Archive for Juli, 2006

26.07.2006 von Detlef Guertler
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Nanopolitik

von Detlef Guertler

Beim Blog-Kollegen Höge gerade das Wort Mikropolitik gelesen. Schon gut, aber auch schon recht gebräuchlich. Allerdings begeben wir uns ja gerade ins Zeitalter der Nanotechnologie, und da sollte wir doch auch in der Lage sein, eine Nanopolitik zu betreiben. Einen ersten Versuch dazu hat ein gewisser Pierre Lévy unternommen. In einer Stichwortsammlung über “Die kollektive Intelligenz. Eine Anthropologie des Cyberspace” schreibt er: “So wie die Nanotechnologie ihre Moleküle Atom für Atom zusammenbaut, kultiviert die Nanopolitik ihre gemeinschaftlichen Hyperkortizes so fein, präzise und individualisiert wie nur irgend möglich, wobei sie die kognitiven Fähigkeiten, die fragilen Wurzeln von Initiative und Phantasie, Eigenschaft um Eigenschaft miteinander verknüpft, um jede Verschwendung menschlicher Ressourcen zu vermeiden.”
Also eine Politik, die nicht nur behauptet, sich am Individuum zu orientieren, sondern das auch tatsächlich macht.  In früheren Zeiten nannte man so etwas Anarchismus und behauptete, dass sich damit keine ordentliche Gesellschaft veranstalten
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26.07.2006 von Detlef Guertler
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Prime Time

von Detlef Guertler

Nachdem die Wortwarte heute sogar das Wortmonster Prime-Time-Abend entdeckt hat, stellt sich ganz zwanglos die Frage, ob man die Prime-Time nicht neu beworten sollte. Na gut, die Preimteim klingt rhythmisch-locker, und, auch gut, sie wird wohl aus dem Fachjargon der Medienschaffenden nicht heraus kommen. Aber vielleicht geht es ja doch ein bisschen deutscher. Die Langfassung der Übersetzung heißt ja bekanntlich “beste Sendezeit”, und als solche darf sie auch gerne im allgemeinen Sprachgebrauch verbleiben. Aber fürs Fernsehvölkchen ist das natürlich zu lang. Also macht man die beste Sendezeit einen Kopf und zwei Silben kürzer – und nennt sie Bestzeit. Das gibt es zwar auch schon in anderen Fachsprachen, etwa im Sport, aber da gibt es kaum Überschneidungen. Und jeder Fernsehsender, der in der Preimteim mal ein Viertelprozent mehr Marktanteil als sonst schafft, kann dann seine Pressemitteilung ganz kreativ mit “Bestwert in der Bestzeit” betiteln.

25.07.2006 von Detlef Guertler
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Schwitzbold

von Detlef Guertler

Ich habe es von meiner Mutter mitbekommen, dass mir bei Temperaturen oberhalb von 28,7 Grad der Schweiß in Bächen den Kopf hinunterfließt und von der Nase ins Wasserglas tropft, ja, dass man in Sommern wie diesen nie so genau erkennen kann, ob ich meine Haare gerade gewaschen habe. Hingegen habe ich von meiner Tochter Leonie, 11, ein “Papa, du bist ja ein Schwitzbold” mitbekommen. Und dabei hat sie auch noch gekichert. Als ob es da was zu lachen gäbe…

25.07.2006 von Detlef Guertler
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Öko-Trash

von Detlef Guertler

Herzlichen Dank, Philipp Holstein, für dieses wunderbare Wort, das meines Wissens vor Ihrem Artikel in der Rheinischen Post noch niemals gebraucht, zumindest niemals publiziert wurde (und herzlichen Dank an die Wortwarte für die Entdeckung). Sprachpuristen wird diese halbaltgriechisch-halbneuamerikanische Kombination zwar nicht gefallen, und aufrechte Öko-Ideologen werden sich ebenfalls darüber ärgern, dass ihre hehre Ökologie mit Müll zusammengerührt wird – aber war nicht die Müllproblematik schon immer eine Keimzelle der Ökobewegung? Und wie sollte man es anders nennen, wenn ein schnauzbärtiger Widerling fair produzierte T-Shirts ohne Logo von Porno-Starlets vorführen lässt?

24.07.2006 von Detlef Guertler
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Geschäftsverwaltungsmeister

von Detlef Guertler

Okay, das Wort ist ein bisschen lang, um sich als Neuwort einzubürgern. Insbesondere, da es eine dreibuchstabige Abkürzung ersetzen soll. Dennoch empfehle ich dringend, jedem Erfolgsmenschen, der damit prahlt, gerade seinen MBA gemacht zu haben, fröhlich mit den Worten “Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Ausbildung zum Geschäftsverwaltungsmeister!” zu gratulieren. Wenn er zu sich selber ehrlich wäre, müsste er zugeben, dass es sich hierbei nicht nur um die formal korrekte Übersetzung des Master of Business Administration handelt, sondern dass eine solche MBA-Ausbildung auch weit von allem wissenschaftlich-universitäten Anspruch entfernt ist und eher einen praktisch-handwerklichen Charakter hat.
Wenn der Junge allerdings diese Sorte von Humor nicht verstehen sollte, kann man ja die eher männlich-derbere Variante nachschieben: “Die Abkürzung dafür ist übrigens GV-Meister. Geil, wa!”

24.07.2006 von Detlef Guertler
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Worst Case

von Detlef Guertler

Ein schwieriger Fall. Das Wort sieht scheußlich aus (allenfalls die Nähe zu Wurst-Käse mag überzeugen), und vor allem in der häufigen Verbindung mit dem Szenario spricht es sich auch schrecklich. Aber dennoch wird es häufig verwendet, zum Beispiel regelmäßig in Business-Plänen, weil es bislang kein elegantes deutsches Pendant gibt, das nicht nur sagt, was im schlimmsten Fall passiert, sondern auch ein Schwesterwort für den Best Case bilden kann.
Für die erste Runde geben wir uns drei Versuche. Zuerst den donaldistischen Weg: Schließlich geht bei Donald Duck immer alles schief, und bei seinem Onkel Dagobert klappt immer alles. Also ginge Donald-Szenario (Worst Case) und Dagobert-Szenario (Best Case). Für New-Economy-Businesspläne könnte das möglicherweise angehen, insgesamt fehlt allerdings der für schlimmste Fälle nötige Ernst.
Der zweite Versuch führt ins Märchenland. Da gab es doch die Geschichte von Frau Holle, in der zwei Maries mitspielten, die auf genau die passenden Namen hörten:… weiter lesen

22.07.2006 von Detlef Guertler
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Breker

von Detlef Guertler

Giovanni di Lorenzo, im Hauptberuf Chefredakteur einer in den 70er Jahren meinungsbildenden Wochenzeitung, hatte gestern in seinem Nebenberuf als Talkmaster mit dem Schauspieler Claude-Oliver Rudolph zu tun, der sich mitten in der Sendung ein T-Shirt mit Aufschrift
“BREKER -
- NEEEE”
überzog. Während Mit-Talkerin Amelie Fried kein Hehl daraus machte, auf der Leitung zu stehen, wollte sich Giovanni durch ein gemurmeltes “Das ist wohl was Plattdeutsches” retten. Rudolph war allerdings nicht höflich genug, die so gebaute Brücke zu beschreiten, sondern schob noch die zwei Silben “Arno” hinterher. So sehr ich es schätze, wenn es jemand gelingt, Giovannis Grinsen auszulöschen – seit gestern abend grüble ich danach, was das Wort “Breker” denn bedeuten könnte, wenn es denn existierte. Ein Brechmittel? Ein Baseballschläger? Eine Handbremse? Nein, nein, alles nicht plattdeutsch genug. Heute abend fiel es mir ein, als ich im “Neu-Helgoland” an der Müggelspree saß und die Wellen der… weiter lesen

22.07.2006 von Detlef Guertler
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Zune

von Detlef Guertler

Über die Frage, wie in Zukunft der MP3-Player heißen wird, wurde in diesem Blog schon ausgiebig diskutiert. Auch wenn die definitive Antwort noch aussteht: Zune wird er garantiert nicht heißen, auch wenn Microsoft sein diesbezügliches Gerät so nennen möchte. Ich kann mir nicht helfen, ich sehe da einfach die Ossa vom Titanic-Cover 11/89 vor mir: “Zunen-Gaby (18) im Glück: Mein erster Download!” Der derzeit einzige erkennbare Vorteil dieses Namens: Man kann die Ankündigungs-Webseite comingzune nennen.

21.07.2006 von Detlef Guertler
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Erregelung

von Detlef Guertler

Bin in der Liste der neu gedudeten Wörter auf die Hacklerregelung gestoßen. Als guter Deutscher sehe ich darin zuerst die rasende Leberwurst Georg Hackl, und dann das Restwort Erregelung. Das kannte ich zwar bisher noch nicht, aber es könnte durchaus für irgendwas passen. Zum Beispiel für das Beschreiten des Rechtswegs nach Beleidigungen oder anderen Hässlichkeiten, die einen erregen können. Und weil bei uns nicht das Faustrecht, sondern der Rechtsstaat gilt, wird bei Erregung eben nicht zugeschlagen, sondern zur Erregelung gegriffen.
Was das mit dem Hacklschorsch zu tun haben sollte, war mir da immer noch nicht klar. Also bei Wikipedia nachgeschaut, und eine leider sehr profane Erklärung dafür gefunden. Schade. Aber die Erregelung könnte man ja trotzdem einführen.

21.07.2006 von Detlef Guertler
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voipen

von Detlef Guertler

Man kann über diese Beverbung von Voice over IP = Internet-Telefonie offensichtlich geteilter Meinung sein. Bei einer Diskussion bei vds-ev.de gab es zumindest einige Befürworter dieses Verbs. Für mich ist voipen (spricht man das eigentlich weupen oder wo-ipen?) allerdings eher ein Platzhalter: ein Beleg dafür, dass wir an dieser Stelle ein ordentliches Wort brauchen – und nicht, liebe Duden-Redaktion, ein Argument dafür, das Voipen in den Duden aufzunehmen.
Aber welches Wort kann das Voipen austreiben? Skypen wohl nicht, weil skype es offenbar nicht schafft, den Markt zu dominieren. Korrekt, nur viel zu lang wäre internettelefonieren. Aber das kann man ja eindampfen – zu interfonieren. Immerhin gibt es dafür bei Google auch schon 190 Treffer.