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vonDetlef Guertler 04.07.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Eine ganze Woche noch dürfen wir bei der Aktion lebendiges Deutsch Vorschläge zur Neubewortung von „Event“ einreichen. Nach dem durchaus chancenreichen Juni-Vorschlag (Schnellkost statt Fast Food) haben sich die Eindeutscher diesmal wieder einen schweren Brocken vorgenommen. Schließlich meint das eine schlanke Wort event eine ganze Menge unterschiedlicher Dinge, unter anderem Veranstaltung und Ereignis. Was bei Robbie-Williams-Konzerten und Hochzeitsfeiern durchaus das gleiche sein kann, aber sonst ist längst nicht jede Veranstaltung auch ein Ereignis (Mitgliederversammlung des Sparvereins Holzwickede-Süd) und umgekehrt (Vulkanausbruch in Indonesien). Da ist das deutsche „Event“ dem englischen „event“ um einiges überlegen, da es eigentlich nur die Schnittmenge meint, also Veranstaltungen, die gleichzeitig ein Ereignis sind. Insofern hat sich zwar noch nicht die Schreib- oder Sprechweise, aber doch schon die Bedeutung eingedeutscht.
Da jedoch absehbar ist, dass der Eindeutschungsvorschlag „Event“ nicht die Zustimmung der in solchen Fragen konservativen Jury finden wird, wird sich der Wortist mit zwei weiteren Vorschlägen am Wettbewerb beteiligen: Vereignis (als Kombination von Veranstaltung und Ereignis) und Eignis – schließlich unterscheidet sich das Event vom Ereignis vor allem dadurch, dass sich etwas nicht zufällig ereignet, sondern geplant ist; durch Streichen der Vorsilbe Er- kommt das deutlicher zum Ausdruck.

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http://blogs.taz.de/wortistik/2006/07/04/eignis/

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kommentare

  • Auch ich kann mir nicht vorstellen, daß sich „Schnellkost“ als Substituent für „fast food“ durchsetzen kann.

    Klingt mir doch zu sehr nach Tiefkühlgemüse und „Heiße Tasse“, als das mir ein leckertriefender McBurger – Haptik: die Finger hinterlassen Druckdellen im Brötchen; Optik: nicht so schön, wie auf dem Bild – in den Sinn käme.

    Und zu Event: Leider ist das Wort „Hochzeit“ im ursprünglichen Wortsinne verendet, auch „Markt“, im Sinne von „Jahrmarkt“ ist untergegangen. Am nächsten scheint mir noch die „Schau“ zu liegen, „Das ist die Schau!“

  • Schade das ich die Aktion erst jetzt kennenlerne. Das Wort Schnellkost statt Fast Food scheint mir nicht angebracht da es den Kern der Sache nicht zu treffen scheint! Guenther Wallraff hat schon vor vielen Jahren dafuer den Begriff „beinahe gegessen“ gepraegt so wuerde das daraus zu bildende Hauptwort Beinaheessen oder Beinahekost, Beinahenahrung viel treffender da diese Form der Ernaehrung nicht nur aufgrund der schnellen Zufuehrung der Kost zum Koerper, sondern meist auch noch durch zu Fett-, Kalorien-, und Kohlenhydratbetonte Fehlernaehrung foerdert.

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