Telenovela

Die 24. Duden-Auflage hat sich nun doch erweichen lassen, die seit vielen Jahren am Rande des Wortschatzes  umherstreunende Telenovela ins Deutsche aufzunehmen. Das ist einerseits verständlich: Mit „Verliebt in Berlin“ hat dieses Genre tatsächlich den Durchbruch in Deutschland geschafft. Das ist zweierseits geradezu eine-Welt-solidarisch: Immerhin kommt so auch mal Schrott aus der Dritten Welt, aus Brasilien in diesem Fall, bis in den Duden. Aber dritterseits ist es ein Armutszeugnis: Sollte das Mutterland der Romantik für diese ganz besondere Sorte von Liebesgeschichte kein eigenes Wort finden? Versuchen wir’s mal: Das Print-Pendant zur Telenovela heißt Groschenroman. Die Groschenoper hat Brecht bereits besetzt, Groschenfernsehen passt nicht so recht, weil das Zeug zu kucken kost ja nix, sonst würds ja keiner kucken. Nächster Versuch: Es geht ja immer um Herz-Schmerz-Liebesgeschichten, und am Ende kriegen sie sich doch. Herzschmerzserie könnte also durchaus passen, will aber nicht recht klingen. Aus der journalistischen Sprache bietet sich die Schmonzette an. In Schmalzette umgewortet haben wir eine guten Klang, aber keine der Zuschauerinnen wird freiwillig das Wort Schmalzette benutzen. Die wörtliche Übersetzung TV-Roman ist bereits besetzt für an einem Abend (oder in wenigen Fortsetzungen) abgeschlossene Handlungen. Aber mit dem Roman und mit der Romantik müsste man doch noch was machen können. Es sind ja Romanzen, aber billige, also: Romanzetten!

Romanzette, w: Fortsetzungs-Liebesroman im Fernsehen; bislang: Telenovela

Kommentare (5)

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  1. Teufel mit Belzebub?

    Roman ist frz. Ursprungs, die Endung „tte“ wohl auch. Warum also das (für meine Ohren elegantere) span. Wort Telenovela (nicht vergessen: das Wort soll insbesondere von denen benutzt werden, die Telenovelas mögen) durch ein anderes „undeutsches“ Wort ersetzen?

    Gruß
    peeceepeh

    PS.: Wie steht Ihr eigentlich zu „dritterseits“? Und sollte es nicht wenigstens „zweiterseits“ heißen?

  2. Früher, in den 60er Jahren gab’s die „Schundhefte“, Sigurd, Tibor, Nik, etc. Für Kinder spannend und unterhaltsam. Letztendlich aber doch überflüssiger „Murks“.

    Wie wäre es mit: Neo-Schundovela?

  3. Mir würde noch „Schmierenstück“ einfallen, wegen der Seife und weil es so gut „gleitet“, aber das hat wohl eine zu maliziöse Konnotation.

  4. Seifenopern sind eher Familiengeschichten, sowas wie Golden Girls oder Alf. Spielen immer in der gleichen Dekoration, mit immer den gleichen Leuten, mit immer den gleichen Witzen, und meistens lacht von der Konserve ein Publikum dazu. Aber wenn ichs mir recht überlege: Seifenroman wäre auch ein schöner Name für die Telenovela.

  5. Ist eine Telenovela etwas anderes als eine „Seifenoper“?