prallen

Der Zusammenstoß zweier Autos ist eines der nachdrücklichsten Erlebnisse, die die heutige Zeit einem bieten kann. Das weiß nicht nur jeder, der das schon einmal mitgemacht und überlebt hat, das zeigt sich auch beim schlichten Blick ins Fernsehprogramm: Die Hälfte der Sendezeit besteht aus Krimis und Action-Filmen, und bei denen wiederum besteht die Hälfte der Action darin, Autos möglichst effektvoll zu verschrotten (siehe auch den Beitrag zur Stock Car Crash Challenge). Dieses Erlebnis also ist so eindrucksvoll, dass andere Sprachen ihm eine entsprechend eindrucksvoll-lautmalerische Benennung gewidmet haben: Crash heißt es im Englischen, choque (sprich: Tschocke) im Spanischen. Dazu gibt es die passenden Verben und natürlich die Übertragung auf ähnlich eindrucksvolle Erlebnisse außerhalb der Verkehrswelt: Crash wird eher für Zusammenbrüche verwendet (z.B. an der Börse), Choque eher für unfriedliches Aufeinandertreffen (z.B. bei Demonstrationen oder beim Fußball).
Und was bietet uns das Deutsche? Nichts auch nur annähernd vergleichbares. Wir haben dem Bürokratischen entlehnte Ausdrücke wie eben Zusammenstoß oder Unfall. Und wenn wir auch nur annähernd die Emotion beschreiben wollen, die bei einem solchen Zusammenstoß mitschwingt, weichen wir auf den englischen Crash aus. Angesichts der Häufigkeit des Anlasses und der mannigfaltigen Übertragungsmöglichkeiten ist das ein bedauerliches Sprachloch.
Mein Vorschlag, um sie zu füllen: der Prall sowie das Verb prallen. Beide Worte sind lautmalerisch hervorragend und bisher nur in zusammengesetzten Formen gebräuchlich, wie Aufprall oder abprallen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum die Grundform nicht auch verwendet werden sollte. Zudem ist Prall wunderbar überschriftentauglich: „Prall am Bismarckplatz“ oder auch „Massenprall auf der A 7“ sind kurz, eingängig und leicht durchsetzbar.

Prall, m: Verkehrsunfall, Zusammenstoß
prallen: zusammenstoßen

Kommentare (5)

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  1. So weit so richtig. Allerdings hat der Krach m.E. den Nachteil, schon als Wort mit klar definierten Bedeutungen vorhanden zu sein, so dass zum Beispiel die zusammengesetzten Formen Krachschaden, Krachfolgen o.ä. doppeldeutig wären. Und da fällt mir gerade ein: Aus dem Wort Prall könnte ein wunderbarer Titel für Stefan Raabs Stock Car Crash Challenge gebildet werden: die Prallye. Genial, oder?

  2. krachen (mhd. krachen, ahd. krahhon, engl. to crack) ist lautnachahmender Herkunft.

    Aus dem Verb rückgebildet ist „Krach“: Getöse, Lärm, Streit, Zank, Zusammenbruch eines Unternehmens, Bankrott. Im letzteren Sinne ist „Krach“ vermutlich von „crash“ beeinflusst und erst seit dem großen Krach von Wien (1873) allgemein gebräuchlich (Duden, Herkunftswörterbuch, 3. Auflage).

    Auffahrkrach
    Zusammenkrach
    es kracht

    alternativ die eingedeutschte Rückbildung:

    Kräsch
    kräschen
    es hat gekräscht
    Auffahrkräsch

  3. Also mir gefällt „Prall“ ausgezeichnet. In Verbindung mit ehemaliger Jugendsprache entstehen wundervolle Sätze aller: Praller Jugendlicher veruchsachte einen Prall um anschließend vor seinen Freuneden damit zu prahlen.

  4. Ich weiß nicht so recht, „Formel Schrott“ war eine super Idee und klang direkter als der Raab’sche Zungenbrecher. Aber Prall?

    Zusammenprallen – ja – das gefällt mir (zumindest das Wort): „Am 1. März 2005 prallten auf der A96 über 50 Fahrzeuge im Nebel zusammen.“

    Ein „Auffahrunfall“ klingt doch recht harmonisch (zumindest das Wort mit 2+2 Silben), Auffahrprall eher nicht.

    Grüße aus dem Allgäu.

  5. „Rums“ gefällt mir lautmalerisch besser.