmaile immer, wenn ich unterwegs bin.
    webmailt ihr auch?

  8. @Samuel: Ich maile, “web” ist mir schon eine Silbe zuviel.

    Gugeln klingt eben direkt – alles andere hat schon mehr Silben (Und auch mehr Links/Werbung auf der jeweiligen Startseite).

    Exceln (auch nur zwei Silben) ist eigentlich ganz gängig – aber Tabellenkalkualationen sind im Gegensatz zur allgemeinen Suche eben nicht für alle (internetfähigen) Gesellschaftschichten geeignet.

    Auch die Wikipedia ist eine spezielle Suche – darum wird sie sich sprachlich nicht über das gugeln hinwegsetzen: Wer wissen möchte, wie man morgen früh mit dem Schnellzug von A nach B kommt, der sucht nur dann in der Wikipedia, wenn er wissen möchte, wie viele Tunnel, Brücken, Weichen sich auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke befinden und wie viele Baustopps es vor deren Fertigstellung gab…
    Wenn man dann noch die Strecke aus dem Weltall betrachten möchte, ist man schon wieder bei den NASA-Karten jener Suchmaschine.

    Auf die Frage nach Passiv und Aktiv in der Wikipedia: Wie wäre wenn man das Wort so auflöst?
    Ich studiere die Pedia – Ich lerne.
    Ich editiere die Pedia – Ich lehre.
    In dieser Logik:
    Ich vandalisiere die Pedia – ich leere. ;-)

    Dann stellt sich das Problem der anderen Wikis nicht mehr, bzw. wird auf diese verlagert (falls diese existieren sollten):
    Ich studiere die Fotia.
    Ich editiere die Satiria.
    Ich vandalisiere die Anarchia. ;-)

    Was den Umgang mit der Wikipedia angeht, stellt sich das Problem für viele Wikipedianer ohnehin nicht: Der Umgang mit der Wikipedia stellt den Normalzustand dar, während Schlafen, Nahrungsaufnahme, Arbeit (eher Studium als Arbeit) alles Dinge sind, die man so nebenher macht ;-)

    Persönlich stört mich etwas anderes: Warum betonen die Leute das Wort “Wikipedia” eigentlich auf dem “e”? In meinen Ohren klingt das irgendwie blöd. Nur noch ein preußisches Ruh’polding klingt schlimmer.

    Sorry, falls es jetzt zu unordentlich wurde und zu sehr vom Thema “Google” abweicht – dennoch: Grüße aus dem Allgäu, W. Wilhelm

  9. Ich denke mal, es setzen sich nur diejenigen Wörter durch, die Sinn machen, indem sie Lücken des Sprachschatzes schließen. “Ich gehe jetzt ‘netzsuchen’”, hätte nicht diesen Charme, den das “googeln” hat. Kunst-Vokabeln dagegen, welche von Unternehmen ‘promotet’ werden, sind nur in kleinen Sprachgruppen (z.B. Marketing) erfolgreich – wenn überhaupt.

  10. Wie innovativ wir sprachlich sind, lässt sich daran ermessen, dass der Duden das Verb “googeln” bereits vor zwei Jahren aufgenommen hat, wohingegen im amerikanischen Referenzlexikon Merriam-Webster Dictionary “to google” erst im kommenden Herbst Aufnahme finden wird.

  11. Gerade eben festgestellt, dass irgendjemand über die von Google Translate ins Englische übersetzte Version dieses Eintrags auf dem Originalbeitrag gelandet ist. Just in case someone’s interested, wie das klingt:
    googeln

    Can it be that Google is the only web page, which created it to add the German language a verb? Why do we ebayen not, do amazonen or do yahooen we not? Did Yahoo us even at worth millions advertising expenditure the Beverbung where nevertheless make tasty (” DO you Yahoo? ”). Even the usually used computer programs are verb-free zone: Nobody excelt, powerpointet or linuxt, and if someone wordet, that does not have to do anything with of Microsoft text processing. Why thus googeln we?

    Insbesondere das “thus” am Schluss gefällt mir…

  12. Pingback: Wortistik » Blog Archive » flickern

  13. … also ich “google” (wobei ich komischerweisse immernoch die englische Endung verwende)

    ich google, du googlest, er/sie/es googlet

    ich “wikipedia”

    ich wikipedia, du wikipediast, er/sie/es wikipediat (keine Traumlösung, aber einfacher als “ich suche per Wikipedia”)

    ich “ICQe” (sprich: “Eisiehkiue”)

    und unter Freunden phone ich auch mal gerne…

  14. Heute habe ich mich genau das gefragt: wo ist das Verb zu Wikipedia? Also habe ich gegoogelt(!) und bin in diesem Blog gelandet.
    Mein Vorschlag: gewippt. wippen. ich wippe.
    In Anlehnung an das Auseinanderziehen von Abkürzungen im Englischen wie z.B. Veep (VP=Vice President), Jeep (GP = general purpose) oder Humvee (HMMWV = High Mobility Multipurpose Wheeled Vehicle). Oder auch das im Deutschen gern verwendete simsen (SMS Short Message Service).

  15. Googeln kann man wunderbar deklinieren. Ich bin auf ein Fall gestoßen, den ich auf den ersten Blick so selbstverständlich fand, dass ich erstmal nicht merkte, wie genial das ist:

    “(…) aber soviel ich herausgoogeln konnte (…)”

    Gefunden hier: http://www.macuser.de/forum/showthread.php?t=393253
    Erster Beitrag.

  16. Pingback: “yahooen” statt “googeln”. » JUICED-BLOG.

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