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vonDetlef Guertler 03.07.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Wenn der Forschungsgegenstand der Volkswirtschaft die ökonomischen Beziehungen eines Volkes sind, und der Forschungsgegenstand der Betriebswirtschaft die ökonomischen Beziehungen eines Unternehmens: Wie heißt dann die Wissenschaft, die die ökonomischen Beziehungen eines Menschen untersucht?
Obwohl die Ökonomie ja ursprünglich einmal vom einzelnen Menschen beziehungsweise der einzelnen Familie herkam (griechisch oikos = das Haus, oikonomia = das Haushalten), ist sie weder inhaltlich noch sprachlich in der Lage, diese Frage zu beantworten. Tief im 21. Jahrhundert tun die Ökonomen so, als wären sie für das Menschliche nicht zuständig. Für Menschen interessieren sie sich nur insoweit, als diese Volks- oder Betriebswirtschaft konstituieren oder beeinflussen. Ein Trauerspiel und Armutszeugnis gleichermaßen.
Während für die inhaltliche Diskussion hier nicht der richtige Platz ist, können wir es durchaus mit der sprachlichen Füllung dieses Loches versuchen. Wissenschaftsjargonmäßig in Ordnung wäre wohl die Individualökonomie – kann man an jede Hörsaaltür und auf jeden Lehrbuchtitel schreiben. Schöner, prägnanter, provokativer, und dabei auch noch ein kleines bisschen sächsisch, wäre die Egonomie. „Egonomen statt Ökonomen“ wäre jedenfalls ein Aufruf, den ich sofort unterschreiben würden.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2006/07/03/egonomie/

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