Ulknudel
von Detlef GuertlerDie Höchststrafe sähe Stefan Niggemeier in der heutigen FASZ gerne über dieses unschuldige Wörtlein verhängt. Verbieten, Verbieten, Verbieten! Und dann sollen wir auch noch den Privatsendern dafür dankbar sein, dass sie der deutschen Sprache das Wort Komikerin geschenkt habe. Nun gebe ich zwar unumwunden zu, dass in meinem alten Ost-Duden von 1947 die Komikerin noch nicht aufgeführt war, aber die Privatsender haben sich denn doch wohl eher durch die Einführung von Wörtern wie Comedian und Comedy (gerne auch mit vorgestelltem Stand-up) ausgezeichnet. Ganz im Gegensatz zu Niggemeiers Wortverbotsforderung wäre es extrem begrüßenswert, wenn ein denn doch halbwegs professionelle Humorarbeit voraussetzendes Wort wie Komikerin durch ein schenkelklopf-gröliges Wort nach unten abgegrenzt würde: ein Wort wie Ulknudel eben, oder das hier kürzlich empfohlene Neuwort Klamaukerin. Ich begrüße es jedenfalls sehr, sprachlich zwischen einer Komikerin wie Anke Engelke und einer Ulknudel wie Ruth Moschner unterscheiden zu können. Und wenn eine Schauspielerin stirbt, die als Ulknudel berühmt wurde (und danach nur eingefleischten Simpsons-Fans in einer anderen Rolle bekannt wurde), darf, ja, muss man sie im Nachruf auch als Ulknudel bezeichnen dürfen.
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