Entdudung

Vermutlich ist diese neu eingeführte Kategorie etwas erklärungsbedürftig, da es sich gleichzeitig um die Füllung eines Sprachlochs handelt: Entdudung meint den Versuch, ein Wort, das bereits in den Duden aufgenommen wurde, wieder aus diesem Nachschlagewerk und damit aus der deutschen Sprache herauszubefördern. Das geht natürlich nicht über Drohbriefe und andere Brachialmaßnahmen, sondern nur darüber, dass diese Wörter schlicht und einfach nicht mehr gebraucht werden – was vor allem dann passieren wird, wenn es eine allgemein akzeptierbare Alternative dazu gibt. Aktuell trifft das beispielsweise den USB-Stick, der gerade in den Duden hineinkommt, und den der Wortist lieber heute als morgen durch das Speicherstäbchen ersetzt haben möchte. Weitere Vorschläge bitte an den Wortisten.

Kommentare (12)

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

  1. Die Fußball-EM 2008 ist noch eine Steigerung – nun kommt die Europhorie! Und der Fußball wird immer erfräulicher. Die Frauen sind 2x Weltmeister geworden und haben als Fans durch ihre Begeisterung und ihr Outfit zu neuen Qualitäten geführt. Das ist doch toll.

  2. mich hat speicherstäbchen überzeugt. danke für die wertvolle wortschatzergänzung!

  3. Ich glaube nicht, dass sich das „Speicherstäbchen“ im deutschen Sprachgebrauch durchsetzen wird, da die englische Bezeichnung „USB-Stick“ in dem Fall einfach pragmatischer ist und von der Allgemeinheit auch sehr gut verstanden wird.
    Ich finde, dies ist so ein Beispiel, wo der Anglizismus durchaus angebracht ist, weil es eben kein präzises, unmissverständliches deutsches Wort dafür gibt. Und „Speicherstäbchen“ erscheint mir doch relativ lächerlich und gibt außerdem nicht genau das wider, was es heißen soll, auch wenn die Übersetzung „Stäbchen“ für „Stick“ wortwörtlich noch so korrekt sein mag. Und speichern kann man schließlich auch auf anderen Medien.
    Machen Sie mal die Probe und geben Sie mal in 5 Jahren bei Ebay das Wort „Speicherstäbchen“ als Suchbegriff ein. Wenn Sie dann damit fündig werden, dann herzlichen Glückwunsch! Ich wette aber, dass Sie auch dann noch mit dem Suchbegriff „USB-Stick“ wohl eher das finden werden, was Sie suchen.

  4. Der Euphorismus von Frau Lierhaus scheint neben der Eutrapelie in der harten Realität untergegangen zu sein. Daher mein Vorschlag für die Philosophen: Einst schrieben wir noch Entäuschung. Dann Enttäuschung und nun: von der Ändtäuschung bis zur Endtäuschung. Viel SPA§ bei weiteren Entdeckungen. Apropos: Wann kommt das große ß, wie vor fast 45 Jahren im Duden angekündigt?

  5. Endduldung war Freud. Ich wollte Entduldung schreiben. Polyphem

  6. Was die google-Computer da anbieten, beweist auch, dass es künstliche Intelligenz (noch) nicht wirklich gibt. Es befinden sich Programmsystematiken wie phonetischer Matchcode oder Abgleich der in den Suchworten vorkommenden Buchstaben im System und diese fragen dann „meinten Sie vielleicht“… Und in Jude kommt kein L vor. Darum passen Endduldung und Entjudung nicht zusammen. Das ist doch gut.
    Polyphem. wieder ganz duldsam.

  7. Google behandelt Entdudung und Entduldung einerseits gleich, andererseits ungleich. Gleich, da es für keines der beiden Wörter einen Treffer landet. Und ungleich, weil es dafür unterschiedliche Ersatzwörter anbietet. Zur Entdudung fragt Google: „Meinten Sie Entjudung?“, zur Entduldung hingegen: „Meinten Sie Entwaldung?“

  8. Jetzt habe ich schon zwei Mal „Entduldung“ gelesen und beim zweiten Mal habe ich gedacht, es könnte doch besser Entdudung heißen. Oha. Aber wäre Entduldung nicht als Euphemismus zu gebrauchen, wenn man eine Duldung aufhebt?

    Polyphem (nach dem Besuch von Odysseus, den er nicht geduldet hat)

  9. Pingback: Zeichenblog » Blog Archive » Dudenfrage und Rechts-Schreibreform

  10. Und wie nennt man in dieser Logik die gelöschten Lemmata der Wikipedia?

    Gruß aus dem Allgäu, W. Wilhelm

    PS: In der Übersicht hatte ich nicht so genau hingesehen und schon ein anderes Wort gesehen: Entduldung. Passt irgendwie zur abfreunden…