Breker

von Detlef Guertler

Giovanni di Lorenzo, im Hauptberuf Chefredakteur einer in den 70er Jahren meinungsbildenden Wochenzeitung, hatte gestern in seinem Nebenberuf als Talkmaster mit dem Schauspieler Claude-Oliver Rudolph zu tun, der sich mitten in der Sendung ein T-Shirt mit Aufschrift
“BREKER -
- NEEEE”
überzog. Während Mit-Talkerin Amelie Fried kein Hehl daraus machte, auf der Leitung zu stehen, wollte sich Giovanni durch ein gemurmeltes “Das ist wohl was Plattdeutsches” retten. Rudolph war allerdings nicht höflich genug, die so gebaute Brücke zu beschreiten, sondern schob noch die zwei Silben “Arno” hinterher. So sehr ich es schätze, wenn es jemand gelingt, Giovannis Grinsen auszulöschen – seit gestern abend grüble ich danach, was das Wort “Breker” denn bedeuten könnte, wenn es denn existierte. Ein Brechmittel? Ein Baseballschläger? Eine Handbremse? Nein, nein, alles nicht plattdeutsch genug. Heute abend fiel es mir ein, als ich im “Neu-Helgoland” an der Müggelspree saß und die Wellen der Motorboote an den Steg plätscherten: die Wellenbrecher und Strandsandschützer aus Beton, die an der plattdeutschsprechenden Nordsee so gerne eingesetzt werden, um das Verschwinden von Sylt zu verhindern, und die noch immer nur auf die Namen “Tripoden” oder “Quadripoden” hören, je nachdem wie viele Füße sie haben, die hätten sich den Namen Breker redlich verdient! Und Giovanni könnte dann endlich von sich sagen, etwas Innovatives zur deutschen Sprache beigetragen zu haben.


8 Kommentare zu "Breker"

  1. Uuups. Mir fällt oft auf, dass Mitglieder der Generation der “ideologiefreien Post- 68er”, als da wären Lorenzo, Guertler, FAZ-Schirrmacher und Weitere, offensichtlich das Bedürfnis haben, gegeneinander zu zicken und die Chance, Giovanni di Lorenzo gegen das Schienenbein zu treten wurde hier sofort genutzt.

    Die Befassung mit “Breker” läuft beim geschätzten Wort-Artisten in eine Richtung, die ich als Augenzeuge von 3 nach 9 mit dem Auftritt von Claude-Oliver Rudolph nicht für möglich gehalten hätte. Es ist ein toller Gag, Breker als “was Plattdeutsches” zu interpretieren, vielleicht Wellenbrecher, die widernatürlich irgendwo ins Meer gebaut werden und gegen die der Umweltaktivist Rudolph protestieren wollte?

    Sollen wir, die bemühten Leser und Schreiber in diesem Blog wirklich glauben, dass Google-Intensivnutzer Detlef Guertler nicht weiß, wer Arno Breker war? Der “größte Bildhauer des zwanzigsten Jahrhunderts” (Zitat, angeblich Salvatore Dali), der durch seine Nähe zum GröFaZ (kommt schon wieder FAZ drin vor) eine problematische Persönlichkeit war, über die die Mit- und Nachwelt zwiespältig urteilt.

    Leider hat C-O Rudolph sein Ding nicht weiter durchgezogen und wir konnten nicht erfahren, ob drei nach neun noch fähig ist, solche Aktionen zu vertragen und etwas entstehen zu lassen, das dieses müde Medium Fernsehen aus seinen erstarrten Abläufen reißt.

    Polyphem. (Uralt-68 er. Wir haben mit Felsen geschmissen, nicht mit Pflastersteinen)

  2. Hey, Polyphem, aufwachen! Herr Di Lorenzo wusste nicht, wer oder was Breker sein sollte! Herr Di Lorenzo meinte, es müsse sich dabei um etwas Plattdeutsches handeln! Und Herr Di Lorenzo ist Chefredakteur der Zeit! Meiner Ansicht nach ist dieses Bildungsloch (Lücke ist hier eindeutig zu freundlich) ein juristisch astreiner Grund für eine fristlose Kündigung des Chefredakteursvertrags. Aber ich habe ja auch schon nicht verstanden, warum die Holtzbrincks ausgerechnet Di Lorenzo auf die Zeit losgelassen hatten. Meine Wenigkeit hat in diesem Blog lediglich versucht, für das von Herrn Di Lorenzo herbeiphantasierte, bis Freitag abend zurecht völlig inexistente plattdeutsche Wort Breker eine Bedeutung zu finden!
    Und wer versucht, mich mit Herrn Di Lorenzo in einen Topf zu werfen, nur weil der möglicherweise ähnlich alt ist wie ich, muss damit rechnen, dass ich den Topfwerfer mit Karl Moik in einen Topf werfe…

  3. Herzlichen Glückwunsch, Herr Guertler, zu Ihrem Breker-Weblog und Ihrer Antwort auf den Kommentar von polyphem. Sie haben wirklich ein Paradebeispiel geliefert: für einen Schuss, der nach hinten losgegangen ist.

    Mit dem Zuhören bei III nach 9 hat es bei Ihnen wohl nicht so geklappt, deshalb haben Sie im Folgenden die Gelegenheit, die Breker-Episode noch einmal Wort für Wort nachzulesen. Wenn Sie mir nicht glauben, schauen Sie sich eine Aufzeichnung der Sendung an. Das hätten Sie, wenn Sie verantwortlich gearbeitet hätten, vielleicht besser schon getan, bevor Sie ihr Weblog geschrieben haben – vor allem, um sich selbst nicht bloßzustellen, denn Sie haben sich an einem Fehler Herrn di Lorenzos aufgegeilt (und anders kann man das nicht nennen), den er nicht gemacht hat.

    Claude-Oliver Rudolph: “Ich mach’ jetzt mal ‘ne politische Aktion, und zwar der Herr Lorenzo wird uns gleich erklären, was das bedeutet.“ Giovanni di Lorenzo: „Da bin ich gespannt… ich musste schon platt…“ Rudolph (hat ein Shirt angezogen und liest den Aufdruck vor): „BREKER – NEEE! Das heißt BREKER – NEEE! “ Amelie Fried: „Was heißt das auf Deutsch?“ Rudoph: „Herr Lorenzo?“ Di Lorenzo: „Ich habe keinen Schimmer.“ Ina Müller: „Ach, ist das auch Platt?“ Di Lorenzo: „Eben, ist das auch Plattdeutsch?“ Rudolph: „Also heute Abend ist die Eröffnung von einer Breker-Ausstellung.“ Di Lorenzo: Ah, ARNO Breker!” Fried: “Ach, jetzt…” Rudolph: “Arno Breker ist einer der schlimmsten Nazis, die es überhaupt gab…“ Fried: „Hitlers Lieblingsbildhauer…“ Rudolph: „Der Ästhetizist des Nationalsozialismus und war der Präsident der Reichskulturkammer, das schlimmste Gremium, was es in Deutschland überhaupt gab. Und ich bin so traurig darüber – ich bin ja nur halb Deutscher, ich bin ja halb Franzose – ich bin so traurig darüber, dass Nazis durchs Brandenburger Tor marschieren und dass heute Abend eine Breker-Ausstellung eröffnet wird. Ja, das tut mir in der Seele weh.“ Di Lorenzo: „Ich will nicht über Breker reden, aber ich werde ein Minderheitenvotum abgeben. Ich finde, dass man 60 Jahre danach sich die Kunst von Breker anschauen kann – und ohne dass man sich in irgendeiner Form mit seiner Kunst gemein macht.“ Rudolph: „Das ist das Problem der Demokratie. Da ist jede Meinung erlaubt.“ Di Lorenzo: „Das ist kein Problem, das ist eine der größten Tugenden, dass Demokratie das zulässt.“ Fried: „Es ist jetzt die Frage, ob man Kunst losgelöst von ihrem Kontext betrachten kann. Aber wollen wir das diskutieren?“ Rudolph: „Nein, ich wollte nur meine kleine Aktion machen.“ Di Lorenzo: „Nein, nein. Aber ich bin auf Breker nicht gekommen, weil ich so auf Plattdeutsch war. Ich dachte Ina Müller und er haben sich abgesprochen.“

    Die Frage, ob es sich bei „Breker“ um etwas Plattdeutsches handele, wurde zuerst von Ina Müller gestellt, die Plattdeutsch spricht und natürlich weiß, dass es das Wort „Breker“ tatsächlich gibt, aber sich wohl nicht vorstellen konnte, dass das gemeint sein sollte. Das Verb „breken“ (brechen) ist überaus gängig. Es kommt in vielen Komposita vor; alleine bedeutet „Breker“ „große Welle“. Statt über mögliche Bedeutungen zu spekulieren, hätten Sie vielleicht einfach ein plattdeutsches Wörterbuch zur Hand nehmen oder zumindest im Internet nachschauen können. Im Journalismus nennt man das, glaube ich, Recherche. Mit Ihrem Versuch, „für das von Herrn Di Lorenzo herbeiphantasierte völlig inexistente plattdeutsche Wort Breker eine Bedeutung zu finden“, machen Sie nicht di Lorenzo lächerlich, sondern sich selbst: Sie servieren Ihren Lesern Ihr Desinteresse daran, Ihre eigenen Wissenslücken zu schließen, auf einem Silbertablett. Gut, dass Ihre Kolumne „Wortistik“ und nicht „Linguistik“ heißt.

    Im Übrigen hat Di Lorenzo offen zugegeben, „keinen Schimmer“ zu haben. Als er aber „Eröffnung einer Breker-Ausstellung“ hörte, kam er sofort darauf, von wem Rudolph sprach; worauf er (und nicht Rudolph) Brekers Vornamen sagte. Alles was man di Lorenzo also vorwerfen kann, ist, dass er eine lange Leitung hatte und ca. 20 Sekunden nicht auf Arno Breker kam. Das wäre ihm in einer Redaktionssitzung der ZEIT oder des Tagesspiegels vermutlich nicht passiert, aber das sind halt die Tücken einer Live-Sendung. Dass er nicht gewusst hätte, wer Breker ist, ist allerdings schlicht Unsinn.

    Statt di Lorenzo ein „Bildungsloch“ nachzuweisen, haben Sie nur bewiesen, dass Sie weder richtig zugehört noch objektive Überlegungen angestellt haben. Können Sie sich ernsthaft vorstellen, dass ein Chefredakteur/Herausgeber/Talkmaster nicht mitbekommen hätte, wer Breker ist (wenn er es nicht schon vorher wusste), nachdem die Ausstellung in den Tagen vor der III nach 9-Sendung in allen Medien ein Top-Thema war, darunter auch in den Zeitungen, für die er tätig ist? Das wäre so unplausibel, dass es Sie trotz aller Antipathie hätte stutzig machen müssen.

    Auf Abwege wie den Ihren kann man nur kommen, wenn man durch Voreingenommenheit seine Objektivität und kritische Distanz komplett verliert – eine Eigenschaft, die einen Journalisten disqualifiziert. Das wäre tatsächlich ein „astreiner Kündigungsgrund“. Dass Ihre Tirade bezüglich di Lorenzos Position bei der ZEIT durchscheinen lässt, dass der Grund für Ihre Antipathie simpler Neid ist, ist das Sahnehäubchen auf Ihrer Brekertorte.

  4. Vielen Dank, Frau Desler, für die Korrektur des Tathergangs. Da ich davon ausgehe, dass Ihre Abschrift korrekt ist, sei nunmehr auf ewig für die Nachwelt festgehalten, dass Giovanni di Lorenzo am Tag der Eröffnung der Breker-Ausstellung in Schwerin “keinen Schimmer” hatte, was die Aufschrift “Breker – Neee” auf einem T-Shirt bedeuten soll. Und dass er nicht den Vornamen Arno brauchte, um wieder im Film zu sein, sondern die Nachsilbe “Ausstellung”, woraufhin ihm selbst ohne weiteres Nachhelfen der Vorname Arno einfiel.
    Des weiteren freut es mich außerordentlich, in Ihnen endlich einmal einen Giovanni-Di-Lorenzo-Fan kennengelernt zu haben. Ich dachte schon, er wird nur als Talkmaster beschäftigt, damit die Zuschauer jemand haben, über den sie sich ärgern können.

  5. Werte Frau Desler. o-:) (Polyphem lächelt) Da ich nicht gut sehe – und schon gar nicht aussehe – sind ihre Worte Musik in meinen Ohren. Aber nur, weil jemand einem Anderen in herzlicher Abneigung zugetan ist, wollen wir doch bitte nicht gleich Neid unterstellen. Damit würgt man Diskussion ab. Der sogenannte Neidkomplex war eine Erfindung aus dem System Kohl (Helmut, Dicktator) mit dem man politische Gegner, abkanzelte. Man unterstellt politischen Gegnern, die z.B. über (Verteilungs-)Gerechtigkeit sprechen wollen, sie seien neidisch auf “Erfolgreiche” – und schon hat man diese Widersacher ins Abseits gestellt. Schließlich ist der Neid eine der Todsünden….

  6. Gern geschehen, Herr Gürtler! Selbstverständlich haben Sie auch vollkommen Recht, dass ich mir III nach 9 nicht anschaue, um mich über Giovanni di Lorenzo zu ärgern. Ich muss allerdings sagen, dass ich es bedaure, dass sie (meines Wissens jedenfalls) nicht auch Talkmaster einer Live-Show sind, denn die würde ich mir gern ansehen. Schon deshalb, weil es dann sicher die einzige Live-Show wäre, in der der Talkmaster während 100% der Sendezeit eine 100% glückliche Figur macht, außer Thomas Gottschalk natürlich. Obwohl ich Ihnen, aus eigenen reichen Erfahrungen mit Live-Veranstaltungen heraus (wenn auch nicht im Fernsehen), auch eine gelegentliche lange Leitung keinesfalls verübeln würde. Und wenn es dann mal Giovanni di Lorenzo einfallen sollte, Sie in einem öffentlichen Forum aufgrund unzutreffender Behauptungen anzugreifen, würde ich auch das richtig stellen, denn das würde mich ärgern.

    Freiwillig jedoch tue ich überhaupt nichts mit dem Ziel mich zu ärgern, weder die ZEIT lesen, noch die WELT, ob in langer oder kompakter Version (inklusive ihrer „Grütze“), oder sonst irgend etwas. Ärgernissen begegnet man meiner Meinung nach schon unfreiwillig häufig genug. Umso mehr wundert mich Folgendes: Da haben Sie es so weit gebracht, dass Sie sich aussuchen können, worüber Sie schreiben, und dass Sie an ihren Zweitwohnsitz freitagabends ihre Blicke über die Weite des Meeres, sowie bei entsprechenden Windverhältnissen über den einen oder anderen real existierenden Breker schweifen lassen können (wobei mir klar ist, dass Sie sofort gewusst haben, wer oder was gemeint ist) – warum um alles in der Welt setzten Sie sich vor den Fernseher um sich über jemanden zu ärgern, den Sie nicht leiden können? Gerade, wo doch bekannt ist, dass Ärger den Blutdruck in die Höhe treibt und Journalisten unter den Berufsgruppen eine der kürzesten durchschnittlichen Lebenserwartungen haben. Haben Sie das nötig? Das Leben ist doch viel zu kurz!

  7. Nein, Frau Desler, ich hatte schon genug Fernsehauftritte, ob live oder aufgezeichnet, um völlig neidlos zu wissen, dass es für dieses Medium wesentlich geeignetere Menschen gibt als mich.
    Giovanni Di Lorenzo gehört unter anderem aus den von Ihnen beschriebenen Gründen nicht zu meinen üblichen Freitagsabendsbeschäftigungen. Wesentlich wesentlicher ist allerdings der Grund, dass immer Freitags abends im andalusischen Regionalfernsehen “Menuda Noche” ausgestrahlt wird, eine Sendung, in der süße kleine Kinder als Sängerinnen, Flamencotänzerinnen, Stierkämpfer und Philosophen auftreten, was die einzige Sendung in der ganzen Woche ist, die meine Kinder unbedingt sehen wollen. Und gegen Juan Imedio und Maria Figueroa haben Giovanni Di Lorenzo und Amelie Fried keine Chance. Derzeit allerdings befinden wir uns auf Sommerfrische in Berlin, und da ist das andalusische Regionalfernsehen leider nicht zu empfangen.
    Übrigens: Seit mir einer der Vorgänger von Giovanni Di Lorenzo (Vorgänger als Talkmaster, nicht als Nervtöter) mal gestanden hat, dass die Redaktion immer bemüht ist, mindestens eine Knallcharge als Gast einzuladen, damit die Zuschauer sich auch ein bisschen aufregen können, bin ich den Verdacht nicht losgeworden, dass diese Knallchargenquotenregelung nicht nur für die Gäste, sondern auch für die Gastgeber gilt…

  8. wer sich mal die Mühe macht und das Hauptverbreitungsgebiet dieses Nachnamens ansieht, wird auf ein Gebiet zwischen Weser, Diemel und Bielefeld stoßen.
    In diesem Landstrich wurde Flachs oder Lein angebaut, was auch gut zu der industriellen Ausrichtung der Stadt Bielefeld passt, die als eine der Hochburgen der Textilindustrie ausgewiesen wird oder wurde.
    Der Nachname geht auf die Tätigkeit des Flachsbrechens zurück,
    mein Kenntnisstand durch mündliche Recherche in der besagten Gegend!

Kommentar Schreiben

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*


*