Visibilität

ist natürlich Sprachmüll ersten Ranges. Je nachdem geht es um Erkennbarkeit oder Sichtbarkeit, was auch nicht mehr Buchstaben sind, sondern nur andere. Und wenn die Deutsche Börse davon schreibt, dass Unternehmen sich im Segment des Entry Standard „visibler positionieren“ können (Dank an Martin Hock für den Hinweis), so heißt das doch nur, dass Unternehmen im Entry Standard besser auffallen. Die Verwendung des Verb „visibilisieren“ oder gar der Ein-ungung „Visibilisierung“ müsste in einem Land mit gelebter abendländischer Kultur eigentlich mit Freiheitsstrafe nicht unter 27 Monaten bestraft werden.

Kommentare (11)

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  1. Sehr interessante Aussage. Als langjähriger SEO und Online Marketing Agenturinhaber sprechen hochdotierte Dozenten beispielsweise immer von Visibility, daher zweifle ich stark den Müllfaktor an – persönlich gefällt mir allerdings die rethorische Formulierung. Zu Kitara habe ich zu ergänzen, dass der Begriff Google und Wikipedia auch jahrelang nicht im Duden waren. Der Duden kommt einfach der Digitalisierung und der sich daraus ergebenden neuen Sprachentwicklung nach. Spannend finde ich hier die polarisierenden Kommentare.

  2. DAS Wort gehört verboten! Jeder, der das benutzt im deutschen Sprachgebrauch, müsste rechts und links eine bekommen …

    Ich habe das Wort gegooglet, weil ich es heute zum ersten Mal in einer Benutzeranleitung gefunden habe … An alle Leute, die für Ihre Unternehmen Anleitungen schreiben: Guckt vorher in den Duden, ob es das Wort im deutschen Sprachgebrauch auch gibt …

    http://www.duden.de/suchen/dudenonline/Visibilit%C3%A4t

    DAS Wort gibt es im deutschen nämlich nicht! Danke. ^^

  3. Ich kann der Einschätzung nur zustimmen. Ich bin gerade auf diese Seite gestoßen, weil mir das Wort, das im technischen Bereich seine Berechtigung und eine klar abgegrente Definition hat, in einem tschechischen Text in tschechischer Variante mit derselben modischen neuen Zueignung einer Bedeutung im Marketing untergekommen ist und ich zögere, es einfach in der deutschen Übersetzung anzuwenden. Es hat vielleicht im Englischen diese Bedeutung, und alle diese Denglischmacher kreieren ständig neue solcher völlig überflüssigen Pseudo-Fachbegriffe.

  4. Völlig undifferenzierter und hochgestochener Kommentar!
    Mag im Zusammenhang mit einem ‚Unternehmen‘ berechtigt sein, ansonsten ist dieser Kommentar als ‚Sprachmüll‘ zu bezeichnen.

  5. „Visibilität“ taucht schon in Fremdwörterbüchern des 19.Jahrhunderts auf. Viel Lärm um nichts.

  6. Für mich ein Fremdwort. Sicher aus dem französischen, da bedeutet vis Gesicht.

  7. So neu ist der Begriff nun auch wieder nicht! Hans Wollschläger hat das Wort „Visibilität“ in der Übersetzung des „Ulysses“ von James Joyce bereits 1975 verwendet. Das Buch erschien in der Originalsprache 1922, Teile davon bereits ab 1911. Wie das Wort in der englischen Originalfassung geschrieben wurde, ist mir leider nicht bekannt.
    Schade, dass Wollschläger und Joyce schon tot sind und ihre 27-monatige Strafe nicht absitzen können.

  8. Bei Luhmann findet sich gar der Begriff „invisibilisieren“. Man hätte wohl auch „kaschieren“ schreiben können, aber na gut…

  9. In einer Pressemitteilung der Solar AG bin ich auf das Wort „Visibilität“ gestoßen. Daraufhin habe ich es bei der Google-Suche eingegeben, da mir nicht klar ist, was Solar-Fabrik damit sagen möchte. Ist vielleicht Transparenz gemeint? Hier das Zitat:
    „Das Kernsegment der Solarstrommodule ist nach wie vor geprägt durch geringe Visibilität. Die Solar-Fabrik AG hat daher das Konzept der auftragsbezogenen Fertigung konsequent umgesetzt.“
    Ich bin Journalistin und das wichtigste in meinem Job ist es, verständlich zu schreiben. Mich nervt es, wenn ich deutsche Texte erst ins Deutsche übersetzen muss. Wenn das strukturkonservativ ist, bin ich strukturkonservativ. Lieber zwei Wörter als eins, wenn dadurch klar wird, was gemeint ist….

  10. In der Theaterwissenschaft bezieht sich das Wort Visibilität auf den raumbezogenen Rezeptionsprozess und beschriebt, was der Zuschauer sieht und wie er es sieht. Es geht also um die Verschränkung des Rezeptionsaktes und des Rezeptionsprodukt, was definitiv sehen und erkennen (!) beinhaltet.
    Im übrigen ist die Theaterwissenschaft ein Gegenstand, der sich durchaus der gelebten abendländischen Kultur widmet.
    Schade, wenn der ganze Berufsstand der Theaterwissenschaftler für Jahre weggesperrt werden würde, falls diese sich weiter der Aufführungsanalyse widmeten.

  11. was, wenn visibilität sowohl erkennbarkeit, als auch sichtbarkeit gleichzeitig meinen soll? und wenn man das neue wort dann benutzt, um sich die gleichzeitige verwendung der beiden anderen zu ersparen? in ermangelung einer „altdeutschen“ alternative? was ist daran auszusetzen, wenn man nicht, wie ich es nun ihrem kommentar entehme, strukturkonservativ ist?