Nanopolitik

Beim Blog-Kollegen Höge gerade das Wort Mikropolitik gelesen. Schon gut, aber auch schon recht gebräuchlich. Allerdings begeben wir uns ja gerade ins Zeitalter der Nanotechnologie, und da sollte wir doch auch in der Lage sein, eine Nanopolitik zu betreiben. Einen ersten Versuch dazu hat ein gewisser Pierre Lévy unternommen. In einer Stichwortsammlung über „Die kollektive Intelligenz. Eine Anthropologie des Cyberspace“ schreibt er: „So wie die Nanotechnologie ihre Moleküle Atom für Atom zusammenbaut, kultiviert die Nanopolitik ihre gemeinschaftlichen Hyperkortizes so fein, präzise und individualisiert wie nur irgend möglich, wobei sie die kognitiven Fähigkeiten, die fragilen Wurzeln von Initiative und Phantasie, Eigenschaft um Eigenschaft miteinander verknüpft, um jede Verschwendung menschlicher Ressourcen zu vermeiden.“
Also eine Politik, die nicht nur behauptet, sich am Individuum zu orientieren, sondern das auch tatsächlich macht.  In früheren Zeiten nannte man so etwas Anarchismus und behauptete, dass sich damit keine ordentliche Gesellschaft veranstalten ließe. Aber im Zeitalter von Internet und Individualismus kann so eine Veranstaltung vielleicht doch funktionieren. Und wenn noch nicht heute, dann bestimmt übermorgen. Also: Schafft ein, zwei, viele Nanopolitiken!

Kommentare (-4)

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  1. Das wirft die interessante Frage auf, ob Nanopolitik für Frauen dann Nanapolitik heißen müsste…

  2. Hilfe, mein cortex ist zu nano, bei mir versagen die senorischen Assoziationsgebiete. Anthropologisch, weil Frau?

  3. Inzwischen haben sich Dürrenmatts Mikrocephale fortentwickelt zu Nanocephalen. Also von Bazillen zu Viren. Wo bleibt übrigens mein Abonnement, dass ich SOnntag oder Montag bestellte???

  4. Oder sie könnte für ihre Vorstellung von Gesundheitspolitik damit werben: Die kollektive Krankenversicherung ist Mega- oder Dino-Politik. Wenn jeder selbst seine Arztrechnungen bezahlen muss, handelt es sich hingegen um Nanopolitik.

  5. Vielleicht sind ja die kleinen Schritte von Frau Merkel eine Folge von Nanopolitik?