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vonDetlef Guertler 16.07.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Es wäre so ein grandioses Wort für all die Backshops, die sich Bäckerei nennen, aber niemals nie etwas anderes machen als vorgefertigte Teiglinge in den Ofen zu schieben und eben – aufzubacken. Das eigentliche Problem mit diesem Neuwort-Vorschlag des Wortwarts ist die Durchsetzung. Wer sagt schon freiwillig: „Ich geh mal eben zum Aufbäcker“? Selber Aufbäckerei nennen wird sich kein Backshop freiwillig, und die gesetzliche Beschränkung des Wortes Bäckerei auf all die Betriebe, in denen der Teig noch selbst geknetet wird, ist vermutlich EU-mäßig auch nicht durchsetzbar. Der einzige Weg, den ich sähe, um die Aufbäckerei im deutschen Sprachschatz zu verankern (außer einer massenhaften Verbreitung nach Verwendung durch den Wortisten natürlich), wäre eine Imagekampagne des deutschen Bäckerhandwerks. Mit einem Werbespot ähnlich wie diesem: Er deckt den Frühstückstisch, mit 25 roten Rosen, einem 25karätigen Diamanten und 25 Kerzen in Herzform. Sie kommt dazu, herzt und küsst ihn, wie es sich gehört. Dann Er: „Ich geh mal schnell zum Aufbäcker“ – und ihr fällt das Gesicht ins Nutellaglas. Dazu die Stimme aus dem Off: „Bäckerbrot macht Wangen rot – das richtige Brot vom richtigen Bäcker.“ Zugegeben, ein bisschen viel Aufwand für die Einführung eines neuen Wortes; wahrscheinlich wäre es doch besser, dieser Beitrag würde bereits ausreichen, um die Aufbäckerei zum Leben zu erwecken.

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http://blogs.taz.de/wortistik/2006/07/16/aufbackerei/

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kommentare

  • Die Aufbäckereien sind nichts anderes als „Bräunungsstudios“ und werden im Bäckerjargon auch schon so genannt. Da dies als Neuverwortung wg. Verwechslungsgefahr mit Sonnenbänken nicht in Frage kommt, wäre statt dem aufgeblasenen „Aufbäcker“ doch eher der simple „Bräuner“ anzuraten.

  • Es gibt wohl nicht Viele, die es sich leisten können, 25karätige Diamanten als Tischdeko zu verwenden. Einer vielleicht, und den sollten wir als Schirmherren für das echte Bäckerhandwerk versuchen zu gewinnen. K L I N S I !! Ich werde (m)ein Auge drauf ruhen lassen, um zu beobachten, wer zukünftig die Weltmeisterbrötchen backen wird.
    Polyphem

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