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vonDetlef Guertler 14.07.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich Wilma Feuerstein eben richtig verstanden habe: Sie quoll aus Super RTL, während ich in der Küche Kartoffeln schälte. Aber ich glaube, den auffordernden Satz an ihre Gäste vernommen zu haben: „Nehmen Sie doch bitte ein paar von diesen Appetitlichkeiten.“ Und ohne zu wissen, was sie damit meinte, und ob es überhaupt so hieß, war mir sofort klar: Das ist genau die Eindeutschung von Amuse-Geule, nach der ich immer wieder mal gesucht hatte. Dieses Wort, dass geschrieben so richtig fies aussieht, und gesprochen wie ein türkischer Frauenname klingt, aber trotzdem jedes feine Vielgangdinner eröffnet. Aber alles, was mir dazu einfiel, von Appetithappen bis Gaumenkitzler, scheiterte stets daran, dass ich mir den befrackten Kellner nicht mit diesem Wort vorstellen konnte: „Darf ich Ihnen einen Gaumenkitzler servieren?“ geht einfach nicht. Aber mit Appetitlichkeit, da geht das. Es ist klein, kulinarisch, edel, appetitlich eben. Danke, Wilma. Danke.

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kommentare

  • Also: die Unappetitlichkeit steht in meim Duden, Auflage 1980.

    Die Appetitlichkeit scheint im o.g. Zusammenhang wie Appetithappen verwendet worden sein. Gibt es nicht auch den „Appetizer“?

    Da ist Appetitlichkeit viiiiiel hübcher!

  • Meine Bitte; schmeissen sie die Glotze aus dem Fenster und lesen sie Jean Paul Friedrich Richter das sollte ich jetzt auch tun.
    ihr wutzscher Leider

  • Wer solche Appetitlichkeiten einfangen will, muss gewiss viel Unappetitliches auf sich nehmen und sogar Super RTL „hören“. Wer Wortschöpfungen nicht nur liest, sondern auch hört, der bemerkt wohl nicht nur die Worte, sondern auch die Stimmen. Da muss man gewiss auch leiden können. Aber schöne Stimmen entschädigen hoffentlich für Vieles und es kann sogar zum Ohrgasmus kommen.
    Polyphem (wer wenig sieht, hört besser).

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